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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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«M 3. Mittwoch, den 8. Ja»»ar 1896.

Bestellungen werden noch fortwährend von allen ! ' - ; Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Die Vorgänge in Transvaal.

Als ein Friedensbruch schnödester Art, als eine unentschuldbare Verletzung des Völkerrechts stellt sich der Einfall des Administrators der Chartercd Company oder der Britischstüdafrikanischen Gesellschaft, wie sie sonst genannt wird, Dr. Jameson, in Transvaal dar. Ohne daß seitens der Transvaal-Regierung oder seitens der eingeborenen Bevölkerung der Südafrika­nischen Republik eine Provokation vorausgegangen wäre, bricht eine bewaffnete Truppe mitten im Frieden in ein Land ein und marschirt auf den Mittelpunkt des Goldgebiets dieses Landes zu, mit der offenbaren Absicht, hier die Macht an sich zu reißen. Das ist ein brutaler Gewaltstreick, wie er selbst im dunklen Welttheil nicht gar so häufig ist; ihn rechtfertigen wollen, hieße jegliches Völkerrecht verleugnen.

Die Motive zum Vorgehen der Chartered-Company liegen ja klar genug auf der Hand. Es sind dieselben Gründe, welche schon seit geraumer Zeit den Appetit Englands auf Transvaal rege gemacht hat; es ist die Liebe zu des Nächsten Hab und Gut, die durch den besonders hohen Werth dieses Guts zum stürmischen Ausdruck gekommen ist. Transvaal hat in neuerer Zeit eine weit größere Bedeutung gewonnen, wie je, infolge der gewaltigen Goldausbeute in den Gebieten um Johannesburg. Hier zieht sich Witwatersrand, der bekannte große Golddistrikt, hin und der Zustrom nach diesen Goldfedern hat in wenigen Jahren Johannes­burg zur grWen Stadt gemacht, das an Einwohner­zahl in absehbarer Zeit den Hauptstädten anverer Welt- theile sich annähern dürfte. Dieser Goldreichthum lockt nicht nur die Einzelnen an, erweckt auch den Staats­appetit Englands nach einem Ländergebiet, dessen Ein­fügung in seinen südafrikanischen Kolonialbesitz schon der Arrondirung wegen ihm sehr wünschenswerth er­scheinen muß.

Die Gewaltthat des Dr. Jameson hat aber, statt die Ziele der englischen Regierung zu fördern, ihr einen recht bösen Streich gespielt; denn sie ist so wider alle völkerrechtliche Anschauungen, daß sie die Entrüstung der gesammten civilisirten Welt hervorgerufen und die englische Regierung selbst zu einer offiziellen Des- avouirung genöthigt hat. Dr. Jameson hat vor nicht gar zu langer Zeit einen Versuch ähnlicher Art gemacht und hier handelte es sich um ein Landgebiet von Schwarzen. So hat denn auch die Südafrikanische Gesellschaft das Matabele Land, auf das sie auch zu­meist wegen seiner GoldhAtigkeit ihr Auge geworfen hatte, ohne Weiteres sich ungeeignet, und sie hoffte an­scheinend, bei einem gleichen Versuch gegen Transvaal dasselbe Glück zu haben. Der Vorwand, unter dem sie ihren Verstoß inscenirte, ist ein angeblicher Hilferuf der Bürger von Johannesburg gegen drohende Aus­schreitungen der einheimischen Bevölkerung. Das ist aber nur Schein, einmal schon deshalb, weil es zu wirklichen Ausschreitungen bisher noch nicht gekommen ist, und dann weil doch die Regierung des Landes die nächste dazu wäre, für den Schutz aller im Lande Wohnenden zu sorgen. Die Transvaalregierung selbst, deren Sitz Praetoria gar nicht weit von Johannesburg liegt, ist gar nicht angegangen worden, sondern man wendet sich an eine Gesellschaft außerhalb des Landes, deren Gebiet von Johannesburg erheblich weiter entfernt liegt. Daß das nur Mache sein kann, liegt auf der Hand, und sie erklärt sich einfach daraus, daß die Be­wohner von Johannesburg in der Mehrzahl Ausländer, und zwar meist Engländer sind, die die Buren gern aus der Macht verdrängen wollen. Ein Recht zur Einmischung steht weder der Chartered-Company noch England zu; denn der Vertrag zwischen England und Transvaal berührt nicht die innere Unabhängigkeit der Südafrikanischen Republik, sondern setzt nur für Ver­träge der Republik mit anderen Staaten außer dem Orange-Freistaat die Genehmigung der Königin von England fest.

Die englische Regierung ist bei dem Flibustierstreich des Dr. Jameson besonders dadurch kompromittirt, daß dieser englischer Beamter und der eigentliche Leiter der Kapkolonie ist, und daß zugleich die in Transvaal ein-

Deutsches Reich.

Berlin. Präsident Krüger von Transvaal hat von Kaiser Wilhelm folgendes Glückwunschtelegramm erhalten:Ich spreche Ihnen Meinen aufrichtigsten Glückwunsch aus, daß es Ihnen, ohne an die Hülfe befreundeter Mächte zu appelliren, mit Ihrem Volke gelungen ist, in eigener Thatkraft gegenüber den bewaffneten Schaaren, welche als Friedensstörer in Ihr Land ungebrochen sind, den Frieden wieder herzustellen und die Unabhängigkeit des Landes gegen Angriffe von außen zu wahren. Wilhelm I. R." Der Präsident der Südafrik. Republik Krüger richtete darauf an den Kaiser folgendes Telegramm: Ich bezeuge Ew. Majestät meinen sehr innigen, tiefgefühlten Dank wegen Eurer Majestät aufrichtiger Glückwünsche. Mit Gottes Hilfe hoffen wir weiter alles Mögliche zu thun für die Hand­habung der theuer bezahlten Unabhängigkeit und Be­ständigkeit unserer geliebten Republik."

5. Januar. Prinz Alexander von Preußen ist gestern Abend um 10 Uhr 45 Minuten im 76. Lebensjahre gestorben. Der Kaiser und die Kaiserin weilten am Sterbebette des greisen Patienten. Nach­dem die Bulletins in den letzten Tagen Hoffnung auf Genesung des Erkrankten zugelassen halten, trat in der Nacht zum Sonnabend plötzlich eine schlimme Wendung in dem Befinden des Patienten ein; die Aerzte kon- statirten Herzschwäche und eine schnelle Abnahme der Kräfte. Fünfzehn Minuten vor elf Uhr endete das Leben des Prinzen.

Von dem Unfall der Prinzessin Friedrich Leopold giebt der bei der Rettung der Prinzessin be- theiligte Maschinist Hankwitz folgende Schilderung: Die Stelle, an welcher der Prinzessin und ihrer Hof­dame der Unfall zustieß, war gegenüber dem Bahnhof Neu-Babelsberg, etwa 2530 Meter vom Waldesrande entfernt. Ich, der Maschinist Böttcher und die Steuer­leute Jrrgang und Kriedemeier, wir waren gerade in der Fabrik von Ende u. Böckmann, als uns Böttcher auf den Vorfall aufmerksam machte. Schnell eilten wir mit einer Leiter und anderen Gerüthschaften zu der Einbruchstelle. Ich schob in liegender Stellung die Leiter vorsichtig hin, so daß sich die Damen vorläufig daran festhalten konnten. Als ich aber die Leiter an- ziehen wollte, brach ich auf dem schwachen Eise selbst ein. Meine Bemühungen, mich wieder herauszuarbeiten, waren erfolglos, da das Eis unter mir immer wieder fortbrach. Nach etwa sieben Minuten gelang es dem Steuermann Kriedemeier, mir einen Ast zuzuwerfen und mich an demselben anf's Trockene zu ziehen. Wir zogen dann vermittelst einer uns von einem Knaben zugereichten Leine die Leiter, an welcher sich die Damen festhielten, an's Land. Von anderer Seite wird noch berichtet, daß der Unfall außerhalb der gefegten sicheren Bahn passirte. Die Prinzessin ist übrigens nicht zu Fuß nach Schloß Glienicke gegangen, sondern wurde, nachdem sie dem nassen Element entrissen, in eine Villa zu Ncu-Babclsbcrg gebracht und von dort durch einen Wagen, in welchen Betten gepackt waren, abgeholt. An der Stelle, wo die Prinzessin mit ihrer Hofdame eingebrochen, ist der Griebnitzsee dreieinhalb Meter tief.

Es hat sich in Berlin ein Ausschuß gebildet unter dem Ehrenvorsitze des Herzogs Johann Albrecht von Meklenburg, des Vorsitzenden der Deutschen Colonial- Gesellschast, dem unter anderen die Leiter größerer Bankinstitute, der Direktor desNorddeutschen Lloyd", Wigand, sowie Woermann in Hamburg angehören. Dieser Ausschuß erläßt einen Aufruf zur Unterstützung der bei Krügersdorf verwundeten Transvaaler und zur Unterstützung der Familien der Gefallenen.

Offene Truppe eine englische Polizeitruppe ist. @in | bezeichnendes Licht auf den Vorgang wirft es auch, daß der Premierminister der Kapkolonie, Cecil Rhodes, gleichzeitig Vorsitzender der Chartered-Company ist und an der Nordgrenze von Transvaal schon Goldminen besitzt. Er wäre also persönlich höchst interessirt an einer Annektirung der südafrikanischen Republik. Dieses persönliche Interesse des Akteurs läßt schon deutlich erkennen, aus wie trüben Beweggründen der Hand- streich unternommen ist, es zeigt, daß es sich eigentlich um einen ganz gewöhnlichen und erbärmlichen Raubzug gegen die Goldlasche des Nachbars handelt, der in puncto der Moral kaum über dem Straßenraub steht.

Während in dem nun abgelaufenen Jahre 1895 der höchste preußische Orden vom Schwarzen Adler viermal verliehen worden ist, sind doppelt so viel Ordensritter aus dem Leben geschieden. Es haben den Orden erhalten: Generaloberst Graf Waldersee, Generaladjutant Graf Heinrich Lehndorff, Großfürst Kirill Wladimirowitsch und General von Hahnke. Ge­storben sind: der russische Minister des Auswärtigen v. Gicrs, Erzherzog Albrecht von Oesterreich, Fürst Woldemar zur Lippe, Generaloberst von Pape, General v. Barnekow, Staatsministcr Dr. v. Friedberg, Graf Taaffe und General v. Meerscheidt-Hüllessem.

In vielen Zeitungen werden jetzt Reklame- Artikel veröffentlicht über die Ausgabe vonJubiläums- Segensmünzen" auf die 25 jährige Wiederkehr der sieg­reichen Waffentage des deutschen Herrcs, in beschränkter Anzahl von nur 5000 Stück in Thalergröße. Da die Fabrikationsstellc nicht genannt ist, die Artikel vielmehr so gehalten sind, daß der Glaube erweckt wird, es handle sich um eine staatliche Ausprägung, so erscheint es nöthig, darauf aufmerksam zu machen, daß es sich dabei, da dergleichen Silbermünzen in der Königlichen Münze nicht geprägt worden sind und nach § 11 des Reichsmünzgesctzcs vom 9. Juli 1873 auch nicht ge­prägt werden dürfen, lediglich um eine Privatspekulation handelt. Im genannten Artikel 11 heißt es:Die durch die Bestimmung im § 10 des Gesetzes betreffend die Ausprägung von Reichsgoldmünzen, vom 4. Dez. 1871, vorbehaltene Bcfugniß, Silbermünzen als Denk­münzen auszuprägen, erlischt mit dem 31. Dez. 1873." Im Anschluß hieran wird bemerkt, daß auf die vielen an die Königliche Münzdirektion gerichteten betreffenden Anfragen und Bestellungen eine Antwort nicht ertheilt werden kann.

Wie aus militärischen Kreisen verlautet, wird die Frage geprüft, ob sich nicht mit Rücksicht auf das rauchschwache Pulver Aenderungen der Helme empfehlest. Gegenwärtig bieten die großen, weitleuchtenden Metall­beschläge ein zu auffallendes Zielobjekt dar.

In einer Konferenz am 30. Dezember haben die zur großen Neujahrs-Gratulation in Berlin einge­troffenen kommandirenden Generale die Umgestaltung der vierten Bataillone einer eingehenden Erörterung unterzogen. Bestimmte Entscheidungen sind darüber noch nicht getroffen worden; sie dürften aber in den nächsten Wochen zu erwarten sein.

* Aus dem Jahresberichte über die Alters- und - Jnvalidätsversicherung entnimmt auch diePost", daß ein Drittel oder gar die Hälfte der Vcrsicherungs- pflichtigen sich der Gesetze entziehen. DiePost" meint, daß man angesichts dessen sich nicht auch nur vorübergehend mit dem Abbrechen der bedenklichsten Spitzen des geltenden Gesetzes begnügen könne, sondern ernstlich und ohne Verzug eine durchgreifende Reform ins Auge fassen müsse.

Die Schulden des flüchtigen Dr. Fritz Fried- mann werden nach der Mittheilung einer Berliner Lokalkorrespondenz auf ca. eine Million Mark geschätzt, trotz der mehrfachen Arrangements, die für den Ent­flohenen schon feit 5 Jahren von Freunden vorge­nommen wurden. Bis Ende voriger Woche waren in der Friedmann'schen Wohnung für ca. 300,000 Mk. Pfändungen vorgenommen worden. So viel steht nach Angabe der Korrespondenz fest, daß straffällige Vergehen keineswegs die Flucht des Rechtsanwalts ver­anlaßt haben, vielmehr sind die Strafthaten erst durch sein Berschwinden aufgedeckt worden.

Ein großer Einbruchsdiebstahl ist in der Ge­schützgießerei zu Spandau verübt worden. Als Freitag Morgen das Kassengewölbe nachgesehen wurde, stellte sich heraus, daß insgesammt etwa 70,000 Mark ent­wendet waren. Der Betrag setzt sich zusammen aus etwa 60,000 Mark in Werlhpapieren und 10,000 Mk. in Gold- und Silbermünzen. Die Art der Papiere und die Nummern sind öffentlich noch nicht bekannt gegeben.

Hamburg. Es scheint, daß der Bedarf an Schlangen eine unheimliche Höhe erreicht hat. Fast jeder deutsche Dampfer, der Kalkutta verläßt, nimmt Hunderte von Schlangen mit, die nach Hamburg bestimmt sind, um nach verschiedenen Städten jDeutschlands weiter expedirt zu werden. Während der letzten drei Monate hat ein Reptilienhändler in Kulkutta allein über achtzehn- hundert Schlangen, darunter solche von mehr als 30