an diesen Stadtteil anschließenden Wald müßten durch die Thalwiesen einfache und zweckentsprechende Naturnn- tagen mit Allee und Waldparzellen geschaffen werden, und die Heu- und Grummet-Ernte nach "tote vor den Interessanten zu gute kommen. Auch diese Anlagen können nicht Tausende verschlingen, umsowcniger, wenn wir Alle von der Notwendigkeit derselben überzeugt find und nach Kräften verhindert wird, daß Schwierigkeiten gemacht werden.
Daß solche Anlagen absolut notwendig sind für das Aufblühen unseres Ortes als Badeort — der gleichzeitig durch die einsichtsvolle und erfolgreiche Tätigkeit des neuen Eigentümers seit dem 1. Mai 1895 zu einem vorzüglichen Sprudel gekommen ist — das ist schon seit mehr denn 10 Jahren meine Ansicht. In derselben aber werde ich immer mehr bestärkt durch die stets an mich gerichtete Frage, wie dies noch vor wenigen Tagen seitens einer hochstehenden, reichen Dame geschah: „Ist denn auch Wald dicht dabei?" Ich erachte es somit für eine unabweisbare Pflicht, immer und immer wieder auf diese Forderung zurückzukommen. Also nicht ruhen und sich kümmerlich begnügen, sondern immerzu streben zur Verbesserung, aber auch zur Verschönerung und Veredelung unseres Daseins, denn
Wer rastet, rostet!
Ich verzage auch nicht, denn
Des Leben Mühe lehret uns allein Des Lebens Güter schützen.
Der gegenseitige Zuruf:
Sei Klug, aber ohne Lug! erhebe uns in unserem Streben von niederer Selbstsucht zu lichter Nächstenliebe. — Eine gegenseitige Anciferung zu nutzbringenden Tätigkeit erkennen wir in dem alten Spruche:
Genieße deine Kraft,
Man lebt nur, wenn man schafft!
Wie aber diese schaffende Kraft geleitet sein soll, sagt uns ein schönes Dichterwort:
Vernunft, o Mensch, und Wille Sind die Waffen Dein Glück zu schaffen
Fragt den Begüterten, den Reichen, ob er glücklich ist in seinem Besitz; und wenn er sich auch nicht davon trennen mag, so wird er doch bekennen, daß er nicht frei ist von Sorgen und daß ihm der Reichtum den ungestörten inneren Frieden nicht bieten kann. Fragt den Hochgestellten und auch er wird gestehen, daß die Ruhe der Seele oft schwere Kämpfe erleidet. Nur ein redliches Streben nach einem edlen Ziele gibt wahren inneren Genuß; denn nur soweit sich ein edles Streben an den Besitz knüpft, ist wahres Lebensglück gesichert. — Wie viele bringen ihr Leben ohne jedwede bestimmte Richtung hin; nur in irdischem Treiben versunken, jagen sie dem Lebensgenuß nach, ein Spielball des wechselnden Geschickes. Ihre Tage vergehen unbefriedigt, während der fleißige Arbeiter den Lohn seiner Strebsamkeit freudig genießt. — Der vernünftige Mensch wird, wohin ihn auch die Vorsehung stellen möge, sich zu vollenden suchen, sobald ihm nur persönliche Bewcgnngs- freiheit gelassen ist. (Fortsetzung folgt.)
mal durchlebt, werden meine Mitbürger und Mit-' einwohner leicht begreifen, daß mir der Sinn nicht danach stehen kann, von Dingen zu sprechen, die uns nicht angenehm berühren können. So wollen wir denn auch nicht uns herabstimmen, wir wollen keine Klagelieder, die ja doch nichts besser machen, singen über die langsame Entwickelung unseres Ortes, eines sehr alten, aber auch eben so sehr heruntergekommenen Städtchens. Wir wollen uns im Gegentheil freuen, daß nach Amerika Ausgewanderte bei ihren letzten Besuchen doch schon manchen Fortschritt fanden, wonach allerdings in unserem vielfach so begünstigten Orte für den heutigen Culturmenschen geradezu undenkbare Zustände gewaltet haben müssen. — Wir wollen uns freuen, daß unsere Fabrik, welche zu Anfang auch mit unglaublichen Verhältnissen gesümpft haben soll, immer mehr den Bewohnern der Stadt einen sicheren und guten Erwerb gibt; daß dieselbe bei ihrer weiteren Ausdehnung auch tüchtig geschulter Kräfte von auswärts benötigt, welche Wohnungen beanspruchen, wodurch wieder unsere Hauseigentümer zur besseren Instandsetzung ihrer Häuser und deren Verwertung angeregt werden. Als heutige Culturmenschen machen diese Familien berechtigte Ansprüche, welche man in unserem bisherigen Urzustände noch für mindestens unnütz, wenn nicht gar für lächerlich hielt, und regen uns somit an zu zeitgemäßen Anschauungen. — Wir wollen uns freuen, daß wir tüchtige und pflichttreue Verwaltungsbeamte in den verschiedenen Instanzen haben, die mit der Zeit auch unserer Gegend ein besseres Ansehen werden zu geben vermögen. Nachdem bisher schon viel geschehen, mußte ich umsomehr erstaunt sein, als ich in diesem Herbst von einem Regiments-Commandeur die befremdende Frage hörte: „Untersteht denn diese Gegend preußischer Verwaltung?" Indem ich die Frage bejahte unter dem Hinzufügen, daß schon Viel geschehen sei, glaubte ich gleichzeitig auf die geschichtliche Vergangenheit der Gegend sowie die städtischen Rechte hinweisen zu müssen. Wenn nun aber diese Rechte sich in sichtbaren Fortschritten bekunden, daß alle Welt sagen muß: Hut ab vor solchen Bürgern! dann wird auch das Interesse für uns ein sichtlich regeres werden, man wird uns gern hülfreich zur Hand gehen und für uns eintreten. — Ich will hier nicht reden von den Urteilen befreundeter Frankfurter, Besitzer großer industrieller Anlagen, welche ich wahrlich^ nicht gegen unseren Ort voreingenommen hatte, die aber gar nicht wußten, was sie beim Einblick in unsere örtlichen Verhältnisse sagen sollten.
Das Alles aber, liebe Freunde, soll uns nicht herabstimmen, sondern im Gegenteil anregen zu immer regerer Tätigkeit im Sinne der Hebung unseres Ortes in wirtschaftlicher und sittlicher Beziehung. Verpflanzen wir so recht die Lehren wahrer Nächstenliebe, welche in unserem schönen neuen Gotteshause gepredigt werden, in unser alltägliches Leben; suchen wir uns nicht gegenseitig zu verkleinern, sondern treten wir aufrichtig und tatkräftig für einander ein! In diesem Sinne nun wollen wir jetzt ernstlich und energisch daran denken, in irgend einer Weise Anlagen herzurichten, welche uns mit den nahe anstoßenden großen Waldungen direct verbinden. Zur Herrichtung des bewaldeten Stolzenberges mit seiner altehrwürdigen Huttenruine und deren Erhaltung gehören keine großen Opfer. Die Anlage einer vielleicht vierfachen Obstbaumallce mit stellenweise kleinen Waldparticen vom Stolzenberg nach dem nahen Hegwald könnte die Gemeinde mit geringen Kosten ausführen. Nach den Sülzer Höfen und dem
Vermischtes.
— Regelrechte Buchung. A: (zu seinem Freund): „Die Mitgift hat mir mein Schwiegervater gutgeschrieben !" — B: „Dagegen hat er Dich mit der Tochter belastet!"
— (Naturwissenschaftliches.) Lehrer: „Fritz, nenne mir ein kaltblütiges Geschöpf des Thierreiches!" — Erster Schüler: „Der Fisch!" — Zweiter Schüler: „Ich weiß auch eins, Herr Lehrer!" — Lehrer: „Nun, welches denn?" —Zweiter Schüler: „DerBandwurm!" — Lehrer: „Aber, aber, wie kommst Du an den Bandwurm?" — Zweiter Schüler: „Weil er nicht so leicht den Kopf verliert!"
— „Denken Sie sich, Frau Wirthin, ich bin in der Nacht, gerade als ich träumte, mit dem Bett durchgebrochen." „Da müssen Sie aber einen recht schweren Traum gehabt haben."
— Ein Geisteslicht. Herr (im Ballsaal): „Wollen gnädiges Fräulein die Güte haben, mir Ihre drei Schwestern vorzustellen?" — Dame: „Drei? Ich habe nur zwei Schwestern." — Herr: „So? Ihr Bruder sagte mir gestern im Klub, daß er drei Schwestern hätte!"
— Druckfehler. Aus einem Roman. „ . . . Sinnend stand der Jäger vor einer schlanken Nichte." — „Als sie diese Nachricht empfing, schwamm sie in einer unbeschreiblich großen Wanne." — „Der beißende Hahn, der ihm entgegengeschleudert wurde, that ihm weh.
— Für die in Ihrem werthen Hause freigewordene Kassirer Stelle erlaube ich mir, Ihnen meine Dienste anzutragen. Ich bemerke zunächst, daß ich eine Kaution in jeder Höhe zu stehlen im stände bin. . . ."
— Rekrut (der den Urlaub überschritten): „Herr Feldwebel, noch ein Grund . . ." Feldwebel: „Das ist mir Wurst! . . ." Rekrut: „Ja, ich hab auch eine. . ." Feldwebel: „Heraus mit dem Grund!"
Die Bescheerung.
Die Gattin stickte, Die Aclteste stickte, Die Zweite stickte, Die Dritte stickte, Und Keine strickte, Und Keine flickte. Nun hab' ich vier Paar gestickte Schuh Und keinen ganzen Strumpf dazu. x.
Produkten Marktber
Roggen 13,25 Mt.
Westen 15,25-15,50 Mk.
Hafer 12,25-13,25 Mt.
cht Frankfurt a. M.
Gerste 16,--16,50 Mk.
Kartoffeln 4,---4,50 Mk.
Mai» 10,50 Mk.
aller per 200 Pfund.
Heu 2,70—3,30 Mk., Roggenstroh 2,--2,30 Mk. per 100 Pfd
Schlachthofverwaltung.
Ochsen 1. Qual. 67-69 Mk. Kühe 2. Qual. 40-45 Mk. „ 2. Qual. 60 -63 Mk. „ 3. Qual. ---Mk.
Bullen 1. Qual. 54- 56 Mk „ 2. Qual. 51 — 53 Mk.
Schweine 1. Qual. 49 -50 Mk.
„ 2. Qual. 47-48 Mk.
Kühe 1. Qual. 50—54 Mk- per 50 Kilo Schlachtgewicht.
Kälber je nach Qualität 60—75 Pfg., Hämmel je nach Qualität 46—60 Pfg. per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Neujahrstag, 1. Januar 1896.
Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hattendorff.
Katholischer Gottesdienst.
Vorm. 10'» Uhr, Herr Pfarrer Orth, Herolz.
iMt>Hm$fism auf ^ „Schlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen - -......... Postanstalten und Landbriefträgern
I sowie von der Expedition entgegen genommen.
HolMsteigcruug.
Nächsten
Dienstag, den 7. Januar 1896, Vormittags von 9 Uhr
ab soll in Gasthaus zum „Löwen" hier, das indem Stadtwald Ohl Distrikt 13a und 14 a und Eichholz Distrikt 10 und 12 a lagernde Nutz- und Brennholz öffentlich meistbietend versteigert werden, als:
17 Stück Kiefern Bauholz Abschnitte von 11 bis 17 Meter Länge und 19 bis 39 Cenlimeter Durchmesser zusammen 14 Festmeter.
7 Stück Eichen Bauholz Abschnitte von 6 bis 12 Meter Länge und 23 bis 33 Zentimeter Durchmesser zusammen 5 Festmeter.
6 Raummeter Eichen Schicht Nutzholz in 3 Meter langen Rollen.
144 Raummeter Buchen-Scheit, 111 Raummeter Buchen-Knüppel 340 Raummeter Buchen-Reis,
1 Raummeter Elchen-Scheit,
1 Raummeter Eichen-Knüppel,
10 Raummeter Eichen-Reis,
4 Raummeter Kiefern-Scheit,
4 Raummeter Kiefern-Knüppel,
10 Raummeter Kiefern-Reis, Schlüchtern, den 30. Dezember 1895.
Der Bürgermeister:
Salo mon.
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