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Samstag, den 28. Dezember

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Bestellungen auf das 1. Quartal 1896 (Januar, Februar, März) der

bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zu wollen, und zwar möglichst bis zum 29. d. Mts. Spätere Bestellungen resp. Nachlieferungen

müssen an die Post extra bezahlt werden. Die Expedition.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Ucberschüsse der preußischen Eisenbahnen sind so groß, daß der Ueberschuß der Eisenbnhnvcrwaltung für das nächste Jahr um 8 Millionen höher angesetzt werden kann.

Im preußischen Landwirthschaftsministcrium wird ein Gesetzentwurf behufs Regelung des Verkehrs mit Handelsdünger, Kraftfuttermitteln und Saatgut aus- gearbeitet.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht einen gemein­samen Erlaß des Finanzministers und des Ministers des Innern betreffend die Ausführung des Kommunal- abgabengesetzes.

Die Bevölkerung Deutschlands beträgt nach der Zahlung vom 14. Jum d. J. 51758 36 4 Seele». Seit dem 1. Dezember 1890 hat die.Zunahme betragen 2 329 894 Seelen. Am stärksten ist der Zuwachs in Braunschweig, Sachsen, Anhalt und den Hansestädten, am schwächsten in Elsaß Lothringen, Württemberg und Bayern. Es giebt jetzt in Deutschland 26 Städte mit über 100000 Einwohnern.

Die beiden größten Dörfer Preußens sind Schöneberg mit 64 000 und Rixdorf mit 59 000 Ein­wohnern. .

394 Proben von Nahrungs- und Genußmitteln wurden im November d. I. in Berlin amtlich untersucht, von welchen 45 beanstandet wurden. Bemerkenswert!) ist, daß Butter wieder mehr verfälscht wird, was wohl mit der Steigerung der Butterpreise zusammenhängt. Unter den Kaffeesurrogaten war eine Probe angeblicher Malzgerste lediglich gebrannter Roggen mit Abfällen verschiedener Art, Wickensamen, Hafer, Gerste verunreinigt. Köpeuick. Wegen Verhöhnung eines Kriegers am Sedantage ist der 19jährige Landwirth Emil Schreiber vom Schöffengericht zu Köpenick zu einer Woche Gefängniß verurtheilt worden. Er hatte den Veteranen Malchow seiner Kriegsdenkmünzen halber gehänselt, ihm einen mit Kotillonorden behängten Knaben gegenüber- gestellt und ihm den BeinamenNapoleon" nachgerufen. Wcttin a. S., 19. Dez. Ein Raubmord ist aus unserem Ort zu melden. In den Räumen der hiesigen Sparkasse fand man die Schränke und Pulte erbrochen und ihren Inhalt umhergestreut. Der Sparkassen- rendant Böttcher war verschwunden. Bald traf die Nachricht ein, daß seine Leiche nicht weit von der Stadt und dem Dorfe Dössel gefunden sei. Böttcher ist offenbar ermordet worden und zwar durch einen Schuß und mehrere Stiche in den Kopf. Nach ausgeführter That hat dann der Mörder seinem Opfer vermuthlich die Schlüssel zum Sparkassenlokal abgenommen, ist in das Haus eingebrungen und hat das Vorgefundene baare Geld mitgenommen. Die vorhandenen Werth­papiere hat der Raubmörder mitzunehmen unterlassen. Bingeu. Das Jubiläum der hundertsten Reise über den Atlantischen Ozean ist selbst in Seefahrts- kreisen ein seltenes Ereigniß, daß aber ein Fahrgast hundert Reisen über den Atlandischen Ozean vollendet, und daß alle diese Reisen auf den Dampfern derselben Gesellschaft zurückgelegt worden, das gehört selbft in unserem Zeitalter des Verkehrs zu den seltenen und bemerkenswerthen Erscheinungen. Mit dem Schnell­dampfer Havel des Norddeutschen Lloyd hat vor kurzem bttInhaber- ein^r bekannten rheinischen Weinfirma (L. Durlacher in Bingen) seine neunundneunzigste Reise über den Ozean angetreten und kehrt gegenwärtig ebenfalls mit einem Dampfer des Norddeutschen Lloyd von New Nork zurück. Damit wird der betreffende Lerr dann^scine hundertste Reise über den Atlantischen Ozean und zwar lediglich auf Schiffen des Norddeutichen Lloud zurückgelcgt haben, ein Vorkommniß, welches jedenfalls eben so sehr für die Anhänglichkeit des ^ahr- gastes wie für die Vortrefflichkeit der Einrichtungen des Norddeutschen Lloyd spricht.

Mainz, 10. Dez. Ein Soldat von der a. Kom­

pagnie des 87. Regiments wurde vor etwa 6 Wochen an einem Sonntag Nachmittag wegen Betrunkenheit in der Grebenstraße arretirt und zur Hauptwache gebracht. Hierbei leistete er Widerstand und beging einen Angriff gegen einen Vorgesetzten vor versammelter Mannschaft u. f. w. Das Kriegsgericht verurtheilte den Soldaten zu 5'/, Jahren Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heer. Schon heute wird der so schwer Bestrafte, der übrigens schon viele Vorstrafen verbüßt hat, nach Marienschloß gebracht.

Mainz, 17. Dez. Einer der hiesigen Hausbesitzer, an dessen Hausfacade sich ein Reklameschild des Blooker'schen holländischen Cacaos befindet, erhielt eben­falls von der Firma die Mittheilung, daß das Plakat für sie keinen weiteren Nutzen habe und auf seine Reklamation hin erfolgte ablehnende Antwort. Da­rauf schrieb der Hausbesitzer der Firma, er werde, wenn sie die Pacht nicht weiter zahle, über das Plakat malen lassen:Es wird gewarnt vor", so daß es die Fassung erhält,es wird gewarnt vor Blookers Cacao." Das half. Es wird ihm nicht allein die Pacht weiter be­zahlt, sondern sie wurde noch erhöht unter der Be­dingung, daß er darüber schweige. Wie gut der Herr -sein Geheimniß bewahrt hat, ist hier ersichtlich.

Aus dem Kreise Offenbach, 22. Dez. In einigen Gemeinden unseres Kreises stellte sich vor einiger Zeit ein unbekannter Herr bei den Wirthen als neubestellter Aichmeister aus Offenbach vor, vollzog die Rivision der Schankgefäße rc, strich die Gebühren'ein und verduftete. Dem Schwindler, denn mit einem solchen hatte man es zu thun, ist man jetzt auf die Spur gekommen. Der Pseudo-Aichmeister soll ein Geschäftsmann aus der Um­gegend von Hanau sein.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 27. Dez.

* Im benachbarten Dorfe Hohenzell ist die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh aus- gebrochen und deshalb die Sperre über die Gemarkungen Hohenzell, Niederzell, Bellings und Ahlersbach sowie dem Gutsbezirk Lindenberg angeordnet worden; auch ist der Versandt von Vieh auf sämmtlichen Stationen im Kreise Schlüchtern untersagt. Näheres ist in dem heutigen Kreisblatt zu lesen.

* Einzelne Gerichtsvollzieher haben bei freiwilligen Versteigerungen, die ihnen in den Füllen des sogenannten Selbsthilfeverkaufs übertragen waren, unter die Ver­kaufsbedingungen den Ausschluß der Gewährleistung für die verkauften Gegenstände ausgenommen. Da bei dem Selbsthilfeverkauf die Waare unter Berücksichtigung des Interesses beider Theile zum höchstmöglichen Preise zu verwerthen ist, auch die Ausführung des Verkaufs in geschäftsüblicher Weise und den Umständen des Falles angemessen zu erfolgen hat, der Ausschluß der Gewährleistung aber diesen Rücksichten meist nicht ent­spricht, so ist in gerichtlichen Entscheidungen, auch des Reichsgerichts, ein unter jener Bedingung stattgehabter Selbsthilfeverkauf als nicht für Rechnung des Käufers geschehen erachtet worden. Die Gerichtsvollzieher sind daher, wie dieN. A. Z." berichtet, vom Justizminister unter dem 2. Dezember angewiesen worden, sofern nicht ein ausdrücklich s gegenteiliges Verlangen des Auftraggebers vorliegt, bei freiwilligen Versteigerungen in den Fällen der Artikel 343 und 354 des Handels­gesetzbuches den Ausschluß der Gewährleistung nicht als VcrsteigcrnngSbcdingung aufzustellen.

Vom Bogelsberg, 20. Dez. Der Handel mit Ge- heimmitteln, wie er sich namentlich von Thüringen aus über die angrenzenden Gebiete erstreckt, wird, trotzdem schon scharf seitens der Behörden dagegen eingeschritten wurde, immer wieder zu beleben versucht. Neuerdings macht ein solcher Medizinmann den Vogelsberg unsicher und, wie es scheint, auch GJchä te. In Heisters wurde dieser Tage ein Lebensöl, Wunderbalsam, Kaiserpillen

u. s. w. ausbietender Herr von der Gendarmerie gestellt und ihm ca. 40 Flaschen verschiedener Mixturen ab- genommen. Es finden sich auch im Vogelsberg ansässige Geheimmittelhändler, die es im Laufe der Zeit zu respektablem Vermögen gebracht haben.

Gcislitz, 24. Dez. Heute wurde der hiesige Ein­wohner Johannes Braun 2r. beerdigt, welcher einer unheilvollen Unachtsamkeit zum Opfer gefallen ist. Der­selbe war erkrankt und der behandelnde Arzt hatte ihm etwas zum Einreiben verordnet; auf dem betr. Gefäße ist auch, wie alsbald festgestellc wurde, der diesbezügliche Vermerk von dem betr. Apotheker angebracht. Dies Medikament wurde jedoch vom Kranken eingenommen; infolge dessen verstarb derselbe unter gräßlichen Schmerzen.

Frankfurt. Der jüngste Soldat von 1870 f. Mittwoch, den 11. Dezember, verschied hier der jüngste Soldat der deutschen Armee im Jahre 1870. Anton Qualzatta, geb. 18. Januar 1856 in München. Qualzatta trat als dreijährig Freiwilliger am 5. Juli 1869 bei der 1. Compagnie des Kgl. bayer. Jnfanterie- Leib-Regiments als Tambour ein, marschirte 1870 als jüngster Soldat mit gegen Frankreich, machte am 6. Aügust die Schlacht bei Wörth, am 31. August die Schlacht bei Beaumont, am 1. September die Schlacht bei Sedan, am 5. October das Gefecht bei Toury, am 9. desselben Monats das Gefecht bei Arteuay und am 10. October die Schlacht leiOrleans mit. Hier wurde er gefangen und unter vielen Strapazen nach Pau an der spanischen Grenze transportirt. Dort war er 4*/2 Monate kriegsgefangen, bis er im Februar 1871 ausgetauscht zu seinem Regiment zurückgeschickt wur.de

er zum Tambour 1. Classe befördert. Dienstzeit nahm Qualzatta semen

und dort wurde Nach vierjähriger

Abschied. Bei seiner späteren Verehelichung wurde ihm von der Stadt München das Bürgerrecht unentgeltlich verliehen.

Frankfurt, 21. Dez. Ein Berichterstatter meldet mit Bestimmtheit, daß der Kaiser zugesagt hat, zu der im Mai n. Js. erfolgenden Einweihung des Kaiser- Denkmals am Opernplatz hierher zu kommen. In der Mittheilung, die vor wenigen Tagen an den Magistrat gelangte, ist auch die Anwesenheit der Kaiserin in Aus­sicht gestellt. Die Maul- und Klauenseuche. Am nächsten Montag-Hauptmarkt können Viehstücke vom Vichhof nach außerhalb nur nach den Städten Darmstadt und Offenbach per Achse verladen werden, nachdem die Polizeibehörden genannter beider Orte sich zur Annahme von Vieh aus dem hiesigen Viehhof bereit erklärt haben. Alles übrige verkaufte Vieh muß im hiesigen Schlacht­hose gebracht werden. Da die Klauenseuche hier in mehreren Stallungen ausgetreten war, wurden diese Woche neben sofortiger Tödtung der erkrankten Thiere gründliche Desinfectionen in sämmtlichen Stallungen vorgenommen, so daß man die Seuche als getilgt an­sehen darf. Betrug. Heubauern aus Hüttengesäß, die schon längere Jahre nach hier Heulieferungen haben, brachten verschiedene Fuhren hierher. Hierbei war in der Regel ein schwerer Wagen, während die anderen leichteren Gewichts waren. Nun ließen sie die ver­schiedenen Wagen an den verschiedenen hiesigen städtischen Waagen wiegen, um je nach Bedarf Wicgscheine mit größerem Gewicht zu erhalten, während sie die Wieg­scheine der leichteren Wagen unbenützt ließen. Die Bctheiligtcn sind wegen fortgesetzten Betrugs verhaftet. Das Spinnengewebe. Ein Bockenheimer Gastwirth importirte unlängst vom Lande unweit Fulda ein Mädchen für Alles". Gestern nun erhielt die neu- gebackeneStütze" den Auftrag, das Gastzimmer zu reinigen. Willig und frohgemuth wurde der Befehl des Herrn ausgeführt. Das Mädchen putzte, und fegte, bis Alles in feinster Sauberkeit dastand; sogar die Gas­glühlampe mußte sich eine gründliche Reinigung gefallen lassen. Die Kugel wurde gereinigt, der Cylinder geputzt, das ©pütticngcivebeV. vom Brenner entfernt und um Gotteswillen, mei Sprümpche, des kost jo zwaa Mark" rief in diesem Moment der Wirth der armen Unschuld zu.Wa was Strümpche? Ich seh' kei Strümpche, nur Spinngeweb' hob uff de Erd' geichmiffe, aber kan Strump", war die prompte Antwort.

Wiesbaden, 20. Dez. Das vorläufige Ergebniß der am 2. Dezember vorgenommenen Volkszählung ist folgendes: Wiesbaden zählt ohne Militär eine ortS» anwesende Bevölkerung von 72721 Seelen, sowie 1415 Militärpersonen, zusammen 74136, darunter 32976 männliche und 41160 weibliche.