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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

.M 93.Mittwoch, den 20. Novcucher 1895.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Nov. Der Kaiser, welcher am Freitag und Sonnabend im Letzlinger Revier gejagt hat, ist in der Nacht zum Sonntag im besten Wohlsein wieder in Potsdam eingetroffen. Am Vormittag besuchten die Majestäten den Gottesdienst in der Friedenskirche. Der Großfürst Wladimir ist heute Abend viertel zwölf Uhr nach Petersburg abgereist; er verabschiedete sich aus dem Bahnhof Charlottenburg vorn Kaiser herzlichst.

Der Börsenkrach hat nach einer Meldung der Post" die Gründe, welche gegen die Konversion der vierprozentigen Konsols sprachen, verstärkt. Das Blatt schreibt: Soweit darüber noch Zweifel bestehen konnten, ob trotz der bekannten Aeußerungen des Fürsten Hohen- lohe das Schwergewicht der Thatsachen nicht doch noch zu einer Zinsherabsetzung wenigstens auf 3'/« pCt. drängen werde, so sind diese Zweifel durch den Börsen­krach vorläufig beseitigt. Jetzt ist vor der Hand an eine Zinsherabsetzung der vierprozentigeu Reichs- und Staatspapiere nicht zu denken. Auch die Kon Version der landschaftlichen Pfandbriefe, welche zum Theil be­reits im Gange ist, wird durch die Lage des Geld­markts, wenigstens für den Augenblick unendlich erschwert, wenn nicht ganz verhindert werden.

Die Einnahmen beim Nordostsec-Kanal betrugen im Oktober 112 748 Mk. gegen 88 182 Mk. im Sepl. Die Zunahme ist jedenfalls auf die. besonders große Gefährlichkeit der Schiffahrt um Skagen herum während des Oktobers zurückzuführen.

* Erfahrungsgemäß gelangen alljährlich eine Anzahl schon verhcirathcker Rekruten zur Einstellung, welche nur standesamtlich, aber nicht kirchlich getraut sind. Höheren OrtcS ist daher angeordnet worden, daß in diesen Fällen seitens der Vorgesetzten auf die betreffenden Mannschaften in geeigneter Weise einzu- wirken ist, damit sie noch während ihrer Dienstzeit die kirchliche Trauung nachholen und event, vorhandene Kinder, welche noch nicht getauft sind, taufen lassen. Diese kirchlichen Handlungen erfolgen kostenlos.

Kleine Nebeneinnahmen. Die Einnahme, welche die preußische Staatseisenbahnverwaltung aus der Aus­gabe von Platz- und Bahnsteigkarten erzielt, sind ganz erheblich. So sind allein im Bezirke der königlichen Eisenbahndirektion zu Hannover im September dieses Jahres 6670 Mk. für Platzkarten und 22,886 Mk. für Bahnsteigkarten vereinnahmt. Vom 1. April bis zum 1. Oktober d. Js. wurden nach demHan. C." im genannten Bezirke insgesammt 163,079 Mark für Platz- und Bahnsteigkarten eingenommen.

Ueber bte äußere Heilighaltung der Sonn- und Feiertage sollen nach einem Cirkular des Handels- ministers neue Polizeiverordnungen für die einzelnen Provinzen erlassen werden im Anschluß an die neuen Bestimmungen der Gewerbeordnung und die dazu ge­hörigen Aus ührungsbestimmungen. Ein Musterentwurf der zu erlassenden Provinzialverodnungen ist von dem Ministerium den Oberpräsidenten übersandt worden. Den Oberpräsidenten bleibt es überlassen, im Einzelnen, soweit es durch provinzielle Eigenthümlichkeiten geboten erscheint, von den Bestimmungen des Musterentwurfs abzuweichen. Die von den Oberpräsidenten auszu- arbeitenden Polizciverordnungcn sollen, nachdem sie dem Provinzialrathzur Zustimmung vorgelegt" sind, dem Minister vorgelegt werden, damit etwaige Bedenken rechtzeitig zur Sprache gebracht und nachträgliche Ab­änderungen der Verordnung thunlichst vermieden werden.

Eine Trichineneprdcmie ist in Nowawes bei Pots- dam ausgebrochen. Einem Bericht derAllg. Fleischer- Ztg." zufolge erkrankten dort am Sonntag sechs Per­sonen an Trichinose, und die Epidemie griff derartig um sich, daß augenblicklich schon weit über zwanzig, zum Theil überaus schwer Erkrankte darniederliegen. Sie bezeichnen sämmtlich Schinken aus dem Laden des Fleischermeisters Siebert als die Ursache ihrer Erkrankung, und wirklich sind auch in einem Stück Schinken Trichinen vorgefunden worden. Der betreffende Fleischer gibt zwar an, seine sämmtlichen Schweine dem Fleisch- beschauer zur Untersuchung übergeben zu haben, seine Angabe weichen jedoch bezüglich eines Schweines von den Büchern des Fleischbeschauers ab. Es ist daher eine genaue Untersuchung eingeleitet worden.

Essen a. d. Ruhr, 16. Nov. In Oberhausen stürzte gestern Abend ein dreistöckiges Haus ein. Eine Frau wurde verschüttet und schwer verletzt. Die Trümmer

geriethen infolge des Umstürzens der geheizten Oefcn in Brand. 19 Personen konnten bei den ersten All- zeichen des Einsturzes noch rechtzeitig entfliehen.

Ausland.

Türkei. Nach einer Konstantinopeler Depesche der Daily News" empfingen die Botschafter während der letzten zwei Tage schreckliche Drahtmeldungen über Metzeleien in vielen kleinen Ortschaften zwischen Karahissar und dem Euphrat. Das ganze Land sei von den Kunden verheert worden. Ein Reisender zählte auf dem Wege von Erzerum nach Trapezunt 300 männliche Leichen, während Schaaren von Weibern um Schutz flehten. Die Gesammtzahl der Getödteten werde auf 15000 geschätzt, während doppelt so viele Menschen während der nächsten sechs Monate dem Hungertode preisgegeben seien.

Konstantinopel, 15. Nov. Die Gerüchte, die von den Armeniern in Zeitun eingeschlossene Garnison habe kapitulüt, bestätigen sich. Die Garnison wird von den Aufständischen als Geisel gefangen gehalten, aber schonend behandelt. Die Armenier drohten aber, die Garnison niederzumachen, falls die anrückenden türkischen Truppen offensiv vorgingen und kein Gencralpardon ertheilt würde. Das Gerücht, Mustafa Pascha sei mit 12 Bataillonen bereits an Ort und Stelle eingetroffen und belagere Zeitun, ist bisher noch nicht bestätigt. Die Armenier sind gut bewaffnet und verfügen sogar über zwei Kanonen. In den letzten Tagen griffen sie zahlreiche türkische Ortschaften an und plünderten dieselben.

Koustantinopel, 18. Nov. Bei dem Gemetzel, welches am 14. ds. Mts. in Silvas stattfand, sind zu­verlässigen Nachrichten zu Folge gegen 500 Menschen umgekommen. Die 4000 Einwohner zählende Stadt Gueran ist von Kurden eingeschlossen; ein großes Ge­metzel steht bei Einnahme der Stadt bevor.

Japan. Wie verlautet, wird der Mikado England im nächsten Jahre besuchen. Sobald die Königin Viktoria von dem Wunsche des Kaisers hörte, lud sie ihn ein. Mikado wird auf seiner eigenen $ad)t, begleitet von einem japanischen Geschwader, die Reise nach Europa antreten. Bis jetzt ist noch nie ein Kaiser von Japan ins Ausland gereist.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 19. Nov.

* Umtausch der Quittungskarten für die Alters­und JnÄliditätsversicherung. Mit dem Ablauf dieses Jahres verlieren nach §. 104 des Jnvaliditäts- und Altersvcrsichcrungsgesetzcs vom 22. Juni 1889 alle bie jenigen Quittungskarten ihre Giltigkeit, welche im Jahre 1892 ausgestellt und nicht zum Schlüsse des Jahres 1895 zum Umtausch eingereicht worden sind. Alle die­jenigen, welche sich noch im Besitze von solchen im Jahre 1892 ausgestellten Quittungskarten befinden, haben dieselben spätestens bis zum 31. Dezember d. J. dem zuständigen Polizeirevier zur Au rechnung ein- zureichen, widrigenfalls sie den Verlust aller Ansprüche aus diesen Karten zu gewärtigen haben.

* Die Anzeigepflicht für die Schweincsenche, die Schweinepest und den Rothlauf der Schweine wird nach einer Bekanntmachung imReichsanzeiger"1 für die Provinz Hessen-Nassau (und einige andere Provinzen) vom 1. Dezember ab bis auf Weiteres eingeführt.

* Wer soll die Sitzplätze in der vierten Wagen­klasse der Eisenbahn einnehmen? Wiederholt sind zwischen den Reisenden der vierten Wagenklasse Streitig­keiten darüber entstanden, daß Einzelne berechtigt zu sein glaubten, einen bestimmten Sitzplatz für die ganze Dauer der Reise für sich in Anspruch nehmen zu können. Demgegenüber macht die Eisenbahndirektion Erfurt bekannt, daß ein dauernder Sitzplatz in der vierten Wagenklasse nicht beansprucht werden kann, sondern allen Reisenden ohne Unterschied Gelegenheit gegeben ist, auSzuruhen. Auch das Belegen einzelner Plätze mit Gepäckstücken ist unstatthaft.

* Die Brandsteuer für 1896 wird nur um 2 Psg., also von 16 auf 18 Pfg. für je 100 Mk. Umlagekapital erhöht. Der Verlust von rund 1,000,000 Mk. soll nämlich auf mehrere Jahre verurtheilt werden, um keine allzugroße Belastung der Versicherten herbeizuführen.

* Nach einem Bescheide des Herrn Regierungs­präsidenten zu Kassel vom 30, Oktober 1895 sind die

einzelnen Gemeindeverwaltungen verpflichtet, sich gegen­seitig bezüglich der Einziehung von Abgaben u. s. w. Rechtshil e zu gewähren, und daß deshalb, wenn es sich um Einziehung von solchen Personen handelt, welche in, einer anderen Gemeinde ihren Wohnsitz haben, in erster Linie die Behörde dieser Wohnsitzgemeinde um ihre Vermittelung anzugehen ist. Nur wenn es derselben an einem eigenen Organe für die Zwangsvollstreckung fehlt, ist die Vermittelung der Königlichen Kreiskassen in Anspruch zu nehmen.

* Mit fremden Lotterieloosen und Offerten wird zur Zeit das Publikum förmlich überschwemmt. Viel­fach versenden auswärtige Collecteure Loose in ge­schlossenem Umschläge und bitten um Rücksendung, falls das Spielen nicht beliebt. Die Empfänger derartiger Sendungen sind zur Rücksendung nicht verpflichtet, können vielmehr die Briefe und Drucksachen-Osserten, nachdem solche geöffnet sind, an jeden Briefträger oder am Postschalter zurückgeben. Eine gesetzliche Be­stimmung lautet dahin, daßSendungen, die Loose oder Anerbieten zu einem Glücksspiele enthalten, an welchem der Empfänger nach den Gesetzen sich nicht betheiligen darf, als unbestellbar zu behandeln sind, wenn solche Sendungen sogleich nach geschehener Er­öffnung an die Post zurückgegeben werden. Geschieht dies, so veranlaßt die Post alles Weitere."

):( Wallroth, 16. Nov. Heule Morgen gegen 2 Uhr brach in der Scheune des Johannes Möller Feuer aus. Die wenig angesüllte Scheune ist stark beschädigt. Durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr wurde das Feuer auf seinen Herd beschränkt. Die Entstehung des Feuers ist unbekannt.

Neuhof, 15. Nov. Gestern Nachmittag wollte sich der Bahnwärter Günther, da er dienstfrei war, mit einer Handkarre nach seinem unweit der Bahn ge­legenen Acker begeben. Er fuhr dicht neben dem Bahn- geleise und passirte, seinen Handkarren vor sich her­schiebend, 2 Bahnwärter-Stationen, wobei er jedesmal von dienstthuenden Wärtern gewarnt und aufgefordert wurde, das Geleise zu verlassen. Doch G. ließ diese Warnungals besserer Kenner" unbeachtet und fuhr, obwohl er genau wußte, daß der Schnellzug jeden Augenblick heranbrausen müsse, den gefährlichen Weg weiter. Anscheinend hat er das Heranbrausen des Schnellzuges nicht bemerkt, denn er mußte sein gefahr­volles Treiben mit dem Leben bezahlen; er wurde über­fahren und blieb auf der Stelle todt. Der Verunglückte war seit 20 Jahren im Dienste, Wittwer und Vater von 7 Kindern, von denen das jüngste 7 Jahre zählt.

Aus der Vord.rröhu, 13. Nov. Eine Gesellschaft Fuldaer und Gaisaer Kapitalisten, an deren Spitze der bekannte Reichstagsabgeordnete Müller aus Fulda steht, beabsichtigen, im nächsten Frühjahr das zwischen Dermbach und Tann sich erstreckende Braunkohlenflötz auszubeuten und Briquetts zu fabriziren.

Hünfeld, 13. Novdr. Das hiesigeKreisblatt" schreibt:In jüngster Zeit laufen wieder verschiedene Nachrichten über die Aktien-Zuckerfabrik Hünfeld durch die Zeitungen, welche mehr oder weniger unrichtig sind. Von einem Erwerb derselben durch die Höchster Farb- werkc kann wohl vorerst nicht die Rede sein, da ja das Konkursverfahren noch nicht beendet und infolgedessen ein Verkauf aus freier Hand gar nicht möglich ist. Der Verkauf deS gesammten Fabrikanwesens nicht nur einzelner Grundstücke, wie verschiedene Zeitungen berichten ist seitens des Königlichen Amtsgerichts hier auf den 3. Februar 1896, Vormittags halb lOUhr, anberaumt und wird es sich hierbei entscheiden, welcher der vorhandenen Reflektanten das Höchstgebot abgiebt und damit den Zuschlag erhält." Es hat sich ein kapitalkräftiges Konsortium gebildet, um die Zucker­fabrik Hünfeld zu erwerben und diese als solche für die Gegend zu erhalten, sodaß der Betrieb der Fabrik im nächsten Jahre bestimmt wieder eröffnet werden kann.

Spangeuberg, 13. Novbr. Die Brandstiftungen nehmen kein Ende. Nachdem wir heute vor vier Wochen über die Brände in der ElberSdorfer Mühle und dem Meierhofe des von Mldner'jchcn Fideicommiß- gutes zu Spangeuberg geschildert haben, müssen wir heute wieder von Brandstiftung Notiz nehmen. In der verflossenen Nacht vom Sonntag zum Montag hat es wieder gebrannt. Man ist das Feuer um 3 Uhr Morgens gewahr worden. Die beiden dem Oite Spangenberg zunächst gelegenen Dörfer Elbersdorf und