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Samstag, den 16. November

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser begab sich Mittwoch früh gegen 8 Va Uhr von Wildpark nach dem Schießplatz bei Tegel, wohnte daselbst einem Gefechtsschießen bei und fuhr nach Beendigung desselben von dort nach dem königlichen Schlosse. Später wohnte der Kaiser einer Kommissionssitzung im Reichsjustizamt zur Berathung des bürgerlichen Gesetzbuches bei und nahm um 6 Uhr das Mittagessen beim Staatssekretär des Reichsjustizamts, Nieberding, ein.

Die Bevölkerung Deutschlands betrug nach den letzten amtlichen Nachweisen 5170836-1 Köpfe. Sie hat seit fünf Jahren um 2 300 000 Köpfe zugenommen.

Der Gesetzentwurf über den Verkehr mit Butter, Käse, Schmalz und deren Ersatzmitteln, also ein Gesetz­entwurf, welcher insbesondere die Margarine betrifft, ist nunmehr dem Bundesrath vorgelegt und den Aus­schüssen zur Vorberathung überwiesen worden.

* In der Postverwaltung sollen 1896 und 1897 gegen 1900 neue Stellen für Assistenten, 3000 Stellen für Unterbeamte im inneren Dienst der Post- und Telegraphen-Aemter, 800 Stellen für Landbriefträger, endlich 250 neue Postagenturen geschaffen werden. Das Mindestgehalt der Landbriefträger soll von 650 Mark auf 700 Mark erhöht werden. Außerdem soll auch eine entsprechende Vermehrung der höheren Stellen eintreten.

Einen großen Börsenkrach hat es am Samstag in Wien, Paris, Berlin, Frankiurr gegeben. Infolge der wilden Haussespekulation der letzten Monate sind dir Papiere von Banken, Eisen- und Bergwerken sowie ausländische Staatspapiere, allen voran die Türkenloose, plötzlich bedeutend gefallen. Gestern hatten sich die Börsen von dem Schreck schon wieder etwaserholt" und beruhigt. Inzwischen aber haben die großen Hechte ihren Rand verschlungen. Der Verlust derDummen" geht in die Hunderte von Millionen. Die Neue Freie Presse berechnet ihn auf 213 Millonen allein für Wien.

In dem Prozesse wegen des Zusammenstoßes derElbe" und derCrathie" wurde in Rotter­dam das Urtheil des Gerichtshofes gefällt. Das Gericht erachtet die Thatsache des Zusammenstoßes der beiden Schiffe für erwiesen und erklärt dieCrathie" für allein schuldig an demselben. DieElbe" habe allen Vorschriften Genüge geleistet und in der von ihr eingeschlagenen Weise fahren dürfen. Es war für die Elbe" kein Anlaß, Signale zu geben, welche nur bei Nebel obligatorisch sind. Daher falle die ganze Ver­antwortlichkeit auf dieCrathie". Alle durch den Norddeutschen Lloyd" gemachten Angaben seien be­wiesen worden, daher müsse dessen Anspruch als zu Recht bestehend anerkannt werden, besonders der auf Schadloshaltung für den Gesammtverlust derElbe". Der Betrag sei noch festzustellen und sechs Prozent Zinsen dazu zu rechnen. Die Eigenthümer derCrathie" wurden nach dem Verhältnisse ihres Antheils verurtheilt. Die Beschlagnahme derCrathie" bis zur erfolgten Zahlung wurde für zulässig erklärt.

* Bei Gelegenheit der Verhandlungen über die Erbauung von Heilstätten durch die Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalten, welche im September d. J. in Stuttgart stattfanden, machte der Direktor des Reichsgesundheitsamts, Geh. Ober - Regierungsrath Köhler, Mittheilungen über die Verbreitung der Lungen­schwindsucht, die wahrhaft schreckene, regend sind. Er führte aus: von tausend Todesfällen im Deutschen Reiche sind etwa 105 bis 107 auf Tuberkulose zurück- zuführen, d. h. diejenige Rolle, die im vorigen Jahr­hundert vor Einführung der Schutzpockenimpfung die Blattern bei uns spielten, von denen man sagte, daß der Zehnte an den Pocken stürbe, dieselbe Rolle spielt die Lungenschwindsucht, eher noch in verstärktem Maße, denn nicht der Zehnte, sondern schon ungefähr der Neunte stirbt daran. Ganz anders wird das Bild, wenn wir die einzelnen Altersilassen vornehmen. Don 1000 Todesfällen in der Altersstufe von 0 bis 1 Jahr ich nehme die Zahlen des Jahres 1893 sind 10,8 aus Tuberkulose zurückzuführen, von 1000 Todes­fällen im Alter von über 1 bis 15 Lebensjahren 63,2, vom 16. bis 60. Lebensjahre 322,3, über das 60. Lebensjahr Humus 60. Mit anderen Worten: von der erwerbsfähigen Altersklasse unseres Volkes, das sind die von 15 bis 60 Jahren, stirbt der Dritte, der in diesem Alter überhaupt daS Leben beendet, an der Tuberkulose.

Kiel, 11. Nov. Ueber den furchtbaren Nordwest- orkan in der Sonntagsnacht lauten fortwährend Unglücksmeldungen ein. Die Fischer der Dörfer an unserer Föhrde und der benachbarten Küste haben Fahrzenge und Fanggeräthe vielfach eingebüßt. Häuser wurden beschädigt, Bäume entwurzelt. Außerordentlich zahlreich sind die Schiffsunfälle.

Köln a. RH., 13. Nov. Der auf Antrag des Kriegsministers wegen Beleidigung von Kompagniechefs rheinischer, speziell Kölner Regimenter angeklagte Chef­redakteur derKölnischen Volkszeitung", Dr. Cardauns wurde von der Strafkammer heute zu 50 Mark Geld­buße verurtheilt. Cardauns hatte in seinem Blatte behauptet, den Soldaten würde Sonntags durch allerlei kleinlichen Dienst der Besuch des katholischen Gottes­dienstes unmöglich gemacht. Die Verhandlung ergab, daß jeder Soldat, welcher gefragt, die Erlaubniß zum Kirchenbesuch erhalten habe.

Aus Bonn wird geschrieben: Erschütternd war die Leidensgeschichte einer unglücklichen Frau, die vorige Woche vor dem Schwurgericht stand, weil sie ihren Mann erstochen hatte. Es handelte sich um die 22jährige Wittwe Eduard Fuchs aus Siegburg In den 5 Jahren ihrer Ehe, aus der vier Kinder hervorgingen, war sie andauernd von ihrem Manne, der auf dem Feucrwcrks-Laborakorium besänftigt wurde, in empörender Weise mißhandelt worden. Am 12. Sep­tember d. Js. kam Fuchs wie gewöhnlich Abends angetrunken nach Hause und schlug seine Frau, die aus Besorgniß sich angekleidet zur Ruhe begeben hatte. Im weiteren Verlaufe der Mißhandlungen drang Fuchs mit einem Messer auf die Frau ein, worauf diese, wie sie ausführte, kaum ihrer Sinne mächtig, das Brodmcsser ergriff und auf den Mann einstach. Der Stich drang durch eine Schlagader in die Lunge und Fuchs starb noch in derselben Nacht. Da die brutalen Mißhandlungen der Frau durch Zeugen vollauf bestätigt wurden, beantragte der Staatsanwalt selbst die Freisprechung der Angeklagten und die Geschworenen erkannten demgemäß.

Vom Rhein, 5. Nov. Allenthalben ist jetzt die Weinlese in vollem Gange, vielfach auch bereits beendet. Die Erwartungen, die man dem 95er entgegengebracht hat, sind nicht getäuscht, eher aber übertroffen worden. Auch die Quanlitätsaussichten haben sich in manchen Gegenden gebessert, wenn auch nirgends mehr wie höchstens halber Herbst erreicht werden wird. Im ganzen Rheingatt sind die Beeren von außerordentlicher Süße und werden, da das Wetter andauernd günstig bleibt, noch von Tag zu Tag besser. Vom Rüdesheimer Berg kommt die erfreuliche Kunde, daß man dort mit Quantum und Qualität sehr zufrieden ist, auch der Rammhaler soll von hervorragender Güte sein. Die Traubenpreise des 95er werden sich bei seiner vorzüglichen Qualität und dem im Ganzen ja verhältnißmäßig ge­ringen Ertrag recht hoch gestalten, zumal ältere Jahr­gänge nur spärlich auf Lager sind. Die bis jetzt ab­geschlossenen Verkäufe weisen alle hohe Preise auf und die letzteren werden sich zweifellos noch steigern, da die Winzer, nach dem 93er Lese zu schließen, auf ansehnliche Forderungen bestehen werden. Jedenfalls können Produzenten wie Konsumenten zu dem 95er sich be­glückwünschen.

Im Güterbahnhof in Mainz fand Donnerstag früh 3 Uhr der 23 Jahre alte Rangierer Josef Frey aus Heidesheim einen schrecklichen Tod. Er blieb mit einem Fuß in einem Schienenherzstück stecken; in dieser Lage wurde er von einem heranrollenden Wagen überfahren und getötet. Wie derMainzer Volksztg," von maßgebenden Kreisen versichert wird, kommt in nächster Saison in Mainz kein Karneval zustande. Dagegen wird in nächster Zeit eine Generalversammlung des Karnevalvereins stattsinden, die ein geschäftsführeudes Komittee zur Veranstaltung der Fastnachtsbälle wählen wird.

Metz, 5. Nov. DieVereinigung zur Schmückung und fortbauernben Erhaltung der Kriegergräber und Denkmäler bei Metz" hat zum 25jährigen Gedächtniß der Siege 187071 eine Denkmünze prägen lassen. Es war zunächst ein Theil des von dem preußischen Kriegsministerium zur Verfügung gestellten eroberten französischen Geschützes zu 15,000 Denkmünzen ver­arbeitet worden. Die Nachfrage nach der wohlge- lungenen Denkmünze war seitens der Kriegervereine, einzelner Veteranen und vieler Anderen eine so starke,

daß die 15,000 Denkmünzen bald vergriffen waren und der kürzlich ;ur Verfügung gestellte Rest der Geschütze zur Prägung weiterer Denkmünzen verwendet werden mußte. Es sind jetzt nur noch einige Tausend Denk­münzen vorhanden, und es werden Diejenigen, welche sich das schöne, auch zu Geschenken geeignete Andenken beschaffen wollen, gut thun, ihre Bestellung bald an den Goldschmied Mezger in Metz gelangen zu lassen. Die Denkmünze ist mit einem schwarz-weiß-rothen Bande zum Anhängen versehen. Dieselbe kann auch an der Uhrkette getragen werden. Der Reinertrag ist zur Schmückung und Erhaltung der Kriegergräber und Denkmäler bestimmt. Nicht unerwähnt wollen wir lassen, daß Kaiser Wilhelm der vorerwähnten Vereinigung zur Förderung ihrer patriotischen und pietätvollen Zwecke ein Geschenk von 300 Mk. bewilligt hat.

In der Saale bei Nienburg sank am Sonntag ein Kahn mit 4000 Zentner Zucker. Der Kahn kann ge­hoben werden. Der Zucker hat den Fischen einen süßen Trunk bereitet.

Löbau i. S., 11. Nov. Schon wieder hat die Unvorsichtigkeit mit Schußwaffen ein Unglück herbeige­führt: Der Förster Riedel vom Rittergute Nieder- Herwisdorf bei Löbau i. S. hatte, wie dem Ratiborer Anzeiger" gemeldet wird, sein Jagdgewehr, in dem sich eine Patrone (Versager) befand, hinter die Thür eines Gewölbes gestellt. Am Sonnabend sollte eine größere Jagd abgehalten werden. Eine Anzahl Jagd­gäste war schon am frühen Morgen eingetroffen und saß eben beim Frühstück, als plötzlich ein Schuß fiel. Als man an das Fenster eilte, sah man zwei Kinder in ihrem Blute am Boden liegen. Der 12jährige Sohn des Försters hatte das versteckte Gewehr entdeckt, mit demselben gespielt, und hierbei hatte sich die mit Schrot geladene Waffe entladen. Der Knabe Lorcnz, Sohn etneS Arbeiters, war, durch Stirn uud Auge getroffen, sofort todt, während dem Knaben Fiedler, einer Waise, der Ober- und Unterkiefer zertrümmert und das linke Auge ausgeschossen wurde. Der verzweifelte Förster stellte sich freiwillig dem Amtsgericht, wurde aber wieder entlassen.

Bei einer Felddienstübung des Brandenburgischen Jägerbataillons bei Lübben gab ein Jäger auf eine Entfernung von fün'zehn Metern auf eine Patrouille einen Schuß mit einer Platzpatrone ab und durchbohrte damit die Brust eines Kameraden. Es ist zweifelhaft, ob der Getroffene mit dem Leben davonkommen wird. Vorschrift ist, daß nur in einer Entfernung von mindestens hundert Metern mit Platzpatronen nach einem Ziel geschossen werden soll.

Schwallungen, 8. Nov. Heute ist es ein Jahr, daß unser Ort die Reihe der großen Brände eröffnete, von denen unsere Gegend heimgesucht worden ist. Die Orte Brotterode, Floh und Roßdorf, die das gleiche oder noch größeres Unglück erfahren haben, liegen nur wenige Stunden von hier entfernt. Für Schwallungen ist der 8. November zu einem Gedenktage geworden; daher soll an diesem Tage alljährlich ein Gottesdienst zum Gedächtniß des großen Brandunglücks abgehalten werden. Auch unseren neuen Gesangbüchern ist auf der ersten Seite die Mahnung aufgedruckt worden: Gedenke des 8. November." Wie das Feuer aus- gebrochen ist, weiß man auch jetzt noch nicht. Anfäng- lich glaubte man, es läge Fahrlässigkeit zu Grunde, doch hält man es jetzt für wahrscheinlich, daß Brand­stiftung vorliegt. Die Brandstätte ist bereits wieder mit Häusern bebaut worden, die freilich noch nicht sämmtlich bewohnbar sind.

Anskaud.

Paris. Wie gewonnen, so zerronnen, diesen harten Spruch erfahren die Franzosen wieder einmal an ihrem eigenen Leibe. Ein ungeheurer Börsenkrach ist wie ein vernichtender Mehlthau auf die sanguinischen Hoffnungen der Pariser Kapitalwelt hereingedrochen. Die Goldgruben in Transvaal, die seit Wochen und Monaten das ganze Denken und Fühlen des französischen Publikums elektrisirt hatten, sind Tausenden zu der Grube geworden, in dieman selbst hineinfällt". Viele Millionen sollen in diesen Tagen in Minenaktien an der Pariser Börse verloren worden sein.

In Konstiutiuopcl treffen aus den Provinzen Nach­richten ein, welche das Elend in vielen Distrikten als aller Beschreibung spottend schildern. Die von den