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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
Samstag, den 2. November
Deutsches Reich.
Berlin, 31. Okt. Bei der Le Bourgetfeier des Gardeschützenbataillons hielt der Kaiser nach einer Ansprache des Oberstlicutnants Paulowski eine Rede, in welcher er zunächst für das Gelübde der Treue dankte und dann weiter ausführte: Erst vor wenigen Wochen ritt ich denselben Weg, welchen das Bataillon am 18. August 1870 bei Amanvillers unter Kugelregen zurück- legte. Ich hatte dabei mit meiner Begleitung nur ein Gefühl, im Stillen den Hut abzuzichen, es war mir unbegreiflich, daß auch nur ein Mann leben bleiben konnte. Wenn ich auf die Urquelle dieser Thaten blicke, so ist dies die Leistung meines Herrn Großvaters. Ich wünsche, daß die drei Säulen der Armee, das Ehrgefühl, der unbedingte Gehorsam und die hingebenste Tapferkeit weiter bestehen. Mein Großvater hat in der Ordre an den Prinzen Friedrich Karl erklärt: Ohne den 16. August wäre nicht der 18. August, ohne den 18. August nicht der 2. September möglich gewesen. Die großen Tage mögen mit unauslöschlichen Lettern in uns verzeichnet bleiben. Wir wollen erhalten und aus- bauen was unsere Vorfahren erkämpften und ich wünsche, daß das Gardeschützen-Bataillon im Kriege wie im Frieden dem alten Ruhme neue Lorbeeren hinzufügen möge. Darauf leere ich mein Glas, Hurrah!
— Nach einer Verfügung des preußischen Kultusministers sind von Ostern nächsten Jahres ab sämmtliche Lehrerstellen an den öffentlchen Volksschulen Preußens mit vorschriftsmäßig geprüften Lehrern zu besetzen. So schreibt die Rh. Wests. Ztg. und fügt hinzu: Somit sind von diesem Zeitpunkte ab auch die letzten Präparandenstellen aufzuheben.
* — Eine dem Bundesrath zugegangene Vorlage schlägt, einer in der letzten Tagung des Reichstages erfolgten Anregung Folge gebend, die Herabsetzung der Kautionen der Post- und Telegraphenbeamten vor. Die Kautionen sollen darnach in der Folge betragen: Für Vorsteher von Postämtern größeren und mittleren Umfangs oder von Bahnpostämiern größeren oder mittleren Umfangs 3000 Mk., für Vorsteher von Telegraphenämtern 1500 Mk., für Kassierer bei Postämtern 2400 Mark, für Kassirer bei Telegraphenämtern 1500 Mk. und für Postanwärter, Telegraphenanwärter, Telcgraptzcn- Hilfsmechaniker und Postgchilsen 300 Mark.
* — 20,000 Mark Porto hat das Centralburcan des Bundes der Landwirthe verausgabt, um seine angeblich 200,000 Mitglieder zur Zahlung der satzungs- gemäß bis Ende Februar zahlbaren Jahresbeiträge an- zuhalten. Man darf daraus wohl schließen, daß die rückständigen Zahlungen einer sehr großen Ummng angenommen haben.
Metz. Ein Begrüßungsschreiben war an den Kaiser anläßlich seines jüngsten Aufenthaltes in Elsaß-Lothringen von einem jungen Lothringer gerichtet und zu etwaiger Beantwortung eine Briefmarke beigefügt worden. Hierauf ist dem Briefschreiber vom Ober - Hofmarschallamt folgender Bescheid nebst Einlage zugegangen: „Zehn Pfennig, welche Sie als Brief-Bcschwcrcr Ihrem Sr. Majestät dem Kaiser übermittelten Glückwunsch be gefügt hatten, erhalten Sie hiermit unter Beifügung eines Gnadengeschenkes von 10 Mark wieder zurück "
In München schoß ein Soldat, der festgenommen werden sollte, auf die ihn verfolgenden Vorgesetzten. Der Soldat Tallmeier sollte wegen eigenmächtigen Ver- lassens der Wache eine siebentägige Arreststrafc antreten, entlief aber vorher aus der Kaserne. Als ihm ein Sergeant nacheilte, zog der Soldat einen Revolver nnb gab einen Schuß ab, der den Sergenanten am Arm verwundete. Dann feuerte er auf zwei ihm zu Pferde nacheilende Offiziere noch fünf Schüsse ab, ohne zu treffen, bis er überritten und festgenommen wurde.
( Mainz, 29. Okt. Daß im Justizpalast geschäftsmäßig falsches Geld verausgabt wird, war bis fitzt neu. Und doch wurde dieses Vergehens wegen gestern der Gerichlsschreibermpirant Eisenhauer in seinem Büreau verhaftet. Ihm war die Verwahrung der konfiscirten Geldstücke anvertraut und mit einem solchen hatte er im Gerichtsgebäude einem BauernZahlung geleistet. Der Mann konnte sich, als er an den Billeischalter im Bahnhof kam, nicht genug wundern, daß das Geld, welches er an solcher Stelle empfangen hatte, falsch sein sollte.
Sein Examen als Einjährig-Freiwilliger hat in Heidt ein Schlossergeselle, der früher die Volksschule
besuchte, auf Grund des sog. Künstlerparagraphen gemacht. Er hat in seiner Lehrzeit in den Mußestunden eine eiserne Drehbank in verkleinertem Maßstabe angefertigt, die er an die Prüfungskommission bei seinem Ansuchen um Zulassung zum Examen eingesandt hat. Es wurde ihm mitgetheilt, daß er zum Examen sich stellen könne und von der Prüfung in den fremden Sprachen befreit sei. Er hat darauf die Prüfung mit gutem Ei folg bestanden.
Aus Prenzlau wird berichtet: Gegen den Schmiede- meister Springstein, der seine Ehefrau mit Slrychnin vergiftet haben soll, hat die Staatsanwaltschaft nunmehr Anklage erhoben; gegen ihn wird am 4. November vor dem Prenzlauer Schwurgericht verhandelt. Spring- stein ist auch dringend verdächtig, vor sieben Jahren in Königsberg (Neumark), wo er früher wohnte, in kurzen Zwischenräumen seine Mutter, seinen Schwager und dessen Kind, sowie eine Lehrerin Ficbelkorn und einen seiner Gesellen vergiftet und seinen Vater dadurch ermordet zu haben, daß er dessen Kopf so lange in eine gefüllte Wassertonne gehalten, bis sein Opfer erstickt war.
Ausland.
Aus London, 29. Okt., wird gemeldet: In einem dreistöckigen Wohnhause in der engen Straße New Church-Court fand Abends eine furchtbare Explosion statt. Das Haus ist völlig eingestürzt, auch die beiderseitigen Nachbarhäuser sind theilweise zerstört. Die Trümmer fingen Feuer und brennen noch. Es wird befürchtet, daß mindestens 13 arme Leute getödtet wurden. Die Ursache der Explosion ist unbekannt.
Newyork, 30. Okt. Nach einer Meldung aus Tyler (Texas) wurde dort gestern ein Neger, Namens Hilliard wegen Vergewaltigung und Ermordung einer weißen Frau auf einem öffentlichen Platze in Anwesenheit von 7000 Zuschauern auf einem Scheiterhaufen lebendig verbrannt. Den Scheiterhaufen zündete der Gatte der Ermordeten an. Der Neger verschied erst nach 50 Minuten. — Der Prozeß gegen den Mörder Holmes begann, wie aus Philadelphia gemeldet wird, am Dienstag. Es werden ihm nicht weniger als elf verschiedene Mordthaten, die er in Philadelphia, Chicago und anderen großen Städten verübt hat, zur Last gelegt. Seine Opfer waren Frauen wie Männer. In jedem Falle hatte er es anf die Versicherungssumme seiner Opfer abgesehen. Im Ganzen hat Holmes wahrscheinlich vierzig Personen ermordet. Er stellt die Morde in Abrede, giebt aber selbst zu, daß er sich 700,000 Dollars mittels „falscher" Leichen erschwindelt hat. Kein Advokat wagt Holmes zu vertheidigen.
Lokales und Provinzielles.
Schlüchtern, 1. Nov.
* — Den Kreis-Bauinspektoren Siefer in Mel- sungen, Gibelius in Frankenberg, Janertin in Kirchhain und Siebert in Kassel'ist der Charakter als Baurath verliehen worden.
* — Eine Neuorganisation der Staatsbauverwaltung trat mit dem 1. November 1895 in Krack. In Fulda wird eine Wasserbauiuspektion neu errichtet, welche dem Königlichen Wasserinspekior Goltermann übertragen worden ist. Zum Geschäftsbezirk derselben gehört die Bearbeitung sämmtlicher Wege-, Wasser-, Brückenbau- und Eisenbahnsachen in den politischen Kreisen Hersfeld, Hünfeld, Fulda, Gersfeld, Schlächtern, Gelnhausen und Hanau.
* — Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Während der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende September 1895 sind von versicherten Personen des Kreises Schlächtern durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlächtern im Ganzen l 16 Anträge auf Bewilligung von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende September 1895 zur Erledigung: 76 durch Festsetzung des Rentenanspruchs, 38 durch Ablehnung, 1 durch den während des Verfahrens ein- gctrclenen Tod des Antragstellers. Die bewilligten Altersrenten betrugen: in 1891 für 23 männliche und 8 weibliche Personen zusammen jährlich 3,535 Mark 80 Pfg., in 1892 für 15 männliche und 3 weibliche Personen zusammen jährlich 2,208 Mark, in 1893 für 8 männliche nnb 3 weibliche Personen zusammen jährlich 1.266 Mark, in 1894 für 9 männliche Personen jährlich 1,077 Mark, in 1895 im I. LL und 111. Vierteljahr für 5 männliche und 2 weibliche Personen 811 Mk.
20 Pfg., mithin in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende September 1895 8,898 Mark. Von den 76 Rentencmp ängern sind bezw. waren beschäftigt: 45 in der Land- und Forstwirthschast, 9 in der Industrie, 8 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 9 im Staats- rc. Dienste, 5 im Gcsindcdicnste. Ende September 1895 blieben, nach Abgang durch Tod, noch 54 Altersrenten mit zusammen 6,780 Maik zu zahlen. Die Zahl der in der Zeit vom 23. November 1891, von welchem Tage ab gesetzlich zuerst Anspruch auf Invalidenrente erhoben werden konnte, bis Ende September 1895 durch Vermittlung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern gestellten Anträge auf Bewilligung von Invalidenrenten beträgt 66. Davon kamen bis Ende September 1895 zur Erledigung: 31 durch Festsetzung des Rentenansprüchs, 28 durch Ablehnung, 6 auf sonstige Weise. Die festgesetzten Invalidenrenten betrugen für 25 männliche und 6 weibliche Personen im Ganzen jährlich 3,667 Mark 80 P g. Von diesen Personen waren beschäftigt: 15 in der Land- und Forstwirthschaft, 9 in der Industrie, 1 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 2 im Staats- rc. Dienste, 4 im Gcsindedicnstc. Nachdem 9 Invalidenrenten durch Tod der Empfänger in Abzug gekommen waren, blieben Ende September 1895 noch 22 Invalidenrenten im Gesammlbetrage von jährlich 2,614 Mark 20 Pfg. zu zahlen.
* — Bei der zur Zeit unter den Viehbeständen so massenhaft aufuetenden Maul- und Klauenseuche ist es von Wichtigkeit, mit den Kennzeichen dieser Seuche genauer bekannt zu sein. Es sind dies die folgenden: Bei Rindern: Eingenommenheit des Kopfes, leichte Schwellung der Schleimhaut und Anhäufung eines fadenziehenden Schleimes in der Maulspalte und an den vorderen Lippenrändern. Bei kauender Bewegung des Kiefers hört man deutlich einen eigenthümlichen schnalzenden Ton, der sehr charakteristisch ist. Die Frefituft ist verringert, das Wiederkäuen meistens unterbrochen. Diese Kennzeichen müssen den Verdacht auf Maulseuche erregen und eine spezielle Untersuchung des Maules veranlassen. Am zahnlosen Lippenrande, an der Zungenspitze, an den Rändern der Zunge und auf der oberen breiten Zungenfläche, auch auf der Schleimhaut der Unterlippe und des Maules zeigen sich Blasen, welche mit einer wasserhellen, gelblichen, später trüben Flüssigkeit gefüllt sind, 12 bis 24 Stunden nach ihrem Erscheinen aufplatzen nnb rothe von der Oberhaut entblößte Stellen zurücklassen. Das Klauenleiden tritt meistens gleichzeitig hervor. Bei demselben zeigt sich zuerst vermehrte Wärme, große Empfindlichkeit an der Krone und in der Klauenspalte, in kurzer Zeit bilden sich Blasen, welche schneller als die im Maule platzen und wunde Stellen zurücklassen. Die Thiere liegen viel und können sich nur mühsam von der Stelle bewegen. Bei Schafen und Ziegen sind die Kennzeichen ähnlicher Art, doch tritt die Krankheit häufiger an den Füßen als im Maule au:. Die Bläschen im Maule sind sehr klein und kommen meistens nur am zahnlosen Rande des Oberkiefers zum Ausbruch. An den Klauen zeigt sich zuerst Röthung und Geschwulst, worauf kleine Bläschen erscheinen, die aufplatzen, wunde Stellen bilden und sich später mit Schorfen bedecken. Bei Schweinen findet sich vorzugsweise die Klauenseuche, sehr viel seltener die Maulseuche vor. DaS Klauenleiden tritt häufig mit großer Heftigkeit auf, die Bläschen bilden sich oft über die Fesselgelenke hinaus, die Thiere schützen aus und können sich nur schwer von der Stelle bewegen. Die Bläschen erscheinen meistens am Rüssel, weniger am Maule selbst.
* — Zum Schutze der Obstbäumc gegen den Frostspanner müssen jetzt um die Bäume Klcbegürtel gelegt werden. Zu diesem Zweck wird Papier oder Stoff von 20 Cm. Breite an eine glatte Stelle des Baumstammes angebunden und mit Raupenleim etwa 3 bis 4 Finger breit bestrichen. Ist die Masse verhärtet, so muß von Frischem ausgetragen werden. Während des ganzen Winters soll diese Vorsichtsmaßregel angewandt werden.
Neuhof. Am 28. d. M., Nachmittags halb 3 Uhr, entstand in Rothemann und zwar in der Stallung des Bauern Ludwig Weß Feuer. Dasselbe wurde durch das schnelle Eingreifen der Ortsfeuerwehr auf seinen Herd beschränkt, äscherte aber den mit 1000 Mark bei der Brandkasse versicherten Stall bis auf die Mauern ein. Die eingestellten Ermittelungen nach der Entstehungsursache des Feuers ergaben, daß der fünf Jahre alte