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SchlWemerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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^N 84. Samstag, den 19. Oktober 1895.

^oflblhlMrtMt allf bte ..Schlüchterner Zeiturg" ^qUUUliyUl werden noch fortwährend von allen

- ....... Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Kaiserpaar reiste am Mittwoch nach der Mittagstafel in Kürzel nach Metz ab, wo es sich sofort nach Ankunft in die Kathedrale begab. Alle Häuser hatten festlich geflaggt. Das Kaiserpaar besichtigte hieraus, geführt vom Baurath Tornow und dem Generalvikar, da der Bischof Fleck erkrankt ist, ehb gehend die Sehenswürdigkeiten der Kathedrale, fuhr sodann zum Bezirkspräsidium und von dort wieder unter Hochrufen des Publikums zum Bahnhöfe zur Rückkehr nach Kürzel. Bei dem Besuche der Schlachtfelder um Metz durch den Kaiser wurden bei den betreffenden Hauptpunkten fortlaufend Vorträge über die 1870 dort stattgehabten Schlachten gehalten. Nachmittags be­absichtigt der Kaiser auszureiten, um voraussichtlich die Schlachtfelder von Colombey und Noisseville zu besuchen.

* Nach der neuesten amtlichen Aufstellung be­stehen gegenwärtig im ganzen Deutschen Reiche 56563 Volksschulen (in Preußen 34 742), in denen 7 925 687 Kinder (in Preußen 4916476) von 120032 Lehrkräften (in Preußen 70767) unterrichtet werden. Von den letzteren sind 13 750 Lehrerinnen (in Preußen 8494). Im ' nichtpreußischen Deutschland entfallen im Durch- fchnitt auf die Lehrkraft 61, in Preußen 70 Schüler. Die Kosten des gestimmten deutschen Volksschulwesens, abge­sehen von den Ausgaben für die allgemeine Schulver- waltung, Schulanssicht, Lehrerbildung u. s. w. stellen sich auf rund 242 000 000 Mk, wovon wenigstens 69 305 000 Mark aus den verschiedenen Staatskassen fließen. In Preußen entfallen auf ein Kind 29,74 Mk. Schulkosten, im übrigen Deutschland 92 Mk.

Straßburg. Eine merkwürdige Versteigerungs-An- zeige, so schreibt man aus dem Reichslande, brachten dieser Tage die Zeitungen in's Gedächtniß. Sie stand am 15. März 1871 imNtederrh. Cour." von Straßburg: Oeffentliche Versteigerung. Zufolge Entscheidung des Handelsgerichts hiesiger Stadt vom 3. März wird der unterzeichnete Makler am nächsten Montag, um 10 Uhr Vormittags, im Hause Sengel, Grüne-Bruchgasse Nr. 25, ungefähr 250,000 Kilogramm zerbrochener Geschosse öffentlich an den Meistbietenden versteigern. A. Michel." Diese 250,000 Kilogramm Geschoß Eisen stellen gleich­wohl nur einen Theil der von der Belagerungs-Armee in die Stadt geschleuderten Kanonenkugeln dar; viele von diesen Kugeln waren schon vorher aufgelesen oder verwahrt worden. Die 241 Kanonen welche vor Straß­burg standen, haben im ganzen 193,722 Geschosse ab gefeuert, was für jeden Tag durchschnittlich 5249 Schüsse ausmacht, für ckue Stunde 269 und für jede Minute der Belagerung 4-5 Schüsse. Da sie mit einer großen Treffsicherheit abgefeuert wurden, so kann man sich schon aus diesen Z ffern die angerichteten Zerstörungen vorstellen. Auch die nach der Einnahme gezahlten Ent­schädigungen geben einen Begriff davon Die Stadt erhielt für die Zerstörung städtischer Gebäude, Anlagen u. s. w. 3,265,521 Mk. aus ReichSmitteln gezahlt; Privatpersonen für ihr zerstörtes Eigenthum 36,660,000 ^ Dazu kamen noch 641,232 J& für die Wiederherstellung der Präfektur. Im Ganzen wurden also über 40/a Mill. Mark Entschädigungsgelder für zerschossene Gebäude u. s. w. ausgezahlt und dabei hat die Stadt allein nach Ausweis der städtischen Rechnungen noch 1,018,714 M. »»vergüteten Schaden gehabt. Das kostet im 19. Jahrhundert eine Belagerung von 46 Tagen: jeden Tag fast 1 Million Mark! Wohlgemerkt ist die Rech nung aber erst einseitig; sie enthält nur die den Be­lagerten verursachten Kosten. Rechnet man dazu noch die Kosten der Verpflegung der BelagerungS Armee, bu ungeheueren Schuß-Kosten u. s. w., so wird sich der tägliche Kostenbetrag noch ganz bedeutend steigern.

Brombcrg, 14. Oktob. Ueber ein furchtbares Ver­brechen, das drei russische Grenzsoldaten am Freitag Abend in dem etwa ein und einhalb Kilometer von bei russischen Grenze entfernt bclcgcnen preußischen Dorfe Polanowo (Sludzinier) verübten, theilt die Ostd. Rsch " folgende Einzelheiten mit: Am Freitag Abend betraten kurz nach 9 Uhr drei russische Grenzsoldaten die Wawrzynliewicsche Schankwirthschaft in Polanow und ließen sich einen halben Liter Schnaps geben. Die

Schankwirthin, eine Wittwe, war bereits zu Bett ge­gangen, und die Dienstmagd «befand sich in der Küche während die Tochter der Wirthin, welcher die drei Grenzsoldaten bekannt waren, die Gäste bediente. Nach dem die Soldaten den ihnen verabreichten Schnaps getrunken, bestellten sie noch 6 Liter, um denselben au die Wache mitzunehmen. Während die Tochter damit beschäftigt war, den bestellten Schnaps einzu üllcn, hatten die Soldaten das Schanklokal verlassen, um das jeden­falls längst vorher geplante Verbrechen auszuführen. Der Eine begab sich nach der. Küche zur Magd, der Andere zur schlafenden Wirth n und beide gaben mehrere Schüsse auf ihre Opfer ab. Die beiden Frauen waren todt. Als die Tochter die Schüsse und das kurze Auf­schreien der Mutter und der Magd hörte, stürzte sie aus dem Schankraum hervor, erhielt aber von dem dritten Soldaten gleichfalls einen Schuß, der sie in den Unterleib trast so daß sie zu Boden fiel. Eine zehn­jährige Nichte suchten sie zu erwürgen, ließen aber von derselben ab, als sie still war; die Mörder mochten sie wohl für todt halten. Die am Boden liegende Tochter war ebenfalls bei voller Besinnung, rührte sich aber trotz ihrer gräßlichen Schmerzen nicht. Durch ihre Geistesgegenwart haben die beiden jungen Mädchen ihr Leben gerettet. Die Räuber erbrachen nun sämmtliche Schränke und entwendeten das vorhandene Geld (etwa 100 Mark) und alle Werthsachen, die sie fanden. Nachdem sie alles durchsucht, die am Boden liegende Wirthstochter noch wiederholt mit dem Gewehrkolben auf Kopf, Hals und Brust geschlagen, auch ihren Körper in der Herzgegend betastet hatten, um sich da­von zu überzeugen, ob sie noch lebe, nahmen sie eine Flasche, in welcher sie wahrscheinlich Spiritus ver­mutheten, und begossen mit dem Inhalt Mutter, Tochter und Nichte über und über, ebenso den Fußboden und zündeten die Flüssigkeit an, um die Spuren des Ver­brechens zu verwischen, worauf sie unter Mitnahme der geraubten Gegenstände sich entfernten. Nach soeben eingetroffener Nachricht sind alle drei Mörder bereits verhaftet.

Ausland.

Rom, 12 Oktober. Aus Asien trifft die Nachricht von einer glänzenden Waffenthat der Italiener tm Feldzug gegen die Abessinier ein. Am 9. Oktober um Sonnenamgaug floh Ras Mangascha aus Antalo vor dem Gros Baratieris. 1300 Tigriner hielten eine feste Position bei Dobraculat besetzt. Major Amelio griff mit 6 Kompagnien und 4 Geschützen die Stellung der Abessinier an, verjagte den Feind und machte 300 Ge­fangene. Die Tigriner verloren 20 Todte und viele Ver­wundete, die Italiener 11 Todte, darunter keinen Europäer.

Konstantinopel, 15. Okt. Bei der Pforte ist die Nachricht eingetroffen, daß die englischen Kriegsschiffe Sphinx" undPigeon" die türkische Stadt Zabara im Vilajet Basra auf der türkischen Halbinsel Katar am Persischen Meerbusen beschossen und zerstört haben. England will seit einer Reihe von Jahren die Schutz- Herrschaft über die an der Ostküste Arabiens gelegene Insel Bahrein ausüben, welche wegen ihrer Perlen­fischerei große Bedeutng hat. Schon seit Monaten kreuzt die zum indischen Geschwader gehörigeSphinx" in diesen Gewässern. Die Stadt Zabara liegt in der Nähe der Insel. Der unmittelbare Anlaß zu dem plötzlichen Vorgehen der Engländer ist nicht bekannt.

Konstantinopel, 16. Okt. Unter der Bevölkerung ist eine große Panik ausgebrochen. Wiederum erfolgten in den letzten Tagen Zusammenstöße zwischen Armeniern und Muselmanen, wobei Viele getöbtet und schwer ver­wundet wurden. Die Kirchen sind - von Neuem mit Flüchtlingen ungefüllt. Den Exzessen gegenüber ist die Polizei ganz machtlos. Aus Rußland drangen bewaffnete armenische Banden in das Vilajet Erzerum ein. Das Blutbad unter den Armeniern in Trapezunt scheint weit fürchterlicher gewesen zu sein, als das Massacre in Konstantiuopel. An die Bukarester griechische Zeitung Patris" ist aus Trapezunt ein Telegramm gelangt, worin die dortigen Zustände als schauererregende bezeichnet werden. Ueber tausend Männer seien daselbst niedergemetzelt und in der Umgebung von Trapezunt ebenfalls zahlreiche Familien ermordet worden. Vier im Hafen ankernde fremde Postdampfer seien überfüllt mit Flüchtlingen. Alle Opfer seien Armenier. Es herrscht dort eine furchtbare Panik. I

Tauger, 15. Oktober. Die Cholera greift in er­schreckender Weise um sich und ist bereits bis in die Riffgegend eingedrungen. In Tetuan sind während der lebten 20 Tage 1604 Fälle vorgekommen, davon 376 mit tödtlichem AuSgang, zumeist Mauren und Juden Von 20 erfrantien Europäern starben drei. Die Eingeborenen ergreifen durchaus keine Vorsichts­maßregeln.

Lokales und Provinzielles.

Schlächtern, 18. Okt.

* Der Regierungs-Präsident macht bekannt: Wegen epidemischen Auftretens der Maul- und Klauen­seuche ist auf Grund des §. 28 des Reichsviehseuchen- Gesetzes vom 1. Mai 1894 bis auf Weiteres die Ab­haltung der Rindvieh-, Schaf- und Schweinemärkte in den Kreisen Kassel Land, Eschwege, Frtzlar, Hanau, Hersfeld, Homberg, Hün'eld, Melsuugen, Rotenburg, Schmalkalden, Witzenhaufen und Ziegenhain untersagt.

* Die Berufung des Kommunallandtages des Regierungsbezirks Kassel zum 12. November d. J. nach der Stadt Kassel ist Allerhöchst genehmigt worden.

* Zur Subhastation ländlicher Grundstücke hat der preußische Justizminister, einer im Abgeordnetenhause gegebenen Anregung folgend, an sämmtliche Amtsgerichte eine Verfügung erlassen, nach welcher die Gerichte angewiesen werden, Termine zum gerichtlichen Zwangs­verkauf ländlicher Grundstücke nicht in den Winter­monaten anzuberaumen, sondern solche Termine bis in das Frühjahr hinein hinauszuschieben. Bei Anträgen auf Subhastation, die im Herbst oder Winter erfolgen, ist zwar das Erforderliche zu veranlassen, der Verkauf selbst ab;r erst im Frühjahre anzuberaumen.

Strrdfritz, 15. Okt. Vom Königl. Hauptsteueramt in Hanau ist die Errichtung einer Stempelvertheilung in hiesiger Gemeinde genehmigt und die Stelle dem Gemeinderechnungsführer Löfferl dahier übertragen worden. Bei demselben können Urkunden gestempelt und Siempelmarken rc. bezogen werden.

Schwarzenfels, 14. Okt. Der Gendarm Brück hierselbst ist vom 1. November ab nach Nottenbach bei Königsee in Rudolstadt als Postanwäner designirt ! worden.

Gersfeld (Rhön), 15. Okt. Am südlichen Fuß der Wasserkuppe ist vorzügliche Porzellanerde augefunden I worden, deren Verwerthung neben dem schon länger aufgedeckten Braunkohlenlager in Aussicht genommen ist. Zu diesem Zwecke hat sich auch kürzlich ein Ausschuß gebildet zur Förderung einer Eisenbahn von der Grube am Teufelstein und Rauschelbach vorbei über Pappen- Haufen nach Lütter. Gleichzeitig hofft man, daß Bayern die Lokalbahn von Bischofsheim unten am Bauersberg vorbei über Oberweißenbrunn nach Brückenau verlängert, dann dürste auch die preußische Eisenbahnverwaltung geneigt sein, die Strecke von Oberweißenbrunn nach Gersfeld auszubauen.

Gelnhausen. Am Sonntag war die Ehefrau deS Landwirths Heinrich Knötge in Haitz mit FettauSlassen beschäftigt; sie ließ die Pfanne wenige Zeit ohne Auf­sicht, um etwas zu holen und als sie wieder kam, sah sie das Fett in Flammen stehen. In Hast warf sie einen jedenfalls feuchten Lumpen darüber; nun begann das Fett zu spritzen und verbrannte die Frau am Kopf, besonders an dem einen Auge erheblich.

Großenlüder, 14. Okt. Nach hierher gelangter Nachricht ist bei der Katastrophe in Bocholt auch eine Person von hier ums Leben gekommen, nämlich der25Jahre alte, ledige Joseph Otterbein, Sohn der Wittwe Barbara Otterbein, der als Maurer an dem eingrstürzten Bau beschäftigt war.

Bcbra, 13. Okt. Gestern früh/a 6 Uhr brach in dem eine Stunde von hier entfernten Dorfe Jba Feuer aus und legte in ganz kurzer Zeit das Anwesen des Sattlermeisters B. vollständig in Asche. Mit welcher Schnelligkeit das Feuer sich verbreitete, geht schon daraus hervor, daß man von dem Vieh nur einige Schweine, welche in einem äußeren Anbau sich befanden, retten konnte, während vier Gänse, vier Ziegen und mehrere Hühner verbrannten. Gerettet konnte fast gar nichts werden, und zum größten Unglück war auch nichts ver­sichert. B., früher selbst Agent einer Feuerversicherungs« gesellfchaft, hatte aus unbekannten Gründen die Polize nicht wieder erneuert und ist nun in die härteste Lage