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UM?"ScfiMitecner Zeitung"

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Deutsches Reich.

Berlin. Für Den Besuch des Kaisers in Lothring n und Elsaß, der in etwa drei Wochen erfolgt, wer' . sowohl in Urville als in Straßburg und Wörth die umfassendsten Borlehrungen getroffen. Namentlich dürfte die Einweihung des Kaiser Friedrich-Denkmals bei Wörth sich überaus großartig gestalten. Außer den bereits früher genannten Fürstlichkeiten wird wahr­scheinlich auch der Prinzregcnt Luitpold von Bayern erscheinen. Das Denkmal wird in längstens 14 Tagen vollständig fertiggestellt sein. Im Straßburger Kaiser- palast soll am 18. Oktober nach der Denkmalsfeier eine große Galatasel statlfinden mit ungefähr 300 Gedecken.

Hinter dem Frhrn. v. Hammerstcin hat nunmehr unterm 23. Sept. der Untersuchungsrichter beim Land­gericht I Berlin einen Steckbrief erlassen, v. Hammer­stein wird danachwegen mehrfacher schwerer Urkundenfälschung in Verbindung mit Betrug und Un­treue" verfolgt.

Dresden, 23. Sept. Die armen bei dem Oederauer Eisenbahnunglück verwundeten Soldaten befinden sich den Verhältnissen entsprechend im Allgemeinen gut; nur zwei der Schwerverletzten sind noch nicht außer Lebens­gefahr. Als das Gepäck der Verunglückten am Freitag früh auf den Wagen von der Unglücksstelle nach dem Bahnhöfe Oederau gebracht wurde, bemerkte ein Haupt­mann auf einem der Wagen Civilzeug. Auf die Frage nach dem Ursprung dieser Sachen wurde ihm die Antwort:Gehört Soldat Seyfert." Auf die weitere Frage, wo Seyfert sei, erhielt der Offizier die kurze, aber schmerzliche Meldung:Todt, Herr Hauptmann!" Die Episode hat auf Alle, die zugegen waren, einen tiefen Eindruck gemacht. So erzählt ein Augenzeuge. Seyfert, welcher zur Entlassung kommen sollte, hatte, den Dresd. Nachr. zufolge, bei der Durchfahrt durch Freiberg das Bündel Civilklcider von seiner Mutter entgegengenommen, welche zu ihm an die Bahn gekommen war, um es ihm zu übergeben.

In Dresden wurde ein Kaufmann zu 500 Mk. oder 2 Monaten Gefängnis verurtheilt, weil er Zimmt, der mit 514 Proz. Rohrzucker vermischt war, als garantiert rein" verkauft hatte.

Minden. Nach Berichten aus den Haidegegenden der Provinz Hannover und im Großherzogthum Olden­burg ist die Honigernte eine glänzende. Stöcke, welche 80 bis 100 Pfund schwer sind, finden sich auf vielen Ständen. Die Korbimker müssen 40 bis öOpfündige Stöcke, durchweg Schwärmer, als Leibimmen in den Winter nehmen, weil die Nachschwärme zu schwer sind. Die Standbienen haben sich im Laufe des Sommers theils versicbenfacht.

Köln a. RH, 23. Sept. Der hier erfolgten Ver­haftung eines Franzosen und einer Französin wird eine große Bedeutung beigemeffen, weshalb die Staatsanwalt­schaft im Interesse der Allgemeinheit sowie behufs gründlicher Untersuchung des Sachverhalts jegliche Auskunft bis zur Stunde verweigert. Man glaubt durch die beiden verhafteten Personen einer ganzen Gesellschaft auf die Spur zu kommen. Die B. B. Z. erfährt darüber: Eines Tages ließ sich in Köln ein Franzose nieder, der Unterricht in der französischen Sprache ertheilte. In seiner Begleitung befand sich eine Dame, nicht, wie es hieß, seine Gattin. Er suchte namentlich Beamte von Großindustriellen als Schüler zu bekommen. Und endlich glaubte er einen solchen Schüler zu besitzen, dessen Naivetät ihm Gewähr dafür biete, daß er ihn nicht verrathen würde. Er forderte sodann unter phrasenreicher Darlegung, daß es sich nur um Bereicherung seines eigenen Wissens handle, daß der junge Mann ihm Kopien von einzelnen Dingen liefere, wo ür er sich erkenntlich zeigen werde. Der naive" junge Mann durchschaute den Franzmann aber sofort und meldete dies seinem Vorgesetzten. Dieser kalkulirte so: Dem Sp on müssen falsche Dinge unter

Abnahme eines Schwures überreicht werden, daß damit kein Mißbrauch geschehe. Das Ganze muß mit dem Nimbus des Geheimnisses umgeben werden. Der junge Mann wurde überdies seiner Klugheit wegen belobt. Denn wenn er das Verlangen des Franzosen abgelehnt Hütte, so hätte dieser sich auf anderem Wege das Ge­wünschte zu verschaffen gesucht. So aber war man seiner jedenfalls sicher. Das Weitere ergab sich von selbst. Inzwischen sollen auch, wie anderweit verlautet, in Magdeburg, Braunschweig und Essen Verhaftungen vorgenommen worden sein, die mit dieser Affäre in Verbindung stehen.

Ausland.

London, 24. Septbr. Die japanische Regierung hat bei der hiesigen Telegraph Coustruktion und and Maintenance Company 800 Meilen unterseeisches Kabel bestellt, und zwar ist dasselbe für die Kabellinie Japan-Forwosa bestimmt. Die japanische Regierung hat sich entschlossen, das Kabel durch ihre eigenen Leute legen zu lassen; das Kabelschiff jedoch wird hier gebaut.

London, 21. September. DieTimes" meldet aus Hongkong: Gestern beschenkte der Literaturkanzler bei der jährlichen Prüfung im Canton 1000 Studenten mit einer in Verse gebrachten Ausgabe einiger kaiser­lichen Verordnungen, in welchen gewisse Heterodoxe Lehren, die nicht genau bezeichnet werden, mit denen aber offenbar das Christenthum gemeint ist, streng vcr- urtheilt werden. In den Verordnungen heißt es: Die dumme schwarzhaarige Rasse achtet nicht auf das eigene Leben, da sie vorgibt, als unsterbliche Männer und Frauen wieder aufzuerstehen. Sie thut sich zu­sammen und geberdet sich gleich den Thieren. Ich, der Kaiser, befehle den Behörden, dieses Gewürm aus zurottcn, die Schlangen zu tödten und sie den Wölfen und Tigern vorzuwerfen.

Von London aus wird gegenwärtig versucht, australische und afrikanische Goldmincn-Aklien an den Mann zu bringen. Vor einer derartigen Anlage ihres überflüssigen Geldes seien hiermit alle kleinen Kapitalisten gewarnt. Bereits vor sieben Jahren haben an solchen Unternehmungen sich viele Leute bethciligt und damals große Verluste erlitten. Bei der Unsicher­heit der Verhältnisse bei der Goldgewinnung kann sich ein solcher Krach ungemein leicht wiederholen; deshalb sei vor den Goldminen-Aktien gewarnt.

Constantinopel, 26. September. Die Ortschaft Hodeyda im Bezirk Aemen wurde von einem heftigen Wolkenbruche heimgesucht, welcher eine Bergrutschung herbeiführte. Ein Bazar, worin sich eine große Menschenmenge geflüchtet hatte, wurde verschüttet, wobei mehrere Hundert Menschen getödtet worden sind.

Lokales und Provinzielles.

Schlüchtern, 27. Sept.

* Auf der Rückkehr aus dem Manöver trafen vorgestern Nachmittag 3 Batterien Darnistiidter Artillerie hier ein und bezogen Quartier auf 2 Tage. Heute morgen marschirte die Artillerie weiter nach Gelnhausen und dafür traf eine Schwadron Dragoner ein, die auf einen Tag Quartier bezog, während andere Schwadronen sowie auch Artillerie nach Steinau und auf die Dörfer einquartirt wurden. Die Soldaten klagen im übrigen sehr über die wenig entgegenkommend!: unfreundliche Haltung der Bewohner des Mauvvcrgeländcs in den Kreisen Fulda und Hünfeld.

* Ein falsches Zwanzigmarkstück ist dieser Tage in einem Kasseler Geschäfte in Zahlung gegeben worden. Das Goldstück war aus minderwerthigem Metall her- geftedt, leicht übergoldet und etwas schwerer als die echten Zwanzigmarkstücke. Da wohl anzunehmen ist, daß der Versuch gemacht werde, weitere derartige Falsifikate in Umlauf zu setzen, sei beim Umwechseln von Goldstücken die größte Vorsicht anempfohlen.

* Ueber die Ledci preise wird geschrieben: In­folge mehrjährigen Futtermangels hat sich der Vieh­bestand im Allgemeinen bedeutend verringert, so daß wegen der nunmehr nöthigen Ergänzung zur Zeit dadurch schon ein Mangel an Rohleder entstanden ist. Auch durch den in Amerika mit einem Grundkapital von 120 Millionen Dollars begründeten Ledertrust, welcher den gesammten amerikanischen und europäischen Häute- markt auszukaufen sucht, sowie durch den entstandenen Mehrbedarf an Leder in Amerika, welches bedeutende Lieferungen in Folge des Krieges nach Japan und China hat, ist eine Steigerung sämmtlicher Ledersorten um 30 bis 40 Prozent eingetreten. Da in nächster Zeit ein Fallen der Preise ausgeschlossen ist, sind alle Leder verarbeitenden Branchen, so auch die Schuhmacher, gezwungen, eine Preiserhöhung für ihre Erzeugnisse eintreten zu lassen.

* Für den Grundstücksverkehr ist folgendes Er­kenntniß des Reichsgerichts von besonderem Interesse. In einem Civilstreite über den Kauf eines Hauses hatte der Beklagte den Einwand erhoben, daß er durch wissentlich unrichtige Angaben des Verkäu'ers über hie bauliche Beschaffenheit des von ihm gekauften Hauses getäuscht worden und deshalb berechtigt sei, vom Ver­trage zurückzutreten oder wenigstens den Kaufpreis zu kürzen. Nun enthielt der Kaufvertrag eine Bestimmung, daß für die bauliche Beschaffenheit der Gebäude, die dem Käufer genau bekannt sei, eine Gewähr nicht übernommen werde". Das Gericht war nun auf Grund dieser Be­stimmung der Meinung, daß der Käufer, da er im Vertrauen auf die Richtigkeit der ihm gemachten Zu­sagen sich mit der Nichtgewährleistung einverstanden erklärt habe, sich nun nicht plötzlich mit dieser Er­klärung in Widerspruch setzen könne. Das Reichsgericht war anderer Ansicht, weil der Käufer bei Abschluß des Vertrages durch wissentlich unwahre Angaben getäuscht worden sei. Von der Haftung für dolus, so führt das Reichsgericht aus, sind die Grundstücksverkäufer durch eine derartige Vertragsbestimmung nicht befreit.

Orb, 24. Sept. DieOrber Zeitung" wird am 1. Oktober ihr Erscheinen eiuftellen. Die hiesigen städtischen Behörden haben dem Plane der Einführung elektrischer Beleuchtung gegenüber bisher eine ablehnende Haltung eingenommen. Das Projekt soll nun, wie verlautet, von privater Seite ausgcsübrt werden. Die Hasselsmühle, ein für derartige Unternehmungen in jeder Beziehung geeigneter Platz, ist hierfür in's Auge gefaßt und die Verhandlungen mit dem Offenbacher Elektrotechniker Herrn Georg Brumm sollen bereits dem Abschlüsse nahe sein.

Aus dem Kreise Hanau, 22. Sept. Wohl noch selten hat der Hanauer Markt ein solches Quantum Zwetschen ausgestellt gesehen, wie der gestrige in der Frühe; die Preise für Wiederverkäufe«: oder größere Konsumenten variirten zwischen 2 Mk. 80 Pfg. bis S'/a Mk. pro Centuer. Das größte Quantum wurde unstreitig von Hochstadt geliefert, nahe an 40 Gespanne machten sich Morgens um die 4. Stunde auf den Weg; es dürften von diesem Orte 6700 Centner zu Markt gebracht worden sein. Nach unge ährcr Schätzung haben die Hochstädter bis jetzt ca. 4000 Centner verkauft und sie sind noch lange nicht alle. Kein Wunder, daß bei dem heutigen Zwetscheukuchen-Sonntag in keiner Familie der schmackhafte Zwetichenkuchen fehlte.

Hanau, 24. Sept. Das hiesige Schöffengericht ver­handelte heute u. a. gegen eine Frau von Oberrodenbach

wegen Fälschung dczw. wegen Verkaufs verfälschter Milch und wurde die Frau zu 80 Mk. Geldstrafe ver­urtheilt. Ebenfalls wegen Milchälschung angcklagt war ein in sehr guten Verhältnissen lebender Ockonom von Hanau. Die von ihm verfälschte Milch wurde bei zwei Bäckermeistern untersucht und ein Wasserzusatz von 3/io und 4/io festgestellt. Der Angeklagte gibt zu, der Milch Wasser zugesetzt zu haben, aber aus dem Grund, weil dieselbe zu fett gewesen sei und sich nicht gut kochen lasse; das zugefitzte Quantum Wasser könne den angegebenen Prozentsatz aber nicht erreichen. Weiter gibt er an, daß das Wasser möglicherweise aus Versehen unter die Milch gerathen sein könne, denn er stelle die Milch zum Schutz gegen die Fl egen in ein dunkles Zimmer, woselbst er auch die Milch in die Töpfe cinfülle. In einem dieser Töpfe könne dann etwas Wasser gewesen sein, das er aber nicht gesehen habe. Mit dieser Ausrede