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SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

tM 77. Mittwoch, den 25. September 1895.

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Bestellungen auf das 4. Quartal 1895 (Oktober, November, Dezember) der

WM*'Scfihiciiterncr Zeitung" ^WM bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, aufgeben zn wollen, und zwar möglichst bis zum 27. d. Mts. Spätere Bestellungen resp. Nachlieferungen müssen an die Post extra bezahlt werden. Die Expedition.

Ueber die Gestaltung der Getreidepreise verbreitet sich ein im Ausrage des Kriegsministeriums bearbeitetes, ursprünglich für den Gebrauch der Proviant­ämter bestimmtes Werk mit dem Titel:Getreide und Hülsenfrüchte als wichtige Nahrungs- und Futtermittel" in so klarer und sachlicher Weise, daß dasselbe in allen Kreisen große Beachtung verdient. Hervorzuheben ist eine mit großer Klarheit und Schärfe behandelte Unter­suchung, welche Einflüsse bei der Gestaltung der Getreidepreise maßgebend sind, besonders wegen des Ergebnisses, zu welchem dieselbe wohl im Widerspruch mit der allgemein herrschenden Ansicht führt. Es heißt da: Für die Gestaltung der Getreidepreise ist im Allgemeinen das jeweilige Verhältniß von Vorrath und Bedarf entscheidend. Daher werden die Getreide­preise nach reichlichen Ernten niedrig, nach geringen aber hoch stehen. Allerdings kommt hierbei unter der jetzigen Entwicklung der Handelsverhältnisse weniger der Ernteausfall des einzelnen Landes als derjenige auf der ganzen Erde in Betracht. Daneben spielen aber jeder Zeit auch die noch aus früheren Ernten vor­handenen Getreidevorräthe eine Rolle. Der Welt- getreidehandel hat einen Ausgleich zwischen den Gebieten mit günstigen und ungünstigen Ernten bewirkt, so daß die aus einem örtlichen Mangel oder Ueberfluß her- rührenden übertrieben hohen oder übertrieben niedrigen Preise früherer Zeiten im Großen und Ganzen in Wegfall gekommen sind. Wären nun Vorrath und Bedarf auf bestimmte Zeiträume im Voraus genau bekannt oder mit einiger Sicherheit wenigstens annähernd festzustellen, so würden zwar die verschiedenen Erntejahre je nach den wechselnden Erträgnissen nicht unerhebliche Preisunterschiede aufweisen, dagegen im Verlauf jedes einzelnen derselben nennenswerthe Preisschwankungen schwerlich stattfinden. Indeß ist eine einigermaßen zutreffende Kenntniß der Vorraths- und Bedarfs­verhältnisse höchstens für die rückliegende Zeit auf Grund der Ernte- und Handelsstatistik zu erwerben; über die augenblickliche oder künftige Höhe der Vorräthe sind nur Schätzungen möglich. Da diese jedoch häufig zu unrichtigen Ergebnissen führen, so kommt es im Wesentlichen auf die persönliche Meinung der Einzelnen, auf das Urtheil an, welche sich diese über den Stand, sowie über die voraussichtliche Entwicklung der Ver­hältnisse bilden. Die Ansichten weichen der Natur der Sache nach sehr häufig von einander ab. Gingen die Ansichten über den Einfluß aller dieser Verhältnisse auf die künftige Preisgestaltung nicht auseinander, so würden die entgegengesetzten Interessen der Verkäufer und Kaiser, von denen die Einen möglichst theuer abzugeben, die Anderen möglichst billig zn beschaffen bestrebt sind, es häufig zu keinem Geschäftsabschluß kommen lassen. Zunächst wird immer derjenige sich in der günstigeren Lage befinden, an welchen das Angebot oder die Nach­frage des Anderen Herantritt, weil er bei diesem das größere Interesse am Zustandekommen des Geschä ts, vielleicht sogar einen Zwang dazu voraussetzeu und dem­gemäß seine Bedingungen stellen kann. Bei starkem Angebot wird das Vorhandensein größerer Vorräthe oder geringeren Bedarfs vermuthet. Umgekehrt wird aus einer stärkeren Nachfrage auf Erschöpfung der Vorräthe oder Steigerung des Bedarfs geschlossen. Die Folgen, welche aus der überwiegenden Einwirkung von Angebot und Nachfrage auf die Preisgestaltung entstehen, können unter Umständen um so bedenklicher sein, als die Parteien ihre wahre Meinung nicht selten verschleiern und mit Hilfe von Angebot und Nachfrage eine irrige Auffassung über die augenblicklichen Vorraths- und Bedarfsverhältnisse zu erregen suchen. Die damit in Zusammenhang stehenden Spekulationen, welche im einzelnen Falle nicht selten glücken und dann vorübergehend die Preise mit der wirklichen Lage des Getreidemarktes in Widerspruch setzen, können aber auf die Dauer und im Endergebnisse eine nach den thatsächen Vorraths- und Bedarfs-

Deutsches Reich.

Berlin, 21. Sept. Der Kaiser weilt gegenwärtig im Jagdschloß Rominten in Ostpreußen und macht täg­lich Pürschgänge. Den Wachtdienst in Rominten ver­sehen diesmal zwei Kompagnien. Diese Neuerung hat, wie verlautet, darin seinen Grund, daß der Monarch trotz wiederholten Verbots bei seinen früheren Besuchen daselbst auf Schritt und Tritt vom -Publikum begleitet wurde; um dies zu verhüten, wird jetzt das ganze Revier mit Posten besetzt. Am Sonntag besuchte der Kaiser, welcher sich des bestens Wohlseins erfreut, den Gottes­dienst in der Schloßkirche. Sein Jagdaufenthalt wird voraussichtlich bis zum 8. Oktober dauern.

* Bei der Reichspost - Verwaltung ist seit Kurzem eine Neuerung in Kraft getreten, nach welcher unbrauchbar gewordene Postkarten nur mit dem Markenwerth und nicht, wie bisher üblich, durch ein neues Formular vergütet werden. Auf Postanweisungen findet diese Bestimmung keine Anwendung.

* In Folge eines Erlasies der Minister des Innern und des Handels und Gewerbe haben die BezirkAregierungen, wie dieFrankfurter Zeitung" ver­nimmt, Polizeiverordnungen über die äußere Heilig- haltung der Sonn- und Feiertage auszuarbeiten und dabei nach den ihnen mitgetheilten Grundzügen zu verfahren. Für den Handel- und Gewerbebetrieb sind einzelne der vorbcreiteten Bestimmungen von nicht geringer Bedeutung. So sollen beispielsweise nach den neuen Paragraphen die Läden während der Zeit der gesetzlich vorgeschriebenen Sonntags- rc. Ruhe nicht nur geschlossen, sondern auch alle Ladenthüren und Schaufenster sollen eingeklinkt, geräumt oder verhängt sein. Auch sonst sollen mancherlei Beschränkungen Platz greifen.

* Betreffs der Führung der Handelsregister hebt eine allgemeine Verfügung des Justizministers an die Gerichte hervor, daß nicht immer von richtigen Gesichtspunkten ausgegangen werde bei Beantwortung der Vorfrage, ob der Betheiligte als Kaufmann anzusehen oder den im Artikel 10 des Handelsgesetzbuches bezeichneten Klassen der Höker, Trödler, Hausirer und dergleichen Handelsleuten von geringerem Gewerbe­betriebe, den Wirthen, gewöhnlichen Fuhrleuten, gewöhn­lichen Schiffern und Denjenigen zuzuzählen sei, deren Gewerbe nicht über den Umfang des Handwerksbetriebes hinaus geht. Namentlich finde der, damit eine Firma als euttragungsfähig in das Handelsregister angesehen werden könne, stellenweise verlangte Nachweis eines Anlagekapitals von wenigstens 10,000 Mk. oder eines Jahresumsatzes im doppelten Betrage im Gesetze keinerlei Begründung, und blos um des geringen Betriebskapitals oder Umsatzes willen dürfte die Eintragung überhaupt niemals versagt werden, sofern nur die Art einer Handelsniederlassung nicht mit dem Geschä te eines Hökers, Trödlers oder HausirerS zusammenfalle. Das Gewerbesteuergesetz vom 24. Juni 1891 kennt eine besondere Besteuerung vom Handel nicht mehr, sondern nur die nach dem jährlichen Ertrage oder dem Werthe des Anlage- und Betriebskapitals ohne Rücksicht auf die Art des Gewerbes. Daher wird nach der Ansicht des Justizministers die Veranlagung zu einer Gewerbe- stcuei klaffe gegenwärtig nur noch in geringerem Maße einen Anhalt dafür geben können, ob ein Recht oder eine Verpflichtung zur Eintragung der Handelsnieder­lassung in das Handelsregister besteht.

Was eine Volkszählung kostet. Wie bekannt, findet am 2. Dezember d. Js. eine Volkszählung im Deutschen Reiche wieder statt. Zu derselben werden, derGraph. Post" zu Folge, allein für Preußen etwa 55 Millionen Formulare gebraucht, die eine Leistung

| Verhältnissen sich richtende Preisbewegung nicht aufhalten, da sie, von der Wirklichkeit losgelöst, nicht lange für sich allein bestehen können."

von mehr also Millionen Druck erfordern. Das Papier dazu hat ein Gesammtgewicht von etwa 229,000 Kilo­gramm im Werthe von etwa 60,000 Mark.

Die Stadt Berlin hat, wenn man die Einnahmen und Ausgaben der städtischen Werke für 1894/95 mit in den Etat hineinzieht, eine Einnahme von 163 618 580 Mark gehabt, der eine Ausgabe von 154 420 308 Mark gegenübersteht. Der Etat der Stadt ist also im Ver­gleich mit demjenigen der Bundesstaaten der drittgrößte; erst kommt Preußen mit 1935 Millionen, dann Bayern mit 328 Millionen, Sachsen hat nur 100 Millionen, Württemberg 69, Baden 66 Millionen auf dem Etat.

Kiel. Durch die Thatsache, daß ein ganzes Kriegsgeschwader der größten Panzer Deutschlands den Nord Ostsee Kanal ohne Unfall passirte, ist, wie der Voss. Zig." aus Kiel geschrieben wird, der Beweis erbracht, daß der neue Wasserweg vollkommen leistungs­fähig ist. Der Kanal hat jetzt auf seiner ganzen Strecke die vorgeschriebene Wassertiefe, die man nicht nur mit Leichtigkeit erhalten, sondern auch ohne große Schwierigkeit noch vertiefen kann.

Hamburg, 19. Sept. DerHamburgischen Börsen- halle" zufolge, beabsichtigt die Firma Rickmers, Reis­mühlen, Rhederei- und Schiffsbauaktiengesellschaft in Bremen in Verbindung mit anderen Firmen eine regel­mäßige Dampferlinie Hamburg-Antwerpen-China-Japan mit 7 großen Dampfern zu 67000 Tonnen Trag­fähigkeit ins Leben zu rufen. Diese Dampfer sollen abwechselnd mit den Dampfern desNordd. Lloyd fahren und namentlich Massenartikel befördern.

Minden, 20. Sept. In vergangener Nacht zer­störte eine Feuersbrunst das Maschinenhaus, welches zu dem im Bau begriffenen Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf der Porta Westphalia gehört. Zahlreiche Maschinen sind verbrannt. Der Weiterbau in diesem Herbst ist unmöglich.

Münden, 15. Sept. Die am linken Werraufer liegenden Chattenbühler Mühlensteinbrüche sind für einen Zeitraum von zehn Jahren wieder neu verpachtet worden. Bei der Verpachtung der Steinbrüche im Jahre 1893 stieg der Pachtpreis von 2900 Mark auf 7800 Mark. Da nun der Pächter der Königlichen Regierung glaubhaft nachgewiesen, daß die Brüche unter keinen Umständen die so erhöhte Pacht aufzubringen vermögen, so hat die Regierung in den Rücktritt des Pächters vom Pachtverträge eingewilligt. In der jetzt erfolgten Wiederverpachtung wurden die Brüche von dem bisherigen Pächter für den Pachtzins von jährlich 4000 Mark wieder übernommen. Die Chattenbühler Mühlensteinbrüche, die schon Jahrhunderte im Betrieb sind, liefern ein Material, das sich eines guten Ru'es im In- und Auslande erfreut und im Stande ist, mit dem französischen Mühlstein erfolgreich zu concurriren.

Mainz, 22. Sept. Sämmtliche hiesige Schuhmacher veröffentlichen in den hiesigen Blättern eine Erklärung, wonach sie genöthigt seien, in Folge des bedeutenden Lederaufschlages von jetzt ab bei sämmtlichen neuen Schuh­waaren und Reparaturen eine vorläufige Erhöhung von 10 pCl. eintreten zu lassen.

Aus Niederbayern, 21. Sept. Der Gastwirth Seng- müller von Hofstarring hat zwei englische Schweine ge­züchtet, aufge/üttert und nach Landshut verkauft, welche das unglaubliche Gewicht von 9 resp. 8 Centnern per Schwein hatten. Ein solchesSauglück" hat man in Niederbayern, fügt Herr Dr. Sigl, der Redakteur desBayer. Vaterl.", welcher selber ein Niederbayer ist, mit berechtigtem Nationalstolze hinzu. Derselbe Wirth hat auch 4 Ochsen im Stalle, von denen einer auf 2122 Zentner lebend Gewicht geschätzt wird. Das Ochienglück scheint demnach in Niederbayern auch nicht schlecht zu sein.

Chcmnitz, 20. Sept. Wie dieNeuesten Nach­richten" nulden, stieß in der vergangenen Nacht auf der Strecke zwischen Freiberg und Oederan ein Militärextrazug, welcher das 133. Infanterie-Regiment aus dem Manövergelände in seine Garnison Zwickau bringen sollte, auf einen Gülerzug. Fünf Wagen des Militärzuges und zwei Wagen des Güterzuges sind zertrümmert. Nach den Berichten derNeuesten Nachrichten" wären noch in der Nacht in zwei Zügen 80 Verwundete und 13 Todte nach Chemnitz gebracht worden. Die Verunglückten gehören zumeist der 1. Kompagnie des Regiments an.

Zwickau. Eine originelle Ehrung seiner Veteranen bewirkte der Kriegerverein im Vororte Vielau bei Zwickau.