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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen losten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 18. September

1895.

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Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat seine Reisedispositionen dahin abgeändert, daß er nach Beendigung der Flotten­manöver nicht nach Swinemünde zurückkehrt, sondern sich gleich von Danzig nach Ostpreußen zu einem Jagd- aufenthalt in Rominten begidt, der etwa 14 Tage dauern wird.

Mit der Ernennung des Grafen Waldersee ist die Zahl der Generalfeldmarschälle und der im Range denselben gleichstehenden Generalobersten wieder auf 8 gestiegen. Der älteste ist Generalfeldmarschall Graf Blumenthal, der am 15. März 1888 vorn Kaiser Friedrich zu dieser Charge befördert wurde. Es folgt Prinz Georg von Sachsen (15. Juni 1888), Prinz Albrecht von Preußen (19. Juni 1888), Generaloberst der Cavallerie Großherzog von Baden (25. Juni^888), Generaloberst der Cavallerie Großherzog von Sachsen (Dezember 1889), Generaloberst der Cavallerie Fürst Bismarck (20. März 1890) und Generaloberst der Cavallerie Freiherr von Los (September 1893.)

* In der Sonntags-Nummer derKreuzztg." schreibt der Pariser L.-Berichterstatter unter dem 5. Sept. Folgendes:Es ist unmöglich, auf alle die Schandlügen einzugehen, die über das Berhalten der deutschen Armee in Frankreich im Jahre 1870 in den hiesigen Hetzblättern veröffentlicht werden. Man kann eben nur Proben anführen. In einem Artikel der ... . heißt es u. a.: Pendulendiebe hat man sie genannt, aber das ist nichts im Vergleich zu ihren Grausamkeiten, und es ist von aktuellem Interesse, zu zeigen, was während der Operationen und nach den Siegen jene Soldaten waren, welche von ihren Offizieren mit Peitschenhieben und unter Bedrohung durch den Revolver ins Feuer geführt wurden." Und dann wird erzählt, wie bei Dijon ein verwundeter französischer Offizier geknebelt, mit Petroleum begossen und auf einem Scheiterhaufen verbrannt wurde, ^ während die Kannibalen d. h. diePrussiens", unter Freudengchcul ihn umtanzten. Unter dieser Räuber­geschichte folgen andere von gleichem Kaliber!" ~ Die Zeitung, der der Berichterstatter diese niedliche Stilprobe entnommen hat, ist das Hauptblatt der französischen Antisemiten, die Drumon'fcheLibre Parole", welche die gut antisemitischeKreuzzeitung" zu den Hetzblättern zählt. Nun, sie muß es ja wissen. Unglücklicher Weise ist die Geschichte, welche dieLibre Parole" aufwärmt, längst widerlegt. Schon im Januar 1871 hatte sie Garibaldi in einem Tagesbefehl erzählt. Thatsächlich war, bemerkt dieKöln. Ztg." die Leiche im Haupt- krankenhause in Dijon ausgestellt, hier ist sie von preußischen Militärärzten, die bei den Verwundeten zurückgeblieben waren, untersucht worden, und nach dem von französischen Offizieren und Aerzten unterschriebenen Befund stellte sich heraus, daß der Offizier durch eine Miniskugel, also durch ein französisches Geschoß getödlet 4 war, die vom Rücken durch Rückenmark und Lunge ein­gedrungen war und den sofortigen Tod herbeigeführt hatte. Die Leiche zeigte keine Spur von einem Binden ik- an Händen und Füßen. Thatsächlich war der Offizier von seinen eigenen Leuten erschossen worden, als er sie aufforderte, sich zu ergeben. Die Preußen legten spä:er Feuer an das Schloß und bald ergab sich die Besatzung. Die Leiche des Offiziers aber hatte man, da sie auf der vom heftigsten Gewehrfeuer bcstrichencn Treppe lag, nicht fortbringen können, und so wurde sie theilweise versengt. Alles das ist seitens der Militär­verwaltung schon im April 1871 festgestellt woidcn. Der famose General Munier hat dem Pariser Figaro neulich eine Fabel aufgetischt, welche beweisen sollte, daß die deutschen Truppen ihre Quarticrgcbcr in Feindesland bestohlcn hätten. Demgegenüber scheint es angebracht, an eine Begebenheit zu erinnern, welche aktengemäß festgelcgt, in der offiziellen Regimenis- geschichtc der 10. posenschen Ulanen verzeichnet steht. Dieselbe führt uns einen französischen Quartiergeber

I üor, der weit schlimmer war als einvoleur". Nach dem Gefecht bei Jlliers nahmen zehn Ulanen im Dorfe St. Georges Quartier, der Wachtmeister Kilpert und der Einjährig-Freiwillige Unteroffizier Gottschlinz bei einem behäbigen Müller Namens Beauchere. Nachts erwachte K. plötzlich durch ein Geräusch: er richtet sich auf und erblickt beim fahlen Schein einer Stalllaterne den biederen Quartiergeber, wie dieser eben Begriff steht, dem Einjährigen ein langes Messer in die Brust zu stoßen. Ausspringen und dem feigen Mordbuben das Messer entwinden, war für unsern Ulanenwachtmeister eins; mit Hilfe des inzwischen wach gewordenen Ein­jährigen wurde der Kerl alsbald zu Boden geworfen und gefesselt; zwei Tage darauf wurde er kriegsgerichtlich erschossen.

* Der Mißbrauch, welcher mit dem Berichtigungs­paragraphen des Paßgesetzes gegenüber den Zeilungs- redaktionen getrieben wird, gelangt auch in der Kreuzzeitung" an der Hand der neueren Judikatur zur Erörterung. Das konservative Organ schreibt: Jeder Schwindler, jeder Gauner, vor dessen gemein­gefährlicher Thätigkeit zu warnen doch eine der vornehmsten Pflichten einer anständigen Presse ist, hat es auf Grund dieser Judikatur in der Hand, in der Oeffentlichkeit glänzend gerechtfertigt dazustehen. Sobald eine Redaktion fein dunkles Treiben in durchaus zutreffender Weise charakterisirt hat, kann er sie dazu zwingen, seine wahrheitswidrigen Behauptungen als Berichtigung aufzunehmen, und dadurch bei dem Publikum den Anschein zu erwecken, als fei einem Ehrenmann bitterböses Unrecht gethan. Das heißt nichts anderes, als dem Schwindel Thür und Thor öffnen, ihn mit dem Glorienschein der gekränkten Unschuld zu umgeben, die zu ihrer Warnung von den gesetzlich zustehenden Befugnissen nothgedrungen Gebrauch machen muß, und dadurch für ihn nolens volens Reklame zu machen. Ebenso ist mit Recht darauf hingewiesen, daß der Aus­weg, den das Gericht dem Redakteur nahe legte, nämlich sofort an eine solche Berichtigung diesbezügliche Bemerkungen zu knüpfen, in Wirklichkeit nur illusorischen Werth hat. Denn gegen diese Bemerkungen steht ja dem Betroffenen sofort wieder der Schutz des §. 11 zur Seite, und es liegt auf der Hand, daß er in einer darob mit der Redaktion entbrennenden Preßfehde Sieger bleiben muß, da, wie dem Angeklagten de jure das letzte Wort zustcht, das Gleiche bei ihm de facto der Fall ist."

Hamburg, 14. Sept. Die Militärbehörde in Altona verbot den Soldaten den Besuch von 24 Hamburger, 11 Allonacr, und zwei Wandsbecker Tanz- und Schanklokalen.

* Bremen. Der Schnelldampfer des Nord­deutschen Lloyd in BremenTrave", Kapitän Thaten orst, hat mit der im Juli d. Js. beendeten Reife die hundertste Rundreise über den atlantischen Ozean zurückgelegt. DieTrave", die zu den belieb­testen Passagierdampfern des Norddeutschen Lloyd gehörte, beförderte in dieser ununterbrochen glücklichen Fahrzeit 94,061 Personen, eine Ziffer, die kaum von irgend einem anderen Dampfer aufzuweisen sein dürfte. Der DampferTrave" hat eine Länge von 438 Fuß, eine Breite von 48 Fuß und eine Tiefe von 34'/, Fuß; der Raumgehalt des Schiffes beträgt über 14000 Cubikmeter. Die Besatzung des Schiffes stellt sich auf etwa 200 Köpfe. Bei einer Geschwindigkeit von etwa 18 Meilen in See beträgt der Kohlenverbrauch etwa 30,000 Centner pro Tag.

Lübeck Eine lobciiswerthe Einrichtung hat die Lübeck Buchener Eisenbahn für ihre Fahrgäste getroffen. Dieselbe hat nämlich mit einer Versicherungsgesellschaft einen Vertrag abgeschlossen, auf Grund dessen jeder Passagier der Bahn mit 15000 Mark gegen Unfall versichert ist.

Bamberg, 10, Sept. Das hiesige Oberbahnamt

hat verordnet, daß Arbeiter, die mit ermäßigten Arbeiter- fahrkarten die Eisenbahnzüge benutzen, in besonderen Abtheilen oder Wagen untergebracht werden müssen. Um begründeten Klagen des reisenden Publikums wegen Belästigung durch im Arbeitsgewande befindliche mit­reisende Arbeiter vorzubeugen", heißt es in der Ver­ordnung. Wie mag wohl auf die Arbeiter diese selt­same Verordnung einwirken? In Festreden und Zeitung- artikeln wird der Arbeitskittel alsEhrenkleid" gerühmt, in der Eisenbahn aber sperrt man das Arbeitskleid in ein besonderes Abtheil, damit das übrige Publikum nicht begründet" die Nase rümpft. Es lebe das Zeitalter der Sozialreform!"

Die Karten von Lothringe erden demnächst eine Berichtigung erfahren müssen, indem es nicht lange dauern wird, bis das im Landkreise Metz gelegene Dorf Nidonge vom Erdboden verschwunden ist. Ein Herr de Curel kauft nämlich zur Vergrößerung seiner Jagden so viel wie möglich Felder auf, um sie in Wälder um- zuwandeln. Das erwähnte Dorf ist bis auf einige Häuser bereits sein Eigenthum und schon größten Theils abgebrochen. Auch die wenigen noch vorhandenen Familien werden, wenn sie nicht in kurzer Zeit mitten im Walde wohnen wollen, verkaufen müssen. Damit ist das Schicksal des Dorfes, das schon im 12. Jahr­hundert erwähnt wird und auf deutsch Nidingen heißt, besiegelt.

Ausland.

Bern, 12. Sept. Vom Altelskletscher sind große Eismassen auf die Spitalmatte (Höhe des GemmipasseS, welcher von Frutigen (Kanton Bern) nach Leuk in Wallis führt), abgcstürzt. Eine 3 Kilometer lange Strecke ist davon bedeckt. Nach neueren Mittheilungen sind mehrere Alpenhütten zerstört worden. Der Luft­druck war so stark, daß das Vieh an dir andere Thal­wand und wieder zurückgeschleudert wurde. Die Alp- Spitalmatte, welche drei Stunden von Kandersteg enO fernt liegt, ist total verschüttet. Der Schutt liegt in einer Länge von drei Kilometern haushoch. Ein großer Lärchenwald ist vollständig fortgefegt. Alle sechs auf der Alp anwesend gewesene Personen sind todt. 150 Stück Großvieh sind verloren. Die Alpabfahrt sollte gestern stattfinden. Wenige Stunden vorher (Morgens 5 Uhr) brach die Katastrophe herein. Vor ungefähr hundert Jahren ereignete sich an derselben Stelle eben­falls am Tage der Alpabfahrt ein gleicher Unfall unter denselben Umständen.

Bukarest, 14. Sept. Der türkische DampferIs­mail" stieß auf dem Schwarzen Meere mit einem eng­lischen Dampfer zusammen. DerIsmail" ist unter­gegangen. 60 Personen sind ertrunken.

New-Aork, 13. Sept. DerNew-Dork-Herald" meldet, daß in Honduras ein schreckliches Erdbeben statt- fand; in Detapau wurden über 300 Personen geiödtet. Das Erdbeben begann am 8. September und hörte erst am 10. September wieder auf. Es wiederholte sich dann Nachts mit einem schweren, einer Kanonade gleichende Getöse. Es herrscht eine große Panik. Wie verlautet, wurden in Aetapan 71 Häuser zerstört, 153 Personen getödlet und viele vermißt; in Corajunck wurden 37 Häuser zerstört und 95 Personen getödtet, und in Cayusea wurden 111 Personen getödtet.

Lokales und Provinzielles. * Schlächtern, 17. Sept.

* Zur Vorsicht beim Weiden des Viehes auf Stoppelfeldern nach beendeter Ernte mahnt der folgende Fall, über den aus Neubrandenburg berichtet wird: Eine Schafheerde aus dem benachbarten Dorfe Lingen hatte auf einem Weizenfelde geweidet. Als die Heerde bald darauf getränkt worden war, quollen die Weizen- körner in den Verdauungsorganen der Thiere dermaßen an, daß in kurzer Zeit eine größere Anzahl starb. Innerhalb weniger Tage sollen nicht weniger als 140 Schafe krepiert sein, von denen nur noch das Fell verwendet werden kann. Sämmtliches Fleisch mußte vernichtet werden. Nach Mittheilung von Landwirthen soll auch für Schweine die Weide auf neuen Stoppel­feldern leicht schädlich werden können.

' Die Bahnhofsrestaurateure sind, wie Berliner Blätter melden, auf höhere Anordnung hin angewiesen worden, nunmehr auch während der ganzen Nacht die Wartesäle I, und II. Klasse geöffnet zu halten und für