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SchlüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

«A£ 73. Mittwoch, den 11. September 1895.

Amtliches.

St. J.-Nr. 1811. Die durch meine Kreisblatt­verfügung vom 31. August 1895 St. J.-Nr. 1811 angeordnete Wahl der Mitglieder zu den Steuerausschüssen der Gewerbestenerklassen 111 und IV wird hierdurch mit Rücksicht auf die statt- findende Kreis-Ausschußsitzung auf

Mittwoch, den 18. September 1895, Vormittags 10 bezw. 11 Uhr, verlegt.

Schlüchtern, den 7. September 1895. Der Vorsitzende der Steueuerausschüsse der Gewerbe- steuerklassen III und IV:

Roth.

Die Erledigung der diesseitigen Verfügung vom 28. v. Mts. J.-Nr. 5053 betreffend Einsendung der Stimmzettel seitens der Herren Lehrer, wird hierdurch in Erinnerung gebracht mit dem Bemerken, daß, wenn die Stimmzettel hier nicht binnen 3 Tagen eingehen, keine Rücksicht auf die fehlenden Stimmen genommen werden wird.

Die Herren Bürgermeister haben die Herren Lehrer von dieser Verfügung sofort in Kenntniß zu setzen.

Schlüchtern, den 9. September 1895.

Der Königliche Landrath: i. V.: Goerz. .

Deutsches Reich.

Berlin, 9. Sept. Ein Extrablatt desReichs- anzeigers" veröffentlicht einen kaiserlichen Erlaß, in * welchem Se. Majestät seinen Dank ausspricht Allen, die dem Kaiser anläßlich der Siegesjubiläen Grüße ge­sandt haben. Mit Genugthuung erfüllte den Kaiser die Begeisterung, mit der das Volk die Wiedergeburt des deutschen Reiches gefeiert hat. Ein Volk, welches so seine Todten ehre und seiner Vergangenheit gedenke, werde, so hoffe er zuversichtlich, allezeit treu zu Kaiser und Reich stehen und sich der vaterlandslosen Feinde der göttlichen Weltordnung zu erwehren wissen, die selbst in den Tagen der nationalen Begeisterung sich nicht scheuten, das Andenken des großen Kaisers zu schmähen und dadurch die edelsten Empfindungen des Volkes zu verletzen.

Eine Kabinetsordre des Kaisers vom 2. September - verfügt, daß ausnahmsweise auch den Kombattanten von Weißenburg und denjenigen, die an der Cernirung von Metz theilgenommen haben, das Recht der Anlegung von Spangen mit den bezüglichen Bezeichnungen zu­stehen soll.

* Unter der Ueberschrift:Herr Bebel auf Reisen" schreibt das MünchenerD. V." :Im Winter 81/82 kam in eine Würzburger Schlofferwerk- stälte ein Mann, abgerissen und arm, der in seiner Dürftigkeit einen geradezu mitleidserregenden Eindruck machte. Er reiste mit Horndrückern (für Klingeln rc.) und erzählte, daß er, als Sozialdemokrat aus Leipzig ausgewiesen, schwer zu kämpfen habe, um sich und die Seinen mühselig durchzubringen. Voller Mitleiden sammelten Meister, Gesellen und Lehrlinge für den armen Kollegen und brachten eine Summe von 17 Mk. zusammen. Dieser arme Mann war August Bebel, der moderne Apostel der Sozialdemokratic! Elf Jahre später: Schrumm, ein anderes Bild! Im Jahr 92, also elf Jahre nachher war dieser selbe Mann tn der glücklichen Lage, sich eine Villa um den Preis von 120,000 Mk. zuzulegen, und es ist sehr zu be­zweifeln, daß sein ganzes derzeitiges Vermögen weniger als eine Million beträgt. Diese Thatsachen sprechen lauter und deutlicher als alle Worte." Es scheint demnach gar kein schlechtes Geschäft zu sein, Arbeiter­führer" zu spielen. Die Sache trägt doch was ein! Die armen Arbeiter freilich, die sich von ihrenFührern" führen" lassen, haben das Nachsehen. Dafür haben sie wenigstens einen Trost, daß sie für ihren großen Führer" weiter blechen dürfen, und diese Ehre ist nicht gering. Welche Ehrung liegt schon darin, daß dieFührer" es nicht verschmähen, die Arbeiter- groschen in huldvoller Herablassung anzunehmen!" Ob es übrigens in Deutschland einen Handwerker geben mag, der es in der Zeit von 15 Jahren von Nichts zu einem Vermögen von rund einer Million gebracht hat?Mach dir das Leben gut und schön" diesem Wahlspruche huldigen die sozialdemokratischen

Lokales und Provinzielles.

Elm, 9. Sept. (Nachträglich.) Auch hier wurde am l.Sept. die 25. Wiederkehr des Sedantages als Volks­fest jubelnd gefeiert und zwar in folgender Weise: , Morgens fand in unserer dichtbesetzten Kirche ein Fest- gotlesdienst statt. Herr Pfarrer Hartmann wies zu­nächst in seiner Fesipredigt in schwungvollen Worten auf den Anfang des 70er Krieges, dann auf die blu­tigen -Liege in den Augusttagen und des glorreichen Sieges bei Sedan, des eigentlichen Geburtstages des deutschen Reiches, mit der Mahnung hin, nicht zu vergessen, was Gott damals so Großes unserm Volke gethan und zu der Selbstfrage, ob sich unser Deutsches Volk desselben bis heute würdig und werth gezeigt habe. Sodann wurde besonders der noch lebenden Veteranen mit Ehren gedacht, eben'o auch der großen Zahl derer, welche jetzt schon zur gioßen Armee abberufen seien. Mittags 1 Uhr stellte sich dann der Festzug auf dem Fcstplatz auf und bewegte sich von da zum festlich ge­schmückten Kriegerdenkmal; voran die Schüler unter Führung ihrer Lehrer, dann folgten die Festjungfrauen, die Musik, der Kriegerverein und Gesangverein mit ihren Fahnen und schließlich der Schützenverein, sowie die übrigen Mitglieder der Gemeinde. Beim Denkmal wurde dann von allen das Lied:Lobe den Herrn" angestimmt, worauf vom Vorsitzenden des Kriegervereins, Herrn Gärtner, eine patriotische Ansprache gehalten und mit einem Hoch auf Sr. Majestät den Kaiser und mit dem Absing n der Nationalhymne geschlossen wurde. Nun bewegte sich der Zug durch die festlich geschmückte Hauptstraße des Dorfes nach dem Festplatz zurück, wo­selbst er sich auslöste und sich jeder zunächst an Speise und Trank erquickte. Auch die Schüler wurden auf Kosten des Kriegervereins mit Brödchen und Bier reg liiert. Nach eingetretener Erholung dann Concert und Ansprachen, wovon besonders die des hiesigen Bürgermeisters, Herrn Kreß, hervorzuheben ist. Nach­dem dann noch patriotische Lieder vom Gesangverein vorgetragen wurden, begann das Vergnügen für die Tanzlustigen bis in die späte Nacht ohne jegliche Störung. Auch soll des Kletterbaumes für die Schul­jugend nicht vergessen werden, welcher hier als etwas Neues besondere Freude hervorrief. Zu den Kosten des Festes wurde von hiesiger Gemeindebehörde der Betrag von dreißig Mark bewilligt. Schließlich sei noch zu bemerken, daß auch der Vcreinswirth Stoppel bestrebt war, seine Gäste mit Speise und Getränke in jeder Hinsicht zu befriedigen, besonders war das Bier sehr gut. Gestern wurde zum Schluß unserm Krieger- oerein er trinkt nur Thalerbier von Herrn Bierbrauereibesitzer Thaler zu Schlüchtern zur Nachfeier ein großes Faß Bier gespendet und mit einem Hurra auf denselben mit Dank geleert.

In Magdlos brach am 3. l. Mts., Morgens 2 Uhr in der Scheuer des Hüttners Magnus Heil Feuer aus, in Folge dessen die Scheuer, sowie die an­grenzende Hofraithe des Hüttners Leonard Gaul nieder- brannte. Weiter ist am 4. l. Mts., Abends 8 Uhr in Langenau, Gemeinde Magdlos, Wohnhaus und Scheuer des Bauers Joseph Kullmann durch Brand zerstört.

Salmünster. Zur Erinnerung an die vor 25 Jahren in dem glorreichen Feldzug gegen Frankreich gefallenen Krieger hiesiger Stadt hat die Stadtverwaltung ein Kriegerdenkmal errichten lassen. Die Einwcihungsseier desselben fand am 1. September statt, verbunden mit der 25jährigen Jubelfeier des denkwürdigen Tages von Sedan. Herr Bürgermeister Schneider übergab mit warmen Worten der Anerkennung der Verdienste der gefallenen Krieger und der noch lebenden Veteranen hiesiger Stadt das Denkmal dem Schutze des hiesigen Kriegervereins und der Stadtgemeinde znr bleibenden Erinnerung an ihre gefallenen Heldensöhne. Herr Lieutenant Scheuch auf Gut Ahl hielt die eigentliche Festrede. In herrlichen zu Herzen gehenden Worten schilderte er die Erfolge der deutschen Waffen in dem denkwürdigen Jahre 1870/71. Das Auge manches ergrauten Kriegers erglänzte in Thränen bei der Erinnerung Alles dessen, was er in jener Zeit erlebt und was ihm der redegewandte junge Kamerad in farben­reichen Comouren wieder vor Augen führte. Wenn Herr Bürgermeister seine Rede in einem Hoch auf Sr. Majestät Kaiser Wilhelm LL, den Enkel d.s großen Schlachtenlenkers Wilhelm des Ersten ausklingen ließ,

Führer nach Möglichkeit, indem sie den schnöden' Mamon nicht im Geringsten verachten und unbekümmert um den Hunger der Proletarier, von dem sie stets reden, herrlich und in Freuden leben. Auer, der Staatsanwalt" der Partei, hat alles in Allem eine Einnahme von 6- bis 7000 Mark; Proletarier haben nicht so viel; Stadthagen, der nicht wegen seiner politischen Thätigkeit aus der Rechtsanwaltschast ent­fernte jetzige Redakteur desVorwärts", hat eine Woh­nung, die ein Proletarier für fürstlich erklären würde u. s. w. Jedenfalls nette Proletarier; dazu kommen, um wenigstens noch etliche Beispiele anzuführen, der ehemalige Rosenthal'sche Kompagnon Singer (Mantel- näherinnen), der mindestens 40,000 Mark Rcvenuen hat; der alte Liebknecht mit 7200 Mark festem Gehalt, 3000 Mark Nebeneinnahmen (französische Zeitungen), der vielgenannte Dr. Arons, der drei bis vier Minister- gehälter verzehren kann, der reiche Buchdrucker Dietz in Stuttgart (Abg. für Hamburg), der mit einem mittellosen Reichskanzler nicht tauschen würde;Genosse" Vollmar kann sich als Wohnung die herrlichste Villa leisten; der von anarchistisch n Anwandlungen ange­kränkelte Dr. Benedikt Friedländer hat einen Palast in der Regentenstraße; Genosse Dr. Schöulank hat 5000 Mk. festes Gehalt; der Schriftsetzer Fischer, Abg für Berlin II., hat nicht weniger. Dem Testament des sozialistischen Agitators Friedrich Engels zufolge hinterläßt der­selbe ein Vermögen von 24,890 Pfund Sterling oder nahezu 500,000 Mark. Wir können die Reihe dieser Proletarier" noch um ein Bedeutendes vermehren; und alle dieselben stehen im sozialdemokratischen Lager.

Breslau, 4 Sept. Weitere Meldungen über die Vergiftung des Probstes in Friedheim besagen, daß dem Wasser, das der Probst aus einem Glaskännchen ein­gegossen und getrunken hatte, eine große Menge Strychnin beigemengt war. Der Verdacht richtet sich gegen eine Person, die jüngst Kirchengelder im Betrage von 800 Mk. unterschlagen hat. Dieser Unterschlagung war der Probst auf die Spur gekommen. Schon oor Kurzem war der Versuch gemacht worden, den Probst zu vergiften, jedoch war damals die Dosis zu gering gewesen.

Ein Metzger in Erlangen war im Handel mit einem Händler über ein Kalb begriffen, beide konnten aber nicht handeleins werden. Schließlich machte der Händler den Vorschlag, der Metzger möchte ihm für das Kalb ein Pfund Preußen-Thaler geben, auf welchen Vorschlag der Metzger einging. Auf ein Pfund Preußen-Thaler gehen aber 30 Stück; mithin kostete den Metzger das Kalb 90 Mk. (Der Händler hatte 50 Mk. verlangt, der Metzger 45 Mk. geboten!)

Stuttgart, 9. Sept. In der Stadt Leonberg brach gestern Nachmittag eine Feuersbrunst aus, die erst heute früh bewältigt werden konnte. 70 Gebäude sind nieder­gebrannt, darunter 54 Hauptgebäude. Das Rathhaus, das wiederholt zu brennen begann, konnte nur mit äußerster Anstrengung gerettet werden. 15 benachbarte Feuerwehren unterstützten die Leonberger Feuerwehr. Menschenverlust ist nicht zu beklagen, doch sind zahlreiche Verletzungen vorgckommen. 70 Familien sind infolge des Brandes obdachlos.

Osterode a. H., 8. Sept. _ Ein großes Feuer zer­störte 46 Wohnhäuser und 50 Hintergebäude. Am meisten betroffen sind die Marienvorstadt, die Bahnhof­straße und der Dielenplan. Der Brand dauerte 12 Stunden, 16 Feuerwehren waren am Löschen be- thciligt. Man vermuthet, daß das Feuer dadurch ent­stand, daß Kinder mit Streichhölzer spielten.

In Cölleda bei Naumburg a. d. S bcthciligte sich bei der Einweihung des Kriegerdenkmals einer der letzten 5 Veteranen aus denBefreiungskriegen", ein 102 Jahre alter ehemaliger Kaufmann auS Rettgenstadt. Der geistig noch rege Greis wohnte der Feier, bei der ihm mannigfache Ehren erwiesen wurden, bis zum Ende bei.

Ausland.

Japan. Während eines furchtbaren Taifuns sind alle Schiffe im japanischen Hafen von Kuchinotsu an den Küstenriffen zerschellt. 36 Schiffe sind total ver­nichtet, alle Mannschaften derselben sollen ertrunken sein. Die Stadt selbst ist fast gänzlich zerstört. Der Verlust an Menschenleben ist enorm. In der Provinz Gifu haben Ueberschwemmungen 618 Dörfer heimgesucht und großen Schaden angerichtet. 20 Personen sind um- gekommen.