schon die Liebe rüstete, den im Kampfe verwundeten * oder unter den Beschwerden des Feldzuges erkrankten Kriegern in treuer Pflege zu dienen. Heldenthaten sind da in aller Stille in den Lazarethen und auf den Verbandplätzen vollbracht, welche den großen Thaten unserer Soldaten würdig zur Seite stehen. Auch das Hessische Diakonissenhaus hat sich in weitestem Anfang an dieser Liebesarbeit betheiligt. Bereits am 1. August war in Treysa ein Lazareth eingerichtet, in welchem nicht weniger als 320 Soldaten verpflegt sind, von denen 316 Dank der Gnade Gottes und der treuen Pflege geheilt oder gebessert entlassen sind. Außerdem haben die Schwestern des Diakonissenhauses in den Lazarethen in Wiesbaden, Biebrich, Wetzlar, Hosgeismar und Cassel gepflegt. Vier Schwestern, von denen noch drei im Amte stehen, — eine ist vor zwei Jahren aus ihrer reichen Arbeit heimgerufen — sind auch auf dem eigentlichen Kriegsschauplatz im Feindesland in Thätigkeit getreten. Von November 1870 bis März 1871 haben dieselben in dem Lazareth zu Villiers le Bei bei Paris reiche Gelegenheit gehabt, unter den Beschwerden des Krieges unseren verwundeten Brüdern Beistand zu leisten. Wer bte Diakonissensache unterstützt, hilft, daß der von der Arbeit der christlichen Liebe ausgehende reiche Segen im Krieg und im Frieden immer weiteren Kreise unseres Volkes zu Theil wird. Nun hat das Königliche Consistorium die diesjährige Kirchencollckte für das Landesdiakonissenhaus auf den 1. September verlegt, an welchem im Gottesdienst die Feier des Sedantages begangen werden soll. Darum empfehlen wir, indem wir an die opferwilligen großen Dienste der Schwestern in der Kriegszeit erinnern, die Collccte für das Hessische Diakonissenhaus aufs wärmste der Liebe und Mildthätigkeit. Die Collekte wird beim Ausgang aus den Kirchen erhoben.
* — Aus der Strafkammersitzung vom 26. August. Der Müller W. von Romsthal halte sich wegen Bedrohung mit einem Verbrechen zu verantworten. Durch die Zeugenaufnahme stellt sich die Sache ziemlich ge- ' linde dar und unter Annahme mildernder Umstände wird der Müller in eine Geldstrafe von 10 Mark ver- urtheilt. — Taglöhner W. von Frankfurt und Barbier R. von Schlüchtern sind der Urkundenfälschung angeklagt. Es stellt sich heraus, daß der Letztere, ein ganz junger Mensch, unschuldig bei der Sache ist; derselbe wird freigesprochen, während W., der schon öfters bestraft ist, eine Gefängnißstrafe von zwei Monaten erhält. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre beantragt.
G. Heubach, 27. August. Am Sonntag, den 25. August fand in Heubach eine von nah und fern sehr zahlreich besuchte Versammlung Raiff. Darlehns- kassen-Vereine statt. Es war zu diesem Zwecke der große Platz um die alte ehrwürdige Dorflinde eingerichtet und mit frischem TaNnengrün und passenden Inschriften recht sinnig geschmückt. Kurz nach 3 Uhr eröffnete der Vorsitzende, H^r Pfarrer Meyenschcin, der verdienstvolle Unterverbandsdirektor der Darlehns- kassen unseres Kreises, die Versammlung mit einer kurzen aber herzlichen Begrüßungsrede, die mit einer Aufforderung zu einem Hoch auf Se. Majestät unseren allergnädigsten Kaiser und König Wilhelm II. endete. Alle Anwesenden stimmten begeistert ein und sangen darauf die Nationalhymne. Nun hieß Herr Lehrer Allvater, Heubach, in wohlgesetzter Rede alle Erschienenen im Namen der Gemeinde und des dortigen Darlehnskassen-Vereins herzlich willkommen. In fünfviertelstündigem Vortrage verbreitete sich nunmehr Herr Pfarrer Meyenschcin über das zeit- gemäßeste Thema, welches es heutzutage für derartige Versammlungen wohl geben mag, über: „Die Rettung des Bauernstandes." Redner zeigte mit echt deutschem Humor in klaren, anschaulichen Worten, wie alle von gewisser Seite vorgeschlagenen Rezepte dem hart bedrängten Bauernstande nicht helfen können. Der Bauer müsse sich selbst helfen, und dieses geschehe am besten durch das Wirken der Darlehnskassen-Vereine und deren Einrichtungen. Auch die ungerechten Angriffe des Detaillistenverbandes wurden kurz erwähnt. Redner sagte auch dem Bauernstande manch' bittere Wahrheit, indem er demselben in ernster Weise die Pflichten gegen Familie, Gemeinde und Vaterland yus Herz legte und ihn aufforderte zu reger Strebsamkeit und angestrengtester Arbeit, aber auch zur Gottesfurcht und zum Gottverlrauen; denn „An Gottes Segen ist schließlich doch alles gelegen!" so endete dieser höchst interessante Vortrag. In der darauf folgenden Debatte ließ uns Herr Lehrer Keßler einen Blick thun in die nicht zu rechtfertigende Kampfesweise des Detaillisten- Verbandes. Herr .Simon, Gundhelm, empfahl im Namen des Bauernstandes, auf einen mit solchen Waffen geführten Kampf gar nicht einzugehen, und die kostbare Zeit lieber auf die Vereinsarbeit zu verwenden. Herr Lehrer Hofmann, Mittelkalbach, ermähnte darauf die Landleute, auch ferner trotz der vielen Angriffe, den Geistlichen und Lehrern, Förstern und allen Beamten, welche sich der Sache des Bauernstandes so warm angenommen haben, ihr volles Vertrauen zu schenken, worauf Herr Simon wieder im Namen des Bauernstandes die Genannten bat, dem Bauernstande auch ferner ihre Kenntnisse und Kraft nicht zu entziehen und versicherte, daß auch unter dem Beiderwands-
Kamisol ihnen viele dankbare Herzen schlügen. Herr May juu., Saunerz hielt hierauf einen Vortrag über „Leih- und Einstell-Vieh" und zeigte durch treffende Beispiele und Berechnungen die hohe Gefährlichkeit und Schädlichkeit dieses Unfuges für den Landwirth. Dann hielt Herr Pfarrer Kohlenbusch eine treffliche Schlußrede. Hinweisend auf die glorreichen Waffenthaten vor 25 Jahren, durch welche Deutschlands äußerer Feind besiegt worden sei, sprach er den Wunsch und die Hoffnung aus, daß namentlich mit Hilfe der Darlehnskassen auch der innere Feind, die allgemeine Nothlage des Mittelstandes und die daraus fließende Unzufriedenheit, besiegt werden möge zum Heil und Segen für die Familien, Gemeinden und unser geliebtes deutsches Vaterland. Mit dem Singen des Liedes „Deutschland, Deutschland über alles" wurde dann die Versammlung geschlossen.
Schwarzenfels. Der Schwindler, welcher Ende Juli d. J. in einem Fuldaer Gasthause einkehrte, eine Zech- schnld kontrahirte und für angeblich nachkommende Radfahrer Logis und Essen bestellte und dann verschwand, ist am 28. ds. Mts. durch den Gendarmen Brück von hier verhaftet und in das)Gefängniß cingcliefcrt worden.
Adolfseck bei Fulda, 28. Aug. Die zum Besuche hier weilende Erbgroßherzogin von Oldenburg, geborene Prinzessin Elisabeth von Preußen, ist heute an einer Unterleibsentzündung gestorben.
Kassel, 28. August. Von der Herbst-Ledermesse liegt folgender Geschäftsbericht vor: Seit einigen Monaten sind die Preise der Rohwaare fortgesetzt und zwar sprungweise in die Höhe gegangen, sodaß dafür heute ungefähr das Doppelte bezahlt wird, als im vergangenen Jahre. Unter diesen Verhältnissen ließ sich erwarten, daß die Messe für Leder sehr hohe Preise bringen würde Man war darauf allgemein borbereitet und infolgedessen wickelte sich das Geschäft bei ganz bedeutenden Preisanf- schlägcn für alle Ledersorten in glatter Weise ab Die Preiserhöhungen wurden um so williger genehmigt, als dieselben dem heutigen Stande der Rohwaare bei weitem noch nicht entsprechen und daher fernere Aufwärtsbc- Wegungen zu erwarten sind.
Eschwege, 26. August. Im Werrathale wild für dieses Jahr eine ganz vorzügliche Tabakernte erwartet. Durch die schönen, warmen Regen, welche in der Pflanzzeit fielen, sind die jungen Pflanzen gut angegangen und haben sich recht kräftig entwickelt, so daß eine reiche Ernte in Aussicht steht.
Wolfhagen, 23. August. Gestern Nachmittag gegen 5 Uhr brach in dem benachbarten Dorfe Viesebeck Feuer aus, wodurch in kurzer Zeit 2 Wohnhäuser eingeäschert wurden. Dasselbe entstand auf dem Hofraum des Landwirths V., wo Kinder trockene Reiser anzünketen. Möchten doch alle Eltern sich solche Unglückssälle, die so oft vorkommen, als Warnung dienen lassen und streng ihren Kindern das Spielen mit Feuer untersagen!
Marburg, 24. August. Der flüchtig gewordene Gcmeinde-Gclderheber Meier aus Vöhl ist gestern in das hiesige Amtsgerichtsgefängniß durch einen Schutzmann ans Bremen eingeliefert worden. Meier war bis New-Iork gekommen, wurde aber schon auf der Landungsbrücke des Schiffes festgeuommen und sofort wieder zurück transportirt.
Vermischtes.
— Schlüssel französischer Festungen, die vor 25 Jahren erobert worden sind, werden im Zeughaus zn Berlin aufbewahrt. Im oberen Stockwerk ist unter Glas der vergoldete Schlüssel der Stadt ßünebiße aus- gestcllt, der vor 25 Jahren, am 12. August 1870, erbeutet und am folgenden Tage dem damaligen Kronprinzen, späteren Kaiser Friedrich, überreicht wurde. In dem unteren Stockwerk befindet sich außerdem noch eine große Anzahl von Schlüsseln der vor 25 Jahren genommenen französischen Festungen. Dort bemerkt man u. a. den Schlüssel der Festung Thionville, der den Namen der Stadt eingraviert trägt, dann die rostigen Schlüssel von Breisach, Mezi4res, Verdun, sowie die Schlüssel der Festung Metz, die nach der Uebergabe dieser Festung am 29. Oktober 1870 dem König Wilhelm nach Versailles übersandt wurden. In einem Kasten an der Ostfront sieht man endlich noch die beiden vergoldeten Schlüssel der Stadt Berlin, die am 27. Oktober 1806 dem Kaiser Napoleon I. bei dessen Einzug in Berlin am Brandenburger Thor feierlich überreicht und im Jahre 1814 aus Frankreich wieder nach Berlin zurückgebracht wurden.
— Kuriose Reise-Onkels. Ein Blatt enthielt kürzlich, wie die „Droguisten-Zeitung" schreibt, folgende Anzeige: „Für den Vertrieb von Oelen und Lack werden Provisionsreisende gesucht. Letztere sind in trockenem Zustand glänzend und hart wie Glas, zerspringen nicht, bekommen keine Risse und sind in dem Handel in Flaschen und Krügen auf dem Bauche mit unserer Firma versehen."
— Sergeant (zum Einjährigen, der Theologe ist): „Mensch, Sie wollen in den Himmel kommen und kommen nicht 'mal an der lumpigen Stange 'rauf!"
Elternfrcudcn:
„Die Kinder sind der Eltern Stützen!" Das klingt jetzt oft wie Hohn, Zu Hause bleibt die Tochter sitzen
Uub in der Schul' der Sohn."
Zum Sedantag.
Fünf und zwanzig Jahre sind vergangen,
Seit dort drüben in dem welschen Land Todiosmuthig Deutschlands Völker rangen, lind ein einig deutsches Volk entstand.
Vorschckwht war alles Hangen, Bangen, Geknüpft ein blutig festes Band,
Unb alle Zungen jauchzend sangen:
Zum neuen Bund gebt uns die Hand.
Unb nicht anders schlagen jetzt die Herzen,
Unb die Flamme der Begeisterung sprüht,
Zu blauem Dunste werden alle Schmerzen,
Da ein Gedanke jede Brust durchglüht:
Jetzt allen Haß und Hader auszusetzen,
Daß recht einmal die deutsche Einheit blüht, Und ebenso die Schwerter scharf zn wetzen, Wenn wiederum die Kriegesfurie zieht.
Wenn auf bett Bergen hell die Flammen springen, So wird's ein Spiegel unsrer Herzen sein;
Denn wie die Funken auf zum Himmel dringen, Zum Sternenhimmel, klar und licht und rein, So wird es tönend ans dem Herzen klingen: Für dich, mein deutsches Vaterland, allein Werd' immer ich mit Todeskühnheit ringen, Sei es int Süd, im Nord, int Ost, am Rhein.
Die Jubellieder voll und hell ertönen In allen Gauen weit und breit, Von allen Lippen wird es mächtig dröhnen: Das Herz ist unserm Vaterland geweiht. Wenn keck ein Feind, uns wollt' verhöhnen, So sind wir allesammt bereit;
Als Gunst erscheint es Deutschlands echten Söhnen, Zu sterben für der Deutschen Einigkeit.
Erich Pfalzgraf,
Sedau.
Soweit des Deutschen Adlers Schwingen Reichen über deutsche Gauen, Hört laut man Jubellieder klingen Und Festesfreude aus den Augen schauen.
Der Geschütze eherner Mund Donnert in den Jubel der Schaaren;
Gedenke! deutsches Volk der Stund', Der Zeit vor fünfundzwanzig Jahren.
Wohl sind vernarbt die tiefsten Wunden, Geheilt durch die Zeit der größte Schmerz;
Nur Jubel füllt des Tages Stunden
Des heut sich freut das deutsche Herz.
Denn siegreich kehrten wieder
Die Helden aus mancher großen Schlacht,
Und die gefallen — deutsche Brüder —
Haben gern ihr Blut gebracht.
Aber nicht umsonst geflossen
Ist deutscher Männer edles Blut,
„Germania", wie aus Erz gegossen Erstands aus des letzten Krieges Gluth.
Ob nun auch ruht in fremdem Land So mancher Mutter einiger Sohn,
Gestorben ward für's Vaterland
„Mit Gott für Heimathsherd und Thron."
Und heut nach fünfundzwanzig Jahren,
Hell leuchtet des gold'nen Friedens Pracht, Und bantbar feiern deutsche Schaaren
- Was deutsche Einigkeit einst vollbracht.
Die Helden zwar sind abberufen
Die geflochten die deutsche Krön',
Die einst geschirmt die-hohen steilen Stufen
Darauf erbaut Germaniens Kaiserthron.
Nicht um Haß und Zwietracht zu erneuern,
Den Feind zu reizen, ihn zu schmähen,
Will Deutschland seine Feste feiern:
Nein — edle Saaten will es säen.
Es soll der deutschen »Jugend
Die einst die Waffen trägt,
Glaub und Treu als schönste Tugend
Durch solche Feier früh in's Herz gelegt.
Und muß einst der Frieden weichen,
Kriegsruf durchbraust das Land,
Dann steht, ihr Männer, fest wie Eichen,
Deutsche Einigkeit sei euer Band.
Naht ein Feind von Osten oder Westen
Unser Schicksal leitet Gottes Hand,
Er schützt auch ohne Wafs', Burg und Festen
Und mög erhalten unsern König unb Vaterland.
Mit Gott wollen wir dann streiten
Erschallt zum Kampf des Kaisers Wort,
Des Volkes Lüb' uns wird begleiten
Auch an den fernsten, fremden Ort.
Drum Brüder: hebt zum Schwur die Hand
Wie unsre Väter einst in Kriegsgefahren:
„Mit Gott für König und für's Vaterland"
Heute und nach sinsnndzwanzig Jahren.
Sodcn-Salmünster. F. Müller,
Ruhe für 2 Pfennige Schnacken, Flöhm u. s. w. durch „Dalma". Für 2 Pfeniigc davon tödtet alle Fliege»» u. s. w. eines Zimmers, der Kiche oder Stallung in 3 Minuten unter Garantie. Für Menschen rnd HauSthiere unschädlich. Glas 30 und 50 Pfg, dazu gehöriger Patentbeutel 15 Pfg. In allen Apotheken auf Lager. In Freieusteinau in der Apotheke.
Für die Abgebrannten zu Brotterode sind weiter eingegangen r
4. Bauer Johannes Llm zu Schwazenfels 3 Mk.
5. Gemeinde Sterbsritz 15 „
6. Steueraufseher a. D. Müller, Schlichtern 1 „
7. Landwirth Johr. Kohlhepp, „ 10 „
8. Metzger Adam Denhardt, „ 4
9. Landwirth Karl Hafner, t „ 3 „
36 Mk. Sa. 89 Mk. Schlüchtern, den 29. August 1895.
Psalzgtnf, Rentmeister.
Kirchlicher Anzeiger für Shlüchtern.. Sonntag, den 31. August 1195.
Morgengottesdienst : Herr Pfarrer Hattendorff.
Nachmittagsgottesdienst: fällt aus.
Wochendienst: Herr Pfarrer Hatten dar st.
Katholischer Gottesdienst.
Sonntag, Vorm. 10'/, Uhr, Herr Pf. Orth, Herolz
Kathol. Gottesdienst in Steinou.
Sonntag, Bonn. 10'/, Uhr, Herr Kaplan vr. Flügel.