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M 70.

Samstag, den 31. August

1895.

Zum 2. September 1895.

(Nachdruck »erbeten).

Wenn, deutsches Volk, im festlichem Gedränge Du grüßst des hohen Tages Wiederkehr,

Des Höchsten unter deiner Siege Menge, Wenn du erblickst vom Eichenkranze schwer

Die Fahne, wenn der frohen Lieder Klänge

Verkünden deinen Ruhm und deine Ehr', Dann denk, umbraust vom Hall der Jubeltöne, Mit Schmerz der Treuen, der gefall'nen Söhne.

Dann denk an ihn, der an Krieger Spitze,

Wie es dem Führer seines Volks gebührt, Getheilt mit seinem Heer des Kampfes Hitze, Der, von des höchsten Adlers Hand berührt, Durch Sorg' und Arbeit, durch der Schlachten Blitze

Vom Sieg zu neuem Siege dich geführt;

Dann laß umstrahlen dich von seinem Bild, Der seines Volkes Krone war und Schild.

Dann denk mit ihnen, die den Tag erlebten,

Und die für dich gekümpst, an ihn zurück, Die auch für dich sich gern dahingegeben,

Die dir erhielt ein gütiges Geschick, Dein Ruhm, dein Frieden war einst auch ihr Streben, Auch sie gehorchten ihres Königs Blick;

Mit ihnen heute einmal noch zusammen Erglüh'» in jenes Tag:s heil'gen Flammen.

Vergiß nicht ihn, in nie erloschner Liebe,

Den einz'gen Fürsten, der noch übrig ist, Denn, wenn er ewig uns erhalten bliebe, Vermöchte nichts der Feinde Macht noch List Ihn, der jetzt fern von dieser Welt Getriebe Vergangenheit und Zukunft sorgend mißt, Denk heut an ihn; der Andern hohe Thaten, * Sie waren das, was weise er gerathen.

So laß vom Geiste jener großen Zeiten Durchdringen dich an diesem Freudentag, Der treuen Helden Namen dich begleiten, Und komme dann, was kommen mag, Du wirst für dich, sie werden für dich streiten, Aus ihrer Asche werden Kämpfer wach; Dann kannst du dem Geschick dich allvertrauen, Dem Feinde, wer's auch sei, in's Auge schauen.

R. Bartolomäus.

Den Todten von Sedan.

(Nachdruck »erboten.)

Die patriotische Erinnerung ist das köstlichste Gut der Völker. Die Heldenthaten der Väter entstammen die Jugend, die großen Ereignisse in der Geschichte unseres Vaterlandes predigen uns die Gerechtigkeit, den Lohn der Treue und der Tapferkeit. Vor allen Dingen bietet sich in dem hockseligen Kaiser Wilhelm I. ein leuchtendes Beispiel eines Mannes, der Großes und Gutes erreicht hat, nach »argem vielbewegtem Leben, der anspruchlos nicht danach strebte, berühmt zu werden, der aber der Große und Siegreiche geworden ist, weil er seinen Beruf als eine» göttliche» Auftrag erkannte, und weil er jedesmal auf der Stelle, auf welche ihn die Vorsehung gestellt hatte, fest und treu stand und seine volle Schuldigkeit ilpt.

Wohl einer der schwersten Tage war für Se. Majestät der Tag von Gravelott-. Da führte der greise Held Wilhelm selber die Sinen, da war er Deutschlands Feldmarschall. Wie fei Königgrätz sah man auch dort ihn im dichtesten Kugelregen, und Fürst Bismarck, wie der Kriegsminister wn Roon mußten ihn bitten, sich zu schonen. Und Abends finden wir den Sieger in einem ärmlichen B<uernstübchen. Das Königliche Bett bestand aus einer Tragbahre, einem Krankenwagen ent- nommen, auf den Sitzkissen des Wagens ruhte das müde Haupt, die Decke war des Königs Mantel.

Von Metz Mch Sedan! Es waren bedeutungsvolle Märsche, als leren Resultat der eiserne Ring um die Festung, wie ^» die Preußen, Sachsen, Bayern und Württembergir schloffen, sich darstellte. Die stolze Feste fiel, 80,005 Gefangene, unter ihnen der Kaiser Napoleon, fielen in unsere Hände. Welche Erinne­rungen nochten in den Herzen Sr. Majestät auf- steigen, as er den französischen Machthaber dcmülhig vor sich stehen sah! Dachte er wohl an die Mutter, der ein Napoleon das Herz gebrochen hatte? Aber kein Ckdanke an Rache hatte Raum in dem Herzen des(

edlen Königs. Er vermochte nur anszurufen:Welche Wendung durch Gottes Fügung!" Wie schön schrieb König Wilhelm an die Königin Augusta:Wenn ich mir denke, daß nach einem großen glücklichen Kriege ich während meiner Regierung nichts Ruhmreicheres erwarten konnte und ich nun diesen weltgeschichtlichen Act erfolgt sehe, so beuge ich mich vor Gott, der allein mich, mein Heer und meine Verbündeten ausersehen hat, das Geschehene zu vollbringen, und uns zu Werkzeugen seines Willens ausersehen hat. Nur in diesem Sinne vermag ich das Werk au^ufaffen, um in Demuth Gottes Führung und Gnade zu preisen." Fünfund- zwanzigmal haben nun des Herbstes Stürme gerauscht, seit jenem Tage, da auf Sedans blutigen Feldern zwei Völker um des Sieges Palme rangen, da Deutschlands Aar im Morgenglanze der Freiheit sich niederließ am deutschen Kaiserthron und der Weltgeschichte ein neues Blatt unsterblichen Ruhmes einverleibt wurde, ein Blatt, auf dem mit der Ewigkeit Flammenschrift geschrieben steht das eine Wort:Sedan!" Sedan! du theure Flur, die den Freiheits-Lenz der deutschen Nation und mit ihm den segensreichen Völker-Frühling erblühen sah. 25 lange Jahre sind nun über dich dahin- geschwebt; längst haben sie die letzten Spuren des ge­waltigen Kampfes weggewischt, längst sind sie zu Staub geworden all' die tapfren deutschen Söhne, die in deinem Schooße ruhen, deren Heldenblut Deine Blumen ge­trunken. Längst, längst! Aber tief im Herzen des deutschen Volkes lebt mit dem glorreichen Namen Sedan" auch bte heilige Erinnerung fort an all' die treuen, fernen Brüder, die in fremder Erde ruhen, denen keine deutsche Eichen rauschen das hohe Lied der deutschen Freiheit uud Einigkeit. Seit versichert, ihr Todten von Sedan, wo ihr auch immer eure Heimath haben möget: an dem Strande des Rheines, der Nord-, der Ostsee Wellen, am Belte oder auf den grünen Matten der Alpen, wehmuthsvoll und doch mit heiligem Stolze zugleich denken eure Lieben an euch, und wenn auch sie im Grabe ruhen, die fernen Lieben, dann ist das Vaterland noch da, für dessen Größe und Macht ihr mit eurem Blute eingetreten seid; und dies Vaterland, dies Land, wo eure Eichen rauschen, hat Euch ein Denkmal gesetzt in der unsterblichen Erinnerung an die große Zeit der deutschen Thaten und in der Stellung, die es heute einnimmt im Rathe der Völker, in jener ehrfurchtgebietenden Stellung, zu deren Gründern es Euch ewig dankbar zählt. Und so wendet auch heute wieder das deutsche Volk erinnerungsvoll seine Blicke westwärts nach Frankreichs Fluren und denkt der Brüder, der Todten von Sedan!

Durch Germaniens Eichen aber geht ein Flüstern leise wie das geheimnißvolle Rauschen des Morgen­windes, von Westen ertönl's und die Winde tragens's fort nach Süd, Nord, Ost, und an Deutsch­lands Küsten, Deutschlands Bergen hallt es wieder jetzt kein Flüstern mehr ein mahnend Donner­wort:Sedan!"

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin sind Dienstag nach Wilhelmshöhe zurückgekehrt und am Mittwoch im Neuen Palais bei Potsdam wieder eingetroffen.

Die Prinzessin Friedrich Leopold ist glücklich von einem Prinzen entbunden worden.

Die Könige von Sachsen und Württemberg treffen zur Parade am Sedantage in Berlin ein, ebenso kommt die Großherzogin von Baden zur Einweihung der Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche nach Berlin.

Der Kaiser von Oesterreich wird auf seiner Fahrt nach Stettin Berlin nicht berühren, sondern den Hin- und Rückweg über Breslau nehmen. Ein kurzer Aufenthalt in Berlin oder Potsvam wäre nur für den Fall beabsichtigt, daß die Kaiserin anwesend wäre.

Das Torpedoboot S 41 ist Mittwoch in der Nord­see gekentert und untergegangen. Dabei ertranken: Oberfeuermeister Rechenberg, Oberfeuermeistersmaat Plumm, Feuermeistersmaat Krüger, die Obermatrosen Urban, Allerkam, Oberheizer Weise und Baitzel, die Matrosen Bruchwitzki, Hannemann, Kurschei, Schmidt und die Heizer Phole und Wimmers; im Ganzen 14 Personen.

Wie diePost" meldet, hat der Kaiser befohlen, daß am Sedantage die Berliner Schuljugend Spalier bildet, wenn er mit der Fahnenkompagnie nach der

Parade über das Gardekorps vom Kreuzberge in die Stadt zurückkchrt. Sämmtliche Knaben- und Mädchen­schulen vom Gymnasium bis zu den Elementarschulen sollen in Abtheilungen womöglich mit Schulfahnen unter Führung von Lehrern theilnehmen. Die Aufstellung wird zwischen dem Denkmal Friedrichs des Großen und dem königlichen Schlosse stattfinden. Im ganzen dürften etwa 31,000 Kinder versammelt sein.

* Hinsichtlich der Sedanfeier hat der preußische Eisenbahnminister folgenden Erlaß an alle Königliche Eisenbahndireklionen gerichtet:Die diesjährige Wieder­kehr des Sedantages (Montag, 2. September) wird voraussichtlich an vielen Orten des Landes in außer­gewöhnlicher Weise gefeiert werden. Um neben den Beamten auch den Arbeitern der Staatsbahnverwaltung die Theilnahme zu erleichtern, bestimme ich hierdurch, daß, soweit die Natur und die Bedürfnisse der einzelnen Betriebszweige es überhaupt gestatten, allen Denjenigen, welche am Kriege 1870|71 theilgenommen haben, der diesjährige ganze Sedanlag, den übrigen Bediensteten aber der Nachmittag freigegeben und in beiden Fälle» der Lohn unverkürzt, gleich als ob gearbeitet wäre, gezahlt werde."

Neun Brüder v. Tresckow im Feldzuge von 1870|71. Man schreibt derKreuzztg.":Die Mit­theilung, daß der Fall, daß sieben Brüder den Feldzug 1870|71 mitgemacht haben, einzig dastcht, ist unrichtig. Von den vierzehn Söhnen der Frau v. Tresckow (Radojewo) haben ein Sohn den Feldzug von 1864, sieben Söhne 1866 und neun Söhne 1870|71 mit­gemacht. Einer ist bei St. Privat geblieben, zwei sind 1866 und zwei 1870 verwundet. Sie erwarben in diesen dre» Feldzügen: Einen Orden pour le märide, sechs Rothe Adler-Orden mit Schwertern, ein eisernes Kreuz 1. Klasse und 7 Eiserne Kreuze 2. Klasse.

Ein französischer Adler aus dem Kriege 1870|71 ist, wie dieFord. Ztg." schreibt, dieser Tage in der Nähe von Stieringen bei Forbach von einer Frau ge­funden worden. Derselbe lag in einer durch die starken Regengüsse der vergangenen Woche gebildeten Furche und zwar in der Nähe des Kreuzberges. Man ver­muthet, daß er bei einem der letzten Unwetter droben freigelegt und dann von dort heruntergeschwemmt worden ist.

Meiningen, 26. August. Das Mciningen'sche Dorf Roßdorf wurde gestern von einem Brandunglück heim­gesucht. Das Wegmar'sche Schloß nebst den 2 Gütern, Schashof und 42 Wohnhäuser wurden eingeäschert. Viel Vieh ist verbrannt. Der Brand enstand dadurch, daß ein fünfjähriger Knabe in der Scheune einen Bund Strohseiler anbrannte.

Wien, 26. August. Wie dieWiener Abendpost" meldet, sind in Tarnopol (Galizien) drei Fälle asiatischer Cholera vorgekommen, der erste am 23. d. Mts. Alle Vorkehrungen gegen eine Weiterverbreitung der Seuche sind getroffen. Ein Amtsarzt ist nach Tarnopol entsandt worden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 30. Aug.

Der Kreisausschuß hat in Anerkennung der langjährigen treuen Dienstzeit dem Dienstboten Johannes Breitenbach zu Elm eine Prämie von 15 Mark aus der Kreis-Communatkasse bewilligt.

* Versetzt ist Lehrer B e ck von Reinhards nach Elm.

* Am Mittwoch begingen die Eheleute Heinrich Schäfer und Charlotte geb. Otto von hier im engeren Familienkreise das Fest der goldenen Hochzeit. Zahl­reiche Glückwünsche von nah und fern wurden dem noch rüstigen Jubelpaare zugesandt. Möge es den- selben vergönnt sein unter Gottes gnädigem Beistande, in treuer Gemeinschaft sich noch recht lange eines glücklichen und zufriedenen Lebensabends zu erfreuen.

* In unserer Expedition liegt das Verzeichnis der durch die Verlosung vom 9. nnb 10. d. M. gekündig­ten Schuldverschreibungen der Landes-Credilkasse, Ab­theilung VIII C. Serie 14 zur Einsicht auf.

* Die Erinnerung an die vaterländischen Siege in den Jahren des großen Krieges weckt auch die Er- innnerung an die großen Thaten der Liebe, welche in jener hehren Zeit vollbracht sind. Kaum war im Jahre 1870 der so opferreiche Krieg entbrannt, als sich auch