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SchWernerMtung

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M 69.

Mittwoch, den 28. August

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1895

-g- Vor 25 Jahren.

Kurzes Gesammtbild des deutsch-französischen Krieges von 1870(71.

(Nachdruck verboten).

Der deutsch-französische Krieg von 187O|71 bietet in seinem siebenmonatlichen Verlaufe ein reiches mili­tärisch-statistisches Interesse.

Der Krieg wurde am 19. Juli 1870 von Paris aus erklärt, am 28. Januar 1871 durch die Kapitulation von Paris auf den meisten seiner Schauplätze, am 16. Februar auch für das letzte Kriegstheater beendet; er hat somit eine Dauer von im Ganzen 210 Tagen gehabt.

In den ersten Tagen dieses Zeitraums, nämlich bis zum 26. Juli, wurde die Mobilmachung der Nord- deutschenArmeen, in derselben Zeit auch die derTruppen der Süddeutschen Staaten bewirkt, während der stra­tegische Aufmarsch der gesummten deutschen Heere in der Linie Trier-Landau in etwa 13 Tagen stattfand. Bei der Stärke dieser Armee von 5600 000 Mann fand demnach zur Effcktuirung dieser Au stellung auf den verschiedenen deutschen Bahnen eine tägliche Beförderung von durchschnittlich 42000 Mann statt; diese Truppen- zahl vertheilte sich auf 5 Hauptbahnen, von denen jedoch nur 3 als in erster Linie in Anspruch genommen be­trachtet werden konnten. Um diese ungeheuren militärischen wie Eisenbahn-Leistungen ihrer wahren Be­deutung nach beurtheilen zu können, muß man ferner der enormen Transporte an Pferden, Geschützen, Munition und Fahrzeugen gedenken, welche gleichzeitig zur Be­förderung gelangten, sowie des Umstandes, daß bis 1869 ein Bataillon, eine Escadron oder Batterie als die reglementsmäßige Belastung eines Effenbahnzuges er­achtet wurden, und endlich, daß 4 preußische Armee­korps von ihren Standquartieren bis zur französischen Grenze auf 80 bis 100 Meilen herangeführt und während dieser mehrtägigen Eisenbahnfahrt Mann und Roß verpflegt werden mußten.

Infolge dieser wahrhaft wunderbaren Schnelligkeit der Mobilmachung wie der Aufstellung der Armeen, in welchen Beziehungen die Hauptbedingungen der er­rungenen Erfolge erkannt werden müssen, sowie der vom 28. Januar 1871 ab in Versailles geführten Unterhandlungen sind von der oben berechneten210tägigen Dauer des Krieges /und 30 Tage in Abzug zu bringen, so daß für die großartigen weiteren Erfolge ein Zeit­raum von 180 Tagen zur Berechnung kommt.

In diesen 180 Tagen haben die deutschen Heere 156 mehr oder minder bedeutende Gefechte bestanden, 17 größere Schlachten geschlagen; 26 feste Plätze ge­nommen, 11650 Offiziere und 363 000 Mann Gefangene gemacht, über 6700 Geschütze und 120 Adler oder Fahnen erbeutet.

Eine genauere Berechnung ergibt demnach, daß bie deutschen Heere in jedem der 6 Monate ^wirklicher Kriegführung durchschnittlich 26 Gefechte und 3 Schlachten durchkämpft, 4 Festungen genommen, 1950 Offiziere und 60,500 Mann gefangen und 1110 Geschütze und 20 Adler oder Fahnen erbeutet haben.

ES kommen somit beinahe auf jeden Tag des Krieges 1 Gefecht, auf flden 9. Tag eine Schlacht, auf jeden 6. Tag eine eingenommene Festung; ferner auf jeden Tag an Kriegsge angenen 65 Offiziere und 2070 Mann, an Geschützen 38 Stück, an Fahnen oder Adlern eine bezw. einer auf je zwei von drei Tagen.

Thatsächlich vertheilen sich die Gefechte und Schlachten auf die einzelnen Monate wie folgt: es kommen auf die Zeit bis zur Kapitulation von Sedan 13 Gefechte, 8 Schlachten: bei We ßenburg, Wörth, Spichern, Courcelles, Bionville, Gravelotte, Noisseville und Beaumont-Scdan, und die Einnahme von 4 festen Plätzen: Lützelstein, Lichtenberg, Marsal und Vitry. In den Monat September entfallen 13 Gesichte und die Einnahme der Festungen Sedan, Laon, Toul und Straßburg, in den Monat Oktober 37 Gefechte und der Fall der Festungen Soissons, Schlettstadt und Metz, in den Monat November 15 Gefechte, 2 Schlachttage, die von Amiens und Beaum la Rolande und die Einnahme der Festungen Verdun, Montbeliard, Neu Breisach, Ham, Diedenhofen, la Före und der Cita­delle von Amiens, in den Monat Dezember 30 Gefechte, die Schlachten vor und bei Orleans und der Hallue, sowie der Fall von Palzburg und Monuncdn, in den MonatJanuar (l 87 l) endlich 48 Gefechte, dir Schlachten

bei Le Maus, Monbeliard und St. Quentin und der Fall der Festungen Mözieres, Rocroy, Peronne, Longwy und Paris. Im Monat Februar wurde endlich Belsort den deutschen Truppen übergeben.

Der Zeitabschnitt der Ccrnirung von Paris währte vom 19. September (70) bis zum 28. Januar (71), also 130 Tage, innerhalb deren 22 größere Ausfall­gefechte stattfanden, welche bei vorstehender Berechnung durchweg der Zahl der Gefechte hinzugezählt worden sind, obgleich ein Theil derselben ihrer Ausdehnung, wie Bedeutung nach wohl den Schlachten des Krieges an- zureihen sein dürste. Die Ziffer von 22 Ausfall- gefechten auf 130 Tagen ergibt für den Monat 5 bis 6 und zwar fallen auf den September davon 3, auf den Oktober 8, auf den November 2, auf den Dezember 4, und 5 auf den Januar.

An die hier angeführten Gefechts-, Schlachttagc u. s. w. reihen sich noch der 19. und 21. September, sowie der 12. Oktober, an welchen Tagen die See­gefechte bei Hiddense, in der Putziger Bucht und in der Havanna stattfanden.

Deutsches Reich.

Berlin. Unser Kaiser nimmt gegenwärtig Truppen- Besichtigungen vor. Am Sonnabend früh traf der Monarch zu diesem Zweck in Paderborn ein, bestieg sofort den bereitgehaltenen Wagen und fuhr durch die reichgeschmückte Friedrichstraße über Neuhaus nach der Senne. Bei seinem Eintreffen läuteten sämmtliche Glocken der Stadt; die Bevölkerung bereitete dem Kaiser einen begeisterten Empfang. Paderborn halte reichen Flaggenschmuck angelegt. Das Kaiserpaar hat am Montag Schloß Wilhelmshöhe auf kurze Zeit verlassen, um der Kaiserin Friedrich einen Besuch abzustatten. Der Kaiser hält vorher noch bei Mainz Trnppcn- besichtigungen ab. Ueber den Tag der Rückkehr nach dem Neuen Palais bei Potsdam sind feste Bestimmungen noch nicht getroffen. Am 11. oder 12. Oktober wird der Kaiser Wiesbaden besuchen und kort einer Vorstellung im neuen königl. Theater beiwohnen. Englischen Blättern zufolge hat Kaiser Wilhelm den englischen Feldmarschall Lord Roberts zu den deutschen Herbst­manövern eingeladen.

Der Reichskanzler Fürst Hohenlohe soll dem Präsidenten der Wiener Handelskammer gegenüber bestätigt haben, daß der Bundesrath die Ein uhrung des Befähigungsnachweises abgelehnt habe.

Die Vereinfachung der Arbeiterschutz-Gesetzgebung soll nach Berichten, die allerdings noch der Bestätigung bedürfen, energisch in Aussicht genommen werden. An diesen besten aller unserer Gesetze ist von Beginn ihrer Veröffentlichung an über das viele Formalitätenwesen, den kostspieligen Verwaltungsapparat u. s. W. viel und beweglich und nicht ohne allen Grund Klage geführt worden. Besonders hat das K lebegesetz eine geradezu feindselige Aufnahme und Behandlung gefunden. Dem soll nun, wie es heißt, abgeholfen werden. Der Reichs­kanzler Fürst Hohenlohe soll nämlich, wie, verlautet, eine Anzahl von Sachverständigen mit den Vorarbeiten für einen Gesetzentwurf, betr. die Vereinfachung bezw. Vereinigung der drei bisher getrennten ArbeiterVer- sicherungs-Institute, beauftragt haben.

ImReichsanzeiger" sind zahlreiche Ordens­verleihungen an Generäle und sonnige Offiziere zur Disposition und in Dienst aus Anlaß der Kriegs- gedenktage veröffentlicht.

Die Colonial-Abtheilung des Auswärtigen Amtes hat dem Brunnenbohr-Ingenieur W. Hildebrandt zu Berlin die Anlage vou Tiefbrunnen und Cisternen an den Karawanenstraßen unserer afrikanischen Colonien übertragen. Die zur Ausführung dieser Arbeiten zu cngagircndcn Leute dürfen nicht über 30 Jahre alt sein, werden unter den Schutz des Gouverneurs der Schutz­truppe gestellt und müssen sich auf zwei Jahre verpflichten. Sie erhalten monatlich^ 400 bei freier Wohnung und Beköstigung.

Aus Hannover schreibt man: Die Offizicic des 13. Ulanen- Regiments (Königs - Ulanen) überreichten ihrem Stabstrompcter am Gedenktage der Schlacht von MarS-la-Tour eine Ehrengabe von 6000 Mark. Der Kaiser verlieh ihm den Hohenzollern'schen Hausordeu.

Kiel, 22. Aug. Lebendig verbrannt ist hier ein Mädchen im Alter von vier Jahren, das sich allein in der Wohnung der Pflegemutter befand. Die Nachbars

leute vernahmen plötzlich ein herzzerreißendes Geschrei, das allmählich in ein Wimmern überging. Sie ver­suchten, die Thür zu öffnen, doch vergebens! Ein Blick durch das Schlüsselloch überzeugte sie, daß das Mädchen lichterloh brenne. Nunmehr wurde die Thür schleunigst erbrochen und die Flamme gelöscht. Leider kam die Hilfe zu spät; der Körper der Kleinen bildete bereits eine einzige Brandwunde. Nach der Uebersührung in das Krankenhaus erlag das Mädchen den Verletzungen. Die Sorglosigkeit der Mutter in der Ausbewahrung der Streichhölzer hat das Unglück verschuldet.

Bonn, 20. Aug. Ein Mädchen, welches sich, um den Dienst einer Köchin zu versehen, in einem hiesigen Restaurant vorstellte, wurde von der Herrscha-t nach der früheren Thätigkeit gefragt. Das Mädchen erzählte selbstbewußt, daß es zuletzt auf einem Bauernhöfe als Magd gedient, und dort für die Schweine das Futter zurecht gemacht hätte. Da man sie gefoppt habe, daß sie nur fürlange Gesichter" kochen könne, habe sie den Dienst gekündigt und sei in die Stadt gekommen, um den Beweis zu 'liefern, daß sie auch fürkurze Ge­sichter" kochen könne. Die Herrschaft fand aber den schnellen Uebergang von denlangen" zu denkurzen" Gesichtern" etwas gewagt, und so mußte das wackere Mädchen um eine Enttäuschung reicher weiter ziehen. Es wird vielleicht für dielangen Gesichter" weiter kochen müssen.

Im Monat September d. Js. wird in Karlsruhe eine elektrische Ausstellung mit besonderer Berücksichtigung des Kleingewerbes und der Haushaltung abgehalten werden. Die Ausstellung wird die mannig-'achen An­wendungen vorführen, welche der elektrische Strom für das private, gewerbliche und öffentliche Leben gewonnen hat. Da die Anwendung der Elektrizität einen immer größeren Umfang annimmt, wird die Ausstellung für weitere Kreise von Interesse sein.

Maiuz, 24. Aug. Das Oberlandesgericht in Darm­stadt hat eine für weitere Kreise interessante Ent­scheidung getroffen. Ein Interessent hatte mit der Hessischen Ludnngsbahn eine Parthie Mehl in Säcken versandt; als die Säcke an dem Bestimmungsorte an- kamen und geöffnet wurden, fand sich, daß ein Theil des Mehles durch Eindringen eines grünen Farbstoffes schadhaft geworden war. Der Interessent verlangte von der Lndwigs-E.senbahn Entschädigung; als sie ver­weigert wurde, verklagte er die Bahn. Diese beantragte Abweisung der Klage, weil das Frachtgut unter der Bezahlung der Fracht vorbehaltlos angenommen worden sei. Das Gericht vcrurthcille die Bahn zur Zahlung der verlangten Entschädigung, weil bei der Abnahme des Frachtgutes die Beschädigung des in den Säcken befindlichen Mehls nicht sofort erkennbar gewesen sei. Das Oberlandesgericht in Darmstadt bestätigte in letzter Instanz das landesgerichtliche Urtheil.

Worms, 25. Aug. Heute Morgen 8's, Uhr wurden im Rhcine am Salzstein drei zusammengebundene Leichen, die eines Manns von ca. 40 Jahren, die einer Frau und die eines Kindes von ca 1's-Jahren, gelandet. Die Leichen, welche bereits stark verwest waren, dürften die eines Liebespaares sein, welches sich an der Oppauer Fähre bei Mannheim ertränkte. Die eingclcitctcn Recherchen werden wohl ergeben, ob diese Annahme zutrifft.

Ausland.

China. Neue Gewaltthätigkeiten haben bei Futschau in der Provinz Focky i stattgchmdcn. Die dortige amerikanische Mission wurde von einer zahlreichen wüthenden Volksmenge angegriffen, die mit allerhand Waffen versehen war. Kapelle und Schule wurden zerstört. Vier eingeborene Schüler wurden verwundet. Der Lehrer, welcher Ausländer ist, entkam. Eine starke, sremdenfeindliche Stimmung herrscht unter der Bevölkerung Futschaus, welche die Straßen durchzieht mit dem Rufet Vertreibt die ausländischen Teufel".

Peking, 20. Aug Die chinesische Regierung hat nach den Greueltaten von Kutscheng sofort Entschädigung angeboten. Wie wenig sie aber gewillt ist, ernstlich gegen die Urheber der neuerlichen Sämudchatcn auf» zutreten, beweist ein Telegramm aus Futschau, wonach die chinesische Regierung dem britische» und dem amerikanischen Konsul die Erlaubniß verweigert habe, eine Untcisuchung wegen der Metzeleien von Kutschen zu vcra! stalien. Die Sache bleibt also im Dunkel, und die Geheimbünde, denen die Bewegung gegen die