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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin treffen Montag, den 26. d. Mts., zum Besuch der Kaiserin Friedrich auf Schloß Friedrichshost bei Cronberg ein und verweilen daselbst voraussichtlich bis zum 27. d. Mts.

DerReichsanzeiger" veröffentlicht einen Aller­höchsten Erlaß, welcher anläßlich der 25. Wiederkehr der Siegestoge von 1870/71 den Besitzern der Kriegs- denkmünze, welche an den Hauptschlachten theilnahmen, die Berechtigung verleiht, am Bande der Kriegsdenkmünze eine Spange mit dem Namen der entsprechenden Schlacht zu tragen. Als solche Schlachten gelten die bei Spichern, Wörth, Colomby-Nouilly, Vionville-Mars la Tour, Gravelotte-St. Privat, Beaumont, Noisscville, Sedan, Amiens, Bcaumc la Rolande, Billiers, Loigny Poupry, Orlöans, Beaugency Cravaut, an der Hallue, bei Bapaume, Le Maus, an der Lisaine, bei St. Quentiu, Mont Valerien und die Belagerungen von Straßburg, Päris und Belfort. (Weißenburg?) Ferner ertheilt ein Erlaß Sr. Majestät des Kaisers, anläßlich der 25. Wiederkehr der Sicgestage des Krieges von 1870 71, den Besitzern des eisernen Kreuzes die Berechtigung auf dem Ordensbande drei Eichenblätter aus weißem Metall mit der Zahl25" zu tragen.

Durch Allerhöchsten Erlaß vom 13. August d. J. ist die Ermächtigung ertheilt worden, daß für die evangelischen Landeskirchen der neuen Provinzen durch kirchenrcgimentlichcn Erlaß der zwölfte Trinitatis-Sonntag 1. September d. I. als derjenige Tag bestimmt werde, an welchem im sonntäglichen Hauptgottesdienst auf die vor 25 Jahren dem deutschen Volke erwiesene Gnade Gottes in geeigneter Weise Bezug genommen werde. Den katholischen Bischöfen ist es anheimgestellt worden, wegen einer kirchlichen Gedenkfeier Anordnung zu treffen.

In einemZum 18. August" überschriebenen Artikel des Militär-Wochenblatts heißt es am Schluß: Mag auch der lange Friede, die nagende Sorge um das tägliche Brod oder die Gewohnheit behaglichen Er- werbens, die Sucht nach Geld und Gut, nach Ver­klingen und Genuß, die künstlich geschürte Unzufrieden­heit werter Kreise des Volkes den Schein erwecken, daß unseres Volkes Geist im Begriff ist, ein anderer zu werden, daß das Volk sich mehr und mehr von Gott abwende: es ist doch nur Schein! die Armee steht fest und sollte von irgend woher der Versuch unternommen werden was die Vorsehung verhüten wolle, die Waffen mit uns zu kreuzen, so stände das Volk, wie Ein Mann, ebenso wie vor 25 Jahren, hinter der Armee, eingedenk des Wortes unseres großen Dichters: Nichtswürdig die Nation, die nicht ihr Alles freudig setzt an ihre Ehre", und der Friedensstörer würde bald zu seinem Schaden gewahren, daß wir noch die alten Soldaten von 1870|71 sind, daß das deutsche Volk noch im Besitze der Eigenschaften ist, die sein Heer damals zum Siege führten."

* Daß das Freudenfeuer am deutschen Volks­fest (der Sedanfeier) zu einer einheitlichen und imposanten Feier sich gestalten möchten, ist gewiß der Wunsch vieler Vaterlandsfreunde allenthalben. So mögen denn am Abend des großen Ehrentags, mit welchem Gott unsere gerechte Sache erhöhte, von Gau zu Gau durchs ganze deutsche Vaterland hin auf den Höhen die Erinnerungs­feuer leuchten, um auch mit zu künden, daß in den Herzen aller Deutschen der Dank für das Große, was der Herr an uns gethan, noch nicht erloschen ist und nicht erlöschen soll. Mögen das dir Zeitungen hinaus­tragen in das Land, auf daß am Abend des 2. September womöglich keine Gemeinde damit zurückbleibe, sondern noch viel herrlicher als am 18. Oktober 1863, dem 50. Jahrestag des großen Sieges auf Leipzigs Ebenen von Höhe zu Höhe, von den Alpen bis zum Meer, von unseren Ostmarken bis hin zum Rhein, das deutsche Vaterland erglühe, ein ergreifendes Abbild des hehren Sternenhimmels, welcher über ihm leuchtet!

Kiel, 18. August. Heute Nachmittag bewegte sich ein unabsehbarer Trauerkondult von der Gaardeuer Leichenhalle nach dem hiesigen neuen Friedhof. Zehn Leichenwagen trugen die Todten der Katastrophe auf der Germania-Werft. Die Särge waren mit Kränzen und Palmen aufs Reichste geschmückt. Im Trauerzuge befanden sich außer den Angehörigen der Verstorbenen die Direktoren und die Angestellten der Germaniawerft, Deputationen und Angestellte der kaiserlichen Werft,

zahlreiche Vereine aus Kiel und aus der Umgegend. In den Straßen bildete eine nach Zehntausende zählende Menschenmenge Spalier. Die Todten wurden in ge­meinsamer Grust unmittelbar neben dem Massengrabc der bei der Explosion auf dem türkischen Torpedojäger verunglückten Kameraden beigesetzt. Der feierliche Trauerakt machte auf alle Theilnehmer einen ergreifenden Eindruck. Angesichts des Unglückfalls auf der Germaniawerft wird von verschiedenen Seiten in An­regung gebracht, die den Tausenden von Arbeitern der kaiserlichen nnd der Privat Wersten gewährte Mittags­pause von 1 's, Stunden ohne Lohnabzug auf volle zwei Stunden auszudehnen. Die großen Werften liegen auf dem jenseitigen Ufer, und die Arbeiter sind ge­nöthigt, während der Mittagspause stets zweimal mit dem Dampfer über den Hafen zu fahren. Da gilt es, jede Minute auszunutzen. Eilenden Schrittes verlassen die Arbeiter die Wer t und besteigen den Fährdampfer. Da herrscht ein unheimliches Drängen, Schieben und Stoßen. Kaum hat das Schiff das diesseitige Ufer erreicht, so stürzen die Arbeiter aus Land und hasten durch die Straßen ihren Wohnungen zu. Vielen ver­bleibt nur eine halbe Stunde, um das Mittagessen zu verzehren; dann geht es wiederum eilenden Laufes nach der Werst zurück. Wer sich um fünf Minuten ver­spätet, erleitet auf der kaiserlichen Werft einen Lohn­abzug für eine Stunde; wer später eintrifft, ist auf einen halben Tag von der Arbeit ausgeschlossen, und der Lohn wird um einen halben Tag gekürzt. Ein solcher Zustand ist auf die Dauer unhaltbar, da für alle in den entfernteren Straßen wohnenden Arbeiter von einer Mittagsruhe keine Rede sein kann, und bei dem Hasten, Jagen und Stürzen der Arbeiter Unglücks- fälle verhängnißvollster Art unausbleiblich sind.

Zu einem Krawall ist es in Mülheim am Rhein gekommen. Dort herrschte große Erregung gegen die Köln-Mülheimer Dampschifffahrtsgesellschaft, welche aus Konkurrenzrücksichten den Fahrpreis Plötzlich von 20 auf- 5 Pfg. herabsetzte. Am Sonnabend und Sonntag Abend versuchte eine große Menschenmenge das Landen der Schiffe der alten Gesellschaft zu verhindern. Es kam zu einem Krawall, worauf die Menge zu Tausenden anwuchs und den ganzen Werftplatz und die angrenzenden Straßen besetzt hielt. Als die Polizei mit blanker Waffe vorging nnd zur Hilfeleistung Gendarmerie requirirte, welche blinde Schüsse abgab, eröffnete die höchst erregte Menge ein Bombardement mit Steinen und demolirte sämmtliche Laternen. Ein prachtvolles Wetterhäuschen wurde niedergerissen und in den Rhein geworfen, sowie die Fensterscheiben der Nachbarhäuser zertrümmert. 22 Schutzleute wurden durch Steinwürse verwundet, ebenso ein Kommissar, der stellvertretende Bürgermeister. Ein Theil der Verletzten mußte ins Hospital befördert werden. Viele Personen sind durch Säbelhiebe der Polizisten verletzt, andere verhaftet. Militär ist aus Köln eingetroffen. Die Aus schreitungen haben sich am Montag Nacht zum dritten Male wiederholt. Ein starkes Polizeiaufgebot erschien und trieb die Menge mit blanker Waffe auseinander. Wiederum kamen zahlreiche Verwundungen und Ver- ha tungen vor. Weitere Ansammlungen vor öffentlichen Gebäuden wurden auseinander getrieben.

Bei der städtischen Sparkasse in Erfurt haben sich die Einlagen derart gemehrt, daß es der Verwaltung nicht möglich gewesen ist, geeignete Anlagen in hin­reichendem Maße zu finden. Es ist deshalb verschiedenen solcher Einleger, die über 50000 Mk. Guthaben haben, dieses zur Abhebung gekündigt worden.

Aus Kattowitz, 15. August, wird geschrieben: Eine Abtheilung Kosaken vollzog heute auf den Zagorzer Gruben, woselbst ein Streik ausgebrochen war, an vrer zehn Schleppern wegen Aufwiegelung deren Durch- peilschuug. Durch dieses drakonische Mittel wurde der Streik beendet.

Mainz, 21. August. Der Kaiser trifft am nächsten Montag um 10 Uhr hier ein. Auf demgroßen Sande" findet Parade der ganzen Garnison und Besichtigung der znsammcugezogcucu Truppen des 11. Armee-Corps statt.

Aus der Rhön, 20. August. Bayerische Zeitungen bringen folgende Notiz:Wir können die erfrenliche Nachricht mittheilen, daß sämmtliche Garnisonsverwal tungen angewiesen sind, Torfmull vom Rhöutorfwerk zu entnehmen. Dieser Erlaß des Herrn Generals

Xylander bestätigt, daß derselbe auch ein Herz für die heimische Hochrhön-Industrie hat; dieses Beispiel dürfte praktisch von allen Instituten und Verwaltungen, ja von jedem Hausbesitzer zum besten der armen R' arbeitet und der praktischen Verwendung der wcrthr Fäcaüen und damit verbundenen großen Reinli Nachahmung finden." Das Rhöutorfwerk ist am rou, Moor nahe der Straße Bischofsheim Rhön-Wüste sachsen belegen.

Lokales und Provinzielles. * Schlächtern, 24. Aug.

* Nachdem wir lange genug unter der Ungunst regnerischer Witterung zu leiden hatten, ist nun seit einigen Tagen ein vollständiger Umschwung eingetreten. Sengend scheint die Sonne herab vom wolkenlosen, blauen Himmel; auf dem Felde, wo die Nässe alle Arbeiten gehemmt hatte, geht es wieder sehr rührig zu mit Abernten des noch stehenden Getreides. Wir wollen wünschen, daß das Wetter durch Beständigkeit dem Landmanne die Erntearbeiten vollends bis zum Schluß erleichtert.

* (Jnvaliditäts- und Altersversicherung.) Während der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Juni 1895 sind von versicherten Personen des Kreises Schlächtern durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchlern im Ganzen 114 Anträge auf Bewilligung von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende Juni1895zur Erledigung: 74 durch Festsetzung des Renten- anspruchs 38 durch Ablehnung, 1 durch den während des Verfahrens eingetretenen Tod der Antragsteller. Die be­willigten Altersrenten betrugen: In 1891 für 23 männliche und 8 weibliche Personen zusammen jährlich 3,535 Mark 80 Pfg., in 1892 für 15 männliche nnd 3 weibuche Personen zusammen jährlich 2,208 Mark, in 1893 für 8 männliche und 3 weibliche Personen zusammen jährlich 1,266 Mk., in 1894 für 9 männ­liche Personen zusammen jährlich 1,077 Mark, in 1895 im I. und II. Vierteljahr für 4 männliche und 1 weib­liche Personen zusammen 569 Mark 40 Pfg, mithin in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Juni 1895: 8,656 Mk. 20 Pfg. Von den 74 Renten­empfängern sind bezw. waren beschäftigt: 43 in der Land- und Forstwirthschaft, 9 in der Industrie, 8 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 9 im Staats- rc. Dienste, 5 im Gesiudedienste. Ende Juni 1895 blieben, nach Abgang durch Tod, noch 54 Altersrenten mit zu­sammen 6,751 Mark 80 Pfg. zu zahlen. Die Zahl der in der Zeit vom 23. November 1891, von welchem Tage ab gesetzlich zuerst Anspruch auf Invalidenrente erhoben werden konnte, bis Ende Juni 1895 durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlächtern gestellten Anträge auf Bewilligung von Invalidenrenten beträgt 62. Davon kamen bis Ende Juni 1895 zur Erledigung: 29 durch Festsetzung des Rentenanspruchs, 28 durch Ablehnung, 5 auf sonstige Weise. Die festgesetzten Invalidenrenten betrugen für 23 männliche und 6 weibliche Personen im Ganzen jährlich 3,427 Mk. 80 Pfg. Von diesen Personen waren beschäftigt: 14 in der Land- und Forstwirthschaft, 9 in der Industrie, 1 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 1 im Staats- rc. Dienste, 4 im Gesiudedienste. Nach­dem 9 Invalidenrenten durch Tod der Empfänger in Abzug gekommen waren, blieben Ende Juni 1895 noch 20 Invalidenrenten im Gesammtbctrage von jährlich 2,374 Mark 20 Pfg. zu zahlen.

* Bei dem am 18. ds. Mts. abgehaltenen X. Acis- vrunuen-Volksturnfest erhielten folgende Turner Preise: 1. Preis Wilhelm Jöckel, Gelnhausen, mit 38 Va Punkten. 2. Michael Paul, Heusenstamni, mit 38 Pkte. 3. Joseph Heuser, Schwanhenu, mit 37'^ Pkie. 4. Ferdinand Kaiser, Fechenheim, mit 36 Pkte. 4. Joseph Groß, Niederrad, mit 36 Pkte. 4. Georg Leichner, Vilbel, mit 36 Pkte. 5. Adolf Herbert, Klein-Steinheim, mit 35'3 Pkte. 5. Konrad Hafner, Gelnhausen, mit 3513 Pkte. 5. Heinrich Simon, Vilbel, mit 35 P Pkte. 6. Georg Roll, Groß-Krotzenburg, mit 35 Ptte. 7. Johann Herber, Schwanheim, mit 34'fz Pkte. 8. Peter- Safran, Schwanheim, mit 34 Pkte. 9. Heinrich Kirchner, Bruchköbcl, mit 33 'la Pkie. 10. Eldas Schäfer, Homburg, mit 32J|a Pkte. 10. Peter Koch, podjftabt, mit 32|a Pkte. 11. Joh. Kaspar Schilling, Aein-Auheim, mit 32 Pkte. 11. Friedrich Denhardt, Schlächtern, mit 32 Pkte. 11. Andreas Lofing, Hanau,