s heranzutreten, daran tragen die Hauptschuld in Europa Frankreich und Rußland, die mit ihren aggressiven politischen Absichten das übrige Europa zwingen, sich durch Rüstungen gegen einen Ucberfall zu sichern.
Deutsches Reich.
Berlin Der Kaiser ist Sonnabend früh von seiner Reise nach England wieder heimgekehrt, vollzog Sonntag Vormittag, am Tage der Schlacht bei Gravelotte, der blutigsten und erfolgreichsten dieses Jahrhunderts, in Anwesenheit des Ho es — nur die Kaiserin mußte fern bleiben —, zahlreicher fürstlicher Personen, hoher Offiziere, des Reichskanzlers, der Staatssekretäre und Minister, vieler Reichstags- und Landtagsmitglieder, die Grundsteinlegung zu dem National-Denkmale für Kaiser Wilhelm J. Die Feier vollzog sich programmgemäß bei sehr günstiger Witterung.
— Das Armee - Verordnungs - Blatt enthält folgende an den Kriegsminister gerichtete Kabinetsordre: „Ich verleihe denjenigen Fahnen und Standarten Meiner Armee, welche während des Feldzuges von 1870F1 in Schlachten oder Gefechten ic. beziehungsweise bei Belagerungen geführt worden sind, das Band der für diesen Krieg gestifteten Denkmünze und bestimme, daß auf diesem Bande die Namen der in Betracht kommenden kriegerischen Vorfälle nach Meinen Ihnen dieserhalb ^besonders ertheilten Befehlen eingezeichnet werden. Sie haben diese Meine Ordre der Armee bekannt zu machen."
— Eine eigenartige Ehrengabe wird dem Kaiser am Sedantage überreicht werden. Sie besteht aus einem 2’|ä m breiten, 5 m hohen Ehrenschild, der in Medaillon- orm die hervorragendsten Führer des 70er Feldzuges zeigt. Unter anderen befinden sich auf diesem Schilde die Porträts Kaiser Wilhelms I., Kaiser Friedrichs 111., König Alberrs von Sachsen, Prinz Friedrich Karls, Moltkcs, Bismarcks, Freiherr» v. d. Tanns, Eroberer von Orleans re. Der Schild ist von Lorbeer- und Eichen- zweigen umranft, auf den einzelnen Blättern^ befinden sich die wichtigsten Kriegslage. Ueber dem Schilde ist die Kaiserkrone befestigt, unter dem Schilde angebracht ist das Eiserne Kreuz. Zu beiden Seiten stehen aus dem Schilde die Fahnen der verbündeten Mächte. Der Schild wird Ausnahme im Zeughause finden. Schenker desselben ist der rheinische Großindustrielle Dr. Eisenberg.
* — Für die Veteranen von 187071 sind für das Jahr 1895/96 1,800,000 Mk. zur Verfügung gestellt. Diejenigen Kriegstheilnehmer, welche sich wegen dauernder gänzlicher Erwerbsunfähigkeit in einer unter- stützungsbedürltigen Lage befinden, werden deshalb durch eine Ministerialentschließung aufgefordert, ihre Bewerbungen um Beihilfe aus diesen Mitteln bei dem Bürgermeister ihres Wohnorts anzumelden. Dabei haben sie die erforderlichen Legitimationspapiere vor- zulegen; zu letzteren gehört auch ein Zeugniß über die thatsächliche Erwerbsunfähigkeit seitens eines Amtsarztes. Die Amtsärzte sind angewiesen, diese Zeugnisse un- entg Mich anzufertigen. Nur solche Kriegstheilnehmer, welche dauernd gänzlich erwerbsunfähig sind, haben Anwartscha't auf Unterstützung Da der Anmeldetermin sehr kurz ist, so ist es gerochen, daß Jeder, der Anspruch erheben will und kann, nicht säume, die nöthigen Schritte zu thun. Bedauerlicher Weise ist mancher wackere Veteran trotz zweifelloser Berechtigung nicht im Stande, das selbst zu thun; das aber kann ein Jeder, daß er einen Kameraden um Beistand bittet, der ihm gewiß nicht versagt wird. Nur eine Kategorie kann leider nicht einmal das, nämlich die Geisteskranken. Für diese Armen, die Erwerbsunfähigsten der Erwerbsunfähigen, ungebeten und unentgeltlich die nöthigen Schritte zur Erlangung einiger Brosamen aus obiger Summe zu thun, sollte jeder geistesgefnnde Veteran als einen Akt kameradschaftlicher Treue betrachten. Dabei ist zu beherzigen, daß gar viele Geisteskranke weder einen Vormund noch sonst einen Helfer haben und daß deshalb Hunderte von geisteskranken ehemaligen Kriegern in Folge ihres Leidens und der Unterlassungssünden verpflichteter Personen und Organe entweder gar nicht oder verspätet oder verkümmert in den Genuß der ihnen nach den Reichsmilitärpensiousgesetzcn zukommenden Bezüge gelangt sind. Von diesen unglücklichen Männern wird jetzt eine ähnliche Uebergchung am sichersten abgewendet werden, wenn jeder geisteSgesunde Veteran im Kreise seiner Kampfgenossen Umschau hält und für seinen geisteskranken Kameraden thatkräftig fürsorglich eintritt.
Amtliches.
Nr. 2727. K. A. Die mit der Einreichung der Gemeinde-Rechnungen für 1894|95 noch im Rückstände befindlichen Herren Bürgermeister der Landgemeinden veranlasse ich hierdurch, diese Rechnungen nunmehr innerhalb dreier Tage hierher einzusenden, oder die Hinderungsgründe anzuzeigen.
Sollte wieder Erwarten die Fertigstellung der Rechnungen nicht zu ermöglichen sein, so sind vorläufig die Einnahme- Beläge zu denselben einzureichen. Außerdem ersuche ich um umgehende Einsendung der Gemeinde- Einkommensteuer-Listen für das Steuerjahr 1895|96.
Schlüchtern, den 19. August 1895.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Die Mitttärlast.
Wiederholentlich schon sind über die militärischen Streilkrä te der einzelnen Länder Aufstellungen veröffentlicht worden. Jetzt liegt wiederum eine solche Veröffentlichung vor, die gerade darum einen besonderen Werth hat, weil sie von einem Manne herrührt, der kein Interesse daran hat, in der einen oder anderen Richtung die Zahlen zu färben, wie das häufiger der Fall gewesen ist, wenn diese Angaben dazu dienen sollten, in dem einen oder anderen Lande große neue Bewilligungen für das Militär zu erlangen. Der Verfasser dieser Aufstellungen ist der Oberst William Ludlow, Militär- Attachs der Vereinigten Staaten bei der Gesandtschaft in London.
Er gibt ein klares Bild von dem jetzigen Stande des Militärwesens in Europa, indem er zum Zweck des Vergleiches Größe, Bevölkerungszahl und Stre t- fräste jedes der sechs in Betracht kommenden europäischen Staaten den entsprechenden Angaben der Vereinigten Staaten gegenüberstellt.
Zuerst kommt Deutschland mit einer Fläche von 208 738 Quadratmeilen, einer Bevölkerung von rund 50 Millionen und einer Militärmacht im Frieden von 584 548, im Kriege von 2 700 000 Mann. Frankreich hat bei 204 092 Quadratmeilen eine Bevölkerung von rund 39 Millionen und eine Streitkra't im Frieden von 523755, im Kriege von 2715570 Mann. Oesterreich-Ungarn hat 261649 Quadratmeilen bei 43 500 000 Einwohnern und eine Streitkraft im Frieden von 299150 Mann, die in Kriegszeiten auf 1590820 Mann erhöht werden kann. Italien weist 110623 Quadratmeilen und 31500 000 Einwohner auf und hat eine Streitkraft, die im Frieden 247 228, im Kriege 1909 000 Mann beträgt. Das europäische Rußland bedeckt eine Fläche von 2 095 000 Quadratmeilen^ mit einer Bevölkerung, die ungefähr 110 Millionen Seelen beträgt; seine Streitmacht ist im Frieden 97 7 500 Mann, im Kriege 2 722 400 Mann. Großbritanien hat 120973 Quadratmeilen mit 40 Millionen Einwohnern; einschließlich der 76721 Mann in Indien, zählt die Armee im Frieden 220509, im Kriege 700000 Mann. Die Vereinigten Staaten bedecken den größten Flächen- raum, nämlich 3581000Quadratmeilen; die Bevölkerung beträgt 65 Millionen, und die Militärmacht, die im Kriege und im Frieden die gleiche Höhe hat, setzt sich zusammen aus 25 000 Mann regulären und 112 000 Miliztruppen. Was die Geldfrage anbelangt, erinnert Oberst Ludow daran, daß zu den thatsächlichen Ausgaben, die die europäischen Staaten zur Erhaltung ihrer Streitkräfte machen müssen, noch der Ausfall an Arbeitskraft und Produktion hinzugerechnet werden muß, der dadurch entsteht, daß 200ÜU0 bis 1000 000 Männer aus lohnender Beschäftigung heraus gerissen werden; er rechnet aus, daß die jährlichen Ausgaben mit 3 multi- plizirt werden müssen, um die Gesammtkosten zu erhalten, welche das Militär den europäischen Staaten verursacht.
Es ist nothwendig, diese ungeheuren Aufwendungen sich immer wieder vor Augen zu halten, um sich die nationalökonomischen Gefahren zu vergegenwärtigen, mit welchen die Vereinigten Staaten, die sich ohne diese militärischen Lasten befinden, das in Waffen starrende Europa bedrohen.
Wird es bei einer weiteren wirthschaftlichen Entwickelung der Vereinigten Staaten möglich sein, daß das alternde Europa unter solchen Umständen noch ferner einen Wettkampf mit dem aufstrebenden Freistaat aufzn- nehmen im Stande ist? Das ist eine sehr ernste Frage; und daß vorläufig garnicht daran gedacht werden kann, an eine verständige Lösung dieser bedrohlichen Frage
— Einen Begriff von den ungeheueren Opfern, mit welchen die Siege von 187071 erkauft wurden, ergeben nachstehende Daten. Mit den größten Opfern ist an die Spitze zu stellen das 7. Ostpreußische Infanterie-Regiment Nr. 44 mit 1694 Mann, es folgt das 3. Westfälische Infanterie-Regiment Nr. 16 mit 1691 Mann. Dieses Regiment, welches am 16. August im Vereine mit den 56ern die Divisionen Cissey und Grenier angriff, wurde fast zertrümmert und^nur durch die heldenmüthige Attacke der ersten Garde-Dragoner vor vollständiger Vernichtung gerettet; es verlor an Todten allein die ungeheure Ziffer von 27 Offizieren und 526 Mann! Es folgen: Regiment Nr. 52 mit 1655, Regiment Nr. 6 mit 1504, Regiment Nr. 11 mit 1453, Kaiser Franz-Regiment Nr. 107 mit 1322, 8. Sächsisches Infanterie-Regiment Nr. 107 mit 1318 Mann. Ueber 1000 Mann verloren noch die Regimenter: 1., 2., 3. Garde-Grenadier-
„Königin Augusta" und „Elisabeth", ferner die Regimenter 3, 4, 6, 8, 20, 24, 32, 35, 40, 43, 40, 48, 50, 56, 67, 83, 85, 94, sowie das 2. Bayerische Infanterie-Regiment mit 1097. Ganz abnorm war die Einbuße bei dem Garde-Schützen-Bataillon mit 518 Mann. Dieses Bataillon hatte also nahezu 60 Proz. seines Bestandes eingebüßt. Auch einzelne Reiter-, sowie Artillerie-Regimenter weisen staunenerregende Ziffer auf, so das Magdeburger Kürassier-Regiment Nr. 7 207 Mann, das Altonaer Ulanen-Regiment Nr. 16 198 Mann, Erstes Garde-Dragoner Regiment 141 Mann. Das Brandenburgische Feld-Artillerie-Regiment, das sich allerdings unvergängliche Lorbeeren bei Vionville erworben hat, verlor nicht weniger als 622 Mann und es verfeuerten die 15 Batterien des 3. Korps an diesem Tage die enorme Anzahl von 14832 Geschossen. Das 18. preußische Regiment war das einzige, welches während des ganzen Feldzuges auch nicht einen Todten hatte. Schwer hcimgesucht durch Krankheiten wie Ruhrrc. waren die Regimenter 2, 13, 17, 39, 42, 49, 74, 78, 84, 91 und das Alexander-Garde-Regiment, sowie die bayerischen Regimenter 10 und 15. Von Verlusten über 10,000 Mann wurden nur das 3. preußische und 1. bayerische Armeekorps betroffen. In dem Feldzuge fanden 78 Schlachten und Gefechte, sowie 870 Zusammenstöße aller Arten statt, es wurden 45 Adler und 255 Geschütze erobert, während durch Ucbergabe 62 Adler, 1660 Feld- und 5422 Festungsgeschütze den Deutschen zufielen. Den Franzosen kostete der tapfer geführte Krieg weit über 200,000 Menschen.
* — Durch allerhöchste Ordre vom 14. Juli 1895 ist in Abänderung der b züglichen Bestimmungen im § 12 der Regierungs Instruktion vom 23. Oktober 1817 genehmigt worden, daß die Anstellung der Forstkassen Nendanlen künftig nicht mehr durch die Regierungen erfolgt, sondern dem Minister der Landwirthschaft, Domänen und Forsten Vorbehalten bleibt.
* — Geschästsreisenden, welche eine Reiselegilimations- karte verlangen, wird jetzt, wie der „Konfektionär" meldet, eine solche Karte verweigert und ihnen anheimgegeben, sich Hmifirscheine (Wandergewerbscheine) ausstellen zu lassen. Diese Anordnung stützt sich auf eine Reichs- gerichts-Entscheidung, daß Agenten keine gewerbliche Niederlassung im Sinne der Gewerbeordnung haben, und ist zuerst in Frankfurt am Main zur Ausführung gebracht worden, wird wohl aber nunmehr im ganzen Deutschen Reich zur Geltung gelangen.
* — Der heutige „Slaatsanzeiger" veröffentlicht die Satzungen der Landwirchschmtskammer für den Regierungsbezirk Cassel. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder der Landwirthschaftskammer, welche ihren Sitz in Cassel hat, beträgt 50. Wahlbezirke sind die Landkreise. In jedem Wahlbzirk sind soviel Mitglieder zu wählen, als der betr. Landkreis Abgeordnete zum Kommunal-Landtag zn entsenden hat.
Kiel. Ein bedauerlicher Unglücksfall hat sich am 14. auf der Germaniawerst in Kiel ereignet. Als Arbeiter bei Beginn der Mittagspause eine Laufbrücke passirten, brach diese zusammen und zahlreiche Arbeiter stürzten ins Wasser. 12 Todte sind bisher gefunden worden.
Herne. Ein Gedenkblatt wird auf Amtskosten a' n Veteranen des westfälischen Amtsbezirks Herne, ti einen der drei letzten Kriege mitgemacht haben, überre cht werden, ebenso wie den nicht wieder verheiratheren Wittwen der Gefallenen. Ferner soll den Veteranen,