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MWemerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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M 66. Samstag, den 17. August 1895.

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Vor 25 Jahren.

Die Schlacht bei Bionville Mars la Tour. 16. August 1870.

Marschall Bazaine hatte den weiteren Abzug seiner Armee durch Metz auf Verdun angeordnet, um der Ber­einigung mit Mac Mahon entgegenzustreben; doch man war bis zum 16. August wenig über eine Meile West wärts der Festung Metz gelangt. Deutscherseits glaubte man den Gegner schon weiter gekommen, und das Ober- Kommando der II. Armee, dessen Corps sämmtlich die Mosel überschritten, richtete für den l 6. August nur den Marsch zweier Corps, des XII. und X. sowie der 5. und 6. Kavallerie-Division um Metz herum nach Norden gegen die Straßen nach Verdun, während die übrigen Corps westwärts der Maas zustrebten.

Infolge dessen stieß das III. Corps am Morgen des 16. August zuerst auf die abziehenden Franzosen, und es entstand jene denkwürdige Schlacht, in welcher die Brandenburger unter ihrem hochbegabten und energischen Führer General v. Alvensleben vom Morgen bis zum Nachmittag allein gegen die Armee Bazaines mit unvergleichlicher Heldengröße und Todes­verachtung rangen, bis ihnen dann Hülfe kam; wo die preußische Kavallerie sich so unvergänglichen Ruhm durch ihren opferfreudigen Todesritt erwarb.

Als General v. Alvensleben um 9 Uhr Morgens auf die Franzosen stieß, entwickelte er kurz entschlossen sein ganzes Corps zum Angriff gegen den Feind. Zuerst trat die 5. Division südlich Flavigny mit ihm in Berührung, und ein mörderisches Gefecht entspann sich; hier fiel General v. Döring tödtlich getroffen an der Spitze der 9. Brigade (8. und 48. Regiment), das 1. Bataillon des Regiments 52 büßte sämmtliche Offiziere ein; doch gelang es General v. Schwerin, die Trümmer seiner, der 10. Brigade (Regiment l 2 unb 52) um sich zu sammeln und die Höhe vor Flavigny zu behaupten. Nun war auch die 6. Division rechts gegen Bionville und Flavigny eingeschwenkt und ging links der 5 Division vor. Die 11. Brigade nahm Bionville, und dem gemeinsamen Sturm dieser und der 10. Brigade erlag auch Flavigny.

Langsam, aber unaufhaltsam schritten die Preußen vor und zwangen den französischen rechten Flügel zum fluchtartigen Rückzüge auf Rezonville. Das französische Garde-Kürassier-Regiment warf sich mit kurzer Entschlossenheit auf den Verfolger, aber die 7. und 8. Compagnie der 52er unter Hauptmann Hildebrand empfingen den Stoß kaltblütig mit vernichtendem Feuer. Unter furchtbarem Verlust kehrten die Trümmer des stolzen Regiments in schleuniger Flucht zurück.

Es war 2 Uhr geworden. Da kam der preußische Angriff zum Stehen, die Bataillone waren sichtlich zusammengeschmolzen, ihre Kräfte in vierstündigem Kampfe erschöpft, die Infanterie-Munition war nahezu verschossen und kein Bataillon, keine Batterie mehr in Reserve. Jetzt gerade aber schickte sich Marschall Canrobert an, mit seinem Corps den preußischen linken Flügel bei Bionville zu umfassen. Da befahl General v. Alvensleben dem General v. Bredow, mit seiner zur Hand stehenden Kavallerie-Brigade, dem Magdeburgischen Kürassier-Regiment Nr. 7 und den altmärkischen Ulanen Nr. 16, gegen den Feind zur Attacke anzureiten. Die Regimenter jagten todtesmuthig in den Feind; nach wenigen Minuten kreuzen Klingen und Lanzen die französischen Bajonette:

Doch ein Blutritt war es, ein Todesritt, Wohl wichen sie unseren Hieben, Doch von zwei Regimentern, was ritt und stritt, Unser zweiter Mann war geblieben.

Ja, furchtbar waren die Verluste dieser tapferen Reiterschaar, aber ihre opferfreudige Hingabe hatte den Erfolg, daß die Franzosen ihren Angriff auf Bionville gänzlich cinstellten. Endlich um 3 Uhr nahte den bis auf den Tod erschöpften Streitern die heißersehnte Hülfe; auf dem linken Flügel griff das X. Corps ein, auf dem rechten Flügel ein Theil der um Beistand angegangenen 16. Division des VIII. Corps. Dort bei Mars la Tour hatte die Brigade von Wcdcll, die 38. (die westfälischen Regimenter 16 und 57), einen besonders heißen Kampf zu bestehen. Im Vorgehen stand die Infanterie plötzlich vor einer tiefen Schlucht, sie wurde durchschritten und der jenseitige Hang erstiegen; aber vor vernichtendem Feuer mußten die Braven zurück; nachdem fast alle Offiziere und Führer gefallen waren, glitten die Trümmer

der Bataillone in die Schlucht hinab; den Rest seiner 57er und der ihres Kommandeurs durch den Tod beraubten 16er führte der heldenmüthige Oberst v. Cranach, eine zerschossene Fahne hoch in seiner Hand, zurück. Nachdrängender zahlreicher französischer Kavallerie warfen sich hier das 1. Garde-Dragoner Regiment und eine Schwadron der 2. Garde-Dragoner rücksichtslos entgegen unter starken Verlusten; aber die Infanterie war gerettet.

Dann entspann sich noch bei Mars la Tour ein großer Reiterkampf, der größte des Feldzuges; 5000 Reiter wirbelten im Handgemenge herum; die Preußen gingen als Sieger hervor, und von jetzt ab verzichtete der französische rechte Flügel auf alle weiteren Vorstöße. Prinz Friedrich Carl war auf das Schlachtfeld geeilt; der Tag neigte sich zu Ende, und die Dämmerung war ein­getreten, die Schlacht von den Preußen gewonnen; sie standen Abends auf dem Boden, welchen die Franzosen am Morgen inne hatten; die erschöpften Truppen lagerten auf dem erstrittenen, blutgetränkten Felde dicht gegenüber der Stellung des Feindes.

16000 Mann kostete der blutige Tag, darunter 711 Offiziere, die Früchte des Sieges reisten erst in seinen Folgen Molkte nannte die Leistungen des III. Corpseine der glänzendsten Waffenthaten des ganzen Feldzuges" und erkannte dadurch ihm und seinem Führer die Palme des Tages zu. Und auch wir gc denken mit denselben Gefühlen heute in 25 jähriger Erinnerung neidlos dessen, wasdie Brandenburger" vollbrachten.

Deutsches Reich.

Berlin. Wie aus Kassel gemeldet wird, trifft der Kaiser Montag Abend in Wilhelmshöhe ein und ver­bleibt daselbst eine Woche lang. Die Kaiserin komnn am Sonntag nicht nach Berlin zur Grundsteinlegung des Kaifer-Wilhelm-Denkmals, sondern bleibt vorläufig noch in Wilhelmshöhe.

Eine Berliner Getreidefirma hat ganz enorme Posten Roggen und Weizen nach Deutschland dirigirt, was denn auch den von der Firma gewünschten Erfolg eines künstlichen Preisdruckes an den Getrcidepreiscii zur Folge gehabt hat. Berlin ist gegenwärtig ver­gleichsweise der billigste Getreideplatz der Welt, und aus den großen Erzeugungsgebieten von Rußland, Ungarn und Amerika und Argentinien ist zur Zeit Getreide nach Berlin zu den hier notirten Börsenpreisen zu bringen, nicht möglich.Unseres Erachtens," so bemerkt dazu derReichsbote",liegt hier eine so illegitime und >ür die deutsche Landwirthschaft so schwere Schädigung vor, daß die Regierung eine solche Firma beim Kragen fassen und ihr das Handwerk legen sollte, welches gerade die deutschen Bauern, die jetzt genöthigt sind, trotz ihrer geringen Ernte, zu so billigen Preisen zu verkaufen, auffs schwerste schädigt. Regierung, Parlament und Staatsrath zerbrechen sich die Köpfe darüber, wie der Landwirthschaft aufzuhelfen sei und hier spielt ein Kornwucherer mit den Erzeugnissen der Landwirthschaft."

* Die Rückberufung des deutschen Geschwaders aus Marokko ist, wie dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" offiziös mittheilt, in der That erfolgt, nach­dem die marrolkanische Regierung die gelangte Genug­thuung für die Ermordung des Reichsangehörigen Rock­stroh geleistet hat. Diese Genugthuung besteht zunächst in der Zahlung einer Summe von 200,000 Francs. Ferner ist der Rest der für die Ermordung des Reichs­angehörigen Neumann geschuldeten Summe im Betrage von 50,000 Francs, der erst im Oktober fällig war, schon jetzt baar entrichtet worden. Außerdem hat der Sultan die Absetzung der Beamten ausgesprochen, deren Verhalten in der Rockstroh'schen Angelegenheit der kaiser­lichen Regierung Anlaß zu berechtigten Klagen gegeben hatte. Ferner ist die Bestrafung der Mörder ver­sprochen worden.

Meiningen. Die Ansprache, welche der Herzog Georg von Sachseu-Meiningen am 6. August gelegentlich der Jubelfeier des 32. Jnf -Rcgts. vom Altan des Residenz- schlosses zu Meiningen aus an die 520 KriegSocterancn und das Regiment hielt, hat folgenden Wortlaut: Kameraden! Heute vor 25 Jahren und zwar zu dieser Stunde, erhielt das Regiment Nr. 32 die Feuer­taufe bei Wörth. Ihr jungen Leute, laßt Euch von von den zu unserer Freude hier versammelten Veteranen erzählen, mit welchem Todesmuthe das Regiment dort unter Führung seines tapferen Obersten v. Förster

kämpfte, und ganz besonders, mit welcher Kaltblütigkeit es die französischen Kürassier- und Lanciersregimenter abwies, durch welche es ganz plötzlich wüthend ange­griffen wurde. Doch Wörth ist nicht der einzige Ruhmestitel des Regiments! Ich erinnere nur an Sedan, Orleans, Chateaudun, Poupry, Beaugency, Le Mans! Wenn ich in Schlachten und Gefechten das Regiment in ruhmvoller Aktion sah, legte ich mir wohl die Frage vor: Was ist es, das den deutschen Krieger so todtesverachtend unaufhaltsam vorwärts stürmen läßt? Ist es die Begeisterung allein, die Begeisterung, die uns Alle beseelte, als wir gegen den Friedensstörer in's Feld zogen? Gewiß nicht allein; denn ein halbes Jahr voller Entbehrungen, Strapazen und Kämpfe hält Begeisterung kaum vor. Nein, ganz hauptsächlich die Pflichttreue war's, die Pflichttreue, die dem deutschen Krieger eigen. Sie bürgt auch für ferneres Gelingen. Damals aber errang sie Erfolge, welche die Weltgeschichte kaum ein zweites Mal auf- zuweisen hat. Die herrlichste Frucht aber der un­vergleichlichen Siege war die Wiederaufrichtung des lang­ersehnten deutschen Kaiserreiches. Kameraden! Das Kaiserreich laßt uns in Pflichttreue hochhalten, daran festhalten bis zum Blutstropfen! Das ist sicherlich auch Euer Wille! Darum stimmt ein in den Ruf: Hoch Kaiser und Reich! Hurrah!"

Effcn a. d. Ruhr, 14. August. Der Geheimrath Krupp schenkte anläßlich der Feier der nationalen Ge­denktage der Arbeiterpensionskasse der Gußstahlfabrik eine Million Mark.

In Jserlohu wurde ein Postgehülfe wegen Oeffnung eines Briefes, in dem er seine Person betr. Angaben vermuthete, zu 1/* Jahr Gefängniß verurtheilt.

Königsberg. Die großen Wanderdünen der kurischen Rehrung, die im Laufe der letzten 200 Jahre eine ganze Reihe von Dörfern, die an der Haffseite lagen, vernichtet haben, drohen gegenwärtig auch das zwischen Schwarzort und Niddcu gelegene Fischerdorf Preil zu verschlingen. Trotz aller Befestigungsarbeiten ist es nicht gelungen, die südwestwärts auf Preil vorrückende Wanderdüne au'zuhalten. Da vielleicht schon die nächsten Weststürme dem Ort verhängnisvoll werden könnten, hat die Staatsregierung beschlossen, das Dorf als Wohnort au'zugeben. Den armen Fischern aus dem gefährdeten Orte sollen aus Staatsmitteln Zuwendungen für die Ansiedelung an anderer Stelle gewährt werden.

Oesterreich. In Russisch.Wolhynien wüthet die Cholera in erschreckender Weise. Es fehlt mehr denn je an Aerzten. In den verseuchten Dörfern sind weder Lazarethe noch Baracken vorhanden. Die Kranken bleiben in den Wohnungen und verbreiten so die Seuche immer weiter. Die österreichischen Behörden haben die Grenze gesperrt, weil die Cholera bereits in Galizien ein« gedrungen ist. Es wird wenigstens nicht bezweifelt, daß die Erkrankungen dort Cholerafälle sind. (Ein kaiserl. Geschenk.) Der Kaiser Franz Joseph hat die Ab­sicht, dem N. W. T. zufolge, anläßlich seines RegierungS- jubiläums den ganzen Prater der Stadt Wien zu schenken. An die Schenkung sind mehrere Bedingungen geknüpft, darunter die, daß der Prater seiner historischen Be­stimmung gemäß als Erholungs- und llnterhaltungsort den Wienern erhalten bleibt.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 16. Aug.

* Das Weiter! Ja, das Wetter macht vielen Leuten jetzt recht schwere Sorgen. Draußen auf den Feldern liegen die Gctrcidegarbcn, zum Theil vom Winde umgeworfen, und harren heißer, trockener Tage, um eingebracht werden zu können. Jeden Tag aber kommt von neuem Regen hernieder, jeden Tag wieder­holen sich die Gewitter mit argem Sturm. Wenn nicht bald ein radikaler Witterungsumschwung kommt, dürfte die Ernte sehr beeinträchtigt werden.

Früher Herbst. Nach den Beobachtungen von Naturfreunden soll uns Heuer ein früher Herbst beschieden sein. Das rasche Verblühen der Sommerblumen, das ungewöhnlich frühe Reifen der Früchte n. A. mehr sollen darauf hindeuten.

* DemAmtsblatt" zufolge trägt die diesjährige letzte Ucberweisung aus der lex Huene dem Kreis Gelnhausen 55,314 Mark, dem Kreis Schlüchtcrn 36,193 Mk. und dem Kreis Fulda 55,877 Mk. ein.