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Samstag, den 10. August
1895
Das neue Jagdscheingesetz
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ist am 31. Juli Allerhöchst vollzogen und in der am j und Altersversicherung rentenberechtigt geworden sind. ~ " Ziehen wir von den jüngst über die überhaupt erfolgte
6. August ausgegcbenen Nr. 29 der Gesetzsammlung veröffentlicht worden. Da in dem Gesetze selbst ein besonderer Zeitpunkt des Inkrafttretens nicht angegeben ist, so erlangt es nach dem Gesetz vom 16. Februar 1874 mit dem 14. Tage nach dem Abläufe letzteren Tages, also am 20. August, Gesetzeskraft. Von diesem Tage an erhält Jedermann im ganzen Preußischen Staate, mit Ausnahme der Insel Helgoland, einem einheitlichen Jagdschein, der entweder auf ein vom Tage der Ausstellung an rechnendes Zeitjahr gilt, Jahresjagdschein heißt und 15 Mark kostet, oder nur drei auf einander folgende Tage gilt, Tagesjagdschein heißt und drei Mark kostet. Zu demselben Preise erhalten auch alle Angehörigen anderer Deutscher Bundesstaaten, einschließlich der Reichslande Elsaß- Lothringen, sowie diejenigen Angehörigen außerdeutscher Staaten, welche in Preußen einen Wohnsitz oder Grundbesitz haben, den Jahres- oder den Tagesjagdschein. Nur wenn außerdeutsche Ausländer in Preußen keinen Wohnsitz oder Grundbesitz haben, müssen sie eine erhöhte Abgabe, und zwar von 40 Mark für den Jahresjagdschein und 6 Mark für den Tagesjagdschein, entrichten. Staatsforstbeamte sowie diejenigen Gemeinde- und Privatforstbeamten, welche lebenslänglich oder mittelst schriftlichen Kontraktes auf mindestens 3 Jahre angestellt und daraufhin auf Grund des §. 23 des Forstdiebstahlgesetzes vom 15. April 1878 beeidigt sind, endlich die in der für den Staatsforstdienst vorgeschriebenen Ausbildung befindlichen Personen erhalten den Jagdschein unentgeltlich.
Der Jagdschein ist, wie der bisher allein gültige, von gelber, der Tagesjagdschein von rother Farbe; oie theureren Jagdscheine für Ausländer weisen außerdem ein schräg aufgedrucktes grünes Krenz auf. Die unentgeltlichen Jagdscheine sind nach wie vor weiß.
Die zuständigen Jagdpolizeibehörden, d. h. die Landräthe, in Hohenzollern die Oberamtmänner, in den Stadtkreisen die Ortspolizeibehörden (Polizeipräsidenten, Polizeidirektoren, Bürgermeister) werden rechtzeitig im Besitze der neuen Formulare sein. Zuständig für Ertheilung des Jagdscheines ist die Jagdpolizeibehörde nicht nur desjenigen Kreises, in dem der Jäger wohnt, sondern auch in dem er zur Ausübung der Jagd berechtigt ist, also z. B. dort, wo er eine Jagd gepachtet hat, oder auch nur zu einer solchen cingeladen ist.
MU Rücksicht auf den binnen Kurzem bevorstehenden Aufgang der Hühnerjagd und die sich daran anschließende Jagdsaison haben die Jagdliebhaber sich rechtzeitig davon zu vergewissern, daß sie sich im Besitze eines vorgeschriebenen Jagdscheines befinden. Denn die Jagdpolizeibehörden sind angewiesen worden, in Zukunft eine verschärfte Kontrole der Jagdausübung eintreten zu lassen, und die Strafen für denjenigen, der seinen Jagdschein zu Hause vergessen hat, wie namentlich für denjenigen, der auf der Jagd ohne den vorgeschriebenen Jagdschein betroffen wird, sind gegen früher empfindlich erhöht. Uebrigens haben die noch vor Inkrafttreten des Jagdschcingesetzes gelösten Jagdscheine ihre Gültigkeit bis zum Abläufe der Zeit, für welche sie ausgestellt sind, behalten.
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Deutsches Reich.
Berlin. Dem Kaiser ist am Montag im besten Wohlsein in Cowes (England) eingetroffen. Um 3 Uhr dampfte die kaiserliche Jacht „Hohenzollern" mit der gelben Flagge auf dem Hauptmast in die Bncht hinein, begrüßt von den Salutschüssen der anwesenden deutschen Kriegsschiffe, des britischen Wachtschiffes „Australien" und der Strandbatterien. Der Kaiser stand in englischer Admiralsuniform auf der Kommandobrücke nnb erwiderte den Salut. Bald nach der Ankunft der „Hohenzollern" begab sich Prinz Heinrich an Bord, um seinen kaiserlichen Bruder zu begrüßen. Später landete der Monarch in Ost-Cowes, wo er von dem Prinzen von Wales und dem Herzog von Jork empfangen wurde. Als Ehren-Garde waren die „königl. schottischen Schützen", die Leibgarde der Königin, aufgestellt.
* — Die Arbeiterversicherungsgesetze bestehen jetzt gerade 10 Jahre. Die Zahl der auf Grund des Unfallversicherungsgesetzes Renten beziehenden Personen beträgt 200,000. Dazu kommen nun noch diejenigen
s Renteil-Empfänger, welche auf Grund der Jnvaliditäls-s | unb Altersversicherung rentenberechtigt geworden sind.
Bewilligung von Alters- und Invalidenrenten veröffentlichten Zahlen die in Folge Todesfalles oder sonst eingegangenen Renten ab, so bleibt immer noch eine 300,000 beträchtlich übersteigende Anzahl übrig. Man wird also nicht fehlgehen, wenn man die Zahl derjenigen Personen, welche auf Grund der Arbeiterversicherungsgesetze Renten beziehen, gegenwärtig auf über eine halbe Million annimmt.
* — Wie die „Volksztg." sich berichten läßt, soll die Absicht bestehen, im Anschluß an eine Zulassung der Frauen zum ordnungsmäßigen Studium der Medizin, die so gut wie beschlossene Sache zu sein scheine, auch gleich noch ein anderes Gebiet für die Erwerbsthätigkeit der Frauen zu eröffnen, nämlich das des Apothekerwesens. Man sei an maßgebender Stelle der Meinung, daß gerade für den Apothekerberuf die Frauen besonders geeignet seien, so daß es sich wohl empfehle, ihnen den Eintritt in diesen alsbald zu gewähren.
* — Für diejenigen Bahnhöfe, auf denen jetzt die Bahnsteigsperre eingeführt ist, hat die Eisenbahnverwaltung neuerdings angeordnet, daß Reisende, die wegen verspäreteten Eintreffens auf dem Bahnhöfe eine Fahrkarte nicht mehr haben lösen können, an dem Betreten des B^Hysteiges nicht gehindert werden sollen. Jedoch sind bis Schaffner angewiesen, davon die Zugführer rechtzeitig in Kenntniß zu setzen.
Wörth, 6. Aug. Auf dem Schlachtfelde ist heute Vormittag um 10 Uhr das Denkmal des hessischen Jägerbataillos Nr. 11 enthüllt worden. 400 ehemalige Jäger nahmen an der Feier Theil. Der Bataillonskommandeur, Oberstlieutenant Emmich, hielt die Weihe- rede, die mit einem Hoch auf den Kaiser schloß. Darauf erfolgte das Ab singen der Nationalhymne. Nachdem die ehemaligen Jäger des Bataillons und die Krieger- vereine von Wörth und Essen Kränze am Denkmal niedergelegt, war die Feier beendigt. Es wurden dann noch am Armeedenkmal Kranzspenden gestiftet, und Nachmittags fand ein Festessen in Wörth statt.
Ein junger Mann aus Schirrheim bei Hagenau fand auf dem Artillerie-Uebuugsplatz bei Hagenau beim Kugelsuchen seinen Tod. Der Tagelöhner Louis Halter, 17 Jahre alt, begab sich vorige Woche, obgleich es seine Eltern ihm verboten hatten, auf den Schießplatz, um Kugeln zu suchen. Er wagte sich mitten in den Kugelregen. Eine Granate traf ihn und zerfleischte ihn buchstäblich.
Speyer, 6. Aug. In dem badischen Dörfchen Alklußheim in der Nähe von Speier wurde das Tollste von Fesibummelei geleistet, was seit langem vorgekommen ist. Am letzten Montag beging dort der Turnverein in der feierlichsten Weise das „Fest" seiner Trinkhorn- Einweihung! An der Vorabendfeier, ohne die es ja bei keiner Festlichkeit mehr abgeht, Fackclzug durch die Dorfstraßen, am Festtagsmorgen Weckruf, darauf Festzug und hernach „feierliche" Uebergabe des Trinkhorns durch zwei „Horndamen", wie diese weiblichen Ehren- Wesen wörtlich benannt wurden. Ein Fcstball beschloß die hehre Feier, bei der es an ergreifenden, zu Herzen gehenden Reden nicht gefehlt haben wird. Vier auswärtige Turnvereine waren dabei Gäste der Altlußheimer Hornbesitzer.
Ausland.
Tarnopol, 5. August. In Wolhynien sowie in den Grenzorten Russisch-Polens herrscht die asiatische Cholera. Die Seuche breitet sich schnell und in äußerst gesahr- drohender Weise aus.
Kuba. Wie die „Times" aus Havanna melden, ist die Situation der Spanier auf Kuba die denkbar traurigste. Marschall Martinez Campos ist in der von 12,000 Jnsugenten umzingelten Stadt Bayamo völlig eingcschlossen. Die Jnsurgentensührer Gomez und Maceo haben ihre Streilkräfte vereinigt.
Shanghai, 5. Aug. Die „Times" meldet von hier unter dem 4. d. M., daß bei einem Ucberfall in Kutscheng 10 britische Unterthanen getödtet wurden. Der englische Geistliche Steward wurde mit Frau und Kind in seinem Hause lebendig verbrannt; 7 andere Frauen wurden durch Speerstiche und Säbelhiebe getödtet. Außerdem wurden mehrere schwer verletzt.
Lokales uud Provinzielles.
* Schlüchtern, 9. Aug.
* — Ernannt: der Kataster-Landmesser Wilhelm Müller, z. Z. in Schlüchtern, zum Kataster-Kontroleur in außerordentlicher Verwendung.
* — Vor einiger Zeit sandte die Handelskammer zu Hanau an 380 Firmen und Interessenten in ihrem Bezirk ein Rundschreiben über die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. In demselben hat sie fünf Fragen in Bezug auf die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe zur Beantwortung gestellt, um daraus Erfahrungen, Anschauungen und Wünsche der Handelsgewerblichen Kreise kennen zu lernen. Darauf sind 122 Antworten eingelaufen. Aus Schlüchtern stimmten gegen eine Verlegung der Sonntagsgeschäftsstunden nur drei Firmen. Die übrigen Antworten aus Schlüchtern, Sterbfritz, Salmünster, Schwarzensels, insgesammt 16, sprechen sich dahin aus, daß eine Verlegung der Ge- schäftsstunden am Sonntag auf die Zeit von 11 bis 4 Uhr Nachmittags unter Fortfall der Zeit vor dem Gottesdienst für die kleineren Städte und die Landorte wünschenswerth sei. — Die Handelskammer will dieser- halb denn auch beim Herrn Regierungspräsidenten vorstellig werden.
* — Wie schon mitgetheilt, sind die Uebungen bei dem X. Volks-Turnfest auf dem Acisbrunnen Stabhochspringen, Freiweitspringen, Steinstoßen und Stemmen. Wir wollen nur noch an dieser Stelle darauf Hinweisen, daß sich an dem Wett-Turnen jeder Turngenosse, mag er einem Vereine angehören oder nicht, betheiligen kann. Die Anmeldungen sind spätestens bis zum 15. d. M. an Herrn F. Gutermuth, Ksm. hier, unter Beifügung von 50 Pfg. für die Wettturnkarte einzusenden.
* — Ueber Ziele und Leistungen des hiesigen Progymnasiums bestehen noch vielfach irrige Ansichten. Seit dem Jahre 1892 wird von der Stadt und den Schulbehörden unablässig an der Weiter- rntwickelung der Schule gearbeitet. Innerhalb zweier Jahre — von Ostern 1893 ab — sind nicht weniger denn 4 neue Lehrkräfte eingestellt worden. Infolgedessen war es möglich, die Schule nach dem Muster der staatlich unerkannten höheren Schulen Preußens um» zugestalten. Die Verbindung mit Seminar und Stadtschule — für beide Theile wenig angenehm — hörte auf, die Klassen wurden getrennt und bis zur Untersekunda hinaufgeführt, der Unterricht nach den neuen preußischen Lehrplänen ertheilt. Durch die Bestimmung, statt des Griechischen Englisch nehmen zu können, schließt die Schule zugleich an die Realanstalten an. Ist somit durchaus kein Grund vorhanden, weshalb das Pro- gymnafium zu Schlüchtern nicht dasselbe leisten sollte, als die entsprechenden Klassen der höheren staatlichen Schulen, so hat es außerdem vor den meisten dieser den sehr wesentlichen Vortheil voraus, daß die Klassen eine verhältnißmäßig geringe Schülerzahl haben, so daß auf den Einzelnen viel intensiver eingewirkt werden kann, sowohl was Umfang wie Tiefe seiner Kenntnisse anlangt. Es bedarf daher kaum der Versicherung, daß auf hiesigem Progymnasium mindestens dasselbe geleistet wird, als auf den entsprechenden Stufen jeder vollberechtigten Staatsanstalt, auch jetzt schon, wo ihm die amtliche Bestätigung dessen, die Befugniß, den Berechtigungsschein zum einjährigen Militärdienst auszustellen, noch fehlt. Ein Vater von auswärts kann deshalb ruhig seinen Sohn auf das Progymnasinm zu Schlüchtern schicken, ohne wegen der genügenden geistigen Ausbildung desselben in Sorge sein zu müssen. Vielmehr wird er der Vortheile gedenken, die sich ihm hier bieten, und die jeder, der genöthigt ist. seine Kinder auswärtige Schulen besuchen zu lassen, sicher nicht gering auschlägt: bessere Aussicht, keine überfüllten Klassen, niedrigeres Schulgeld und billigere Pensionen. Für Schüler aus der nächsten Umgebung schränkt sich letztere Ausgabe noch wesentlich dadurch ein, daß sie jeden Tag nach Hause zurückkehren können, was die Schule durch die Stundenvenheilung (Verlegung des Unterrichts oder doch der Hauptfächer auf den Vormittag) selbstverständlich unterstützen wird.
* — Der große Beifall, den das Kriegerdenkmal in Orb gefunden hat, bringt in immer weitere Kreise und wirkt wie ein gutes Beispiel, das man nachahmt. In der Werkstätte deS Herrn Hermann Kramer in Fulda, in der sich die plastische Kunst eine Heimstätte