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MuchtemerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 7. August

Deutsches Reich.

Berlin. Unser Kaiser hat am Sonnabend Abend von Potsdam aus seine Reise nach England angetreten nach herzlicher Verabschiedung von der Kaiserin, welche sich Sonntag Vormittag mit ihren beiden ältesten Söhnen nach Schloß Wilhelmshöhe bei Cassel begab. Die Reise nach Saßnitz hat die Kaiserin aufgegeben.

Wilhelmshöhe, 5. August. Die Kaiserin ist gestern Abend kurz nach 8*/* Uhr mit den ältesten kaiserlichen Prinzen anf der Station Wilhelmshöhe eingetroffen und im offenen Wagen nach Schloß Wilhelmshöhe gefahren. Die angesammelte Menge begrüßte die Kaiserin enthusiastisch.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 6. Aug.

* Aus der Weitzel'schen Stiftung erhielten gelegentlich des Stiftungsfestes folgende Personen Preise für gute Leistungen: 1. für Kühe: Adam Walter, Ackermann, 1. Preis 20 Mk. Johs. Eckhardt, Schuh­macher, 2. Preis 15 Mk. Leopold von Paris, 3. Preis 10 Mk. 2. für Rinder: Johs. Orth Ww., 1. Preis 20 Mt. Nicolaus Baist, Bäcker, 2. Preis 15 Mk. Johs. Eckhardt, Ackermann, 3. Preis 10 Mk. 3. für Roggen: Philipp Hildebrand, Bierbrauer, 1. Preis 10 Mk. Stadtförster Schmidt, 2. Preis 7 Mk. 4. für Weizen: Konrad Winhold, 1. Preis 10 Mk. Philipp Rüffer, Bäcker, 2. Preis 7 Mk. 5. für Gerste: Konrad Müller, Schuhmacher, 1. Preis 7 Mk. Heinrich Gold, Seiler, 2. Preis 5 Mk. 6. für Hafer: Heinrich Beck, 1. Preis 7 Mk. Kaspar Eckhardt, 2. Preis 5 Mk. 7. für Erbsen: Kaspar Klöber, Wagner, 1. Preis 10 Mk. Nicolaus Bauer, Schneider, 2. Preis 7 Mk.

* Morgen Mittwoch, den 7. d. Mts., ficht bei hiesiger Stadtkämmerei Termin an zur Erhebung der Staatssteuern für das 2. Quartal 1895,96. Bei dieser Erhebung ist auch der Ergänzungssteuerzuschlag für das 1. und 2. Quartal mit einzuzahlen und beträgt dieser Zuschlag für 1 Mark Ergänzungssteuer ungefähr 6 Pfennige. Wir machen noch darauf aufmerksam, daß die Stadtkämmerei nur Mittwoch und Sonnabend, Vormittags von 81 Uhr und für Eilfälle auch Freitags, Vormittags von 111 Uhr zur Erhebung der Staatssteuern geöffnet ist.

* Durch Hagelschlag ist nach amtlichen Berichten unter sämmtlichen Provinzen des Königreichs Preußen Hessen-Nassau in der Zeit von Mitte Juni bis dahin im Juli am schwersten mitgenommen worden. Es ent­fallen auf unsere Provinz während dieser Periode nicht weniger als 15 Hagelmeldungen, nach denen in 12 Be­zirken die Feldsrüchte bis zu 75 Prozent zerstört worden sind.

* In diesem Jahre sind im Regierungsbezirk Cassel außer zum Garde-Korps, 11. Armeekorps und zur Marine noch zum Infanterie-Regiment 97, In­fanterie'Regiment 143 und Feldartillerie-Regiment 15 (zum 15. Armeekorps gehörend) Rekruten ausgchoben. Die Rekruten-Einstellungstermine sind wie folgt festge­setzt: Die Einstellung sämtlicher Oekonomie-Handwerker erfolgt am 1. Oktober. Die für das Garde-Korps aus- geyobenen Rekruten, und zwar Kavallerie und Melde- reiter, werden am 2. Oktober, Train am 2. November, Oekonomie-Handwerker und Krankenwärter am 1. Oktober und alle übrigen Truppengattungen am 19. Oktober eingezogen. Von den jür das 11. Armeekorps bestimmten Rekruten werden Kavallerie am 5. Oktober, Train am 2. November, Krankenwärter am 1. Oktober und alle übrigen Waffengattungen (Jnf., Jäger, Feld-Artillerie, Fußartillerie und Pioniere) am 19. Oktober eingestellt. Die für das 15. Armeekorps (Jnf.-Reg. 97 und 143 und Feld-Artill.-Regiment 15) ausgehobenen Rekruten werden am 21. Oktober eingestellt.

* Sannerz. Der Herr Oberpräsident hat auf An­trag des Hochw. Herrn Bischofs von Fulda die Ab­haltung einer Hauskollekte bei den Katholiken des Regierungs-Bezirks Kassel zum Besten der Knaben- Erziehungsanstalt jn Sannerz gestattet.

* Salmünster, 2. Aug. Auch unsere Stadt wird in nächster Zeit ein Kriegerdenkmal erhalten, welches aus dem freien Platze in der Nähe der evan­gelischen Kirche Aufstellung finden soll. Die ^Aus­führung ist der rühmlichst bekannten Bildhauerei Herm.

Kramer in Fulda übertragen worden, aus dessen Atelier auch das neue Kriegerdenkmal in Orb stammt, welches mit Recht allgemein gerühmt und bewundert wird. Das hiesige Denkmal wird in Stil und Ausführung ein­facher gehalten sein, als das Orber Denkmal. Für die Enthüllung des Denkmals ist der Sedantag dieses Jahres in Aussicht genommen.

Wächtersbach, 1. August. Heute Mittag wurde der Streckenarbeiter nnd Hilssbahnwärter Herchenröder auf der Bahnstrecke zwischen Wächtersbach und Salmünster der Franks. Bebraer Bahn von einem Eisenbahnzuge überfahren. Der Unglückliche, dem der Kopf zerquetscht und beide Beine abgefahren sind, war alsbald eine Leiche. Vergangenen Freitag früh gegen 4 Uhr ging in dem benachbarten Waldensberg ein schweres Hagel­wetter nieder, welches in unserer Gemarkung an den Feldfrüchten großen Schaden anrichtete.

Hochstadt bei Hanau, 31. Juli. Bei Gelegenheit des hier am Samstag früh ausgebrochenen Großfcuers haben sich viele Bürger durch Kühnheit und Muth bei den Rettungsarbeiten ausgezeichnet. Während das Feuer in wildester Verheerung tobte, befanden sich in einem brennenden Stalle u. A. noch 3 Schweine. Der Schlosser Peter Koch von Hochstadt stürzte mit wahrer Todesverachtung dreimal in den brennenden Stall und brächte jedesmal auf dem Arme ein Schwein von ca. 1 hr Centner mit. Die Borsten der Thiere waren schon angebrannt. Während dieser lebensgefährlichen Situation mußte Koch fortgesetzt mit Waffer bespritzt werden. Das schreckliche Brandunglück in unserer Gemeinde am 27. Juli hat zur Folge, daß nunmehr ein Theil der das Dorf umzingelnden historischen Festungsmauer ge­schleift werden muß, um einer etwaigen Lebensgefahr für Menschen und Vieh, wie sie am vorigen Samstag bestanden, für die Zukunft vorzubeugen. Die Brand­beschädigten hatte schwere Mühe, ihr Leben, sowie das Leben ihres Viehes zu retten. Ein Landmann war sogar genöthigt, in seinem Hause ein Loch durch die Mauer auszuhauen, wodurch er und sein Vieh sich in einen sehr schmalen Gang an der Mauer zu retten ver­mochten. Andere Bauern versuchten ihre Habseligkeiten über die Mauern vermittelst Leitern zu retten. Das ganze Viertel ist so eng zusammengebaut, daß die ge- ängstigten Leute nicht wußten, wo hinaus.

Frankfurt, 31. Juli. Wie das hiesigeVolksblatt" meldet, verlor gestern ein reicher Herr auf der Fahrt von Offenbach nach Frankfurt die Summe von 7o,0Ö0 Mark, die von einem Eisenbahnschaffner bei Durch­suchung des Eisenbahnwagens gefunden wurde. Der Schaffner überbrachte selbst das gefundene Geld und erhielt von dem hocherfreuten Eigenthümer die äußerst noble Belohnung von zwanzig Reichspfennigen!

Usingen, 3. August. Ein finnländischer Seminar- Direktor, Herr Dr. von Kosniken, weilt soeben in unserer Stadt, um sich über die Lehrmethode am hiesigen Lehrer Seminar, welches ihm als Musteranstalt geschildert wurde, zu informieren.

Giesel, 3. August. Heute Nachmittag gegen 2 Uhr gerieth der Bauer und Krieger von 1870|71 Wilhelm Kraft in das Rädergetriebe seiner Windmühle und kam auf jammervolle Weise um das Leben. Wie der Unfall sich zugetragen hat, kann, da der Verunglückte sich allein in der Mühle befand, nicht festgestellt werden. In dem Getriebe eingeklemmt wurde er von seiner Tochter aufgefunden.

Nentershausen, 31. Juli. Der Bergmann G. in Machtlos hatte in seinem Keller Pulver liegen. Wahr­scheinlich kam er demselben mit dem Licht zu nahe, so daß es explodirte. Die Frau befand sich gerade in der Küche, der Boden zerriß unter ihren Füßen; sie selbst trug arge Verletzungen davon, so daß an ihrem Auf­kommen gezweifelt wird. Auch G. selbst wurde schwer verwundet.

Aus dem Kreise Eschwege, 1. Aug. Zur Hebung der Ziegenzucht in unserem Kreise sind vor Kurzem eine Anzahl junger Böcke (Saaner-Rasse) aus Pfung- stadt beschafft und an die einzelnen Gemeinden ab­gegeben worden. Für die Kosten der erstmaligen An­schaffung hat der Kreisausschuß 25 Mark Zuschuß für je einen Bock bewilligt. Der volle Preis eines kaum halbjährigen Bockes betrügt 5060 Mark.

Von der Schwalm, 1. Aug. Der schlaue Räuber- Hauptmann Schlemmer unternimmt fast in jeder Nacht Raubzüge. Derselbe ist mit seinen Genossen von

Montag zu Dienstag in das Haus des Oekonomen Johannes Ruhn zu Riebelsdorf zum zweiten Male eingebrochen, wo sie aus der Vorrathskammer 22 Würste entführten. Von hier aus ging's nach Zimmersrode, wo die Gesellen im Felde eine Hürde aufrissen, um Schafe zu stehlen. Die beiden Hunde schlugen an, wodurch der Schäfer geweckt wurde, der die Diebe durch Revolverschüsse verscheuchte. In Waldersbrück erbrachen die Diebe den Hühnerstall der Schwalmmühle und ent­wendeten eine Anzahl Hühner. Jn Wasenberg drangen sie in das Gehöft des Landmannes Schmidt ein, er­stiegen auf einer Leiter die erste Etage und erbrachen dann eine kleine Stube, aus welcher sie zwei Speck­seiten und 11 Würste entwendeten.

Griesheim, 26. Juli. Während der Schießübungen der Württ. Feld-Art.-Brigade schwebten gestern Morgen um 9 Uhr die Bewohner der Sterngasse und der oberen Pfungstädterstraße in größter Gefahr, indem 2 Granaten in unmittelbarer Nähe des Ortes niedergingen und explodirten. Die Sprengstücke flogen bis in die Gürten, in die Behausungen und auf die Straßen, und ist es als ein wahres Wunder zu bezeichnen, daß von den Personen, die auf dem Felde in unmittelbarer Nähe der Explosionsstellen und in den Gärten beschäftigt waren, Niemand verletzt wurde. Alles stob in wilder Flucht aus dem arg gefährdeten Terrain und suchte Schutz innerhalb des "Ortes. Die beiden Soldaten, die als Sicherheitsposten am Ausgange des Ortes am Pfung- städter Weg standen, retirirten schnell hinter einen Steinhaufen, als sie das unheimliche Zischen der ersten herannahenden Geschosse vernahmen. Wie groß die Ge­fahr für die Bewohner der Sterngafse war, erhellt am Besten daraus, daß Sprengstücke sogar in der Hahl- gartenstraße niedergingen, wo im Augenblick gerade mehrere Kinder auf der Straße spielten. In der Sterngafse schlug ein Granatstück in die Behausung der Jakob Rühl 3r Wittwe und riß ein so AedsDoch in das Dachwerk, daß ein Mann bequem hindurch­schlüpfen kann, dasSprengstück wurde später im Innern des Hauses gefunden. Der im Garten beschäftigten Frau des P. Landau 2r flogen mehrere Granatsplitter um den Kopf, die Frau schwebte in größter Lebens­gefahr; desgleichen die erwachsene Tochter des Nikolaus Simmermacher 2r Wittwe, der ein Granatzünder dicht am Kopfe vorbeifuhr, der in einen Holzstoß im Hofe einschlug. Unzühliche Sprengstücke und Bleikugeln, deren Flugbahn sich an den Häusern und Umzäunungen brach, wurden auf der Straße aufgefunden. Die Schuld an diesem Vorkommniß, dem leicht eine ganze Anzahl von Menschenleben hätte zum Opfer fallen können, soll einen Reservelieutcant treffen, der die Geschütze falsch richten ließ. Auch die Beobachtungsmannschaften in dem Sicherheitsstand Nr. 5 befanden sich in großer Gefahr und verließen schleunigst ihren gefährdeten Platz, da auch bei ihnen Geschosse einschlugen. Von dem Vor­fall wurde von der Gemeindebehörde sofort Anzeige erstattet.

Ausland.

Paris, 5. August. In Aniche verwundete ein Sozialist den Minen-Direktor Vuillemin durch Revolver­schüsse. Durch die vorzeitige Explosion einer mitgenom­menen Bombe wurde der Attentäter zerrissen.

Der Tharer Wirth.

Von Karl Wolf.

(Fortsetzung).

Ihr seid irriger Meinung, wenn Ihr glaubt, Euerm Mann einen Dienst zu erweisen," sagte gütig der Offizier,damit, daß Ihr uns nöthiget, denselben mit aller uns zu Gebote stehenden Gewalt einzuliefern. Und wir werden ihn finden, glaubt es mir, wir werden ihn finden. Dann aber muß er als Rebell, als Feind behandelt werden, während wir trachten, einflußreiche Männer als Freunde für unsere Regierung zu erwerben. Bewegt Eueru Mann, daß er sich freiwillig stellt, und er soll der Gnade des Generals Baragnay d'Hilliers wärmstens empfohlen sein."

Was Oes da von mir verlangt, kann Enker Ernst nit sein," sagte das muthige Weib.Von Gnad redet Oes mir vor! Dös Wört, mein i, kennt Oes gar nit im französischen Reich. Na na, bei ins im Tiroler Land sein die Weiber nit a so, daß sie in a jede Fall