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chlüchtemerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 62. Samstag, den 3. August 1895.

Bor 25 Jahre»«. Weiße ndurg.

(4. August 1870.)

Des Morgens um 4 schon, als kaum es getagt,

Erbeben zum Kampf sich die Bayern;

Erbittert aufs Höchste und unverzagt,

Sie wollen nicht länger mehr feiern,

Genug ist's des Redens, des Singens genug,

Jetzt Hiebe dem Erbfeind für Lüge und Trug!

Aufscheuchen sie Douay') und fordern die Schlacht,

Und Bothmer'S Jäger/) die braven,

Vertreiben aus Reben und Hopfen mit Macht,

Die Turkos und Brüder Zuaven,

Die eilen nach Weißenburg, schließen das Thor,

Und ziehen die Stege und Brücken empor.

Jetzt wettert die blitzende Artillerie

In Mauern und Thore der Feste,

In hartem Geschützkampfe ringet sie,

Zu werfen den Feind aus dem Neste;

Denn dieser, gilt hier es doch Ehre und Blut,

Wehrt kühn sich mit eisernem Heldenmuth.

Da stürmen rechtzeitig von Osten vor,

Mit Nachdruck um Einlaß zu bitten,

Die wackeren Freunde vom 5ten Eorps/)

Die Altenstadt rasch schon erstritten.

Die Bayern seh'n ireubtg und jubelnd darein:

Verlaß auf die Preußen muß immer noch fein!"4)

Und stetig vermehrt sich die deutsche Macht,

Und Heißer wird Kämpfen und Ringen

DaS 11. EorpSZ brauset heran in die Schlacht,

Die störrischen Feinde zu zwingen.

Da fallen die Brücken, da stürzt der Steg,

Gefunden und offen ist endlich der Weg.

Und wenn auch wie Männer die Feinde steh'n

Verthcitigend Straßen und Ecken,

Die Deutschen fegen im Vorwärtsgeh'n

Sie dennoch aus ihren Berstecken. _

Der markige Kehraus°) nichts hält ihm mehr Stand

Giebt Stadt und Besatzung in deutsche Hand.

Doch ganz ist noch immer das Werk nicht gekrönt;

Vom blitzenden Eeißberge wieder

Kanone, donner aufs heftigste dröhnt

Und sendet Verderben hernieder.

Schloß Schafenburg droben ist stark auch besetzt;

Fürwahr, nicht zu leicht ist die Aufgabe je6t!

Zum Sturm heran, wer die Waffen noch trägt!

Der Feldherr »ertheilt die Kolonnen;

Die ordnen mit Gott sich, der Tambour schlägt,

Und kühn wird der Aufstieg begonnen.

Ein TodeSweg^) ward er, doch unverzagt

Hat Vaterlandsliebe auch diesen gewagt.

Nun oben! Und oben im heiligen Zorn!

Die Feinde vor Schrecken erbleichen,

Sie nehmen den Gegner noch einmal aufs Korn,

Doch Sieg ist nicht zu erreichen.

Ihr Führer fällt/) verloren sind sie

Im Hagel der feindlichen Artillerie!

Die antwortet lustig im Donnergetös,

Sucht Höhen und schloß zu bestreichen, Bis endlich Kanonen und Mitrailleuse

Sich wenden und schleunigst entweichen,

Gepäck und Zeltlager bleiben zurück,

Auch eins der Geschütze, den dem zum Glück/)

Die Schlacht ist gewonnen, der erste Sieg

Der herrlichen Waffengenossen.'") -

Der Bund ist besiegelt im heiligen Krieg, DaS Blut nicht vergeblich geflossen!

Das fühlen die jauchzenden Krieger heut

Und grüßen denFritz," ihren Feldherrn erfreut.

J. W. G. Hufnagel.

und 8) Abel Touay, 4. Division der 1. feindlichen Armee. *) Generallieutenant Graf Bothmer, Führer der bayr. Division (hier 10. Bat.) 3) Posener und Nicdeischlesier ermuntern sich mit den Worten (4) zum Laufschritt. 5) Hessen. 6) beschleunigt durch das Eingreifen des Majors von Mietelstaeadt, 1. Comp. 47 er, ) besonders für die KönigSgrenadiere und die 47er.)) l. Lomp. 5er Jäger. ' ) die in diesem Treffen 91 Offiziere und 14bO Mann verloren; das KönigS-Grenadiei.Regiment allein d3 Offi. ziere und 329 Mann. Der Verlust der Franzosen, von welchen 1000 Mann in Gefangenschaft geriethen, war noch bedeutender.

Deutsches Reich.

Berlitt. Der Kaiser wird am Freitag von Kiel aus die Reise nach England durch den Nord-Ostseekanal antreten. Am Abend geht dieHohenzollern" bei Helgoland vor Anker und setzt am Sonntag Nachmittag die Reise nach England fort.

Zur Erinnerung. Der Tagesbefehl, den König Wilhelm I., nachdem er am 1. August 1870 den Ober­befehl über die Truppen übernommen, von Mainz aus erließ, lautete wie folgt:Ganz Deutschland steht ein- müthig in den Waffen gegen einen Nachbarstaat, der uns überraschend und ohne Grund den Krieg erklärt hat. Es gilt die Vertheidigung des bedrohten Vater­landes, unserer Ehre, des eigenen Herdes. Ich über­nehme heute das Kommando über die gesummte Armee und ziehe getrost in den Kampf, den unsere Väter in gleicher Lage einst ruhmvoll bestanden. Mit Mir blickt das ganze Vaterland vertrauensvoll auf Euch. Gott der Herr wird mit unserer gerechten Sache sein."

Die Inhaber dssEisernen Kreuzes". Über die Zahl der noch lebenden Inhaber des Eisernen Kreuzes liegen, soweit der Mannschaftsstand dabei in Frage kommt, Schätzungen aus dem Kriegsministerium vor. Danach dürfen von Inhabern des Eisernen Kreuzes des Mann- schassstandes als noch lebend etwa 120 Inhaber der 1. und etwa 22,000 Inhaber der 2. Cl. angenommen werden.

Der Finanzminister macht die Steuerbehörden darauf aufmerksam, daß sie sich nicht weigern können, Anfragen über die Stempelpflichtigkeit von Urkunden - Entwürfen zu beantworten.

* Das drohende Petroleummonopol rückt seiner Verwirklichung näher. Petersburger Blättern zufolge wird demnächst in Paris ein zwischen den amerikanischen Petroleum-Industriellen und der russischen Kerosin- Kompanie Gebrüder Nobel vereinbarter Vertrag unter­zeichnet werden, wonach der Kcrosinhandel am Mittel- meere sowie in Schweden und Norwegen ausschließlich den Gebrüdern Nobel bzw. den russischen Kerosin irmen überlassen bleibt, während nach dem übrigen Europa Rußland 35 pCt. und Amerika 65 pCt. des gesummten Bedarfs exportirt.

Die Ueberweisungen aus der lex Huenc in Höhe von 41 Millionen Mk. kommen in dem taufenden Jahre den Kreisen zum letzten Male zu gute. Die Kreise sind daher in dem laufenden Jahre in der aus­nahmsweise günstigen Lage, neben der vom Staate für die kommunale Besteuerung freigegebenen Grund- und Gebäudesteuer über jene Ueberweisungen zu ver­fügen, und es wird ihre Aufgabe sein, innerhalb der ihnen durch das Gesetz vom 14. Mai 1885 gezogenen Schranken über die Verwendung dieser letzten Dotations­rente so zu verfügen, daß der Uebergang zu der Zeit, in welcher sie ohne Ueberweisungen aus der lex Huene zu wirthschaften haben werden, erleichtert wird.

Maiuz, 29. Juli. Bei den Pferden der 1. und 2. Batterie des Nassauischen 27. Feldartillerie - Regiments ist seit einigen Tagen eine merkwürdige Krankheit aus­getreten; die Krankheit zeigt sich zuerst durch ver­minderte Freßlust und Fieber; tritt dann Kolik hinzu, so verenden sehr viele Thiere. Am Samstag sollen 5 Pferde gefallen sein; sämmtliche Pferde der beiden Batterien befinden sich auf einem völlig abgeschlossenen Platz im Freien.

Ausland.

New-Uork, 30. Juli. Die Nachricht von einer Massenniedermetzelnng weißer Ansiedler in Idaho durch Indianer bestätigt sich nicht. Dagegen scheint der Times" zufolge in Wyoming zwischen den Ansiedlern und den Indianern nicht Alles in Ordnung zu sein. Wie dem Blatte aus New-Aork gemeldet wird, trifft aber in diesem Falle nicht die Rothhäute, sondern die Weißen die Schuld. Sie scheinen gegen die ersteren angriffsweise vorgegangen zu sein. Bundesmilitär ist von Omaha (Nebraska) nach Wyoming unterwegs.

Die Choleraepidemie in Japan hat eine gewaltige Ausdehnung gewonnen: Das Reutersche Bureau meldet aus Aokohama von Sonntag: Seit Ausbruch der Cholera in Japan sind 9000 Fälle vorgekommen, wovon über 5000 köstlich verliefen. - Ueber ein furcht­bares Eisenbahnunglück wird aus Aokohama weiter berichtet: Als in der Nacht zum Sonntag um 1 Uhr ein außer der Lokomotive aus 23 Waggons bestehender Eisenbahnzug mit 400 invaliden Soldaten auf der Fahrt von Hiroshima nach Kobe bei furchtbarem Sturmwind eine gefährliche Stelle an der Sceküste passierte, trafen gewaltige Wasserwogen den Zug am Anfang und am Ende mit solcher Wucht, daß derselbe in zwei Theile auseinandergesprengt wurde. Der vordere Theil, be­stehend aus der Lokomotive und 11 Waggons, stürzte in die See. 140 Personen sind umgekommen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 2. Aug.

* Daß langjährige treue Dienstleistungen auch in unserer Stadt noch Anerkennung finden, zeigt sich dadurch, daß die hiesigen Stadtverordneten den beiden Jubilaren Herren Stadtschreiber Röder und Reutmeister Simon je eine goldene Uhr am heutigen Tage über­geben haben.

* Wie aus dem Jnseratentheil zu ersehen ist, wird in diesem Jahr das Fest der Weitzel'schen Stiftung wieder in etwas feierlicher Weise begangen. Ver­anlassung hierzu gibt einmal die in Aussicht stehende

gute Ernte und dann die 25jährige Wiederkehr des Beginnens der ruhmreichen Kämpfe, welche zur Einigung Deutschlands führten. Der Festzug wird sich in diesem Jahr am Friedensgarten vor dem Krämerthor sammeln und nach Beendigung des Nachmittags- gottcsdicnstcs seinen Weg durch die Brückenauer Straße bis zum Rathhaus nehmen und von hier durch die Fuldaer Straße, Bahnhosstraße über die Röthe nach dem Acisbrunnen gehen. Der Zug wird durch Vorreiter und Musik eröffnet, denen zuerst die Wagen mit den Mit­gliedern der Verwaltung der Stiftung und des Preis­gerichtes folgen, an diese schließen sich 2 geschmückte Erntewagen an, hierauf folgen unter Begleitung mehrerer Vorreiter die Wagen mit den Preisempfängern, hinter welchen das preisgekrönte Vieh geführt wird. Dieser Theil des Zuges wird durch 2 Reiter geschlossen und folgen nunmehr die übrigen Festtheilnehmer. Nach Ankunft auf dem Acisbrunnen nimmt die Festversammlung Aufstellung vor der Weitzeleiche und folgt deren Ein­weihung. Im Anschluß an die Einweihungsrede fingt die Festversammlung das Lied:Deutschland, Deutsch­land über Alles." Nach Beendigung des Gesanges erfolgt die Vertheilung der für die Landwirthschaft aus- gesetzten Preise und die Vorführung des prämiirlen Viehes. Concert, Volksbelustigungen und Tanz bilden den Schluß des Festes, das hoffentlich vom Wetter begünstigt wird. Bei schlechtem Wetter würde die Preisvertheilung und das Concert auf dem Felsenkeller statt finden.

* Das Königl. Kommando des 2. thüringischen Jnf.-Regts. Nr. 32 macht bekannt, daß den Veteranen, welche an der Jubelfeier des Regiments am 5. und 6. August in Meiningen theilnehmen, gegen Vorzeigung des Besitzzeugnisses der Kriegsdenkmünze für 1870,71 oder einer beglaubigten Abschrift desselben, auf den preußischen Staatsbahnen die Hin- und Rückreise in der 3. Wagenklasse aller Züge auf Militär-Fahrkarte gestattet ist.

* Die Intendantur der 22. Division zu Kassel erläßt folgende Bekanntmachung:Der znr Anfuhr der gestimmten Verpflegungs-Bedürfnisse während der diesjährigen Herbstübungen der 22. Division erforderliche Vorspann wird am 7. August d. I., Vormittags 10 Uhr, im Geschäftslokale der Intendantur Kassel, Königstraße 29 verdungen. Der Bedarf in den Magazinen Fulda, Hünfeld, Schenklengsseld, Großen- lüdcr und Vacha beträgt ungefähr 40 einspännige und 550 zweispännige Wagen einschließlich Bespannung. Die Bedingungen liegen bei der Behörde aus."

* Klassen-Lotterie. Wir machen hiermit darauf aufmerksam, daß die Erneuerung der Loose zur 2. Klasse 193. Kömgl. Preußischen Lotterie bei Verlust des An­rechts spätestens bis zum 8. August ds. Js. vorgenom­men sein muß.

* Aus der Strafkammer-Sitzung vom 29. Juli. Der Schreiner Loos von Ahlersbach hatte am Abend des 29. Dezember vorigen Jahres seinem Schwieger­sohn während eines Streites beim Nachtessen in die Hand gestochen und war deshalb auf erhobene Anzeige vom Schöffengericht Steinau zu 10 Tagen Gefängniß verunheilt worden. Die von Loos gegen das.Urtheil ein­gelegte Berufung wurde als unbegründet verworfen. Einen frechen Diebstahl beging der Schreiner Kreß von Ulm­bach im Gasthaus zum ..Hessischen Hof" in Hanau. Dort hatte ein Butterhändler nach dem Verkauf der Butter seine zwei leeren Mahnen mit verschiedenen Lebensmitteln, als Kaffee, Brod n. s. w. abgestellt und sich auf kurze Zeit entfernt, um sich bei einem benach­barten Metzger noch etwas Wurst und Fleisch zu holen. Kreß, der sich vorher mit dem Butterhändler etwas bekannt gemacht hatte, benutzte diese Gelegenheit, um mit den beiden Mahnen zu verschwinden, wurde aber am Ostbahnhof erwischt und festgenommen. Der An­geklagte ist ein wegen Diebstahls wiederholt mit Zucht­haus vorbestrafter Mensch und erkennt das Gericht im vorliegenden Fall auf eine Zuchthausstrafe von 1 Jahr.

r. Romsthal. Dem Zimmermann Dominikus Hubert wurde seitens der Direction der Fcuerversicheruugs- gesellschaftProvideutia" zu Frankfurt a. M. eine Gratifikation von 25 Mark wegen seines muthigen, energischen und umsichtigen Verhaltens bei den Lösch - arbeiten des Brandes der Gebäude von Lorenz Roll zu Theil. Demselben gebührt allein der Verdienst, daß das Feuer keinen größer» Schaden verursachte.