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SchlWernerMümtz

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

H Mittwoch, den 31. Juli 1895.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser ist wieder im Neuen Palais eingetroffen. In Span dau hatte der Kaiser den Sonder- zug verlassen und sich auf dem Wasserwege an Bord derAlexandria" nach der Matrosenstation bei Potsdam begeben. Von dort erfolgte die Fahrt zu Wagen nach dem Neuen Palais.

In Berlin ist eine Landbank mit einem Kapital von 5 Millionen Mark gegründet worden, deren Haupt­thätigkeit in der Beförderung der Rentengüterbildung in den Provinzen mit vorwaltendem Großgrundbesitz bestehen wird, wobei auf größeren Zuzug von Käufern aus dem stärker bevölkerten Westen des Staates gerechnet ist. Die Gesellschaft hat als ersten Direktor den Spezial- kommissar in Bromberg, Regierungsrath Stobbe erwählt.

Die Proviantämter sind neuerdings angewiesen worden, den direkten Verkehr mit den inländischen Producenden nach Kräften zu fördern und sich wo möglich allein auf ihn zu beschränken.

Durch die Zeitungen geht augenblicklich folgende Notiz:Die preußische Eisenbahn-Verwaltung läßt bei großem Andrange für die dritte Wagenklasse eingerichtete Güterwagen in die Züge entstellen. Die Reisenden weigern sich jedoch vielfach, diese Wagen zu benutzen und glauben, alsdann Anspruch auf eine höhere Wagen­klasse machen zu können. Es ist deshalb neuerdings bestimmt worden, daß Reisende bei starkem Verkehr einen Anspruch auf eine höhere Wagenklasse nicht geltend machen können, wenn Plätze in solchen eingestellten Güterwagen noch vorhanden sind. Die Plätze müssen eingenommen werden, sonst kann der Ausschluß der sich weigernden Reisenden von derMltfahrt verfügt werden. Sollten Reisende Plätze in einer höheren Wagenklasse unberechtigter Weise eingenommen haben und sich weigern, sie zu verlassen oder den festgesetzten höheren Fahrpreis zu bezahlen, so sind sie von der Mitfahrt überhaupt auSzuschließen. Wir finden hierin, aufrichtig gesagt, eine höchst befremdliche Maßregel. Wenn die Eisenbahn- Verwaltung durchaus jede Benutzung einer höheren Klasse von Reisenden der dritten Wagenkaffe auS- schließen will, so solltt sie auch für eine genügende An­zahl Abtheile dritter Klasse sorgen. Den Reisenden zu- zumuthen, den Preis für ein Billet dritter Klasse zu erlegen und dann im Güterwagen befördert zu werden, mag für die Finanzen der Bahnverwaltung sehr günstig sein, zeugt aber dem Publikum gegenüber von wenig Coulanz.

Die allgemeine Volkszählung findet im ganzen deutschen Reiche bekanntlich alle fünf Jahre statt und zwar jedesmal am 1. Dezember. Da nun in diesem Jahre der 1. Dezember auf einen Sonntag fällt, hat der BundeSrath beschlossen, daß die Volkszählung dies­mal am Montag den 2. Dez. abgehalten werden soll.

* Die in der Presse wiederholt auftauchenden Gerüchte, daß zu den bisherigen Kaisermanövern außer­gewöhnlich viele Reservisten einberufen werden sollen, entbehren, wie diePost" nach zuverlässigen In- formationen mittheilen kann, durchaus der Begründung. Daß bei den an Kaisermanövern theilnchmcndcu Armeekorps die einzelnen Truppenkörper auf volle Friedensstärke gebracht werden, ist von jeher Gebrauch gewesen. ES wird auch in diesem Jahre der Fall sein, aber nicht bei allen vier an der Uebung betheiligten Armeekorps und dem 2. Armeekorps, so daß die Ein­berufungen nicht umfangreicher werden, wie in früheren Jahren.

BreSlau. Ein aus Liegnitz kommender Personenzug fuhr in Raubten am 24. b. M. Abends über die Dreh­scheibe hinweg, riß die Prellböcke um und drang in da» Stationsgebäude ein und zwar in den Wartefaal. Der Maschinenführer und ein Bremser sind todt. Der Zug­führer ist schwer an den Augen verletzt. Viele Paffagiere sind verwundet.

Waldenburg, 23. Juli. Zu dem Vatermorde in LangwalterSdorf sei noch Folgendes nachgetragen, was die amtliche Untersuchung ergeben hat: Die irrsinnige Tochter hat den siebzigjährigen Vater bereits in der Nacht zum Dienstag, den 16. d. MtS., mit der Axt erschlagen. Dem Gendarm Koecher zeigte die Wahn­sinnige, als er sie aufforderte, ihren Vater zu zeigen, in einer Kammer in einem Kasten den Leichnam, in kleine Stücke zerhackt, obenauf der vom Rumpfe getrennte Kopf und die abgehackten ftänbe. In der Wohnung nahm sie vom Ofen einen Topf voll mit gekochtem

Ausland.

Wien, 22. Juli. Offiziellen Nachrichten zufolge sind in Brüx 18 Häuser eingestürzt. Bei weiteren 22 Häusern ist der Einsturz zu erwarten. 200 Familien mußten bisher ihre Wohnungen räumen. Vom Bahn­körper der Aussig-Teplitzer Eisenbahn ist eine Strecke von 20 Meter Länge 15 Meter tief eingesunken, wodurch die Bahn auf eine Länge von 50 Mtr. unter­brochen ist. Seit Samstag Mittag haben die Boden- senknngen aufgehört und ist mit der Räumung der Häuser begonnen worden. Der Annaschacht ist in See­höhe von 100 bis 110 Meter überschwemmt. Der Wasserstand nimmt jedoch nicht mehr zu und scheint somit der Hohlraum unter den Brüxer Häusern vom Schwemmsand« entleert zu sein. Weitere Senkungen dürsten nicht mehr zu erwarten sein.

Frankreich. DerFigaro" veröffentlicht einen sensationellen Leitartikel über den französisch-russischen Bündnißvertrag. Das Blatt will in Erfahrung ge­bracht haben, daß ein wesentlicher Unterschied zwischen dem casus |foederis deS Dreibundes und demjenigen deS ZweibundeS bestehe. Während die Dreibundes- mächte nur im Falle eines Angriffs auf eine der ver­bündeten Mächte zur Mobilisation genöthigt seien, müßten Frankreich und Rußland sofort mobilisiren, wenn einer der kontrahirenden Theile in einen Krieg verwickelt werde. DerNewyork Herold" publizirt seinerseits ein Interview seines Petersburger Korre­spondenten mit einem intimen Freunde des russischen FinanzministerS Witte. Die französisch-russische Militäe- konvention datirt hiernach vom August 1891, seit dem Besuche der französischen Flotte in Kronstadt, fei nach der Thronbesteigung deS jetzigen Zaren kompletirt worden und trage einen durchaus friedlichen Charakter. Die Publikation des Vertrages fei im letzten Frühjahre be­schlossene Sache gewesen, aus internationalen Rück­sichten aber aufgegeben worden, das russisch-französische Zusammengehen in Ostasien sei eine Folge de» Bünd­nisses gewesen.

Lokale- und Provinzielle-.

* Schlächter«, 90. Juli.

* Donnerstag, den 1. August feiern Herr Rent- meifter Simon sowie Herr Stadtschreiber Rüder ihr 25jähriges Dienstjubiläum.

* Als Uebungen bei dem am 18. August hier stattfindenden X. Volks-Turnfest wurden: 1. Stabhoch- springen, 2. Freiweitspringen, 3. Stcinstoßen und 4. Stemmen festgesetzt.

* In voriger Woche ging in der Anstalt Reith beim Beerenpslücken ein Zögling Namen- Groß aus

Menschenfleisch und bot dem Beamten Bouillon an. Nachdem die Tochter den Vater erschlagen, hat sie das Blut in einem Topfe aufgefangen und den Körper durch Zersägen und Zerhacken in kleine Stücke zerlegt, die Schädeldecke ist übers Kreuz durchsägt, der Kopf aber nicht geöffnet, hingegen Kops- und Barthaare durch siedendes Wasser abgebrüht. Also wie ein Schwein hat die Tochter den Vater abgeschlachtet. Die Eingeweide fanden sie nicht vor, dagegen fand man in dem Kasten noch sieben Würste, die sie aus dem Fletsche des Vaters gemacht hat.

Münster. Eine Wohnungsnoth ist in Münster durch verschiedene Umstände Schaffung einer Eisenbahn - direktion u. a. entstanden. Die Miethen sind außer­ordentlich gestiegen. Dadurch ist ein Hauswirth auf eine ganz neue Idee verfallen; er läßt nach der Kreuzztg." die Wohnungen meistbietend vermiethen und erzielte dadurch in einem Falle das Doppelte des bis­herigen Miethsertrages.

Bochum. Auf der Zeche Prinz von 'Preußen bei Bochum fand am 25. Juli eine schwere Schlagwetter- Explosion statt. Bis jetzt sind 32 Todte und schwer Verwundete gefördert. Die Rettung der noch etwa 50 kingeschlossenen Bergleute ist aussichtslos.

Würzburg. Die Vertreter der forstlichen Versuchs­anstalten Deutschlands, Oesterreichs und der Schweiz halten ihre diesjährige Hauptversammlung, in den Tagen vom 20. bis 26. August, in Würzburg ab und werden Ausflüge in den Waldungen des Speffart und der Rhön (bei Brückenau) unternehmen. Die Schlußsitzung wird in Brückenau abgehalten, woselbst in derPost" auch das Festdiner stattfindet.

Schmalkalden durch, ohne daß derselbe wieder zurück- kehrte. Am Sonnabend erhielt nun die Anstalt von dem Königl. Bezirksamt in Neustadt a. d. S. Nachricht, daß der q. Groß dort eingefangen worden sei. Derselbe wird vielleicht heute wieder in der Anstalt Reith eintreffen.

* Das Reichsversicherungsamt hatte sich am 23. d. Mts. mit einem Rechtsstreite zu beschäftigen, welchen der Landwirth Kaib aus Mittelkalbach gegen die Hessen-Nassauische landwirthschaftliche Berufs­genossenschaft begonnen hatte. Der Landwirth Kaib hat am Leibe eine faustgroße Geschwulst, welche er in Folge des Hebens eines schweren Wagens erhalten haben will. Kaib, welcher unstreitig durch diese Geschwulst erheblich in seiner Erwerbsfähigkeit beschränkt ist, behauptet, diese Körperschädigung sei durch einen Unfall hervorgerufen worden, den die erwähn» Berufs- genossenschaft zu entschädigen habe. Die Aerzte waren verschiedener Ansicht über die Entstehung der Geschwulst. Das Schiedsgericht zu Fulda wies daher die Klage des Kaib als unbegründet ab. Letzterer ergriff darauf das Rechtsmittel des Rekurses an das Reichsversicherungs­amt und behauptete, die fragliche Geschwulst sei durch einen Betriebsunfall entstanden. Das Reichs­versicherungsamt wies jedoch den Rekurs des Verletzten als unbegründet zurück und nahm an, daß kein Betriebsunfall vorliege; die Berufsgenossenschaft erscheine daher nicht verpflichtet, dem Verletzten eine Rente zu zahlen.

Eine besonders für den Viehhandel wichtige Entscheidung hat vor kurzem das Reichsgericht in Leipzig gefällt. Danach ist jeder Verkäufer ver­pflichtet, vor dem Abschluß eines Geschäftes die ihm bekannten Mängel des Gegenstandes dem Käufer anzuzeigen. Unterläßt er solches, so handelt er arglistig und wird außer der gesetzmäßigen Strafe mit der Haftpflicht belegt.

* Vom Bezirks-Ausschuß zu Eaffel ist der Be­ginn der diesjährigen Rebhühnerjagd auf den 19. August und der Hasenjagd auf den 15. September festgesetzt worden.

* Die Obsternte-Aussichten sind nach umfassenden Ermittelungen der ZeitschristPraktischer Rathgeber im Obst- und Gartenbau" für ganz Deutschland folgende: Aepfel gut bis Mittel. Birnen mittet bis gering. Haus- zwetschen Mittel. Pflaumen mittet bis gering. Süß­kirschen Mittel. Sauerkirschen gut bis Mittel. Pfirsiche sehr gering. Aprikosen sehr gering. Stachelbeeren gut. Johannisbeeren gut. Himbeeren gut. Erdbeeren sehr gut bis gut. Brombeeren gut bis Mittel. Heidelbeeren gut. Wallnüsse mittet bis gering. Haselnüsse mittet bis gering.

* Die guten Ernte-Aussichten, welche unsere Landwirthschaft schon seit Wochen hatte, fangen an, sich zu verwirklichen. Begünstigt vom besten Wetter sind die außergewöhnlich großen Futtermengen eingebracht worden; die Winterfrucht ist auSgereift und zum großen Theil schon geschnitten, stellenweise auch eingefahren. Reichlicher Regen tränkte die Becker und Wiesen, so daß auch für die Hackfrüchte und das Grummet gute Aussichten vorhanden sind. Unter diesen günstigen Verhältnissen kann eS füglich nicht ausbleiben, daß alle Handelszweige wieder aufleben und von ihnen ein flotterer Betrieb zu erwarten ist.

Vollmerz, 30. Juli. Der Sohn des Wegewärters Böhm fiel von einem Baume und zerschlug sich den ganzen Hinterkopf, so daß Steine in den Schädel ein- drangen. Heute wird eine Operation vorgenommen.

Fulda, 26. Juli. Auf den gestrigen Viehmarkt waren 1077 Stück Rindvieh aufgetrieben, welche durch­gängig und insbesondere die Ochsen gut genährt waren. Der Handel entwickelte sich anfangs lebhaft, endete je­doch als flau bei etwas gedrückten Preisen. Der Bek­und Aufkauf erstreckte sich größtentheils auf Milchkühe, Mast- und Zugochsen. Der nächste Viehmarkt, mit dem zugleich Scha, markt verbunden ist, findet am 22. August statt, während der Pferdemarkt am 27. und 28. August abgehalten wird.

Aus Brotterode unter dem 21. Juli schreibt Herr Fuchs denHess. Bl.": Von den vermißten Eheleuten (Lesser) in derKrone" sind mehrere Knochen und Kleiderreste gefunden worden; so wie das Fleisch, Knochen und Kleiderreste zusammen verschmolzen waren, sah es auS wie verbrannte Coaks. Gestern kam ein Mann zu mir, dessen Mutter vermißt wurde, und sagte unter Thränen:Hier siehe, was der Mensch