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-"---^= Postanstallen undLaudbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser begibt sich, wie man dem „B. T." aus London meldet, auf einige Tage von Cowes nach Lowther Castle (HÖiftmorelanb), wo er Gast des Lord Lousdale sein wird, zur Jagd. Der Lord trifft großartige Vorbereitungen zum Empfange des Kaisers, dreihundert Arbeiter sind dort seit drei Wochen thätig. Der Kaiser hat den Wunsch nach einer Ehrenwache ausgedrückt, die von den Royal Dragoons, deren Chef bekanntlich der Kaiser ist, gestellt werden wird. DieDragoner werden in dem prachtvollen Parke von Lowther bivouakiren.
— Seit dem Bestehen unsere Marine ist noch niemals eine so gewaltige Anzahl Kriegsschiffe im Auslande abwesend gewesen wie in diesen Tagen. Demzufolge wird dem „Berl. Tgbl." aus Kiel folgendes geschrieben: 19 Kriegsfahrzeuge sind, wie kürzlich gemeldet, auf die afrikanischen, asiatischen und australischen Stationen vertheilt. Neuerdings ist diese Zahl um sieben vermehrt worden. Vier Panzerschiffe und ein Aviso manövriren in den spanischen Gewässern; das Schulschiffe „Molike" kreuzt vor England, und das Schwesterschiff „Gneisenau" begibt sich voraussichtlich morgen gleichfalls nach den englischen Gewässern. Alsdann werden in außerheimischen Gebieten nicht weniger als 26 Kriegsschiffe mit einer Gesammtbesatzung von 8000 Mann weilen. Die Geschwaderchess und Schisfs- kommandanten sind 1 Vizeadmiral, 1 Kontreadmiral, 7 Kapitäne zur See, 15 Korvettenkapitäne und 4 Kapitänlieutenauts. Unter den Schiffen befinden sich 4 Panzerschiffe 1. Klasse und je ein Panzer
2. und 4. Klasse, 3 Schulschiffe, 12 Kreuzer verschiedener Klassen, 1 Aviso und 4 Kanonenboote. Diese imposante Seemacht wird indeß nur kurze Zeit im Auslande weilen, da die erste Panzerdivision zur Theilnahme an den Manövern der Hcrbstübungsflotte bereits Mitte August wieder die heimischen Gewässeraufsucht.
* — Den zur Uebung eingezogenen Reservisten wird vor ihrer Einkleidung ein besonderer Korpsbefehl vorgelesen, in welchem auf die immer hänsiger werdenden Versuche, revolutionären und sozialdemokratischen Lehren Eingang in die Armee zu verschaffen, hingewiesen und dagegen die schwerste Strafe angedroht wird. Und zwar hat danach jeder, der durch revolutionäre oder sozialdemokratische Reden oder Ausrufe, durch Singen derartiger Lieder oder dergleichen sich als Anhänger der bezeichneten Lehren zu erkennen giebt, sowie auch ferner, wer revolutionäre oder sozialdemokratische Schriften in die Kasernen oder sonstigen militärischen Diensträume jeder Art einschmuggelt, sie dort verbreitet oder liest. je nach der Schwere des Falles die unnachsichtliche Bestrafung nach Kriegs- oder Standrecht zu gewärtigen.
— Die nach Oesterreich b.hufs Studiums der dortige» Handwerke! Verhältnisse entsandten deutschen Kommissare sind zurückgekehrt. Sie haben ge unden, daß der Be ähigungsnachweis den Hautwerkern nichts genützt habe. Die Regierung sieht daher von der Einführung desselben ab, dagegen scheint sie es mit der Zwangsorganisation des Handwerks versuchen zu wollen.
Waldeuburg, 23. Juli. In Langwallersdorf im hiesigen Kreise lebte der 70jährige Häusler und Streich- steinhändler Jungnitz mit seiner unverheiralheten 40 jährigen Tochter, die ihm den Haushalt führte. Früher war die Tochter wegen Geisteskrankheit in einer Irrenanstalt untergebracht, wurde als ungefährlich entlassen und hatte auch lange Zeit keine Spuren von Geisteskrankheit gezeigt. Plötzlich scheint bei der Tochter aber der Irrsinn ausgebrochen zu sein, denn in einer der letzten Nächte hat sie den Vater ermordet und zerstückt und angesangen, von dem Leichnam zu essen. Am Vormittage des 19. d. M. schickte ein Bäckermeister seinen Lehrling zu I. wegen Brodlieferung. Die Tochter antwortete in ruhiger Weise dem Jungen^ „Ich brauche kein Brod, ich habe genug Fleisch zu essen, ich habe den Vater geschlachtet." Anfangs schenkte der Junge den Worten der Tochter keinen Glauben, bis sie ihn in eine Nebenstnbe nahm und ihm in einem Kasten zerstückelte Fleischstücke vom Vater zeigte. Die Mörderin ist eine kleine, schwächlich aussehende Person.
Sinn zur Förderung des patriotischen Festes der wärmste Dank gebührt, angeordnet, daß am Haupt- festtage, Sonntag den 4. August, vier Sonderzüge auf der Strecke Bebra Gelnhausen eingelegt werden. Diese Sonderzüge verkehren mit folgenden Zeiten: Bebra ab 1130 Vorm, Fulda an 1 Uhr Nachm.; Gelnhausen ab 10", Wirtheim 1052, Wächtersbach 11, Salmünster >1", Steinau 112®, Schlüchtern 11" Vormittags, Elm 1203, ^lieben 1225, Neuhof 1284, Kerzell 12", Fulda an 1 Uhr Nachm. — Heimfahrt: Fulda ab 1130 Nachts nach Bebra, Fulda ab 10 Uhr Nachts nach Gelnhausen. — Durch diese Vergünstigung ist es einem großen Theil der Festgäste möglich gemacht, der Feier im Schloßgarten zu Fulda länger an« zuwohnen; besonders ist demselben dadurch Gelegenheit gegeben, den glänzendsten Theil des Festes, der sich am Abend abspielt, zu sehen. Er kann noch die mit Gewehr- und Böllersalven begleitete Schlachtenmusik hören, er kann noch sehen den Festplatz in elektrischem Lichtglanz, das Feuerwerk, die von griechischem Feuerschein umflossenen lebenden Bilder (von der Turngemeinde gestellt), die Illumination der Orangerie und des Kaisersaales, der Musikhalle, das Farbenspiel des Scheinwerfers, die Lampionsketten; er kann sich noch nach Belieben am Podiumtanz oder am Ball im Oraugeriesaale beseitigen und Zeuge sein von der begeisterten Stimmung, die allseits zur höchsten Entwickelung gelangt sein wird. So werden sich denn auch die auswärtigen Festtheilnehmer entschädigt finden für den Tribut, den sie haben leisten müssen, um einer patriotischen Pflicht zu genügen, um am rechten Platze Zeugniß abzulegen, daß die kameradschaftliche Solidarität zwischen den Kriegervereinen kein leerer Wahn ist und die Devise „In Treue fest" hochgehalten wird. Aber auch alle Jene, die zum Feste kommen und in Vorstehendem nicht einbegriffen sein können, werden das kleine Opfer, das sie sozusagen auf den Altar des Vaterlandes in nationaler Entflammung niederlegen, durch das überreich Gebotene mehr als ersetzt betrachten.
Fulda. Herrn Bauinspektor Wolfs hierselbst ist von Sr. Majestät dem Kaiser das Patent als Baurath verliehen worden.
Hünfeld, 25. Juli. Während des diesjährigen Herbstmanövers erhält die Stadt Hün'eld beträchtliche Einquartirung. Die Mannschaften werden mit Verpflegung einquartirt und werden hierfür pro Tag 80 Pfg. vergütet. Die stärkste Belegung Hüu'clds ist am 18. und 19. September zu erwarten, an welchen Tagen insgesammt 71 Offiziere, 1213 Mann und 199 Pferde hier einquartirt sein werden. Jedoch auch die übrigen Ortscha-ten des Kreises erhalten viel Einquartirung, da das Regiments- und Brigade-Exezieren in der Nähe von Steinbach und der übrige Theil des Hauptmanövers sich in unserem Kreise entwickeln wird.
r. Wächtersbach, 24. Juli. Dem zur Zeit als Reservelieutenant einer militärischen Dienstleistung in Hanau obliegenden Herrn Oberförster Helm von Neuhof bei Fulda passirte heute auf der Straße zwischen Wächtersbach und Wirtheim ein schweres Unglück. Sein Pferd scheute vor einem Eisenbahnzug, warf den Reiter ab und schleifte denselben, der mit einem Fuß im Steigbügel hängen geblieben, eine Strecke weit, bis es ausgefallen wurde. Herr Helm hat außer sonstigen Verletzungen ein Bein gebrochen. Er wurde per Wagen nach Gelnhausen geschafft.
Gelnhausen, 20. Juli. Friedhofschändung. Auf dem hiesigen Friedhof ist in einer der letzten Nächte ein Grabdenkmal vollständig demolirt worden. Die betroffene Familie setzt 100 M. für die Ermittelung des Thäters aus. Man vermuthet einen Racheakt.
Orb, 23. Juli. Heute Morgen 6 Uhr 30 Minuten traf in Wächtersbach das auf einem großen dreiachsigen Wagen mit mehr als 300 Sir. Tragfähigkeit verladene, von der Firma Krämer in Fulda hergestellte Kriegerdenkmal für die hiesige Stadt ein. Die Umladung auf 10 bereitwilligst zur Veriügung gestellte Wagen Order Bürger ging flott von Stätten, so daß der Wagruzug bereits um 11 Uhr den Bahnhof Wächtersbach verlassen konnte und noch vor 1 Uhr hier anlangte. Mit der An'stcllung wird nunmehr Seitens der von der Fuldaer Firma gestellten Monteure sofort begonnen werden.
Hanau, 22. Juli. In den letzten Tagen wurde den Postbeamten der Besuch von 34 hiesigen und 2 Wirthschaften in Steinheim und Hochstadt verboten.
Bitterfeld, 17 Juli. Im benachbarten Pouch ist eine junge Arbeiterfrau von drei Knaben und einem Mädchen entbunden worden. Nur Letzteres wurde todt geboren, während die drei Ersteren leben und sich mit der Mutter ganz wohl befinden.
Lichtenau (Baden), 17. Juli. Am SonntagAbend nach 8 Uhr überraschte uns ein gar seltener Besuch. Von Westen her kam nämlich ein Luftballon im näher und näher, bis er sich in unserer Gemarkung auf einer Wiese niederließ. Demselben entstiegen, laut „Bad. Landeszeitung", fünf Herren — vier Pariser und ein Apotheker aus Nancy — von denen Keiner ein Wort Deutsch verstand. Die Bevölkerung von hier und den umliegenden Ortschaften, welche den Ballon ebenfalls beobachtet hatte, eilte nun in Schaaren dem Platze zu, wo das seltene Schaustück zu sehen wir. Unter den Anwesenden waren auch solche, die Französisch verstanden. Durch dieselben erfuhren wir, daß die kühnen Lmtschiffer um fünf Uhr Abends in Nancy aufgeftiegen waren; sie wollten nur eine kurze Fahrt machen, sind aber durch die starke Luftströmung nach Osten getrieben worden. Nachdem sich die Herren von ihrem Schrecken erholt hatten, begannen sie den Ballon auf ein Fuhrwerk zu laden, wobei ihnen die Anwesenden bereitwilligst mithal en und sind gestern — aber mittelst der Bahn — in ihre Heimath zurückgckehrt.
Ausland.
Rom, 21. Juli. Heute Nacht 1 '^ Uhr fand in Höhe der Insel Tino bei Spezia eine Kollision zwischen den italienischen Dampfer» „Ortigia" und „Maria" statt. Der Damp er „Maria P" befand sich auf der Fahrt von Neapel nach Genua und hatte 17 Mann Besatzung und 173 Passagiere au Bord, welch letztere sich in Genua ausschiffen wollten, um nach Südamerika weiter zu reisen. Der Dampfer „Ortigia" war gestern Abeud von Genua abgegangen. Beide Dampfer bemerkten einander erst, als der Zusammenstoß unvermeidlich war. Der Bug der „Ortigia" drang sechs Meter in die Seite der „Maria P", die in drei Minuten sank. Die meisten Passagiere schliefen und hatten nicht die Zeit sich zu retten, so daß 148 Personen ertrunken sind. Die „Ortigia» blieb bis zum Morgen an der Unglücksstätte und rettete 14 Mann der Besatzung und 28 Passagiere. Die Marinebehörde in Spezia sandte eine Barke an die Unglücksstätte. Eine Untersuchung ist eiugeleitet.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 26. Juli.
— Aus Anlaß der 25jährigen Wiederkehr der deutschen Siege in Frankreich wird dem Vernehmen nach von den zuständigen Behörden eine kirchliche Feier angeordnet werden. Es besteht die Absicht, diese Feier am 1. Semptember, einem Sonntage, abzuhalten.
* — Der Kreisausschuß hat in Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienstzeit nachstehend genannten Dienstboten Prämien aus der Kreis-Communalkasse bewilligt: 1. dem Hofmeister Hildebrand auf Hofgul Ahlersvach 20 Mk. 2. dem Johannes Ochs, bei Familie Uffelmann in Breitenbach 15 Mk.
Fliehen, 23. Juli. Am 19. d. Mts.. Vormittags 7 Uhr wurde in seiner Wohnung zu Unterster! der 57 Jahre alte Auszügler Johannes Becker erhängt an gefunden. Es liegt unzweifelhaft Sclbumord vor, den der in guten Verhältnissen lebende Mann aus Sie; sinn begangen hat.
Edelzell, 24. Juli. Gestern Abend gegen 9 Uhr trug sich hier ein trauriger UnglückssaU zu. Ein 12 jähriger Knabe spielte im Beisein eines Altersgenossen mit einem Revolver, und als er gerade die Mündung auf seine Brust gerichtet hielt, ging die Waffe los. Im nahen WirchShause spielten gelegentlich einer Hochzeit eben die Musikanten zum fröhlichen Tanze anfi als der Schuß fiel. Die Gäste eilten sofort herbei, fanden jedoch den unglücklichen Knaben nur noch als Leiche vor.
Fulda, 24. Juli. Zur Sache der Jubiläumsfeier, welche der Hessische Kriegerverband zu Ehren der großen Erfolge der deutschen Waffen vor 25 Jahren demnächst begeht, können wir heule mit einer sehr erfreulichen, höchst bcachttnswcrthen Nachricht dienen. Auf geeignete Darlegung des Falles von berufener Seite hat die Königl. Eisenbahn-Direktion zu Frankfurt a. M. im Einvernehmen mit der Königl. Verkehrs-Juspektion zu Fulda, welch' beiden Behörden für ihren wohlwollenden