SchlüchternerMtung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
M 59. Mittwoch, den 24. Juli 1895.
^stJhwrt^tt auf die „Schlüchterner Zeilung" j ^vllvuUllylU werden noch fortwährend von allen
- —^ -------— Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Amtliche Bekanntmachung des landtvirthschaftl. Central Vereins.
Wir beabsichtigen in der mit dem pomologischen Garten zu Cassel verbundenen Obstverwerthungs Station im Laufe dieses Sommers und Herbstes einen allgemein zugängigen Obst- und Gemüse-Verwerthungskursus unter der Leitung des Justitutsgärtners des pomologischen Gartens Obstbau-Techniker Karl Huber zu veranstalten.
Der Kursus zerfällt in zwei Abschnitte von je einer Zeitdauer von 4 Tagen nnd umfaßt im
Abschnitt 1 (wird abgehalten znr Zeit der Ernte von Stein- und Beerenobn). Unterweisungen in der Ernte des Beerenobstes, Herstellung von Beerenweinen, Säften, Gelee, Marmelade, Pasten rc., Trocknen von Steinobst sowie Gemüsen, Emmachen und Conserviren letzterer.
Abschnitt II (wird abgehalten zur Zeit des Kernobstes). Unterweisungen in der Ernte, Aufbewahrung und dem Versandte von Obst; Herstellung von Obstweinen, Marmeladen, Gelee, Saiten, Conserven, Obst- essig. Trocknen von Aepseln und Birnen, Gemüsen und grünen Gewürzen.
Der bezw. bte Kurse, welche in Männer- und Frauen-Kurse geschieden werden, ver olgen den Zweck, eine bessere und ausgiebigere Verwendung unserer Obst- und Gartenerzeugnisse, besonders int landwirthschaftlichen Haushalt, einzuführen.
Der Unterricht wird sowohl theoretisch als auch an den aufgestellten Verwerthungsapparalen praktisch aus- geführt, so daß die Theilnehmer Gegenheit haben, sich in den verschiedenen Verwerthungsarten praktisch einzuüben
Das Honorar für die Theilnehmer an den Obstverwerthungskursen beträgt für die beiden Abschnitte zusammen 6 Mk , je 1 Abschnitt allein 4 Mk. und ist bei Beginn der Kurse zu entrichten. Unbemittelten kann auf Antrag die Honorar-Zahlung erlassen werden. Die Termine für die Kurse werden sowohl in den Fachschriften und öffentlichen Blättern, sowie den vorher angemeldeten Personen schriftlich kundgegeben.
Anmeldungen und Anfragen dieserhalb sind zu richten an den Leiter der Kurse, Justitutsgärtner Karl Huber in Kassel.
Wir bringen vorstehende Bekanntmachung mit dem
Zufügen in Erinnerung, daß
Kursabschnitt I der diesjährigen Obstverwerthungs-1 geschoben. L. gewinnt sie auch. Doch die Götter waren
kurse für Damen vom 10. Juli bis incl. 19. Juli; ihm einmal nicht hold, sie hatten vielmehr beschlossen, Kursabschnitt I der diesjährigen Obstverwerthungs- ihre Gaben mit vollen Händen auf den armen Groß- kurse für Herren vom 23. Juli bis inel. 26. Juli grundbesitzer zu streuen; das Spiel wird fortgesetzt, und
stattfindet und empfehlen den Besuch derselben allen
Interessenten angelegentlichst.
Direktion des landwirthschaftlichen Central-Vereins für den Regierungs-Bezirk Kassel, t. V. Gerland.
Deutsches Reich.
Berlin. Am Gedenktage der französischen Kriegserklärung wurden im Auftrage des Kaisers am Freilag an dem Sarge des Kaisers Wilhelm I. im Mausoleum zu Charlottenburg und an dem Sarge des Kaisers Friedrich im Mausoleum bei der Friedenskirche zu Potsdam Kränze niedergelegt. — Der Kaiser kommt am 27. Juli auf ganz kurze Zeit nach Saßnitz. Die Kaiserin mit den beiden ältesten Prinzen wird Anfangs August auf Schloß Dwasieden eintreffen.
— Wie verlautet, wird von einem Berliner Comitee hervorragender Geschäfte und Fabriken ein Ausruf ausgehen, am Sedantag alle Geschä-te ruhen zu lassen und den 2, September zu einem großen Volksfest zu gestalten. Auch die Post soll beabsichtigen, am 2. September den Dienst zu beschränken, und die Illumination am Abend soll eine allgemeine werden, unter Vorantritt der staatlichen und städtischen Gebäude.
— Nach einer Verfügung des preußischen Kriegsministers ist es nunmehr auch den Gendarmen gestattet, sich auf ihren Dienstreisen des Fahrrades zu bedienen.
— Mit kaiserlicher Genehmigung überwieS der preußische Kriegsminister 3000 Kilogramm französischer Geschützbronce zur Prägung von Denkmünzen für die Veteranen.
* — Zur Frage der strafrechtlichen Verfolgung von Eisenbahn-Fahrgästen, welche bei Ueberfüllung der Coupüs eine höhere Fahrklasse benutzen, als für die ihr Fahrschein gilt, liefern die Londoner Times folgenden Beitrag: Vor dem Lord-Mayor von London erschien kürzlich ein Kaufmann, angeklagt, mit einem Billet dritter Klasse in die erste Klasse der unterirdischen
Londoner Stadtbahn eingestiegen Mayor aber — sprach ihn frei, „Solche Kleinigkeiten rechtfertigen Verfolgung. Betrügerische Absicht Ich selbst benutze fast jeden Tag
zu sein. Der Lord- indem er ausführte: nicht eine gerichtliche ist nicht fefijufteUen. die Stadtbahn und
sehe, wie die Eiscnbahnangcstellten die Reisenden zweiter und dritter Klasse in Wagen erster Klasse hineindrängen, weil die Plätze tn der dritten Klasse niemals ausreichen. Es gibt nur eine Art, hier ein Ende zn schaffen: Die Gesellschaften nehmen für die Stadibahn und die Züge der Bannmeile das amerikanische System an, das nur eine einzige Klasse kennt und nur einen Einheitsfahrpreis. Sie finden hierbei ihren Vortheil: das Publikum wird sich hierüber nicht beklagen, und die Justiz wird in Zukunft keine Zeit mehr verlieren mit solchen Prozessen." Das ist eine praktische Entscheidung, die Hand und Fuß hat, mögen sich am Ende auch die Buchstaben-Juristen darüber auf den Kops stellen.
— Ein Zimmermeister in Berlin, der sein Grundstück zum Preise von Mk. 1,250,000 verkauft hat, beschloß, seinen Freunden aus diesem Anlaß ein Diner eigener Art zu geben. Er beauftragte deshalb den Hoflieferanten Drcssel, ein Diner mit genau demselben Menü herzurichten wie bei der Kaiserlichen Tafel in Holtenau. „Machen mir!" sagte Herr Dressel und der Zimmermeister zahlt pro Gedeck nach berühmtem Muster 100 Mark.
Posen. Eine Kugel um 3000 Mark. Aus der Provinz Posen erzählt die P. Z.: Daß es nicht nur beim Kartenspiel, sondern auch beim Kegeln zuweilen um recht hohe Einsätze geht, davon können wir heute eine kleine wahre Geschichte erzählen: Nachdem der offizielle Kegelabend beendet war, begannen vor einigen Tagen zwei Herren, Großgrundbesitzer S. und RechtL- anwalt L., die Kugel um 50 P ge. zu schieben. All- mälig erhöhen sich die Einsätze, wächst auch das „Pech" des Herrn L., und er schuldet seinem Gegner bereits 3800 Mark. Dem Letzteren grault vor der Götter
Neide, und um seinem Partner Gelegenheit zu geben, den Verlust wett zu machen, wird auf seinen Vorschlag eine Kugel um 3000 Mark (schreibe dreitausend Mark)
' als es endlich beendet war, schuldete L. seinem Gegner
2250 Mark, von denen 250 Mark baar bezahlt wurden, während der Rest von 2000 Mk. gebucht wurde.
Gera, 18. Juli. Im benachbarten Ronneburg wurde gestern Nachmittag eine Zigeunerbande festgenommen, die dringend verdächtig ist, bei Wechselburg in Sachsen ein Kind in die Mulde geworfen und ertränkt zu haben. Fünf Mitglieder der Bande wurden in Haft behalten.
Eiscuach. Ueber den ebenso seltenen wie werthvollen Fund von Kohlensäure auf dem bei Tiefenort an der Feldabahn im Eisenacher Oberlande gelegenen Kali- muthungsfcld werden jetzt sehr interessante Einzelheiten bekannt. Eine Messung des Gases hat ergeben, daß es unter der Last von 350 Meter Erdrinde einen Druck von nahezu 30 Atmosphären auSübt. Die Kohlensäure ist trocken und kommt mitten auS dem Steinsalz. Die Ingenieure sind der Ansicht, daß die angeschnittene Oeffnung nicht größer ist, als eine Messerklinge. Die Analyse des Gases hat ergeben 97,3 pCt. Kohlensäure, 2,5 pCt. Stickstoff, 0,2 pEt. Luft. Die zu technischer Verwendung geeignete Kohlensäure entströmt in einer Menge von 11 —12 Ebm. in der Minute und repräsen- tirt täglich einen Werth von 6170 Mk. Daß man eitrigst darauf bedacht ist, jenen Fund, auS dem man im Jahre 2'/, Millionen Mark herausschlagen kann, in gehöriger Weise auszunutzen, dürfte selbstverständlich fein. Wenn auch der pekuniäre Werth der KohlensäureauS- strömnng vielleicht nicht so hoch zu veranschlagen ist, wie oben angegeben, so ist immerhin der Fund sehr werthvoll und beabsichtigt man, die Kohlensäure nach Salz-
ungen zu leiten, dort zu reinigen und zu komprimiren. Kommerzienrath Oppenheim und Co. in Köln läßt gegenwärtig zwischen Dietlas und Lengsfeld nach Kali bohren, das Bohrloch soll 700 Meter tief geführt werden und bis Oktober, wenn alles gut geht, fertig gestellt sein, es wird Tag und Nacht gearbeitet und sind die Kosten auf ungefähr 37,000 Mk. berechnet worden. Es soll übrigens noch an zwei weiteren Punkte eingeschlagen werden, wo, ist aber bis jetzt noch nicht bestimmt.
Watteuscheid, 18. Juli. Die Findigkeit unserer Stephansjünger hat sich kürzlich hier wieder glänzend bewährt. Eine Postkarte, welche in Brüssel aurgegeben war, lautete: „An den gröbsten Wirth in Wattenscheid." Die Postkarte wurde einem hiesigen Wirth richtig zugestcllt, der sie auch, was das Schönste an der Sache ist, ruhig annahm.
Straßbnrg i. E., 20. Juli. In Pfalzburg zündeten Knaben zwei unter einer zugemauerten Wölbung einer Brücke befindliche Pulverfässer von je 50 Liter Inhalt an. In Folge der Explosion wurden drei Knaben getödtet.
Vom Rhein, 19. Juli. Im Hotel Dreesen in Rüngsdorf erkrankten am Montag sämmtliche dort logirenden Gäste nach dem Genuß des Mittagessens unter Vergiftungserscheinungen. Ein 75jähriger Gast ist be- bereits gestorben. Fünfzehn Kranke befinden sich noch in 'ärztlicher Behandlung, aber. auf dem Wege der Besserung. Es ist die strengste Untersuchung einzeleitct. Wie verlautet, sei das Gift im Citronencreme enthalten gewesen.
Ansland.
Brüx, 20. Juli. Die durch den Schwimmsandabfluß im Annaschachte der Brüxer Bergbaugesellschaft hervor- gerufene Katastrophe hat einen größeren Umfang gewonnen, als es Anfangs schien. Die ganze Gegend war als Schwimmsandreich bekannt. Wiederholt haben sich schwere Unglücksfälle ereignet. Jetzt ist ein ganzer Stadttheil bedroht. In der im elegantesten Viertel gelegenen Bahnhofstraße sind bis Mittag achtzehn Häuser eingestürzt; einige davon sind gänzlich in die Erde versunken. Drei Personen werden vermißt; ob weitere Menschenleben verloren gegangen sind, ist unbekannt. Eine ungeheuere Panik herrscht, entsetzliche Szenen spielen sich ab. Die Röhren der Wasser- und Gasleitung sind geborsten, so daß die Stadt ohne Trinkwasser und des Nachts ohne Beleuchtung ist. Die Brände erhöhten den Schrecken. Der Bahnverkehr ist eingestellt.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 23. Juli.
* — In diesem Jahre veranstaltet der hiesige Turnverein wieder ein Allgemeines Bolks- turnfest und zwar wird dasselbe am 18. August stattfinden.
* — In Folge AntragS der Handelskammer in Hanau wird in aller Kürze die Güterabfertigung von hiesigem Bahnhof nach dem Güterschuppen verlegt und mit Wahrnehmung der bezüglichen Geschäfte ein StationS-Assisteul und ein Lademeister-Aspirant betraut werden.
— Da die Kurhess. 40 Thlr.-Loose nunmehr alle verloost sind, wird amtlich bekannt gegeben, daß die Auszahlung der am 1. Juli gezogenen Prämien rc. gegen Rückgabe der Prämienscheine vom 15. Dezember d. J. ab täglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage, bei dem Bankhause M. A. v. Rothschild in Frankfurt oder bei der Königlichen Regierungs Hauptkasse in Kassel stattfindet. Die Erhebung der Prämien kann jedoch auch bei allen übrigen Königlichen Regierung«- Hauptlasten, sowie bei der Kreiskasse in Frankfurt a. M. und der Königlichen Staatsschulden-Tilgungskasse in Berlin geschehen, in welchem Falle die Prämienscheine bereits vom 1. Dezember d. J. ab bei der betreffenden Kasse eingereicht werden können, da dieselben zunächst an die Regierungs-Hauptkasse tn Kassel zur Festsetzung übersandt werden müssen. Zugleich werden die Inhaber solcher Prämiensch.ine obigen Anlehns, welche zu einer der im Verzeichnisse unter II aufgcführien Serien gehören, zur baldigen nachträglichen Erhebung der darauf gefallenen Prämien-Beträge gegen Ablieferung der Prämienscheine hiermit aurgeforbert. — Bei der Ziehung der Kurheffischen 40-Thaler-Loose im Jahre