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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 17. Juli

auf dieSchlüchterner Zeitung" werden noch fortwährend von allen ^ .2 Postanstalten und Landbriefträgern

sowie von der Expedition entgegen genommen.

Bor 23 Jahren.

Die Rüstung zum Streit 1870.

Auf des Bundesfeldherrn, des greisen König Wilhelm von Preußen, Ruf hatte sich ganz Deutschland gegen den übermüthigen Erbfeind erhoben; ja ganz Deutschland, denn auch die Süddeutschen schlössen sich rückhaltlos der Bewegung an. Aber so hoch auch die Wogen der Be­geisterung gehen mochten, ein heiliger, weihevoller Ernst lag über der ganzen deutschen Nation, denn alle traten mit dem Gefühl in den Kampf, daß es ein schwerer und ernster sein werde.

Herrlich schrieb damals Moltke an seinen Bruder: Nie ist ein Krieg gerechter geführt worden, als dieser von unserer Seite, und so hoffen wir auf Gottes Bei- stand. Aber seine Wege sind nicht unsere Wege, und in der Weltentwickelung führt er auch durch ver­lorene Feldzüge zum Ziele, dennoch hoffen wir auf einen glücklichen!" Ein Wille, eine Begeisterung, ein Pulsschlag ging durch das ganze Volk, von der Sennhütte der bayerischen Alp bis zum Fischerhaus am Nord- und Ostseestrand, vom Rheinstrom bis zur Memel. Der Landwehrmann, der Weib und Kind zurücklassen mußte, ballte beim Ausmarsch die Faust: Gott sei dem Franzosen gnädig, der mir unter die Hände kommt!" Die jungen Soldaten nahmen Ab­schied von den Eltern, die in Sorge und Thränen und doch so stolz und glückseelig die fröhlich hinausziehenden Söhne vielleicht zum letzten Male in die Arme schlössen. Die deutsche Volksseele war sich plötzlich ihrer Einheit und Kraft bewußt geworden, und das kam auch^tig in dem schnell berufenen Reichstage für den nord­deutschen Bund zum Ausdruck.

Am 19. Juli trat er zusammen und wurde von König Wilhelm in Person eröffnet; einen Beifallssturm entfesselten die Worte der Thronrede:Hat Deutschland derartige Vergewaltigungen seines Rechtes und seiner Ehre in früheren Jahrhunderten schweigend ertragen, so ertrug es sie nur, weil es in seiner Zerrissenheit nicht wußte, wie stark es sei. Heute, wo das Band zwischen geistiger und rechtlicher Einigung, welches die Befreiungskriege zu knüpfen begannen, die deutschen Stämme je länger, desto inniger verbindet, heute, so Deutschlands Rüstung dem Feinde keine Ocffnung mehr bietet, trägt es in sich selbst den Willen und die Kraft der Abwehr gegenüber französischer Gewaltthat!" Der Reichstag bewilligte sofort 120 Millionen Thaler zur Bestreitung der Kriegskosten und antwortete mit einer be­geisterten Adresse. In Verlaufe der ersten Sitzung, die der Eröffnung unmittelbar folgte, war Bismarck erschienen und theilte dem Hause die soeben vom fran­zösischen Geschäftsträger empfangene Kriegserklärung mit, was einen unbeschreiblichen Beifallssturm hervor- rief. Das ganze Haus erhob sich und brächte ein stürmisches Hoch aus König Wilhelm aus, in das die Zuschauer auf der Tlibüne begeistert einstimmten. In den Volksvertretungen Bayerns und Württembergs ging es ähnlich zu, und bereitwilligst wurden auch dort die Mittel zur Kriegführung bewilligt.

Welche Gefühle aber mochten König Wilhelm im besonderen bei Empfang der französischen Kriegs­erklärung bewegt haben! Waren es doch am 19. Juli sechzig Jahre her, daß seine theuere Mutter, die Königin Luise, ihre Augen schloß. Und wir sehen den König, ihm zur Seite den Kronprinzen,^ die Schritte zur Ruhestätte der Unvergeßlichen im Schloßpark zu Charlottenburg lenken; dort beteten sie.

Als der König mit seinem Sohn Hcraustrat, sagte dieser, das Herz voll demüthigen, starken Gottvertrauens: Ein Kampf, unter solchen Umständen unternommen, muß gelingen!" Dann eilte der Kronprinz fort nach Süddeutschland, um den Oberbefehl über die Truppen zu übernehmen, die einst die Waffen gegen die Preußen gekehrt hatten, nun sich aber freudig der Führung des erprobten Feldherrn aus königlichem Geblüt mivertrauten. Der König erneuerte am 19. Juli die Sti tung des eisernen Kreuzes, es sollte auch jetzt wie 1813 di. Brust derer schmücken, die sich besonders im benot = stehenden Kampfe hervorthun würden. Am 31. Juli verließ König Wilhelm Berlin und begab sich, begleite:

auch von Bismarck und Moltke, zur Armee an den Rhein. Aus den Eisenbahnzügen, die unaufhörlich dort­hin rollten und die deutschen Truppen beförderten, hatte es immer wieder so begeistert herausgeklungen:

Lieb' Vaterland magst ruhig sein,

Fest steht und treu die Wacht am Rhein!

Ja, Alldeutschland, den greisen im Gefühle der ge­rechten Sache doch kampfesmuthigen Bundesfeldherrn König Wilhelm an der Spitze, war ungetreten zur Wacht am Rhein!"

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Juli. Der Kaiser ist am Freitag an Bord seiner AachtHohenzollern" in Tullgarn ein­getroffen zum Besuch des Kronprinzenpaares von Schweden. Alsbald nach der Ankunft war Familien- tafel im Schloß Für Sonnabend war eine Reihe von Ausflügen geplant, doch mußten dieselben des strömenden Regens wegen unterbleiben. Am Sonntag beabsichtigt der Monarch den Gottesdienst an Bord derHohen­zollern" abzuhalten.

Seine Majestät der Kaiser traf am 6. Juli an Bord derHohenzollern" in Stockholm ein und wurde im Hafen vom Könige und vom Kronprinzen von Schweden au s Herzlichste empfangen. Die folgenden Tage waren dem Besuche von Gripsholm, Drottning- Holm, Skokloster und Tullgarn gewidmet; von dort trat Se. Majestät am 10. Juli die Fahrt längs der Küste von NordlANd an.

Die Blätterm.ldung, Se. Majestät der Kaiser werde Mitte August in Elsaß-Lothringen den Festlich­keiten anläßlich der fünfundzwanzigjährigen Kriegs- gedenktage beiwohnen, ist unbegründet. Se. Majestät der Kaiser gedenkt am 17. August von England wieder in Berlin beziehentlich im neuen Palais einzutreffen. und am 18. August die Grundsteinlegung des Kaiser- Wilhelm-Denkmals vollziehen.

Es ist schon bekannt geworden, daß die Zahl der deutschen Auswanderer nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika im vergangenen und im lausenden Jahre einen ganz bedeutenden Rückgang aufweist. Nun ist aus dem eben erstatteten Jahresbericht der Hamburger Behörde für das Auswanderwesen zu entnehmen, daß zum ersten Male seit längerer Zeit, vielleicht zum ersten Mal überhaupt, die Zahl der deutschen Rückwanderer aus Nordamerika beinahe ebenso groß gewesen ist wie diejenige der Auswanderer, nämlich wie 7 zu 10. Während im vergangenen Jahre nur 38 827 Aus­wanderer nach Amerika betörbert wurden, stieg die Zahl der von Amerika nach Hamburg beförderten Personen auf 24 852, zu denen noch 1174 mittellose Rückwanderer über England hinzukamen. Diese Ziffern führen eine sehr beredte Sprache und können nur tie jüngst von Washington her erfolgten Warnungsruse vor einer Auswanderung nach den Vereinigten Staaten verstärken.

13. Juli. Das preußische Kriegsministerium hat bezüglich der aktiven Dienstzeit der Volksschullehrer endgiltig bestimmt, daß bei Heranziehung derjenigen Lehrer, die bereits angcstellt sind, in diesem Jahre noch nach den bisherigen Bestimmungen zu verfahren ist. Betreffs der noch nicht angestellten Lehrer ist bisher noch keine Festsetzung getroffen worden. Vom nächsten Jahre ab soll den Volksschullehrern die Möglichkeit des einjührigen-sreiwilligcn Militärdienstes gewährt werden.

Die Seminarkonferenzen für die preußischen Volksschullehrer, die vom Kultusminister v. Puttkamer seinerzeit eingerichtet wurden, um das freie Vereinsw sen der Lehrer lahmzulegen, sind in diesem Jahre zum Theil ausgefallen. In der Lehrerschaft wurde daran die Hoffnung geknüpft, daß der jetzige Kultusminister diese Einrichtung beseitigen wolle. Wie jetzt bekannt wird, ist aber allein der Geldmangel die Ursache des Ausfalls der Konferenzen, bei denen die Lehrer aus Staatskosten bewirthet werden.

Spandau. Elf Landwehrmänner und Reservisten, meist verheirathete Männer, wurden durch ein starkes Kommando des brandenburgischen Füsilierregiments Nr. 35 in das Spandauer Festungsge ängniß trans- portirt. Die Leute hatten am Tage der letzten Kontroll- oersammlung iu Boizenburg in angeheitertem Zustande sich schwere Vergehen schuldig gemacht. Sie lärmten auf der Straße, schlugen den Gendarm, der sie zur Ruhe verwies, zu Boden, stießen Majestätsbeleidigungen aus und wurden schließlich nach heftigem Widerstände

mit Waffengewalt festgenommen. Vom Divisionsgericht der 6. Division sind sie jetzt abgeurtheilt und zur Ver- büßung der ihnen zuerkannten Strafen in Spandau eingeliefert worden. Das Strafmaß wird den Unglück­lichen erst im Gefängniß mitgetheilt.

München. Bayern will auch seine Garde haben. Vor Kurzem verlautete, das Eisenbahnbataillon bekomme ebenfalls die Litzen, die bisher nur das bevorzugte Leib­regiment halte. Nun wird gemeldet, daß zwei Pionier- kompagnien, eine von Jngolstadt und eine von Speyer, nach München gezogen werden und die Litzen erhalten.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 16. Juli.

* Die Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten in Eassel erläßt folgende Bekanntmachung:Es wird hiermit bekannt gemacht, daß an Stelle der früheren Königlichen Steuerlassen nunmehr in Beziehung auf das Ver- waltungs-Zwangs-Versahren die Königlichen Kreiskassen innerhalb ihrer Bezirke die Vollstreckungsbehörden nach Maßgabe der Allerhöchsten Verordnung vom 7. Sep­tember 1879 (G.-S. S. 591) bilden und als solche nicht allein für den Staat und das Reich, sondern auch für die Institute, Korporalionen, Kirchengemeinden, Pfarreien, Schul-Sozietäten, Kommunalbehörden u. dgl. m., soweit diese nach den bestehenden Bestimmungen nicht selbst zur Zwangsvollstreckung berechtigt sind, zu fungieren haben."

* Aus der Sitzung der Strafkammer vom 11. Juli. Der Ackerer Jöckel aus Rabenstein stand heute unter Anklage der Bedrohung; er soll den Sohn seines Nachbars Hohmann mit Todtschlag bedroht haben. Der Angeklagte gibt zu, daß er die betreffenden Worte, in denen die Drohung lag, gebraucht habe; er behauptet aber, diese Worte an seinen Hund berichtet zu haben, weil dieser den Hohmann habe beißen wollen. Die Sache war schon vor einigen Wochen einmal verhandelt, die Entscheidung aber vertagt worden, um ein Gutachten des Lehrers, dessen Schule der junge Hohmann besuchte, und des Kreisphysikus Dr. Stern einzuholen über den Geisteszustand des Klägers Hohmann. Die Gutachter erklärten übereinstimmend, daß Hohmann geistig sehr zurückgeblieben und nicht einmal im Stande sei, über einen vor Kurzem geschehenen Vorgang Auskunft zu geben. Der Staatsanwalt beantragte daher Freisprechung des Angeklagten; das Gericht jedoch verurteilte den­selben zu 8 Tagen Gefängniß.

-ch- Soolbad Soden-Stolzenberg bei Salmünster. Das am 14. Juli l. I. in den Räumen unseres Kur­hauses Nachmittags 5 Uhr gemäß Bekanntmachung und programmmäßig verlaufene Concert bedeutender Künstler hat bei allen Zuhörern und Verehrern wie Kennern guter Musik nur vollen Beifall gefunden. Die Kammermusik- vorträge (zwei Geigen, Bratsche und Cello) wurden tadellos exact und mit ernstem musikalischem Verständniß vorgetragen. Die Solo-Vorträge der Herren Knoblauch (Cello) und Müller (Geige) fanden ungetheilten und regsten Beifall und zeugten von wahrer künstlerischen Auffassung. Die verschiedenen Gesanges-Vorträge klang­voller und fein künstlerisch gebildeter Stimmen der Herrn Müller und Frl. Leutheuser riefen geradezu einen Beifallssturm wach und waren die Vortragenden so liebenswürdig, den Bitten der Zuhörer durch ent­sprechende Zugaben gerecht zu werden. Indem unserem an solche veredelnden Kunstgenüsse nicht gewöhnten Kinziggrunde freiwillig Derartiges geboten wird, können wir nicht umhin, den Veranstaltern und Ausführern hiermit nochmals unseren wärmsten Dank auszudrücken, in der Hoffnung, daß die herzliche Aufnahme und der rege Beifall sie zu Wiederholungen dieser schönen und dankenswerthen Untern hmungen anregen werden.

Gelnhausen. Eine hiesige Einwohnerin wurde von Wespen Überfällen. Sie war mit dem Aufhängen der Wäsche auf dem Boden beschäftigt und sah an einer Stelle einen Gegenstand hängen, den sie für eine Tuch­mütze hielt. Als sie dieselbe abhängen wollte, kamen aus dem Wespennest denn ein solches war die ver­meintliche Mütze ein Schwärm Wespen hervor, welche die Erschrockene überfielen und übel zurichteten. Die Frau besaß Geistesgegenwart genug, rannte zur Treppe hinab und steckte den Kopf in einen Wasser­zuber; doch hat sie noch viel an den erhaltenen Stichen zu leiden.