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daß die in Wirklichkeit nicht existirende Wittwe' noch lebe, fälschen. Ein Räthsel bleibt es, wie er an die Formulare gekommen ist. Wegen seiner guten Führung wurde Sch. am 1. April vom Assistenten zumBetriebs- sekretär befördert und nach Elberfeld versetzt. Jetzt wurde die Betrügerei entdeckt. Sch. flüchtete, ist aber in Frankfurt a. M. verhaftet worden.

Essen. Das Haus Krupp hat der italienische» Re­gierung angeboten, für 82 Millionen italienische Kupfer­münzen (10- unb 5 Centesimi-Stücke), die aus dem Verkehr gezogen werden sollen, kleine Münzen mit einer Nickelmischung in Italien einzuführen. Die gegen­wärtigen italienischen Kupfermünzen würden dann von dem Hause Krupp in dessen eigenen Werkstätten um- geschmolzen werden.

Aus Neu-Ruppin wird geschrieben: Einen reichen Gold- und Silberfund hat Herr Otto Paperow dahier beim Umbau seines Hauses kürzlich gemacht. Einer der Arbeiter brächte ihm mehrere alte Silberstücke ans dem Ende des vorigen Jahrhunderts, die man im Schlafzimmer unmittelbar an der Thür unter den Dielen gesunden hatte. Herr Paperow, hierdurch auf­merksam gemacht, begab sich nach dem Raume hinab. Beim weiterem Abgraben fand man wohl gut einen Zentner tadellos erhaltener Gold- unb Silbermünzen aus den Jahren 1760 1804 in Stücken zu einem, fünf, zehn, zwölf guten Groschen, Thaler, ferner Dukaten, Doppel-Friedrichsd'or. Der Schatz wird in den schweren kriegerischen Zeiten Anfang des Jahrhunderts vergraben worden sein. Daß das Geld aus Erspar­nissen der Vorfahren des jetzigen Besitzers besteht, ist unzweifelhaft, da das Grundstück weit über 100 Jahre im Besitze der Paperow's ist und die jüngsten Münzen von 1804 datieren. Der jetzige Besitzer erinnert sich auch, daß ihm sein Vater viel von einer sehr genauen Großmutter erzählt und ihm bedeutet hat, daß die Alten viel Geld hinterlassen haben müßten. Wahr­scheinlich ist der Besitzer des wohlverborgenen Schatzes plötzlich gestorben und hat das Geheimniß mit ins Grab genommen, sodaß erst nach fast 100 Jahren das Geld wieder aufgefunden wurde und in die rechten Hände fiel.

Stade. Das Schwurgericht in Stade verurtheilte die Hausmutter der von sieben politischen Gemeinden unterhaltenen Armenanstalt Bergfried, Adelheid Bordes, welche die geistesschwache Armenhäuslerin Marie Brand zu Tode geprügelt, zu vier Jahren Gefängnis. Die Verhandlung entrollte schauderhafte Zustände.

Metz. Gekrenzigt. Aus Vionville wird die geradezu unglaublich rohe Thal eines entmenschten Vaters gemeldet. Dieser, ein Landmann, hatte seinem kleinen Sohne eine geringfügige Ungehörigkeit vorzuwersen und züchtigte ihn in folgender Weise: Er wand dem Kleinen einen Strick unter die Arme, den er an einem Balkenende befestigte, und nagelte dann die beiden Hände des Knaben an die Wand! Das herzzerreißende Geschrei des Mißhandelten lockte die Nachbarn herbei, die ihn aus seiner schrecklichen Lage befreiten und ins Spital brachten. Der ruchlose Vater konnte bei seiner Ueber« führung ins Gefängniß nur mit Noth vor der em­pörten Menge geschützt werden.

Ausland.

Paris. In dem Processe der Erben der Gräfin Civry, der morganatischen Gemahlin des Herzogs von Braunschweig, gegen die Stadt Gens hat der Cassations- Hof zu Gunsten der Erben entschieden, welchen die Stadt Genf einen großen Theil des Erbes im Betrage von mehreren Millionen aushändigen muß.

Lokales und Provinzielles.

* Schlichtern, 9. Juli.

* Die nun schon seit mehreren Wochen andauernde Trockenheit macht sich schon in recht unangenehmer Weise bemerkbar. Die Grasspitzen des zweiten Triebes be­ginnen sich gelb zu färben und vermindern die Aussicht auf eine gute Grummet-Ernte. Bei dem ungewöhnlich guten Ausfall der Heuernte kommt dieses indes weniger in Betracht. Ungleich ernster ist dagegen der verderbliche Einfluß der Trockenheit auf den Stand der Halm- und Hackfrüchte. Während erstere allzu schnell der Reife zueilen, konnten letztere nur zum Theil erst gepflanzt werden.

* Ueber das Trinken der Feldarbeiter giebt ein Arzt folgende beachtenswerthe Andeutungen, die nicht nur für diese allgemein beherzigenswerth erscheinen. Viele Landleute bekämpfen bei den Feldarbeiten den Durst, um dadurch dem heftigen Schwitzen vorzubeugen. Dies ist aber verwerflich und kann unter Umständen zu gefährlichen Krankheiten führen. Der Durst ist als Mahnung zum Ersatz der dem Körper verloren gegangenen Flüssigkeiten anzusehen und es treten bei Nichtbeachtung dieser Mahnung allmähliges Austrocknen der Gewebe und schließlich der sog. Sonnenstich ein. Abgesehen von diesen schlimmsten Folgen leuchtet auch ein, daß durch den aus Mangel an Flüssigkeit geschwächten Stoffwechsel die Körperernährung be­einträchtigt wird. Es ist daher keinesfalls rälhlich, den Durst völlig zu unterdrücken. Wenn man trinkt, trinke man langsam und mäßig und selbstverständlich nur Wasser, nicht Bier oder Wein, oder Most, oder

Kaffee! I Alle diese Sachen^ schaden, machen den Körper schlaff.

Ernte-Aussichten. Die neue Ernte geht der Reife entgegen. Es ist deshalb über den Stand der Felder eine zutreffendere Beurtheilung möglich als seither. Im Deutschen Reiche wird speziell nur für Preußen eine schwache Ernte in Aussicht genommen, während die übrigen Bundcsstaateu mittleren Ernten entgegensehen. In Oesterreich Ungarn wird das Winter­getreide ein ganz befriedigendes Resultat über den mittleren Durchschnitt hinaus ergeben; das Sommer­getreide dürste ein sehr gutes Erträgniß in Qualität und Quantität liefern. Die Roggen-Ernte dürste quantitativ hinter dem Vorjahre Zurückbleiben, ent­schädigt aber einigermaßen durch ihre vorwiegend schöne Qualität. Gerste und Hafer versprechen volle Ernten, und der Mais steht so günstig wie seit vielen Jahren nicht mehr, so daß der Ausfall an Roggen hinreichend durch den Ertrag der Sommerfrüchte ausgeglichen erscheint. In Rußland hat sich der Stand der Saaten allgemein gebessert, doch schätzt man die künftige Ernte in Roggen noch immer beträchtlich unter dem Mittel. Die alten Lagerbestände Rußlands sind in den letzten Monaten sehr stark reducirt worden, wie die riesigen Exportzisfern beweisen. In den Nordamerikanischen Staaten liefert die Ernte in Sommerweizen ein reich­liches Erträgniß, wodurch der Ausfall in der Ernte des Winterweizens theilweise ersetzt wird. Rumänien erwartet eine glänzende Ernte in Weizen und Mais.

* Aus den Fachzeitungen der Gerber, Schuh­macher rc. und den Berichten der Handelszeitungen ist jetzt fortgesetzt ein Steigen der Lederpreise zu entnehmen. Bis jetzt sind die Preise für Häute und fertige Leder um 3050 pCt. in die Höhe gegangen und es ist nicht abzusehen, wann dieses Ver- theuern des Leders ein Ende nimmt. Die Urheber dieser enormen Preissteigerung für Leder rc. sind eine Gesellschaft großer Kapitalisten in Nordamerika, welche einen Ring gebildet haben und alle Vorrathe an rohen Häuten wie fertiges Leder aufkaufen und aus dem Markte ziehen. Die großen Schlächtereien in Südamerika, welche bekanntlich den europäischen Bedarf an Häuten zu Sohlleder hauptsächlich decken, sind durch Verträge gehalten, ihre Häute allein dieser Kapitalistengesellschcrt zu guten Preisen zu verkaufen, wie auch dieser Ring in der letzten Zeit in Europa über drei Millionen Häute ankaufen und aus dem Handel hat ziehen lassen. Zweck dieser ganzen Manupulaiion ist, (durch Ein­behalten der Häute die Preise in die Höhe zu treiben und die in Vorrath genommenen Häute und Leder erst dann loszugeben, wenn der Preis eine Höhe er­reicht hat, bei dem die Genossen tüchtig Geld verdienen. Also ganz wie beim Petroleum, Kupfer, Zmn rc. eine wucherische Ausbeutung des Publikums durch eine Gesellschaft reicher Leute, die noch reicher werden wollen. Dieser Uebermacht des Großkapitals gegenüber sind die Kleinen ohnmächtig und ob sie wollen oder nicht, die Gerber, Schuhmacher, Sattler rc. rc kurz alle, die Leder brauchen, müssen die hohen Preise zahlen oder sie erhalten die für den Geschäftsbetrieb so nothwendigen Rohstoffe nicht. Einige Preisnotirungen mögen hier folgen. Berlin notirte am Sonntag Kalbfelle per Pfund 1,65 Mk., Lammfelle Mk. 1,20 bis 2,30 Mk. per Pfund, Fahlleder und Norddeutsches Sohlleder fehlen ganz am Markt, weil nichts davon zu haben ist, die anderen Sorten Sohlleder sind durch­schnittlich pro Centner um 3545 Mk. im Preise höher, Brandsohlleder kostet pro Centner 110115 Mk. Das Publikum, das jetzt Schuhe rc. kauft, braucht sich also nicht zu wundern, wenn die Schuhmacher rc. jetzt wesentlich höhere Preise für die Schuhe haben wollen als seither. Ein Paar Stiefel, das bislang 12 Mk. kostete, wird demnächst wohl 18-20 Mk. kosten.

Im Anschluß an ein Urtheil des Oberverwaltungs­gerichts hat der Herr Finanzminister in theilweiser Abänderungen früherer Verfügungen bestimmt, daß die Gewerbesteuer nicht aber auch die Einkommensteuer und sonstigen Personalsteuern in Zukunft als zu den abzugsfähigen Betriebskosten gehörig zu be­trachten ist.

Hanau, 5. Juli. Der Bürstenmacher Hild, der Ortsdiener Lorenz Wolf und die Fabrikarbeiterin' Wittwe Jos von Soden bei Salmünster standen wegen Urkunden­fälschung vor der hiesigen Strafkammer. Der Staats­anwalt beantragte gegen die beiden Letzteren eine Ge­fängnißstrafe von anderthalb Jahren. Das Urtheil lautete für Hild auf Freisprechung, für Wolf auf 3 Monate und für Wwe. Jos auf 6 Wochen Gefängniß wegen schwerer Urkundenfälschung und Betrug. Wolf, der die Ehrenzeichen des 70er Krieges auf der Brust trägt und sich für unschuldig erklärt, will Revision gegen das Urtheil einlegen.

Rumpenheim, 3. Juli. Vom Thüringischen Ulanen- Regiment Nr. 6 aus Hanau werden hier seit voriger Woche fast täglich Schwimmübungen mit Pferden über den Main in unmittelbarer Nähe des Schlosses ver- anstaltet. Während seither das Uebersetzen nur in den Eskadronen geübt wurde, fand heute eine großartige Uebung des ganzen Regiments statt, woran sich noch betheiligten: eine Compagnie vom 87. Infanterie- Regiment aus Hanau, ein Bataillon vom 118. Infanterie-

| Regiment aus Offenbach und eine Abtheilung der Bockenheimer Husaren, welch' letztere das Ueberfahren über den Main bewerkstelligten. Von Morgens halb 6 Uhr beginnend wurde der Main theils mit den Pferden durchschwommen, theils mit Pontons überfahren, wobei immer fünf Pferde, von den Mannschaften am Zügel gehalten, hinter den Pantons nachschwimmen mußten. Von der Infanterie wurden die Offenbacher 118er mit der fliegenden Brücke, die Hanauer 87er mit Segeltuchbootcu und Pontons übergesetzt. Am Dienstag Vormittag trafen die Hanauer Ulanen auch mal wieder hier ein, um in den Main zu reiten. Am Flusse aber rissen sich etwa 20 Pferde los und galoppirtcn nach Dörniaheim; von dort vertrieben, wandten sich die scheuen Thiere wieder dem Main zu, kühlten ihren Muth im Bade und kehrten allein zum Stalle in die Hanauer Ulanen-Kaserne zurück. Die Ulanen mit den Sätteln kamen per Bahn nachgefahren.

Frankfurt a. M. Einen entsetzlichen Tod fand heute der Lokomotivheizer Gill aus Homburg v. d. H. auf dem Frankfurter Staats-Güterbahnhof. Gill hatte den Güterzug 784 nach hier gebracht, begleitete seine Maschine auf dem genannten Bahnhöfe, um irgend etwas nachzusehen, seitwärts von der Maschine gebeugt. Gill hat dabei eine zwischen den Geleisen stehende Pfahllaterne nicht gesehen und ist mit dem Kopf an diese gestoßen. Hierbei ist dem Verunglückten eine eiserne Qucrstange, welche an dem Laternenpfahl befestigt ist, in das Gehirn gedrungen. Der Anprall ist so stark gewesen, daß die Laterne umgefallen ist. Von in der Nähe der Unfallstelle beschäftigten Stationsbeamten und Nangirern rc. ist Gill so ort mittelst Tragbahre und einer Lokomotive in das katholische Schwesternhaus, zu Bockcnheim verbracht worden, woselbst er trotz der Hilfe dreier Aerzte gegen 1'/» Uhr Nachmittags verstorben ist. Gill war 36 Jahre alt, aus Gonzenheim bei Homburg gebürtig und hinterläßt eine Frau mit mehreren Kindern.

Frankfurt, 3. Juli. Das Problem der Aluminium- Löthung, das die Techniker lange beschäftigt hat, scheint nunmehr durch Herrn Otto Nicolai in Wiesbaden in vollkommen befriedigender Art gelöst zu sein: Sein im Wesentlichen aus Chlorkadminium bestehende patentirtes Flußmittel verrichtet die Löthung so ausgezeichnet, daß z. B. ein paar sorgfältig geputzte Aluminiumdlechstreifen, , zwischen die man das Salz streut, beim Erhitzen mit der Stichflamme unzerreißbar fest mit einander ver­bunden werden. Die Erfindung wird der Aluminium- Industrie sicherlich einen neuen Impuls geben.

Wiesbaden, 4. Juli. Die Neuvergoldung der fünf Kuppeln der griechischen Kapelle auf dem Neroberge, dieses Schmucksteins im Kranze der Wiesbadener Bau- denkmale, wird nunmehr, nachdem Se. Königl. Hoheit der Großherzog Adolf von Luxemburg die erforderlichen Geldmittel bewilligte und bereits anweisen ließ, in Angriff genommen. Die Vergoldung der Kuppeln ist einem FrankfurterHofoergolder" zu dessen Voranschläge von 53,000 Mk. übertragen worden.

Hersfeld, 5. Juli. Unsere Stadt hat nach dem Ergebniß der Berufs-und Gewerbezählung vom 14. Juni d. J. 7433 Einwohner. Bei der letzten Volks­zählung am 1. Dezember 1890 hatte die Stadt 6681 Einwohner. Die Vermehrung der Bevölkerung in den 4*/s Jahren beträgt demnach mehr als 11 pCt.

Scheuklengsfeld, 4. Juli. Der Dienstknecht Jakob Licht aus Landershausen, welcher des Mordes an der Dienstmagd Elisabeth Bach in Conrode verdächtig und, wie mitgetheilt, in Untersuchungshaft genommen war, ist gestern nach Cassel gebracht worden.

Kleinseelheim, 29. Juni. Eine große Feuersbrunst zerstörte in der verwichenen Nacht die hiesige Holzschneide­fabrik des Herrn Deubel. Das ganze Fabrikgebäude wurde eingeäschert. Für ca. 20000 Mark Holzvorräthe sind ein Raub der Flammen geworden, ebenso eine Anzahl Maschinen.

Schrecksbach, 2. Juli. Der berüchtigte Falschmünzer und Einbrecher Johannes Schlemmer, welcher mit mehreren Genossen durch seine verwegenen Einbruchs­diebstähle wochenlang die ganze Schwalmgegend beun­ruhigte, hat sich am gestrigen Abend in einer Wirthschaft zu Alsfeld, als er sich verfolgt sah und nicht mehr entrinnen konnte, durch einen Revolverschuß entleibt.

Hombressen, 4. Juli. Bei dem furchtbaren Brande, welcher vorgestern unsern Ort heimgesucht hat, ist auch das gesammte Inventar der Bürgermeisterei ein Raub der Flammen geworden. Unter den 30 Gebäuden, welche abgebrannt sind, befand sich auch das Haus des Bürgermeisters Tölle, der erst am Tage vorher sein Amt als Bürgermeister angetreten hatte. Es sei noch bemerkt, daß viel Vieh verbrannt ist und mehrere Besitzer nicht versichert waren.

Lolkmarsen, 4. Juli. Es mag daran gemahnt sein, beim Oeffnen der mit Himbeersaft oder sonstigen Konserven gefüllten und verkorkten Flaschen vorsichtig zu sein, denn bei einer solchen Gelegenheit wäre ein Herr durch den mit Gewalt herausspringenden Propfen beinahe um ein Auge gekommen. Das getroffene Auge verursacht große Schmerzen, die erst allmählich durch anhaltende Kühlungen gelindert wurden. Letzte Woche fand der Landmesser Schüler zu Arolsen in der Lunge eines Rehbocks eine Kornähre, die vollständig mit der­selben verwachsen und ebenso gefärbt war.