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MüchternerMtuns

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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M 49. Mittwoch, den 19. Juni 1895.

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Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser und die Kaiserin werden Mitt­woch in Hamburg am Dammthor-Bahnhof von einer Deputation des Senats, an deren Spitze sich die beiden Bürgermeister Dr. Lohmann und Dr. Möckeberg befinden, empfangen. Die beiden Bürgermeister werden dann das Kaiserpaar auf der Fahrt durch die Stadt nach dem Hafen begleiten. Die Fahrt erfolgt in vierspännigen Galawagen des Senats. Auf einem Theile des Weges, sowie beim Rathhause bilden die in Hamburg, Aliona und Wandsbeck garuisonirenden Truppen Spalier. Auch die Schüler und Schülerinnen der Hamburger Schulen nehmen au d.u verschiedenen Punkten Aufstellung.

Der Kaiser begibt sich Sonntag Abend mittels Sonderzttges nach München, um dort am Montag den Umbau und die Neuordnung der Schack'schen Gallerie zu besichtigen. Die Rückreise nach Potsdam wird an demselben Abend von München augetreten. Der Kaiser wird dort das strengste Inkognito bewahren und in der preußischen Gesandtschaft abstcigen.

Das amtliche Programm für die Festlichkeiten zur Eröffnung des Nordostsee-Kanals lautet: Mittwoch, 19. Juni, 6*|j Uhr Nachmittags Festlichkeiten jder Hansestadt Hamburg. 8 Uhr Abends: Venezianische Nacht auf dem Alster-Bassin. Zwischen 10 und. 11 Uhr Abends Abfahrt sämmtlicher an der Fahrt durch den Nordostsee Kanal thcilnchmenden Gäste. Donnerstag, 20. Juni, 4 Uhr Morgens Beginn der Fahrt durch den Kanal. Nachmittags gegen 3 Uhr Ankunft S. M. JachtHohenzollern" in der Kieler Föhrde. 4'st Uhr: Dcsilircour vor dem Kaiser auf S. M. JachtHohen­zollern". 7 st Uhr: Tafel bei S. M. dem Kaiser für die Fürstlichkeiten. 8 Uhr Abends Ball in der Mariue- akademie. Vereinigung der nicht am Ball teilnehmenden Gäste im Hotel Bellevue. Freitag, 21. Juni, 11 Uhr Vormittags Festakt und Schlußsteinlegung auf ^ dem Festplatz an der Kanalmünduug. Nachmittags 3 Uhr Flottenparade. Fahrt S. 2)5 JachtHohenzollern" durch die Flotten. 8 Uhr Abends Festmahl in der Festhalle am Kieler Ufer des Kanals. Sonnabend, 22. Juni, Vormittags 7 Uhr Flottenmanöver. Nach­mittags von 4 Uhr ab Abreise der Gäste. Au Bord S. M. JachtHohenzollern" werden außer dem Kaiser- paare und dessen Gefolge, in dem sich auch der Marine­maler Saltzmaun befindet, die folgenden kaiserlichen Prinzen wohnen: der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, Prinz Ak albert und Prinz August Wilhelm. An Bord desKaiseradler" wohnen nur bei Prinzregent von Bayern, der König von Sachsen, der Großherzog von Baden und der Großfürst Alexis von Rußland.

Als Zeichen der Erinnerung an die feierliche Eröffnung des Nordostsee-Kanals sind in der Berliner königlichen Münze auf Befehl des Kaisers eine Anzahl Medaillen in Gold, Silber und Bronce geprägt worden, welche an die geladenen Festtheilnehmer vertheilt werden sollen. Auch eine Festschrift wird im Reichsamt des Innern ausgearbeitet.

Die dreiprozeutigen preußischen KousolS notirten am Donnerstag an der Berliner Börse zum ersten Male mit dem Kurse100". Ausgegeben wurden die ersten dreiprozeutigen Konsols 1890 zu 87 Prozent. Die Kurssteigerung ist in der letzten Zeit besonders durch große Nachfrage von Seiten des Privatpublikums herbei jührt, welches endlich in den faulen Ausland-Papieren ein Haar gefunden zu haben scheint.

Wie verlautet, hat sich der Kaiser bereit erklärt, das Protektorat über sämmtliche Berussseuerwehren Preußens zu übernehmen. Es soll aus diesem Anlaß für eine 25jährige Dienstzeit der Feuerwehrmannschafien ein Eh reu kreuz gestiftet und für sonstige außergewöhnliche Leistungen ein besonderer Orden verliehen werden.

Zum Kommando nach Chile hat sich eine große Anzahl preußischer Offiziere aller Waffen gemeldet. Vorläufig beabsichtigte die chilenische Regierung nur 15 deutsche Offiziere 8 der Infanterie, 4 der Kavallerie, 3 der Artillerie in Dienst zu nehmen. Wegen des über Erwarten großen Andranges hat General Körner seine Regierung um Verdoppelung jener Zahl ersucht. Die Offiziere werden ihre Lebensweise ganz als chilenische Offiziere führen: chilenische Uniform tragen größtentheils auch wie die chilenischen O siziere in der Kaserne wohnen und an der Menage theilnehmen.

Kiel. Unvergleichlich schön sind jetzt die Tage an der Kieler Bucht. Alles was in Menschcumacht steht,

geschieht da, um die Gäste würdig zu empfangen, die f Bom Harz. Die Lieferung der Gnirlandm für die zu dem Friedensfeste kommen; aber das Beste hat doch Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals zur Ausschmückung die Natur selbst gethan, die ihre ganze Frühlingsprache der Ufer und der Bauten bei Holtenau ist einer Guir- über diese wundervolle Föhrde und das sie umgebende landcnbindcrei in Harzgerode übertragen. 40 000 Meter schleswig-holsteinische Land ausgebreitet hat. Wenn in ' grüne Gewinde sollen hergestellt werden! Was das

der nächsten Woche die Sonne wie in den letzten Tagen scheint, dann wird der Erfolg dieses einzigen Seefestes glänzend gesichert sein. Alles was in den Tagen vom 20. bis zum 22. geschehen wird, spielt sich auf dem Wasser oder unmittelbar am Wasser ab. Mau kommt zu Wasser, man tauscht die Besuche auf dem Wasser aus und beim Scheiden steigt man von dem Dampfboote in die Eisenbahnzüge. Am Kieler Hafen wohnen mehr als 100 000 Menschen, in den Festtagen wird eine ähnliche Zahl von Menschen auf den Schiffen wohnen, nicht nur auf den Kriegsschiffen, sondern am all den Dampfschiffen und Fahrzeugen, die zu den Festlichkeiten angemeldet sind. Wenn nicht jedem Schiffe und Fahr­zeuge sein fester Anker-und Liegeplatz bestimmt wäre, so müßte das Beisammensein einer so großen Zahl von Schiffen ein chaotisches werden. Hier ist aber alles vor - gesehen, und der ganze ungeheure Apparat wird sich wie ein Uhrwerk bewegen.

Lübeck, 14 Juni. Eine Brandstiftung aus Rache ist aus Marienwalde, einer nur wenige Kilometer von hier entgraten Domäne, zu berichten. Dort kam kurz nach Mitternacht ein furchtbares Feuer zum Ausbruch, welches zwei große Gebäude vollständig in Asche legte. Das große Viehhaus, welches gleichzeitig auch ein Kornschauer und einen Kornspeicher enthielt, sowie das Meiereigebäude und das daranstoßende Maschinenbaus sind gänzlich niedergebrannt. Bei diesem Brande sind 86 Kühe und 2 Bullen ums Leben gekommen. Außer dem auf dem Kornspeicher lagernden Korn von 5 bis 600 Doppeleentnern, welche mitverbrannt sind, ist auch ein nicht unbedeutender Borrath von ungedroschenem Hafer durch das Feuer vernichtet worden. In dem bis auf die Ringmauern niebergebrannten Meicreigcbäude waren sechs Familien untergebracht, die erst im Februar b. J. durch Brand Schaden erlitten hatten. Sie wurden erst das Feuer gewahr, als schon die Flammen Über ihrem Dache knisterten, und konnten nur noch das nackte Leben retten, so daß sie jetzt abermals aller Habe beraubt sind. Versichert sind nur einige von ihnen. Als die Leute durch das fortwährende Pfeifen einer zufällig vorbeifahrenden Lokomotive, deren Führer das Feuer bemerkt hatte, aus dem Schlafe kamen und zur Rettung hcrbciciltcn, war es nicht mehr möglich, die furchtbar brüllenden Thiere aus ihrer entsetzlichen Lage zu befreien. Die Schweine konnten, nachdem auch dieser Stall schon von den Flammen ergriffen, noch rechtzeitig ins Freie gebracht werden. Zum Löschen waren nur zwei Spritzen auf der Brandstelle, die sich selbstverständlich auf den Schutz der anderen Gebäude beschränken mußten. Ein Hofgänger, der gegen zwei Jahre auf dem Gute gearbeitet halte und im vorigen Sommer in Folge von Lohndifferenzen wie man sagt, in Höhe von 8 Mk. die Arbeit dort verlassen hatte, hatte das Feuer angelegt. Noch am Abend zuvor hatte der Unmensch in einem Wirthshause einem ihm bekannten Arbeiter erklärt, er wolle sich wegen der Lohndifferenz von 8 Mark furchtbar an Richclseu rächen. Zum Glück konnte noch in derselben Nacht in unmittelbarer Nähe der Brandstelle der Thäter verhaftet werden. Ein Prozeß um ein faules Ei staub gestern vor dem hiesigen Amtsgericht zur Verhandlung. Schon kürzlich wurde an dieser Stelle berichtet, daß ein hiesiger Handwerker täglich von einem Händler hier ein Ei kaufte. Eines Tages erhielt er nun ein verdorbenes, welches er wieder zurückgab und Ersatz forderte, event. die Herausgabe der fünf Pfennig, da er ausdrücklich verabredet hatte, nur frische Eier kaufen zu wollen. Da sich der Kaufmann, welcher in ähnlichen Fällen früher stets Ersatz geleistet hatte, diesmal weigerte, wohl durch äußere Umstände gereizt, dem Ansinnen zu entsprechen, beschrift der Handwerker den Weg der Klage. Noch ehe ein Urtheilsspruch ge adf wurde, gab der Kaufmann die Ansprüche des Klägers als gerechtfertigt zu und über­reichte seinem Gegner im Termin als Ersatz für das Streitobjekt ein Ei, welches wie er versicherte erst am Morgen in seinem Beisein gelegt worden sei. mithin vollkommen frisch sein müsse. Dem Richter sowie den übrigen der Verhandlung anwohnenden Personen wurde es schwer, bei dieser Szene den nöthigen Ernst zu bewahren.

heißen will, davon kann man sich erst ein Bild machen, wenn man erfährt, daß bereits seit einiger Zeit 240 geübte Frauenhände mit der Binderei eifrigst beschäftigt sind, und daß bei dem Binden 20 Centner Bindfaden verbraucht werden. Die Beförderung der Guirlanden nach Holtenau wird mittelst Sonderzuges, der 10 Doppel- wagen umfassen wird, erfolgen.

Aus Thüringen. Die grausigen Vorgänge in der Zeitzer Zwangscrzlchungsanstaltbeschüftigen noch einmal die Straf­kammer in Naumburg. Bekanntlich hatte diese im vorigen Jahr, als der Zögling Schorf von seinem Kameraden Brechcl erwürgt worden war, diesen zu vier Jahren Gefängniß verurtheilt, weil feine Entlastungs­zeugen, die Zöglinge Hoffmann und Junge, beschworen, die That sei mehr im Effekt geschehen, als Brechcl mit Schorf in Streit gerathen sei und mit ihm gerungen habe Später indessen, als Junge überführt wurde, mit einem anderen Kameraden gemeinschaftlich einen Zögling im Bett erdrosselt zu haben, stellte sich heraus, daß Brechel den Schorf ganz kaltblütig mit einem Hosenträger erwürgt, den Hoffmann ihm zugereicht hatte. Dafür wurde nun jetzt seine Strafe auf 15 Jahre Ge­fängniß erhöht, als das höchste Maß für Mörder unter 18 Jahren; Junge, der Anstifter zu dem Mord an Schorf, konnte dafür keine Strafe erhalten, weil er schon wegen des Meineids und des zweiten Mordes das höchste Strafmaß von 15 Jahren erreicht hat; Hoff- manns Strafe, der wegen des Meineids schon zwei Jahre Gefängniß erhalten hatte, wurde auf 5 Jahre erhöht.

Neisse. Bei einer Schießübung der beiden in Neisse garnifonirenben Bataillone des 63. Infanterie-Regiments ist ein bedauerlicher Unfall vorgefallen. Ein Soldat schoß, anstatt blinbgclaben, mit fdjarer Patrone; die Kugel durchbohrte zwei Maskctirc Namens Anz und Lorek. Die Beiden sind trotz sofortigen operativen Ein­griffs ihren Verletzungen erlegen. Der unglückliche Schütze wurde sofort verhaftet. Eine Durchsuchung seiner Patronentasche ergab, daß er neben blinden Patronen auch vier scharfe bei sich führte, die er aus Versehen nicht abgegeben hatte.

Ausland.

Newyork, 16. Juni. Eine entsetzliche Katastrophe ereignete sich heute bei einer Explosion des Dampfkessels von Langleys Sattel abrik in Fall Rwer, Staat Massachusetts. Das Gebäude wurde von der Gewalt der Explosion vollständig zertrümmert und 43 Arbeiter, meistens Frauen, unter den stürzenden Balken und Eisenträgern begraben. Das in dem Trümmerhaufen ausbrechende Feuer schnitt jede Hilfe von außen fast vollständig ab, so daß acht Frauen lebendig verbrannten und viele entsetzlich verstümmelt und verletzt wurden. Die Szenen auf der Unglücksstätte, wohin die Ange­hörigen der Verunglückten eilten, waren herzzerreißend viele der Mütter von den Fabrikmädchen stürzten schreiend auf dem Platze in Krämpfe, andere konnten nur mit Mühe von der Feuerwehr zurückgehalten wer­den, sich in die brennenden Gebäudetrümmer zu stürzen.

Lokales und Provinzielles.

* Schluchtern, 18. Juni.

* Die Temperatur der letzten Tage war eine (für diese Jahreszeit wenigstens) außergewöhnlich niedrige; das Thermometer fiel während der Nächte bis auf 3 Grad R.! Auf besonders exponirten -stellen soll Mor­gens gar Reif gelegen. Im Allgemeinen war das Wetter so unbehaglich fröstelnd, daß nicht selten Feuer in den Wohnungen augemacht wurde.

* -- Bei der am Sonntag vorgenommenen Wahl zur Kreiöcommission wurden vom Handels- und Ge- wcrbevcrein die Herren Ferd. Fenner, Ludwig Hafner und Viktor Wolf aus Schlüchtern gewählt.

* In dem gestern abgehaltcneu Kreistage wurde folgendes beschlossen: Nach längerer Debatte wurde der Antrag des Kreisausschusscs betreffend die Au nähme eines Darlehns zur Höhe von 30,000 Mk. zu 32'3 pEt. Zinsen und 2°/o Abtrag aus der hiesigen Kreissparkasse zur Ausführung des Baues des hiesigen