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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Samstag, den 11. Mai

1895.

Deutsches Reich.

Berlin, 8. Mai. Der Kaiser hörte am Mittwoch früh den Bortrag dcs Chefs des Civilkabmets, stieg sodann zu Pferde und begab sich nach dem Bornstedter Felde, wo er das Garde-Jägerbataillon, das Lehr- Jnfanteriebataillon und die Umeroffizierschüler aus Potsdam besichtigte. Nach der Besichtigung kehrte der Monarch nach dem neuen Palais zurück und erledigte Regierungsgeschäfte. Der neue russische Botschafter Graf Osten-Sacken wurde sodann vom Kaiser in feier­licher Antrittsaudienz empfangen. Zur Feier des Geburtstages des Prinzregenten Albrecht von Braun- schweig fand Nachmittags ein Diner statt, zu welchem zahlreiche Einladungen ergangen waren.

Im Alter von 82 Jahren ist der General-Oberst der Infanterie, v. Pape, bis vor Kurzem Gouverneur von Berlin und Oberbefehlshaber in den Marken, gestorben. Im Feldzuge 1866 erwarb er sich den Orden pour le mörite. Im Kriege gegen Frankreich führte er die erste Garde-Jnfantcrie-Division und zeichnete sich in den Schlachten bei St. Privat, Sedan, und bei der Einschließung von Paris aus. Pape war u. A. Ritter des Schwarzen Adler-Ordens und des Eisernen Kreuzes 1. Klasse.

Staatssekretär von Stephan erließ eine Dank­sagung für die anläßlich der Bollendung seiner 25 jährigen Amtsthätigkeit von Behörden, Korporationen Vereinen und weiten Kreisen der Bevölkerung, sowie von deutschen Landsleuten des Auslandes übermittelten Glückwünsche und sonstigen Zeichen freundschaftlicher Theilnahme. Der Staatssekretär ist sich wohlbewußt, daß, wenn seine Bestrebungen von einigem Nutzen für das Gemeinwohl gewesen sind, der Haupttheil daran lediglich der großen Zeit zufalle, die wir durchlebt haben, in welcher der germanische Geist wiederum seine mächtigen Schwingen als historischer Träger einer kulturhistorischen Mission entfaltete. Auch an die Be­amten und Unterbeamten der Reichspost- und Tele- graphen-Verwaltung richtete der Staatssekretär eine Danksagung.

Ueber den durchschnittlichen Miethwerth einer Familienwohnung, wie sich derselbe nach der letzten Gcbüudesteuerrevision in den verschiedenen Landestheilen ergeben hat, finden sich Mittheilungen in einer Denk­schrift, welche der Finanzminister dem Abgeordnetenhause hat zugehen lassen. Danach berechnet sich der durch­schnittliche jährliche Miethaufwand für eine zu fünf Köpfen angenommene Familie in Berlin auf 684 Mk., in der Provinz Hessen-Nassau in den Städten auf 470, auf dem platten Lande auf 74 und in beiden zusammen auf 230 Mark, in der Rheinprovinz auf 326, 88 und 196 Mk, in Schleswig-Hotstein auf 309, 110 und und 190 Mk., in Brandenburg auf 249, 117 und 169 Mk in Sachsen auf 261, 91 und 168 Mk, in Hannover auf 301, 81 und 148 Mk., in Wcst'alen auf 220, 95 und 140 Mk., in Pommern auf 252, 58 und 128 Mk., in Schlesien auf 276, 59 und 125 Mk., in Westpreußen auf 224, 48 und 100 Mk., in Ost­preußen auf 234, 44 und 91 Mk. und in Posen auf 210, 41 und 90 Mk.

Königsberg. Der Artillerist Julius Titz, Sohn eines Arbeiters aus Wormditt, ist, wie die Wormditter und Ermländische Zeitung übereinstimmend berichten, in seiner Garnison Königsberg in Preußen standrechtlich erschossen worden. Die Ursache seiner kriegsgerichtlichen Berurtheilung zum Tode soll die Ermordung eines Vor­gesetzten gewesen seiu. Titz ist früher wiederholt fayuen- flüchtig gewesen.

Kiel. Das große Diner, das der Kaiser am 19. k. M. bei der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals in HoUenau gibt, wird vom Hoflieferanten F. W. Borchardt in Berlin geliefert, der dafür die Pauschal­summe von 100,000 Mk erhält. Dafür hat er 1000 bis 1200 Personen zu beköstigen. Es werden ihm vom Marineamt drei Küchen mit kupfernem Jventar ein­gerichtet, sowie Tische und Stühle geliefert. Der Verein Berliner Köche stellt ihm 42 Köche und 2 Oberköche. Als letztere fungiren ein früherer Koch des Königs von Hannover und der Neffe des pensionirten Hof- küchenmeisters E. Bernard gleichen Namens, früher im Hamburger Hof" in Hannover. Die Kellner stellt das Marineamt von der Kieler Infanterie. Bei dem großen Festmahl kommen etwa 100 Mk. Kosten auf die Person. Bei dem Kaiser-diner, welches die Stadt,

Hamburg am 8. t. M. giebt, rechnet man 800 Couverts. Da es in fünf verschiedenen Räumen des neuen Rath­hauses zugleich stattfindet, kostet die Bedienung (40 bis 50 Köche, ca. 200 Kellner) 11 l2,000 Mk. Die Kosten für Wein sind mit 3132000 Mk. veranschlagt. Dazu kommen die Ausgaben für neues Inventar, Wäsche, Gläser, Porzellan, Silberzeug, Küchengeschirr rc. und Nahrungsmittel. Die Sache dürfte also für Hamburg ziemlich kostspielig werden, kostspieliger als für Kiel, das auch ein Festessen.gibt.

Hannover, 4. Mai. Am Mittwoch fand in dem Dor,e Küsten einmal wieder eine der großen Hochzeiten statt, wie sie hier noch ab und zu abgehalten werden. Es war die Hochzeit des Hofbesitzers und Gastwirths W. Schulz mit der Tochter des Hofbesitzers Saucke aus Lübeln. Es waren etwa 500 Gäste geladen; die Trau­ung mußte, weil die küstener Pfarre zur Zeit unbesetzt ist, in Plate stattfinden. Gegen 50 Wagen waren erforderlich, um den Hochzeitszug zUrKirche zu bringen. Selbstverständlich fehlten die üblichen Borreiter nicht. Bei der Hochzeit wurden 2 Ochsen, 5 Schweine, 6 Kälber und vieles Geflügel sowie mehrere Hundert Kuchen verzehrt.

In der Hirschschen Fabrik in Gern wurde ein 18 Jahre alter Arbeiter erwischt, als er zwischen das Getriebe einer sehr werthvollen Maschine ein Eisenstück gelegt hatte, das ihre erhebliche Beschädigung zur Folge hatte. Der Wunsch des Arbeiters, dadurch ein paar Tage bummeln zu können, ging nicht in der erhofften Weise in Erfüllung. Die ersehnte Freiheit mußte er mit einem Aufenthalte im Gefängniß vertauschen. Bei dem Abbruch eines alten Hauses in Hohenstein fanden Erdarbeiter mehrere gut erhaltene menschliche Skelette, einen Fingerring und eine Anzahl Münzen aus dem 17. und 16. Jahrhundert, sowie unter dem vermeintlichen Fundament noch mehrere ausgemauerte Räume, die weder der Hausbesitzer noch sonst jemand kannte. Das Haus war über 300 Jahre alt.

Bamberg, 5. Mai. Wiederholt ist in der letzten Zeit das für die Mannschaften des 5. Jnf.-Regiments gelieferte Commisbrot beanstandet und zurückgewiesen worden, weil dasselbe aussah, als ob es nicht ordentlich ausgebacken wäre und weil es auseinander fiel. Eine genaue Untersuchung hat nun ergeben, daß den be­treffenden Bäckermeister keinerlei Schuld trifft, daß viel­mehr die Ursache der schlechten Beschaffenheit des Brotes darin zu finden ist, daß das dem Militär gelieferte Mehl wahrscheinlich von einer beregneten Frucht stammt und mindestens zwei Jahre alt ist, wodurch der größte Theil des Klebestoffes verloren gegangen ist, was natür­lich auf die Qualität des Brotes verschlechternd wirkt.

Hammelburg, 4. Mai. Reges Leben herrscht in unserem Städtchen sowohl, wie in der ganzen Umgegend. Der Fuhrwerkverkehr auf den Straßen ist von bisher ungeahntem Umfange. Die Arbeiten auf dem Truppen- Uebungsplatze nehmen einen raschen Fortgang; es werden aber immer noch Leute zu den verschiedensten Arbeiten gesucht. Ende dieses Monats beginnen die großen Uebungen.

Ausland.

Ostasien. Die freundschaftlichen Vorstellungen, die Deutschland, Rußland und Frankreich den Japanern gegen­über erhoben hatten, haben einen guten Erfolg gehabt. Japan hat in St. Petersburg, Paris und Berlin eine offizielle Anzeige überreichen lassen, daß es auf den Besitz der Halbinsel Liao-Tong einschl. Port Arthur's definitiv verzichtet hat. Diese weise Mäßigung des Siegers wird nicht verfehlen, Japan auf's Neue die Sympathie«! der Kulturvölker zuzuwenden. DaS kriegerische Drama in Ostasien dürste mit dieser Wendung der Dinge seine Schlußszene erreicht haben. Die Kodifikation des Friedensvertrages in der neuen erleichterten Form wird nun von China wohl kaum noch verzögert werden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 10. Mai.

* Ernannt wurden die Rentmeister Loben in Neuhof, Fülling in Lichtenau, Hormel in Jesberg, Gimbel in Sontra, Bindheim in Neukirchen, Kieselbach in Gers'eld, und Mathaei in Reichensachen zu Rc- gicrungssekretären bei der Königlichen Direktion für die direkten Steuern in Berlin. Beauftragt wurden die Vollziehungsbeamten Henkel in Gelnhausen, Mensler in Wolfhagen, Heid in Cassel, Lübbars in Hofgeismar, Stutenroth in Rotenburg, Ziegler in Hanau, Dicht in I

Kirchhain, Rotte in Schmalkalden, Dittmann in Mar­burg, Lohmann in Rinteln, Herbort in Melsungen, Lorenz in Frankenberg, Brill in Eschwege, Staab in Schlüchtern und Hil-svollziehungsdeamter Thoene in Witzenhausen mit den Beitreibungsgeschäften der Kreiskassen an den genannten Orten, Günther in Fulda bei der Kreiskasse daselbst und in Gersfeld, Schwalm in Hersfeld bei der Kreiskasse daselbst und in Hünfeld, Würtzer in Homberg bei der Kreiskasse daselbst und in Fritzlar und Jericho bei der Kreiskasse in Ziegenhain einschließlich des Bezirks der Steuerkasse Jesberg bis zu deren Wegfall. Entbunden wurden die Voll­ziehungsbeamten Wenderoth in Cassel, Adler in Fritzlar, Flinner in Grebcnstein, Baeße in Hanau, Wiegand in Rauschenberg, Prtzschke in Sontra und Ochs in Wächtersbach, die Hülfsvollzichungsbeamten Schlewitz in Rodenberg, Kocbrich in Hess- Lichtenau, Dohme in Hess. Oldendorf, Schmidt in Hilders, L i e s e n f e l d in Neuhof bezw. Gersfetd, Peter in Neukirchen, Ehmer in Orb und Schulz in Steinau von ihren bisherigen Amtsgeschäften. Versetzt wurde der Rentmeister Eckhardt in Wächtersbach nach Berlin als Bürcau- beamter I. Klasse bei der Ministerial-, Militär- und Baukommission.

* Nach dem im heutigen Kreisblatt veröffent­lichten Rechnungsauszug der hiesigen Kreisspar- und Leihkasse für 1894 hat die Kasse umgesetzt 1193 488 Mk. 7 Pfg. und einen Reingewinn von 5317 Mk. erzielt. Die Aktiven betragen 1669 000 Mk., die Passiven 1616 457 Mk., der Reservefonds 52 544 Mk. An Spareinlagen sind der Kasse zugcflossen 259147 Mk. und abgehoben 227715 Mk. Ziehen wir die weiteren öffentlichen Stadtsparkaffen in Schlüchtern und Sal- Münster, den Vorschußverein in Steinau und die 17 Darlehnskasfeu-Vereine des Kreises in Betracht, so können wir b* r Umsatz bei diesen Spar- und Credit- Anstalten wohl auf einige Millionen im Jahre schätzen, ein Zeichen, daß der Kreis Schlüchtern doch wohl nicht so arm ist, wie wir uns hier und da sagen lassen müssen. Wir wollen wünschen und hoffen, daß sich alle diese Kassen kräftig weiter entwickeln und mit der Zeit in jedem Hause, bei jedem Gehülfen und Gesellen, Knecht und Magd ein Sparkassenbuch vorzufinden ist, dann wird nicht allein im Handwerk, Gewerbe und Landwirthschaft, sondern in allen Ständen Zufriedenheit einkehren.

Jnvaliditäts- und Alltersvcrsicherung. Während der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende März 1895 sind von versicherten Personen des Kreises Schlüchtern durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern im Ganzen 111 Anträge auf Bewilligung von Altersrenten gestellt worden. Davon kamen bis Ende März 1895 zur Erledigung: 73 durch Festsetzung des Renteuanspruchs, 37 durch Ablehnung, 1 durch den während des Verfahrens eingetretenen Tod des Antragstellers. Die bewilligten Altersrenten betrugen: in 1891 für 23 männliche und 8 weibliche Personen, zusammen jährlich 3 535,80 Mk., in 1892 für 15 männliche und 3 weibliche Personen, zusammen jährlich 2 208 Mk, in 1893 für 8 männliche und 3 weibliche Personen, zusammen jährlich 1,266 Mk, in 1894 für 9 männliche Personen, zusammen jährlich 1077 Mk., in 1895 im 1. Vierteljahr für 3 männliche und 1 weibliche Person, zusammen 462,60 Mk., mithin in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende März 1895 8 549,40 Mk. Von den 73 Rentenempfängern sind bezw. waren beschäftigt: 43 in der Land- und Forst­wirthschaft, 9 in der Industrie, 8 durch Lohnarbeit wechselnder Art, 8 im StaatS- rc. Dienste, 5 im Gesindedienste. Ende März 1895 blieben, nach Abgang durch Tod, noch 53 Altersrenten mit zusammen 6645 Mk. zu zahlen. Die Zahl der in der Zeit vom 23. November 1891, von welchem Tage ab gesetzlich zuerst Anspruch auf Jnvalidenreute erhoben werden konnte, bis Ende März 1895 durch Vermittelung des Königlichen Landrathsamtes in Schlüchtern gestellten Anträge auf Bewilligung von Invalidenrenten beträgt 55. Davon kamen bis Ende März 1895 zur Er­ledigung: 26 durch Festsetzung d.s Rentenanspruchs, 25 durch Ablehnung, 3 auf sonstige Weise. Die fest­gesetzten Invalidenrenten betrugen für 21 männliche und 5 weibliche Personen im Ganzen jährlich 3067,80 Mk. Von diesen Personen waren beschäftigt: 14 in der Land- und Forstwirthschaft 7 in der Industrie,