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SchlWemerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

H Mittwoch, den 8. Mai 1895.

Das Petroleummonopol.

Was von Blättern, die nicht mit der Börse verwandt und verschwägert sind, seit Jahren vorausgesagt wurde, ist jetzt eingetreten oder steht doch unmittelbar bevor: Das Weltpetroleummonopol. Die Haus­frauen sind durch die jüngste Preissteigerung des Petroleums auf's Unangenehmste überrascht worden. Wer aber die Entwickelung auf dem Petroleummarkte etwas näher verfolgte, konnte sich höchstens über den Zeitpunkt wundern, in welchem die Preistreiberei in Petroleum ihren Anfang nahm: der Beginn der guten Jahreszeit, in der verhältnißmäßig wenig Petroleum gebraucht wird, scheint zunächst für die Preistreiber schlecht gewählt zu sein, indessen kommen hier wohl noch andere Momente in Betracht, die sich jetzt noch nicht völlig übersehen lassen.

Immer mehr ist m den letzten Jahren die Petroleum­produktion in die Hände dreier großen Gesellschaften übergegangen: der Rothschild- und der Nobel- Gesellschaft in Rußland (Kaukasien) und der von Rockefeller geleiteten Standard Oil Company in Nordamerika. Das Vorgehen der letzteren ist besonders bemerkenswerih. Nach den Zahlen, die der russische Finanzminister veröffentlicht, stellte sich auf den amerikanischen Werken ein Faß Rohöl Ende 1892 auf 53 '/* Cents, 1893 auf 78 % 1894 auf 91* 2 und im Februar 1895 auf 1043/s Cents. Das Rohöl ist also seit 1892 ständig gestiegen, während die Standard Company bis zu der jüngsten plötzlichen Preissteigerung die Preise für raffinirtes Oel ständig ermäßigte. Wie menschenfreundlich von Herrn Rockefeller: das Rohöl stieg, und trotzdem verkaufte er von Jahr zu Jahr das rcsifinirte Oel billiger! So überwältigend menschenfreundlich, daß darob fast alle seine amerikanischen Konkurrenten in's Gras beißen mußten! So lange mit großen Verlusten zu arbeiten, dazu waren die kleineren Gesellschaften nicht kapitalkräftig genug, zumal Herr Rockefeller noch manches andere, allerdings weniger menschenfreundliche Mittel anzuwenden wußte, um seinen Konkurrenten das Leben sauer zu machen Mittel, die Herrn Rockefeller über das, was andere Leute Gewissen" nennen, erhaben erscheinen lassen. In Amerika ist nun Herr Rockefeller fast noch allein auf dem Kampfplätze geblieben; seine Konkurrenten sind todt bis auf ein paar, die an der Herrscherstellung der Standard-Company nichts zu ändern vermögen.

In Deutschland wurde ganz ähnlich der Petroleum­handel immer mehr in Abhängigkeit von der Standard- Company gebracht. Eine Tochtergesellschaft der letzteren, die deutsch-amerikanische Petroleumgesellschaft, hat auch hier die Methode befolgt, fort und fort ihre Konkurrenten zu unterbieten, und außerdem, abgesehen von ihrer Centralstelle in Bremen, in einer Unmenge von Städten bis zu den kleinsten herab größere oder kleinere Niederlagen errichtet. In der That haben sich denn auch bisher nur zwei Konkurrenten (Phil. Poth in Mannheim und Rassow, Jung u. Co. in Bremen), die von den noch bestehenden unabhängigen Raffineuren beziehen, zu behaupten vermocht.

Wie Rockefeller in Amerika, so haben Rothschild und Nobel in Rußland erst alle Konkurrenten beseitigt und sich dann zusammen gethan. Nun bleibt nur noch übrig, daß sich beide auch mit der Standard Company vereinigen, dann ist das Weltpetroleummonopol fertig, und die monopolisttschen Milliardäre können die Petroleumpreise nach Belieben in die Höhe schrauben, d. h. die gesammte Kulturmenschheit auswuchern. Frei­lich legt ihnen die Rücksicht auf die Konkurrenz des Gases und der Elektrizität ein gewisses Maßhalten auf, aber die Grenzen sind weit genug, um den Petroleum­königen einen enormen Profit zu gestatten.

Ist nun der amerikanisch-russische Ring bereits fertig oder steht seine Bildung erst bevor? Die ungeheure Preissteigerung deS Petroleums macht das erstere sehr wahrscheinlich, und dazu kommt noch, daß die Standard- Company ihre Verschiffungen nach Asien eingestellt hat, was auch auf eine Verständigung mit den russischen Gesellschaften schließen läßt. Aber sollte auch der amerikanisch-russische Petroleumring heute noch nicht perfekt sein, so ist doch mit Sicherheit zn erwarten, daß es nächstens dazu kommen werde. Und was dann? Läßt sich von Staatswegen etwas gegen den Petroleum­wucher thun? Manche fordern dies, aber ein Mittel dazu geben sie nicht an. Wir glauben, daß das einzige

Mittel, um den Monopolisten gründlich das Handwerk i Funktion. Die jüngeren Rentmeister werden theils zu legen, die Einschränkung des Petroleumsverbrauchs als Steuersecretäre bei der Verwaltung der direkten wäre. Den Gas- und Elcktrizitätsgesellschasten wäre Steuern in Berlin, theils als Steuersecretäre bei den

hier eine gute Gelegenheit gegeben, um durch Erleichterung und Verbilligung des Bezugs ihrer Leuchtkraft dem Petroleum sehr viel Boden abzugewinnen. Jedenfalls hoffen wir, daß auch die Bäume der Petroleumwucherer nicht in den Himmel wachsen werden.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser begab sich Freitag Nachmittag in den Reichskanzler-Palast, um daselbst einen längeren gemeinschaftlichen Vortrag des Reichskanzlers und des Staatssekretärs desAuswärtigenAmts entgegenzunehmen. Der Kaiser wird in diesem Sommer nicht die Nord­see, sondern die Ostsee bereisen und auch Stockholm besuchen.

Fürst Bismarck läßt in denHamburger Nach­richten" folgendes Dankschreiben veröffentlichen:Aus allen Theilen Deutschlands und von Deutschen und Fremden im Auslande, namentlich von Bürgern der Vereinigten Staaten Amerikas, sind mir zu meinem Geburtstage so viele Glückwünsche zu­gegangen, daß ich zu meinem lebhaften Bedauern nicht im Stand bin, jedem Einzelnen dafür zu danken. Ich bitte deshalb meine Freunde, für ihre wohlwollende Begrüßung und Wünsche meinen herzlichen Dank in dieser Veröffentlichung entgegen zu nehmen, und ver­binde damit den Ausdruck der Hoffnung, daß sie das Ausbleiben einer fchriftlchen Antwort entschuldigen werden.

Die Umsturzvorlage kann nun in der Fassung, wie ihr sie die Kommission gegeben hat, als gescheitert angesehen werden, nachdem die Freikonservativen be­schlossen haben, gegen dieklerikalisirte" Umsturzvorlage zu stimmen und nur, wenn möglich, die beiden Para­graphen zum Schutze der Disziplin im Heere zu retten. Damit ist es für das Centrum und die Konservativen aussichtslos geworden, im Plenum des Reichstags eine Mehrheit zusammenzubringen.

Die Maifeier ist in allen deutschen Städten, soweit bisher bekannt, rilhig verlaufen. Das gleiche wird gemeldet aus Wien, Rom, Paris u. s. w. In Wien wurden Resolutionen angenommen, die das all­gemeine direkte Wahlrecht, den Achtstundentag und Preßfreiheit fordern.

* Nach der dem Abgeordnetenhause zugegangenen Denkschrift über bi? zweite Revision der Gebäudcstcuer- Veranlagung beläuft sich die Steuer auf 46,000,000 M. Bei Erlaß des Gesetzes wegen Aufhebung der direkten Staatssteuer war der Betrag des für die Staatskasse erwachsenden Ausfalles auf 43,000,000 Mk. an­genommen. Er ist thatsächlich also um 3,000,000 Mk. höher gewesen. Da für die Kommunalbesteuerung die Gcbäudesteuerfreiheil nur auf das Jahr der Vollendung von Neubauten sich erstreckte, während der Staat weitere zwei Jahre Steuerfreiheit gewährte, und da weiter die Bestimmungen deS Kommunalabgabengcsctzes über Steuerfreiheit einen Mehrertrag von 1,000,000 Mk. bedingen, so gibt die Summe von 46,000,000 Mk. auch noch nicht den vollen für die Kommunalbesteuerung ver­fügbaren Betrag der Gebäude-Steuer an; derselbe wird sich vielmehr auf 51,000,000 Mk. belaufen.

* Eine Staiistik über Steuerhinterziehungen in Brantweinbrennereien wird in der Zeitschrift des Deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Ge­tränke" veröffentlicht. Danach sind wegen dieses Ver­gehens im Branntweinsteuergebiet von 1890,91 bis 93,94 nicht weniger als 4763 Verurtheilungen erfolgt, darunter 48 zu Freiheitsstrafen; wegen bloßer OrdnungSwidrigkeiten haben 17764 Verurtheilungen stattgefunden. Die hinterzogenen Steuerbeträge beliefen sich auf 1,090,019 Mark, die DefraudationSstrafen auf 5 '/< Millionen Mark, die Ordnungsstrafen auf ^4 Million Mark. Die allermeisten dieser Vergehen und Bestrafungen entfallen auf Ostdeutschland; allein in den vier Provinzen Ost- und Westpreußen, Posen und Schlesien sind in den 14 genannten Jahren 4366 Verurtheilungen und Geldstrafen im Gesammtbetrage von 4^ Millionen Mark erfolgt, die hinterzogenen Steuerbeiträge beliefen sich auf 880,000 Mark.

* Die durch Einführung der neuen staatlichen Kreiskassen disponibel gewordenen Königlichen Rent­meister treten vom 1. Juni dieses Jahres ab außer

Einkommensteuer-Veranlagungs-Commissionen weiter be­schäftigt. Die Steuersecretäre, welche im Range den Königlichen Rentmeistern und Kreissecretären gleich stehen, bilden in Zukunft eine besondere Beamten- Kategorie, welche in Folge Einführung der neuen Einkommen- und Ergänzungssteuer geschaffen worden ist.

* Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat durch Erlaß vom 22. April d. J. bestimmt, daß die Prüfung der Fahrkarten an den Ein- und Ausgängen der Stationen und die hierdurch bedingte Absperrung der Bahnsteige für den allgemeinen Verkehr am 1. Oktober d. J. auf den sämmtlichen hierzu in Aussicht genom­menen, in dieser Beziehung rückständigen Hanptbahn- strecken und wichtigeren Nebenbahnen eingeführt wird. Dabei soll eine etwaige frühere Einführung dieser Maß­regel, auf einzelnen Strecken, insbesondere in den west­lichen Direktionsbezirken, nicht ausgeschlossen sein, sofern hierdurch Vereinfachungen und Ersparnisse in der Ver­wendung des Zugbegleitpersonals herbeigeführt werden. Gleichzeitig soll dafür Sorge getragen werden, daß die Namen der Stationen in reichlicherem Maße angebracht werden, damit die Reisenden, welche bei der neuen Art der Fahrkartenprüfung mehr wie seither auf sich selbst angewiesen sind, dieselben vom Zuge aus erkennen können.

Die preußischen Minister des Innern und für Handel und Gewerbe haben bekanntlich kürzlich, um eine feste Grundlage für die Beurtheilung der gegen­wärtigen Arbeitsvermittelung, ihrer Mißstände und der Art ihrer Verbesserung zu gewinnen, eine Aufnahme nach dem Stande vom 31. Dezember 1894 angeordnet, und zwar 1. aller gewerbsmäßigen Gesindevermiether und Stellenvermittler, 2. aller übrigen Arbeits- und Stellennachweisanstalten. Hierzu wird derVoss. Ztg." geschrieben: Durch ministeriellen Erlaß vom 31. Juli 1894 wurde für Städte mit mehr als 10,000 Ein­wohnern die Errichtung von Arbeitsnachwciseburcaus empfohlen, die in einer organischen Verbindung mit einander und mit den für die Arbeitsvermittelung auf dem Lande bestehenden Vereinen treten sollen. Das, was inzwischen in der Sache geschehen ist, hat sich als ungenügend erwiesen und es handelt sich jetzt darum, Ein­richtungen zu treffen, um die Arbeitsnachweise und daS Arbeitsangebot in den verschiedenen Orten und Gegenden auszngleichen. Die Regierungspräsidenten sind zu Vorschlägen aufgefordert worden, gleichviel ob die letzteren auf dem Verwaltungswege oder auf dem Wege der Gesetzgebung auszuführen sind. Wenn auch eine Be­seitigung der gewerbsmäßigen Stellenvermittelung nicht beabsichtigt ist, so dürfte doch eine Beschränkung geplant werden, da mehrfach Gesindemackler sich nicht als zu­verlässig erwiesen haben, und hierauf insbesondere der in letzter Zeit vielfach bemerkbar gewesene Rückgang der Qualität der landwirthschastlichen Arbeiter zurückgeführt wird. Ucbrigens ist es nicht ausgeschlossen, daß man im Reiche mit Einrichtungen zur Vermittelung von Nach "rage und Angcbot der Arbeit Vorgehen wird.

Eisleben, 4. Mai. Am 1. d. Mts. ist etwa 400 in unserer Stadt wohnenden Bergleuten der Mansfelder Gewerkschaft gekündigt worden, so daß sie am 15. d. Mts. arbeitslos werden. Weitere Kündig­ungen sollen noch in sicherer Aussicht stehen.

Köln. Ein Todschlag mit grausigen Nebenumständen fand gestern vor dem Schwurgericht in Köln sein gerichtliches Nachspiel. Fünf Ziegelarbeiter überfielen in der Nacht zum 9. Februar d. I. einen Kollegen, mißhandelten denselben mit Stöcken und Lederriemen zu Tode, luden ihn auf einen Karren und schoben diesen mit der Leiche in einen brennenden Ringofen. Am anderen Morgen wurde die verbrannte Leiche von Arbeitern aufgefunben. Wie ein Privat-Telegramm meldet, erkannte das Schwurgericht gegen die Thäter auf Zuchthausstrafen von sechs bis zu fünfzehn Jahren. Vor etlichen Tagen ging durch die deutschen Blätter ein Artikel üb.r Größen auf der Schulbank; vorzugs­weise hatte Ostpreußen Schulknaben von ungewöhnlicher Körperlänge aufzuweisen. Demgegenüber theilt dem Köln. Tgbl." ein Bäckermeister aus Kendenich bei Köln mit, daß sein 13jähriger Sohn 1 Meter 82 Clm. mißt und bei ziemlicher Magerkeit ein Gewicht von 70 Kilogramm hat. Alle Achtung.