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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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M 36. Samstag, den 4. Mai 1895.

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Ein neuer Feind der deutschen Landwirthschaft.

DieFuldaer Zeitung" bringt in ihrer vorletzten Nummer nachstehenden, .in Rücksicht auf die projektiere Molkerei in Schlüchtern sehr beachtenswerthen Artikel:

Mehr als bisher wird gerade heute in landwirth- schaftlichen Kreisen mit Recht lebhafte Klage über den Niedergang der Futterpreise, selbst der besten SorteTafelbutter", geführt. Durch die Zeitungen ging jüngst eine Notiz aus Eleve am Niederrhein, wo nach am dortigen Markte die Tafelbutter mit 72 Pfg. pro Pfund bezahlt wurde, während geringe Sorten gar nur zum Preise von 60 Pfg. Abgang fanden.

Woher kommt diese kaum je vorher gekannte Nieder- drückung eines landwirthschaftlichen Prduktes, das in weiten bäuerlichen Kreisen eine Hauptstütze der Existenz mit ausmacht?

Wie dieNeuß Grevenbroicher Ztg." schreibt, handelt es sich umaustralische Butter".

Das Hauptabsatzgebiet dieses Artikels ist seither England gewesen, dessen Buttermarkt er vollständig beherrscht. Vor uns liegt so schreibt das genannte Blatt eine Ein'uhrstatistik der australischen Butter aus demJahre 1893)94, nach welcher 12,781,720 Kilo nach Großbritannien eingeführt wurden, und es wird uns aus bestunterrichteter Quelle versichert, daß im letzten Jahre sich diese immense importirte Buttermasse noch um etwa 5 pCt. gesteigert hat. Im Januar und Februar allein landeten in England u. A. 3 Schiffe, welche rund 59,000 Centner australischer Butter mit sich führten.

Eine mit Riesenkapital ausgestattete Gesellschaft be­sorgt diesen Butterimport durch besonders gebaute Schiffe, welche durch ihre Eiseinrichtungen wirksam der Wärme des Aequators, den sie durchkreuzen müssen, widerstehen. In England findet die Butter in großen Eishäusern beste Unterkunft, bis sie von dort aus direkt in den Handel gebracht wird.

Aber, so könnte der, welcher mit den genaueren Verhältnissen nicht näher vertraut ist, fragen, was geht unsere deutsche Landwirthschaft der englische Butter- markt an?

Nach zwei Seiten hin sehr viel, ist die Antwort. Vorab war die deutsche Landwirthschaft bisheran in der glücklichen Lage, zu dem großen englischen Butter­konsum eine ganz erhebliche Menge beitragen zu können. Durch die australische Konkurrenz, welche bei guter Qualität eine niedrige Bezahlung nur verlangt, sind unsere deutschen Butterproduzenten aber dort ganz aus dem Felde geschlagen, wodurch für manche Gegend ein sehr lohnendes Absatzgebiet unterbunden worden ist.

Dann aber kommt die direkte Konkurrenz der australischen Butter auf deutschem Gebiete. Es ist in den beiden letzten Jahren so viel dieses Produktes nach England eingeführt worden, daß der dortige Ver­brauch weit überlegen ist, und in der Folge die englischen Unternehmer nach anderen Ländern, so auch nach Deutschland, weiteren Absatz sich sichern mußten und fanden.

Im letzten Winter wurde über Hamburg die erste bemerkenswerthe Einfuhr australischer Butter nach unserem Vaterlande besorgt und zwar schon in nicht zu unterschätzenden Quantitäten, wenn auch das Ganze nur als ein kleines Vorspiel gelten darf, falls nicht bald energische Vorkehrmaßregeln deutscherseits getroffen werden.

Gegen die Qualität der australischen Butter läßt sich nichts einwenden; sie ist tadellos, wenn eS sich Nicht, wie bisher, um Rückstände der englischen Lager­häuser handelt, die man uns Deutschen vorsetzt.

Der Preis schwankt sehr zwischen 50, 80 und 90 Pfg. im Kleinverkauf, wogegen selbstredend unsere deutsche Butter nicht aufkommen kann. Hinzu kommt noch der geradezu rttinirende Faktor für unsere Landwirthschaft, daß gerade im Winter, wenn die hiesigen Butter­preise dem Landwirthe ein Erholen von den gedrückten Verhältnissen der heißen Jahreszeit gestatten, England im Stande sein wird, unsern Buttermarkl mit billiger australischer Butter zu überschwemmen und die Preise infolge des Massenangebots derart zu drücken, daß für uns thatsächlich die Konkurrenz unlohnend wird. Schon heute, wo es sich seitens der englisch-australiicheu Buttersündfluth kaum um einen schwachen Versuch handelt, leidet unsere heimische Landwirthschaft in diesem für sie unzweifelhaft wichtigen Punkt ganz merklich;

was soll es werden, wenn erst ein regelrechter Import von jener Seite [tattfinbet?

Uns will es scheinen, daß keine Zeit in diesem Punkte mehr zu verlieren ist, sondern daß Alle, welche zur Vertretung der landwirthschaftlichen Interessen berufen sind, Sorge tragen, daß zum Schutze der ein­heimischen Landwirthschaft ein Riegel vor die aus­ländische Konkurrenz auf gesetzgeberischem Wege vor­geschoben werde. Leicht könnte es sonst, wie es in manchen anderen Dingen geschehen ist, wieder einmal passiren, daß der Brunnen zugedeckt wird, wenn» Kind schon ertrunken ist.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat am Mittwoch Abend von Schlitz die Rückreise nach Potsdam angetreten.

Zu dem Anträge des konservativen Abgeordneten v. Mendel, für den landwirthschaftlichen Kredit 20 Millionen zu bewilligen, hat die freikonservative Partei im Abgeordnetenhaus folgenden Antrag ein­gebracht:Die Staatsregierung zu ersuchen, dem Landtage baldmöglichst eine Vorlage wegen Errichtung einer staatlichen Centralkreditanstalt zn machen, welcher die Aufgabe zuzuweisen ist, die Kreditbedürfnisse der produktiven Gewerbe, insbesondere des kleineren Grund­besitzes und des Handwerkerstandes zu möglichst billigem Zinssatz zu befriedigen und zu diesem Zweck auch die von kommunalen Korporationen ins Leben geeufenen Kreditanstalten sowie die auf dem Prinzip der Selbst­hilfe und der Selbstverwaltung beruhenden Kredit­genossenschaften durch Gewährung möglichst niedrig ver­zinslicher Darlehen zu unterstützen."

* Eine wichtige Bekanntmachung hat kürzlich das Reichspostamt erlassen. Sie lautet:Die bei der Aus­führung des Reichsgesetzes vom 10. Mai 1892 betreffend ose Unterstützung der Familien der zu Friedensübungen einberufenen Mannschaften nothwendig werdenden Post­sendungen der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden sind als portofreie Sendungen in Militär- und Marine- angelegenheiten anzusehen."

29. Avril. In der Wohnung des Armen- bischofs Assmann wurde in der Nacht zum Sonntage ein Einbruchsdiedstahl verübt. Eine größere Anzahl Gegenstände wurde gestohlen, darunter das kostbare Bischofskreuz mit der Kette und dem Bischofsring. Der Bischof sichert eine Belohnung von 500 bis 1000 Mark für die unverletzte Wiederbringung des Kreuzes und Ringes zu.

1. Mai. Das große Loos der preußischen Klassenlotterie ist diesmal in Berlin geblieben. Die Glücksnummer 149,257- wurde in zehn Zehnteln gespielt. Fortuna ist keine Regel ohne Ausnahme durchweg Leuten hold gewesen, die es brauchen können. Die Gewinner sind Steindrucker, Postschaffner, Kassenboten, Wäscherinnen u. s. w. Jeder Besitzer eines Zehntelantheils erhält 42,100 Mk. baar ausgezahlt. Verschiedentlich freilich sind diese Zehntel noch weiter getheilt, allenthalben aber herrscht bei den Gewinnern große Freude.

Um denjenigen Deutschen, die der Fahnenflucht oder der Verletzung der Wehrpflicht sich schuldig machen, den Aufenthalt im Auslande zu erschweren, haben jetzt der Kriegsminister und der Minister des Innern die Gemeindebehörden angewiesen, für solche Personen fernerhin keine Aufgebote zum Zwecke der Eheschließung mehr bekannt zu machen und daher etwaigen Auf­forderungen wegen Bekanntmachung des Eheaufgebots für im Auslande sich aufhaltende Deutsche nur dann zu entsprechen, wenn der Nachweis geliefert wird, daß es sich nicht um fahnenflüchtige Personen handelt.

Kiel. Die Schlußsteinlegung am Nord Ostsee-Kanal wird nach den neuesten Nachrichten am 21. Juni d. I., Vormittags 11 Uhr, von S. M. dem Kaiser in An­wesenheit der Mehrzahl der deutschen Fürsten, der Mitglieder des Bundesraths und der größeren Zahl der Reichstagsmitglieder zu Holtenau vollzogen werden. Im Anschluß daran findet die Revue über die gesammte zur Einweihungs eier im Kieler Hafen versammelte Flotte statt. Dieselbe wird aus 60 fremden und 40 deutschen Kriegsschiffen mit zusammen etwa 22000 Mann Besatzung und 1500 Offizieren bestehen. Ein Schauspiel von gleicher Großartigkeit, wie es in jenen Tagen der Kieler Hafen bieten wird, ist sicherlich ein überaus seltenes. Der Zustrom von Schaulustigen

nach Kiel wird daher voraussichtlich ein enormer sein. Mit Rücksicht hierauf sind bereits in Kiel alle Maß­regeln zur Erleichterung des Fremdenverkehrs getroffen. Insbesondere ist auf Veranlassung des Magistrats ein Wohnungsausschuß gebildet worden, welcher denjenigen Fremden, die zu den Kanalfeierlichkeiten nach Kiel zu reisen beabsichtigen, Logis (und zwar in Privathäusern) während jener Tage zu den verschiedensten Preisen nachweist und bezügliche Auskunft ertheilt. Anfragen und Bestellungen in dieser Richtung sind zu adressieren an Herrn Stadtrath H. Wichmann in Kiel, Kehdenstr.27.

Coburg, 29. April. Von allen Stiftungen und gemeinnützigen Anstalten der Stadt Coburg ist die v. Rast'sche Stiftung die reichste. Aus ihr werden die Lehrgelder für die meisten Lehrlinge in hiesiger Stadt, insgesammt ca. 10000 Mk. jährlich, bezahlt, was eine sehr große Erleichterung für die Eltern der Lehrlinge ist, die nicht einmal Staatsangehörige des Herzogthums zu sein brauchen. Im verflossenen Jahr hat die Stiftung 33040 Mk. verausgabt. Der Stifter, Freiherr v. Rast, war früher Jude und ist am 14. Dezember 1863 als evangelischer Christ hier im Alter von 83 Jahren gestorben. Von dem Genuß der von ihm gestifteten Gewerbeunterrichts-Stipendien sind merkwürdigerweise Katholiken ausgeschlossen. Zwei Drittel de? Stipendien erhalten protestantische, ein Drittel erhalten israelitische Handwerker. Der Neu­st ädt er Puppenindustrie, die ohnedies schon jetzt unter den gedrückten Preisen arg zu leiden hat, droht eine neue Schädigung. Es ist nämlich beschlossen worden, in dem den thüringischen Staaten gemeinsamen Zucht­haus zu Untermaßfeld ebenfalls die Puppenfabrikatton einzuführen. Wie die betheiligten Regierungen, speciell die von Meiningen und Coburg, ihre Zustimmung dazu geben können, ist ein Räthsel. Auf der einen Seite geben ditsr Staaten große Summen aus für fach- gewerbliche Schulen, durch welche die Spielwaaren- industrie gehoben werden soll, auf der anderen Seite aber gestatten sie diese Zuchthauskonkurrenz, die alles todt macht.

Würzburg. Der aus Mittelfranken gebürtige Soldat des 4. Jnf.-Reg. in Metz Johann Lauer, der am 9. Oktober 1889 desertirte und 5 Jahre in der französischen Fremdenlegion diente, sich aber am 16. Februar d. Js. in Mühlhausen i. E. freiwillig stellte, wurde vom Militärbezirksgericht in Würzburg neben Versetzung in die 2. Klasse des Soldatenstandes zu 7 Monaten Gefängniß verurtheilt.

In Hohenmölsen fitzte eine Mutter ihr noch nicht ein Jahr altes Kind in den Ho', damit es dort spielen sollte. Unvermuthet gerielh nun plötzlich ein Hahn aus der Nachbarschaft dahin, fiel über das Kind her und brächte ihm so schwere Kopfwunden bei, daß das arme Kmd bald darauf starb.

Ausland»

Paris, 29. April. Die Staatsingenieure erklärten, der Dammbruch in Bouccy sei durch äußerlich nicht be­merkbare Veränderungen herbeigeführt, welche der Winter­frost in dem Mauerwerk verursacht hat.

Japan, 1. Mai. Es liegen zweifellose Beweise dafür vor, daß sich die japanisch-russischen Beziehungen auf eine ernstliche Krisis zuspitzen. Das japanische Kabinet hat den einstimmigen Beschluß gefaßt, den russischen Diktaten einen nicht mißzuverstehenden Wider­stand entgegenzusetzen. Japan stellt das Recht russischer Einmischung entschieden in Abrede und beabsichtigt, der­selben Trotz zu bieten.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 3. Mai.

* Der Lehrer Geschwindner, bisher Lehrer an der Volksschule in Vollmerz, ist als Lehrer an die Präparandenschule zu Schlüchtern berufen worden.

* Dem Provinziell-Ichulrath Kannegießer in Kassel ist der Charakter als Geheimer Regierungsrath verliehen worden.

* Am Sonntag, den 28. April, fand hier im Hessischen Hof abermals ein von dem hiesigen evang. Jünglingsverein Veranstalter Familienabend statt. Der bald überfüllte Saal und die große Zahl der Er­schienenen, welche leider keinen Raum mehr fand, lieferte den Beweis, daß nicht blos eine schnell verfliegende Neugier, sondern ein tieferes Interesse diesen Ver-