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lüchterlMMUN

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Deutsches Reich.

Berlin. S. M. der Kaiser ist am Mittwoch früh /s 10 Uhr in Karlsruhe eüigctrosfeu und von dem Großherzog, dem Erbgroßherzog, der Generalität und den Spitzen der Behörden am Bahnhof empfangen worden

Das vorläufige Programm für die Eröffnung des Nordostseekanals wurde am Dienstag in einer Konferenz zwischen den Ministern v. Marschall und v. Küster und Vertretern der Presse diesen initgethcilt. Danach soll am 19. Juni, Abends 6 Uhr, die Feier in Hamburg mit einer Ha'enfahrt beginnen, an die sich ein Bankert und ein großes Wasserfest auf der Alster schließt. In der Nacht vom 19. zum 20. Juni begeben sich die Theilr.ehmcr auf kleinen Dampfern bis Bruns­hausen, von wo dann Morgens 3 Uhr auf den großen Dampfern die Fahrt durch den Kanal beginnt. Abends ist in Kiel großer Marineball zu Ehren der fremden Offiziere, an dem etwa 3000 Personen theilnehmen sollen, außerdem großer Kommers. Am Hauptsesttag, 21. Juni, findet um 11 Uhr Morgens in feierlichster Weise die Schlußsteinlegung bei der Holtenauer Schleuse statt, um 2 Uhr die große Flottenparade, an der gegen 100 deutsche und fremde Kriegsschiffe mit über l 2000 Mann und 1000 Offizieren an Bord theilnehmen werden, und Abends 8 Uhr in einer besonderen Festhalle ein Fest­mahl, an dem etwa 1000 Personen theilnehmen sollen An der Flottenparade wird auch dasPreßschiff", ein Dampfer für 100120 Vertreter der Presse, theilnehmen.

* Zur Einschränkung des Schreibwerks bei den Justizbehörden hat der Justizminister Anordnungen erlassen. Im schriftlichen Verkehr der Justizbehörden untereinander soll von der urschriftlichen Form ein möglichst ausgedehnter Gebrauch gemacht werden. Im Verkehr gleichstehender Justizbehörden untereinander sollen die üblichen Kurialien ganz in Wegfall kommen, im sog. Berichtstil auf das knappste Maß beschränkt werden. Bei amtlichen Schreiben an Justizbeamte soll, abgesehen von höchstpersönlichen Angelegenheiten, der Name und auch der oft ziemlich lange Titel in der Adresse fortgelassen werden. Bei Mittheilungen und Benachrichtigungen an Parteien sind Postkarten mehr als bisher zu benutzen, sofern nicht die Kenntnißnahme ihres Inhalts durch Dritte den Adressaten benachtheiligen oder ihm peinlich sein könnte. In Justizverwaltungs- sachen sollen für häufig wiederkehrende gleichförmige Schreiben, Verfügungen, Berichte :e. Formulare ver­wendet werden. Es soll die übliche Herstellung der Berichte auf gebrochenem Bogen fortfallen. Durch diese Anordnung ergibt sich eine beträchtliche Ersparniß an Arbeit und Kosten.

* Wie in jedem Jahr beim Nahen des 1. Mai nehmen auch diesmal die Sozialdemokraten den Mund voll und renommieren, daß die Arbeiterschaft der Welt durch Begehung dieses Feiertages nicht nur ihre Zu­gehörigkeit, sondern auch ihre Macht dem Arbeitgeberthum gegenüber bekunde. Nun, daß die Sozialdemokratie international ist, braucht nicht mehr bewiesen zu werden, das ist eine allbekannte Thatsache. Daß aber den Arbeitgebern mit der Maifeier und namentlich mit der Feier in Deutschland auch nur irgendwie imponiert würde, ist einfach unwahr. Die sozialdemokratischen Führer hätten sich die Sache anfänglich ganz anbei S gedacht. Sie glaubten thatsächlich das Sprüchlein: Alle Räder stehen still, wenn dein starker Arm es will", in die Praxis übei tragen zu können. Sie haben sich aber gewaltig getäuscht. Die Arbeitgeber standen auch zusammen, und damit war der Weltfeiertag in dem Sinne, daß die Arbeiter seine Anerkennung von den Arbeitgebern erzwängen, unmöglich. Ein Versuch zur Erzwingung seiner Anerkennung ist im vorigen Jahr durch Brauereiarbeiter in Berlin gemacht worden und soll anscheinend wiederholt werden. Er ist aber gescheitert

und wird nochmals scheitern, wenn nur die Arbeitgeber Gewinn hat das Gräflich Kcsfclstadt'sche Majorat mit ' , 558,500 Mk. erzielt. Freiherr v. Stumm hubt sich

wieder zusammenhalten,

24. April. In derTägl. Ruudsch." wird mit-'der hübschen Zugabe zu seinen sonstigen Einkümtcn getheilt, daß in einer Berliner Gemeindeschttle eine'im Betrage von 111,810 Mk. erfreuen. Den Über- ....... " ' 1 " - " ' " 1 " i [jaupt höchsten Durchschnittspreis, nämlich 4365 Mark

jüdische Lehrerin mit der Ertheilung des christlichen

Religionsunterrichts beauftragt worden sei, noch dazu in der PassiouSzeu! Was sagt der Kultusminister dazu?

Die an einem Sonntag erfolgte Beschäftigung von Werkleuten bei dem Ausbau der Berliner Gnaden- kirche ist von den zuständigen Oberbehörden sehr ent­schieden gerügt worden.

Kiel, 22. April. Heute Vormittag dampfte der

Samstag, den 27. April

AvisoJagd" als erstes Kriegsschiff durch den Nord- ostscekaual nach Brunsbüttel. Wie telegraphisch gemeldet, befand sich Prinz Heinrich mit den Kommandanten mehrerer der großen Panzerschiffe an Bord. Die Reise hängt mit den Vorbereitungen für den großen Kaiser- Fcstzng durch den Norstostseckanal am 20. Juni zusammen.

Dresden, 23. April. Der Dresdener Polizei ist ein guter Fang gelungen. Sie verhaftete einen Hoch stapler, der versucht hatte, im hiesigen englischen Kon­sultat unter dem falschen Namen Victor v. Zedtwitz auf Grund gefälschter Legitimationspapiere sich einen Paß nach Rußland zu verschaffen. Wie sich nunmehr hcrausstcllt, ist der Verhaftete mit einem früheren Offizier Fernando Rodriguez Alvarcz aus Guatemala identisch. In seinem Besitz fand die Polizei gefälschte Legitimations­papiere auf die Namen Fritz v. Dohnop aus Detmold, Abdel Islam Bey aus Mozambique, Don Jo'e Carlos Centurion aus Paraguay, Ppiridion Karaiskakis aus Athen, Erik Dickson aus Gotheuburg, Abdel Nazar Aga Khan aus Teheran, Jose Manuel Flores aus Santa Rosa, Stojan Popow aus Adriauopel, Manuel Ancizer aus Bogota, Jose Mallo aus Buenos Ayres, Frankens Lefebre aus Belford ec., endlich auch einen aus Schiefer gefertigten falschen Stempel mit der Um­schriftPolizeiverwaltung der Stadt Flcnsbnrg".

Aus Thüringen, 22. April. Die Notiz, die kürz­lich von Weimar aus durch die Zeitungen ging, daß das Weiterbestchen der Universität Jena wegen der zu hohen Anforderungen, die an die Kassen der beteiligten Staaten Weimar, Meiningen, Coburg-Gotha und Altenburg gestellt würden, gefährdet sei, hat in weiten Kreisen Thüringens, nicht nur bei denen, die einen Teil, vielleicht die schönste, an Erinnerungen reichste Zeit ihrer Jugend als akademische Bürger in dem lieben närrischen Nest", wie Goethe Jena zu nennen pflegte, zugebracht haben, großes Bedauern hervor- geriren. Es ist freilich nicht zu leugnen, daß die Kosten der Unterhaltung für die Universität Jena im Verhältniß bedeutend höher sind als bei anderen Uni­versitäten. Man hat ausgerechnet, in welcher Höhe sich die Kosten, auf den einzelnen Studenten berechnet, vcr- lheilen. Im Etatsjahr 1891 92 betrugen die Auf­wendungen füe einen Studenten z. B. in München 264 Mk., in Berlin 486 Mk, in Jena aber 101 l Mk., in Straßburg 1060 Mk., in Kiel sogar 1381 Mk.

Jserloh». Auf Veranlassung einer Solinger Firma fand bei einer Firma in Jserloh» eine polizeiliche Haus­suchung statt, und es wurden dabei 120,000 Dutzend Messer und Gabeln beschlagnahmt. Die Fabrik hatte die Schutzmarke der Solinger Firma nachgeahmt. Die Sendung war für das Ausland bestimmt.

Trier. Ein wahrer Goldstrom hat sich über die gesegneten Mosellande ergossen. Die Ergebnisse der Trierer Versteigerungen von Mosel- und Saarweinen des Jahrganges 1893 übertreffen sogar die kühnsten Hoffnungen, sie stellen ein Ereigniß in der Geschichte der deutschen Weinproduktion dar. Für das Fuder Wein ist der unerhörte Durchschnittspreis von 3100 Mk. erzielt worden, was für die Flasche einen Einkan s- und Engrospreis von beinahe 3 Mk. ausmacht. Der genannte Durchschnitt ist aber in Dutzenden von Fällen um mehr als das Doppelte übertroffen worden. Wir entnehmen der Liste der Weinvcrsteigcrnngen Preise von 6000, 70Ö0, 8000, in einem Falle sogar 9400 Mark für daS Fuder. Den höchsten Preis hat das Hof- marfcbaüamt zu Berlin für die Kreszens des Freiherr» von Stumm gezahlt. Einzelne Weinproduzenten haben Gesammtsummen von schwindelnder Höhe einstreichen können. So hat die Kreszens der Frau Eduard Puricelli in Trier einen Erlös von 398,250 Mk, die der Domkirche zu Trier 133,922, die des Bischöfl. PricsterfeminarS 184,980 Mk. gebracht. Den reichsten

für das Fuder, kann mit berechtigter Genugthuung der Verlagsbuchhändler I. Lintz in Trier verzeichnen, ihm am nächsten kommt dann der Durchschnittspreis der Freiherrlich v. Stumm'schen Kreszens mit 4300 Mark. Bon dieser Weinversteigerung wird man noch nach Jahrzehnten und länger singen und sagen: sie ist ein sach beispiellos.

Metz. Der wegen seiner Strenge gefürchiete, seit einigen zagen spurlos verschwundene Gouverncmems- Audileur Justizrath Lohe aus Metz, ist, wie dasBert. Tagebl." meldet, als Leiche aus dem Wasser gezogen worden.

Darmstadt, 23. April. Aus den gestrigen Be­rathungen der zweiten Kammer über Nebenbahn- Angelegenheiten ist folgendes hcrvorzuhcbcn: In Folge von Anforderungen des Reichseisenbahnamtes, das für die Strecke SalzschlirflSchlitz Forderungen stellte, wie sie sie beim Bau von Vollbahnen vorgeschrieben sind, hat die Regierung gelegentlich der kürzlich stattgehabte» Berathungen im Finanzausschuß der ersten Kammer die Erhöhung der bereits 1890 bewilligten Summe von 660,000 Mark für die genannte Bahnstrecke auf 1,260,000 Mark verlangt und diese Forderung war von der ersten Kammer genehmigt worden. Man war der Meinung, daß das Reichseisenbahnamt die Strecke Salzschlirf-Schlitz als eine Theilstrecke einer zukünftigen Linie von Hersfeld nach Frankfurt betrachte. In der zweiten Kammer traten nun gestern die Abgg. Zinser und Muth recht lebhaft für die Bewilligung der Mehr- forderung ein. Finanzminister Weber warnte vor zu großen Differenzen mit den Beschlüssen der ersten Kammer, denn käme kein Ausgleich, dann falle das ganze Nachtragsgesetz und die in allen drei Provinzen längst bewilligten Nebenbahnen, für welche nachträgliche Bewilligungen ge ordert wurden, können nicht gebaut werden. In der heute Vormittag abgehaltene» Sitzung wurde die Berathung über die Erhöhung der Kosten >ür die Nebenbahn Salzschlirf Schlitz fortgesetzt. Ober­baurath Wetz begründete die Mehrforderung. Auf die militärischen Forderungen entfalle nur ein Mehr von 1 50,000 Mark. Die vorgeschlagene Linie Lauterbach- Schlitz biete technische Schwierigkeiten, sei weit theurer und entspreche nicht dem Wunsche der Bevölkerung. Nach längerer Debatte wird die ganze Anforderung für Salzschlirf-Schlitz mit zusammen 1,260,000 Mark einstimmig bewilligt.

Münz, 19. April. Enttäuscht! Ein hiesiger junger Mann, Sohn achtbarer Eltern, gründete vor Kurzem ohne ausreichende Geldmittel, im Vertrauen auf die ihm versprochenen Mk. 20,000 Mitgift seiner Braut, eine Goldwaarenhandlung in der Nähe des Bahuho Platzes. Die Hochzeit wurde mit viel Pomp in Fraukenthal ge­feiert, nach derselben blieb aber die Mitgift aus. Die Leute gerietheu immer mehr in Schulden und seit zwei Tagen ist der Mann unter Mitnahme unbezahlter Vorräthe verschwunden, während die Frau in ihren Heimathsort zurückkehrt. Auf Veranlassung der Gläu­biger ist das Gericht bereits eingeschritten und eine Konkurserklärung wird kauin ausbleiben.

Offenbach, 21. April. Ein bedauerlicher Unfall, dem ein hoffnungsvoller junger Mann zum Opfer fiel, ereignete sich in verflossener Nacht in der Wirthschaft zur goldenen Hand" (Offenbarer Orpheum) dahier. Der 20jährige Geometergehilfe Well machte in vor­gerückter Stunde zwischen dem Büffet und der Kante einer Säule Turnübungen, insbesondere wollte er den sog. Hochstand" machen. Kaum war ihm dies gelungen, als er abstürzte und todt liegen blieb. Er hat jeden­falls das Genick bezw. die Wirbelsäule gebrochen. Die Leiche wurde noch in der Nacht nach der Leichenhalle auf dem Friedhof verbracht. Der Verlebte, der bei

einem hiesigen Geometer beschäftigt war, soll

aus

Gießen gebürtig und elternlos sein.

Schlitz, 22. April. Der Kaiser trifft nach neuesten Mittheilungen am 29. d. Mis. hier ein und

den

reist am I. Mai wieder ab.

die

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 26. April.

* Herr Lehrer Kunkel von Eckardroth ist an katholis.be Schule zu Roiheuditmold versetzt worden. * Sonntag Abend verunstaltet der hiesige evaug.

Jüugliugsverem wieder einenFamilienabend" und zwar diesmal im Saal des Hess! Hofs. Da der Vertrag über Peter Lottich rc ein lokales Interesse hat, so wird der Besuch sicherlich ein recht^zahlreicher werden, was wir im Hinblick auf die Bestrebungen des JünglingsvcrcmS auch wünschen.

* Ein sehr interessanter Fall, welcher auf die Sonntagsruhe Bezug hat, ist vor einigen Tagen zur enbgiltigen Entscheidung gebracht worden, wobei drei