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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf. -^
IttirtMi ""^ die „Schlüchterner Zeitung", Sonderzug, der am 5. April Abends in Lissa eilitras ^LUUNUl.N werden noch fortwährend von allen führte z. B. 2000 Arbeiter nach den größeren Gütern "--'■!! !......— Postanstalten und Landbriesträgern der Provinz Sachsen.
sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser begibt sich am 19. April zur
Auerhahujagd nach Wasungen bei Eisenach. — Die Kaiserin leidet an einer Eikältung und muß deshalb das Zimmer hüten.
— Ueberaus zahlreich sind die Zustimmungen der seefahrenden Nationen Europas und Amerikas auf die kaiserliche Einladung zur Theilnahme an der Eröffnungsfeier des Nordostseekanals eingegangen. Sämmtliche Marinen werden ihre stolzesten Schiffe nach Kiel entsenden. Unter dem 12. April schreibt man aus Kiel: Heute läßt sich bereits eine ziemlich genaue Uebersicht betreffs der im Kriegshafen erscheinenden fremdländischen Schiffe geben, die die Bedeutung des historischen Ereignisses erkennen läßt. Zwölf seefahrende Nationen haben bis jetzt ihre Betheiligung durch Entsendung von Kriegsschiffen zugesagt. Oesterreich entsendet ein unter dem Oberbefehl des Erzherzogs Karl Stephan stehendes Geschwader, das sich aus dem Torpedo-Nammschissen „Kaiser Franz Joseph", „Kaiserin Elisabeth" und „Kaiserin Maria Theresia" zusammensetzt. Das italienische Geschwader unter dem Kommando des Herzogs von Genua, der sich an Bord der königlichen Jacht „Savoya" einschifft, wird aus zwei Divisionen bestehen Die erste Division, Chef Vice-Admiral Acinni, bilden die Panzerschiffe „Re Umberto", „Andrea", „Doria", „Stromboli" und „Aretusa"; die zweite Division, Chef Contre-Admiral Grandville, die Panzer „Pardegna", „Rugerro di Laurio", „Etruria" und „Partcuop-'" Rußland sendet drei Kriegsschiffe, darunter das stolzeste Panzerschiff „Nurik"; Frankreich das Panzerschiff „Hoche", den Kreuzer I. Klasse „Dupuy de Lome" und den Aviso „Cosmos" ; England das Kanalgeschwader; die Vereinigten Staaten von Nordamerika die Kreuzer „San Franzisko", „Marblehead", „Newyork , „Colum bia", und „Mineapolls"; Schweden die Panzerboote „Tule" und „Göeta" und das Kanonenboot „Edda"; Norwegen die Kanonenboote 1. Classe „Biking" und „Sleipner" und 6 Torpedoboote 1. Klasse; Spanien die Panzerschiffe „Pelayo" (Admiralschiff), „Jufanta Maria Teresia" und „Marques de la Eusenada"; Portugal Panzerschiff „Vasco de Gama"; Dänemark die Kreuzer „Hella" und „Gejser" und vier Torpedoboote 1. Klasse unter Admiral Brunn; Rumänien den Panzerkreuzer „Elisabeths" und die Brigg „Miriea" unter dem Kommando des Colonel Urscanu. Im Ganzen erscheinen im Reichskriegshafen 50 fremde Kriegsschiffe mit 12 Admiralen, ca. 700 Offizieren und 16,000 Mann Besatzung. Außer vier Torpedobootsdivisionen betheiligen sich mehr als 30 größere deutsche Kriegsschiffe an den Festlichkeiten; die Besatzung dieser Flotte beziffert sich auf annähernd 400 Offiziere und 10,000 Mann. Unter der Kriegsflagge werden liegen: die Kaiseryacht „Hohenzollcru", die Panzer „Kurfürst Friedrich Wilhelm", „Brandenburg", „Weißenburg", „Wörth" und Aviso „Jagd" (I. Division), „Baden", „Baiern",,, Sachsen", „Württemberg" und Aviso „P eil" (2. Division), „Stosch", „Stein", Gneisenau", (^d)iib schiffgeschwader), „Frithjof", „Hildebrand", „Heimdall", „Hugen" (Reservedivision), das Flotillenfahrzeug der Torpedobootsflottille „Blitz", die Schulschiffe „Mars", „Carola", „Blücher", „Luise", die Kreuzer „Kaiserin Augusta", „Prinzeß Wilhelm" und „Gefion", die AvisoS „Kaiseradler" und „Grille", das Trausponschiff „Pelikan". Diese gewaltige Schlacht- nnd Kreuzerflotte wird den fremden Nationen zum ersten Male die Bedeutung unserer Marine vor Augen führen. Den Tausenden und Zehntausenden von Besuchern wird ein maritimes Schauspiel geboten, wie es großartiger noch Niemals in deutschen Gewässern stattgefunden hat.
— In einem Wucherprozeß, welcher am Donnerstag mit der Urtheilfällung endete, erhielt ein gewisser Labaschin wegen gewerbsmäßigen Wuchers 9 Monate Gefängniß, 2 Jahr Ehrverlust und 1500 Mk. Geldstrafe. Der Mitangeklagte Rieß erhielt gleichfalls 8 Monate Gefängniß und 2 Jahre Ehrverlust.
— Die Sachsengängerei nimmt in diesem Jahre einen großen Umfang an. Von Posen aus gehen jetzt fange Sonderzüge nach Stettin, Halle n. s. w. Ein
Königsberg, 8. April. In einem Dorfe bei Anger mund starb in der vorigen Woche ein Kind am Scharlach. Eine Schneiderin, die den Leichenanzug anzusertigen hatte und in dem Trauerhause übernachtete, schlief in
de n, noch nicht desinfizieren Bett. Drei Tage daran war das sonst so gesunde und kräftige Mädchen eint Leiche. Diese Erfahrung hatte die Leute noch nidji vorsichtig gemacht, sie wiesen auch einer anderen Person noch dasselbe Bett zur Benutzung an, die gleichfalls in Folge der Ansteckung starb. Wir theilen diesen Fall mit zur Warnung vor Leichtfertigkeit bei ansteckenden Krankheiten.
Halle. Der 8. deutsche Handwerkertag tritt am 21. bis 23. April in Halle zusammen. Der „Hamb. Corr." schreibt darüber: In erster Linie soll der 8. deutsche Handwerkertag abermals die obligatorische Innung und den Befähigungsnachweis fordern. Wie es heißt, hat sich die Haltung der Regierung diesem Verlangen gegenüber noch nicht geändert; sie ist nach wie vor ablehnend. Im weiteren soll der Handwerkertag gegen den Bauschwindel energisch Front machen. Hier ist in der That eine klaffende Wunde am socialen Körper. Der Hausirhandel nimmt in den größeren Städten immer mehr und mehr zu und dagegen wird der Handwerkerstand auch seine Stimme auf dem Kongreß erheben. Es läßt sich wohl auch nicht leugnen, daß die Gefängniß- und Zuchthausarbeit stelleuweis Gefahren für den Handwerkerstand mit sich bringt. Im Weiteren dürfte der Hand- werkertag gegen die Konsumvereine, Abzahlungsgeschäfte, Ofsizierswaarenhüuser Stellung nehmen. Einen größeren Erfolg versprechen sich die Handwerker trotz alledem von dem Hallenser Tag nicht.
Aus Franke», 8. April. In Altdorf erinnern sich, wie dem „Franks. Jonrn." geschrieben wird, aus Anlaß der Bismarck'eier einige ältere Bürger an eine im Jahre 1866 für sie unangenehme, jetzt natürlich viel Heiterkeit erregende Begebenheit. Eine Gesellschaft, auch damals schon reinerer Männer, ließ nämlich in heiterer Laune am Wirthstische Bismarck hoch leben, worauf sie zur Anzeige gebracht und zu je einem Tage Arrest und in die Kosten verurtheilt wurden.
Brückenau, 9. April. Staatsminister v. Stephan, Excellenz, trifft am 20. April zur Auerhahujagd hier ein.
Schlitz, 10. April. Verschiedene Blätter brachten die Nachricht, daß der Kaiser am 22. d. Mts. zum Besuche der Gräflichen Herrschaften hierselbst eintreffen werde. Sicherem Vernehmen nach ist diese Meldung verfrüht, da an zuständiger Stelle eine desinitiae Entschließung Sr. Majestät nicht bekannt ist.
Ausland.
Krakau, 11. April. Die russische Wochenschrift „Woschod" bringt die Nachricht, daß der bekannte Baron Hirsch die Absicht hat, die Insel Kreta zu erwerben und dort eine jüdische Kolonie zu errichten, wohin dann die Auswanderung der Juden aus allen Ländern Europas geleitet werden könne. Das Blatt fügt hinzu, daß die Auswanderer auf Kreta von anderen Völkern unabhängig sein und mit -er Zeit ein selbständiges Reich unter dem Schutze der europäischen Staaten bilden könnten.
Man schreibt der „Frkf. Ztg." aus Madrid unterm 4. April: Der Untergang der „Reina Rezente" erinnert an andere Katastrophen dieser Art, welche Spanien, einst die größte Seemacht der Welt, erlitten hat. Es kann geschichtlich nachgewiesen werden, daß Spanien seit Anfang des 16. Jahrhunderts nicht weniger als sechshundert Kriegsschiffe infolge von Schiffbruch verloren hat. Von der 1518 gegen Algier ausgesandten, vorn Admiral Don Hugo de Moncada befehligten Flotte kamen im Sturme 30 Schiffe mit 4000 Mann um. 1541 gingen von der von Karl V. ebenfalls gegen Algier ausgerüsteten Flotte 140 Schiffe auf den Grund, wobei 8000 Mann ertranken. 1562 schickte Spanien eine Flotte zur Befreiung von Oran, unter dem Ober be'ehl des Generals Meudoza; hiervon sanken 20 Schiffe, 4000 Mann, darunter der genannte General, kamen ums Leben. Ein Jahr später, also 1563, zerstörte ein heftiger Sturm 15 Schiffe im Meerbusen von Cadix. 1588 erfolgte der weltberühmte Untergang der unbesieg
baren Armada, wobei von 130 Schiffen 81 mit 14 000 Mann in den Flutheu begraben wurden. 1590 verschlang das Meer von der vom Admiral Don Antonio Navarro befehligten Flotte 14 Schiffe bei San Juan de Ulua (Mexiko). Viele Tausende von See- und Kriegsleuten verloren das Leben bei dem schrecklichen Schiffbruch, den die 80 Schiffe starke, von Martin de Padilla befehligte Flotte 1596 an der galizischen Küste erlitt; von dieser stattlichen Flotte konnten nur 39 Schiffe sich retten. Hervorzuheben sind weiter: der Untergang von 10 Schissen in den Gewässern von Korsika; diese Schiffe gehörten zu der vom Marquis de Santa Cruz befehligten Flotte; der Untergang von 5 zu der vom General Jofä Pizarro 1741 gegen die Engländer befehligten Flotte gehörenden Schiffe. In den letzten 125 Jahren, wo der Nachweis weniger Schwierigkeiten bietet, verzeichnet man den Untergang von 12 Dampf- kriegsschiffen, 21 Scgclkriegsschiffcn mit 1570 Geschützstücken, 23 Fregatten mit 800 Kanonen und über 100 Kanonenboote, Briggs, Galeoten n. s. w., geschweige unzähliger Menschenleben. So wurde die Seemacht Spaniens gebrochen mehr durch die Feindschaft der Elemente, als infolge von Niederlagen im Krieg.
Shanghai, 10. April. Wie englischen Blättern von hier geschrieben wird, kann von einer militärischen Ausbildung bei den chinesischen Truppen nicht die Rede sein und das Kriegsmaterial wird als ein elendes geschildert. Unter den Granaten, welche den Chinesen bei Tai-in-Kwan abgenommen wurden, war eine große Anzahl statt mit Pulver mit Bohnen gefüllt. Weit häufiger wurde jedoch ein kürzeres Verfahren befolgt, indem man die Granaten durch angestrichene Thonobjekte ersetzte. Als ein weiteres Beispiel zur Kennzeichnung der chinesischen Kriegsführung mag noch die Thatsache angeführt werden, daß die Japaner in Wei- Hai-wei vor den Befestigungen im Sande zehn schwere Geschütze in demselben Zustande vorfanden, wie sie ausgeschisfc waren. Die Geschütze wurden nicht ausgestellt, da nach dem Eintreffen derselben auf dem Befestigungsort das Geld für die zur Ausstellung nothwendigen Bettungen nicht mehr vorhanden war.
Lokales und Provinzielles.
* Schlächtern, 16. April.
* — Der Herr Seminar-Direktor Dr. Renisch am hiesigen Seminar ist vom 17. d. M. ab vertretungsweise als Schulrath nach Köslin berufen.
* — In U crzell bräunte am letzten Samstag Morgen das Wohnhaus nebst Scheuer und Stallung des Matthias Jobst auf dem Wannhof total nieder. Der Schaden ist sehr groß, da nur die Gebäude versichert sind, die Möbel und Vorräthe rc. aber nicht. Infolge Wassermangel und starken Wind griff das Feuer schnell um sich, sodatz nur wenig gerettet wurde.
* — 13. April. Dem „Frankfurter Genr. Anz." wird unterm 12. April aus Gießen geschrieben: Der hier in Untersuchungshaft gewesene Viehhändler David Sommer von Crainfeld, zuletzt in Schlüchtern wohnend, wegen Verdachts des Wuchers in Haft, hat sich gestern Nachmittag 2 Uhr durch Erhängen seinem irdischen Richter entzogen. Noch kurz vorher hat der Verhaftete seine Frau und seinen Bruder gesprochen, denen gestattet war, ihren Verwandten im Haftlokal zu besuchen. Sommer, welcher bis vor einigen Tagen eine gewisse Sorglosigkeit an den Tag legte, war in letzter Zeit schwermüthig geworden und hatte häufig geweint. Es ist durch die Voruntersuchung unzweifel- Haft festgestellt, daß Sommer des ihm zur Last gelegten Delicts schuldig war. Durch die eidliche Vernehmung mehrerer Beamten deS Fürsten von Jsenbnrg Birstein war festgestellt, daß Sommer sich von dem Fürsten für die Prolongation eines Wechsels in Höhe von Mk. 18,000, den der Acceptant am Verfalltage nicht hatte decken können, außer der eigentlichen Wechselsumme zuzüglich der üblichen Zinsen, ferner Mk. 15,000 wcchsel- mäß,g hatte annehmen lassen. Dem als Zeugen vernommenen höheren Beamten, welcher seiner Zeit im Auftrage des Fürsten die Verhandlungen wegen der Wechselveränderung führte, ist nach seiner Bekundung das Ansinnen des Wucherers damals gleich un« geheuerlich vorgekommen; er hat aus seiner Ansicht diesem gegenüber auch kein Hehl gemacht, indem er ausrief: „Herr Sommer, das ist ja schlimmer wie Wucher, dies kann ihr Ernst nicht sein! Für