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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Ps.

Mittwoch, den 13. März

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1895.

Deutsches Reich.

Berlin. Das Mausoleum zu Charlottenburg war am Sonnabend, am Todestag des unvergeßlichen Kaisers Wilhelm I. auf das prächtigste geschmückt. Schon in früher Morgenstunde wurden kostbare Kränze an dem Sarg des Kaisers niedergelegt, der erste Kranz traf von der Großherzogin von Baden ein. Gegen 103/4 Uhr fuhren der Kaiser nnd die Kaiserin vor dem Mausoleum vor, begaben sich in die Gruft und legten einen kostbaren Kranz nieder, längere Zeit daselbst in stillem Gebet verweilend.

Einzig in seiner Art dürste ein Fall dastehen, den ein mennonitischer Soldat bei dem Kaiser Alexander- Garde-Grenadier-Regiment hervorgerufen hat. Der Rekrut Thröhnert wurde im Herbst v. I. bei der 9. Kompagnie des Kaiser Alexander-Regiments eingestellt. Bei der Vereidigung machte Thröhnert schon Schwierig­keiten bezüglich der Eidesleistung. Als aber den Rekruten zn ihrer Ausbildung später die Gewehre über- geben wurden, weigerte sich der Mennonit, das feurige anzunehmen, weil er den Gebrauch der Waffe als mit seiner Religion nicht vereinbar erachtet. Die Folge war, daß er wegen Gehorsamsverweigerung nach etwa vierzehnlägiger Untersuchungshaft mit 2 Monaten Festungsarbeit bestraft wurde. Am Sonnabend war die Zeit abgelaufen, und T. wurde wieder in den Truppentheil eingestellt. Heute (Montag) Morgen wurde er wieder zum Arrest eingeliefert. Als die Korporalschaft, zu der er gehörte, angetreten war, wurde T. von dem Kompaniechef persönlich gefragt, ob er jetzt das Gewehr annehmen wollte. Seine Antwort lautete:Nein, Herr Hauptmann." Vorher hatten schon seine Mutter sowie auch die betreffende elsässiche Mennonitengemeinde Eingaben an das Regiment gerichtet, in denen gebeten wurde, daß Thrönert möglichst zu solchen Diensten verwendet werden möchte, bei denen er keine Waffe zu führen brauchte. Da es jedoch solche permanenten Dienste ohne vorherige Ausbildung des Mannes in der Waffe in der gesammten deutschen Armee nicht giebt selbst die sogenannten Pferdepfleger bei der Artillerie sind im Revolverschießen ausgcbildet, so mußte das Gesuch abschlägig beschieden werden. Schließlich wandte sich aber das Kaiser Alexander- Regiment in einer Jmmcdiateingabe an das kaiserliche Militärkabinet, doch ist von dort noch keine Entscheidung eingetroffen. Inzwischen hatte Thrönert, nachdem ihm nach seinem verbüßten Arrest zwei Tage Stubendienst vergönnt worden waren, am Montag früh wieder auf dem Hofe der Kaserne am Kupfergraben zum Dienst erscheinen müssen, er war noch ohne sein Gewehr. Wiederum erfolgte die Aufforderung und der Befehl an Thrönert, das Gewehr zu nehmen; doch blieb der Soldat bei seiner Weigerung. Da ließ Hauptmann v. Uttmann die Kompagnie einen Kreis schließen. Dem Thrönert wurden sodann die Kriegsartikel vorgelesen, und es wurde ihm klar gemacht, daß seine Gehör sams- verweigerung vor der Front unter Waffen eines der schwersten militärischen Vergehen sei. Dann wurde er in Untersuchungsarrest abgesührt.

Spandau, 4. März. In der hiesigen Geschütz­gießerei ist demAnz. f. d. Havcll." zufolge sieben­hundert Arbeitern gekündigt worden; die Entlassung soll nach 6 Wochen erfolgen.

Köln, 28. Fcbr. Am Aschermittwoch gegen Mittag fand ein hiesiger Herr ein Ehepaar neben dem leeren Ofenloch im Fastnachtskostüm sitzen. Ofen und sämmt­liche Kleider, sogar die Arbeitskleider, waren versetzt, um das nöthige Fastnachtsgeld zu schaffen. Ein trauriges, aber wahres Stimmungsbildchen aus dem Kölner Karneval.

Bochum, 8. März. Die Errichtung elektrischer Straßenrahnen findet im rheinisch-westfälischen Industrie- bezirke immer mehr Anklang. Namentlich gibt die Stadt Bochum lebhaft den Wunsch zu erkennen, durch elek­trische Bahnen Verbindungen mit den vielen Nachbar­orten zu suchen, um Handel und Verkehr in der Stadt zu heben. 19 Stadtverordnete haben den Magistrat ersucht, Schritte zu thun, daß bis zum 1. Oktober 1896 folgende Strecken fertiggestellt werden: Bochnm-Hattingen- Blankenstein, Bochnni/Altenbochum-Langendrecr-Willen; Bochum-Steele und Bochum-Castrop. Zur Begründung dieses Antrages wurde u. A. angeführt, daß z. B. die Stadt Essen Alles aufböte, um durch möglichst viele Bahnverbindungen die Ortschaften an sich zu fesseln.

Auch in Willen ist dieser Tage eine Petition bei den Bürgern in Umlauf gesetzt, in welcher der Magistrat ersucht wird, schleunigst mit einer Gesellschaft in Ver­bindung zu treten, um das elektrische Bahnnetz nach Wittere und dessen Umgebung auszubauen.

In dem Konkurs des Fabrikanten Julius Cohn zu Nordhausen soll, wie das Gericht bekannt giebt, nun­mehr die Schlußvertheilung der Masse erfolgen. Bei einem verfügbaren Bestand von 866 Mk. sind 171553 Mk. nicht berechtigte Forderungen zu berücksichtigen. Eine recht schöne Pleite!

Naumburg a. S., 6. März. Ein Bild von un­glaublicher Verrohung unserer Jugend entrollte die heutige Verhandlung vor unserer Strafkammer. Im Juli v. I. wurde bekanntlich ein Zögling des Zeitzer Zwangserziehungshauses, ein gewisser Brechel, zu vier Jahren Gefängniß verurtheilt, weil er einen Kameraden un Streite mit dem Hosenträger erwürgt hatte. Wenig­stens nahm man dies nach der Aussage zweier Augen­zeugen an. Heute waren aber diese Zeugen, der 17jährige Junge und der 17jährige Hoffmann, geständig, damals falsch geschworen zu haben, denn nicht bei einer Balgerei, sondern mit vorbedachter Mordabsicht habe Brechel seinen Kameraden getödtet. Die drei Buben hatten nämlich, weil es ihnen in der Zwangserziehung nicht gefiel, den Wunsch, aus dieser in das angenehmere Gefängniß zu kommen, und darum hatte Junge den Brechel beredet, «den schwachen, kleinen Kameraden Schorf zu ermorden. Zunächst hatten sie es auf den Mitangeklagten H. abgesehen; dieser war ihnen aber zu kräftig. Erst wollte B. allerdings auf den Mord­plan nicht eingehen; dann machte er auf vieles Zureden einen Versuch, Sch. zu erwürgen, ließ aber wieder von ihm ab, obgleich Junge ihn mit den Worten ermunterte: Immer feste, er sieht schon blau aus!" Am anderen Tage aber vollbrachte er die That, wobei H. dem sein Opfer niederringenden B. den Hosenträger zuschob und I. dem Erstickenden das Gesicht zudeckte,weil B. (der Mörder) dessen Gesichtszuckungen nicht mit ansehen könne". Aber nicht genug damit! Einige Monate später redete Junge zwei anderen Zwangszöglingen, die mit Fluchtgedankeu umgingen, diese Pläne aus; sie würden ja doch wieder gefaßt und in das verhaßte Er­ziehungshaus gebracht; aber wenn sie einen kalt machten, kämen sie in das bequemere Gefängniß. Die Beiden, der 16jährige Möbus und der 15jährige Blankenburg, waren dazu auch ohne Weiteres bereit nnd erkoren sich einen Kameraden L., der zwischen ihnen schließ als Opfer. In einer Novembernacht nahm M. seinen Hosenträger mit ins Bett; in der Nacht legte er sich um sich zu wärmen" wie er zu L. sagte, zu diesem ins Bett und schlang ihm im Schlafe den Hosenträger um den Hals. Dann zog er an dem einen, und Blankenburg vom Nachbarbette aus am anderen Ende, und der unglückliche L. war erwürgt. Seine letzten Schreie hatten zwar die anderen Zöglinge geweckt; diese hatten aber wegen Junges Drohungen nicht gewagt den Aufseher zu rufen. Möbus kroch mit einigen rohen Spötteleien über den Todten wieder in sein Bett und schlief ruhig bis zum Morgen. Heute wurde er und Junge jeder zu l5 Jehren, Blankenburg zu 12 und Hoffmann zu 2 Jahren Gefängniß ver- urtheilt. Der Prozeß gegen Brecher aber wird wieder ausgenommen werden.

Ausland.

Ostasic». Nun haben die Japaner auch die Stadt Nintschnang eingenommen. Der Kampf, der nach den Berichten des Generals Nodzu ein Heißer gewesen ist, hat am Montag Vormittag begonnen und erst nachts 11 Uhr nach einem erbitterten Straßengefecht geendet. Es haben zwei japanische Divisionen an der Erstürmung der Stadt theilgenommen, welche die Japaner einen Verlust von 206 Todten und Verwundeten gekostet hat. Die Chinesen haben 1900 Todte und Verwundete, 16 Geschütze und eine Anzahl Fahnen verloren, außer­dem sind 500 Mann von ihnen gefangen genommen worden. Das Schicksal der alten mandschurischen Hauptstadt Mukden scheint damit entschieden.

Bcucdig, 9. März. Gelegentlich des Aufenthalts Kaiser Wilhelms in Abbazia wird derselbe den König Humbert in Monza besuchen, und auch der Reichskanzler Fürst Hohenlohe wird, wie es heißt, eine Zusammenkunft mit Crispi haben.

Melbourne. In Australien hat Mr. Seymour Allen ein unterseeisches Boot erfunden, welches, wie er behauptet, drei Tage unter Wasser bleiben, jede Tiefe erreichen und ebenso schnell unter Wasser wie auf der Oberfläche fahren kann. Der Feind wird gar nichts von der Annäherung des Bootes gewahr, und so kann die Besatzung in höchster Gemütsruhe einen Torpedo an den Kiel des feindlichen Schiffes legen, um es in die Luft zu sprengen. Ein Modell dieses Bootes ist kürzlich in Melbourne probirt worden. Die Versuche fielen höchst befriedigend aus.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 12. März.

* Die Imker haben jetzt mannigfach zu klagen. Die warme Mittagssonne lockt die Bienchen aus den Körben und Stöcken. Sie wagen einen kurzen Flug; sie wollen und müssen sich reinigen, aber der Schnee blendet sie und viele fallen auf die kalte Decke und gehen verloren. Das Strohlegen vor den Ständen nützt nur wenig, da die kleinen Arbeiter durch bie warmen Strahlen weiter gelockt werden. Die Zeit ist eben schon fortgeschrittener zu dem Reinigungflug denn sonst. Viele Stöcke sind aber auch ganz eiugcgangeu.

* Es wird darauf aufmerksam gemacht, daß das Jahr 1895 vom astronomischen sowohl wie vom religiösen Gesichtspunkt aus ein bemerkenswerthes insofern ist, als am Charfreitag die Gestirne, welche um die Sonne sich gravitiren, genau die Position einnehmen, welche sie am Firmament an dem Tage hatten, an welchem Christus am Kreuze starb. Es ist das erste mal seit 1862 Jahren. Am 12. April Morgens 4 Uhr 5 Minuten wird der Mond vor der Aehre der Jungfrau Vorbeigehen und diese Konstellation eine Stunde lang verMen.

Hünfeld, 8. März. Die Zeitungen meldeten letzt­hin, daß es der hiesigen Zuckerfabrik gelungen wäre, mit den Rübenlieferanten und sonstigen Gläubigern einen Vergleich herbeizuführen. Diese Nachricht ist verfrüht. Wie wir aus zuverlässiger Quelle hören, schweben die Verhandlungen noch, und es werden vor­aussichtlich noch einige Wochen vergehen, ehe es gelingt, die noch rückständigen, einsichtsvollen Landwirthe dem vorgeschlagenen AbkonMn geneigt zu machen. Gelingt dieses nicht, so bleibt es eine offene Frage, ob die Fabrik in Liquidation bczw. in Konkurs treten oder einen Zwangsvergleich mit etwa 30 pCt. herbeizuführen suchen wird.

Hersfeld, 7. März. Trotz starker Kälte waren dem heutigen Viehmarkt 267 Rinder und 546 Schweine zugetrieben worden. Der Handel entwickelte sich recht lebhaft. Eine größere Quantität Hannövcrschcr Schweine fand guten Abgang, ebenso waren Ferkel der Landrasse recht gesucht, die mit 50 bis 60 Mark das Paar bezahlt wurden. Die Preise der Rinder waren hoch.

Fritzlar, 9. März. Aus Verfügung der Königl. Regierung wurde die Synagoge der hiesigen Israeliti­schen Relgionsgemeinde wegen Bau'älligkeit geschlossen. Der Schlüssel wurde der hiesigen Polizeiverwaltung eingchändigt.

Marburg, 6. März. Vor einigen Tagen brachten hiesige Blätter die Meldung, daß sich im nächsten Semester an der Universität eine junge Dame immatri- kuliren lassen wolle. Die Studentin der Medizin hat sich nunmehr als eine mit ungeheurer Frechheit aus­gestattete Hochstapelerin entpuppt. Dieselbe ist nachts als ein subsistenzloses Dienstmädchen bezw. Krankenwärtern,. Nachdem dieselbe in einem hiesigen Hotel einige Tage logirt, sichs vortrefflich hatte munden lassen, natüilich ohne zu bezahlen, ist sie nunmehr in Nummer Sicher untergebracht.

Hanau, 9. März. Wie derHan. Ztg." von unterrichteter Seite mitgetheilt wird, stehen demnächst auch in unserer Gegend in der Tabakindustrie größere Arbeiterentlassungen bevor. Auch hier sind, wie in Westphalen, bei den Fabrikanten die Lager überfüllt und werden sich schwerlich leeren, wenn die Befürchtung für die projektirte Fabrikatsteuer bestehen bleibt. Die Abnehmer werden ihren Vorrath jetzt möglichst zu ver­kaufen suchen, um nicht mit großem Lager, das noch nachzuversteuern wäre, in die neuen Verhältnisse zu kommen.

Von der Nidda, 4. März. Erfahrene Jäger be­fürchten, daß unterdenNehen infolge der ausgestandenen,