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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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M 20. Samstag, den 9. März 1895.

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Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser gedachte am Donnerstag Helgoland zu verlassen und sich nach Brunsbüttel zu begeben. Nach den bisher getroffenen Bestimmungen wird er von dort heute an Bord des Flaggschiffes Kurfürst Friedrich Wilhelm in Bremerhaven zur Besichtigung der neuen Hafenanlagen eintreffen und von Bremerhaven sodann mittelst Sonderzuges über Bremen, wo ein kurzer Aufenthalt genommen wird, die Rückreise nach Berlin antreten.

Ganz Deutschland rüstet sich, den 80. Geburts­tag des Fürsten Bismarck festlich zu begehen, nur der Reichstag wird davon absehen, zu Ehren des Mannes, dem er überhaupt sein Dasein verdankt eine Feier zu veranstalten! Diese Schmach, denn als solche muß es empfunden werden, verdankt das Reich den Sozial- demokraten und dem Centrum, die nach der im Senioren­konvent vom Präsidenten gegebenen Anregung, den Alt­reichskanzler am.L April durch eine Kundgebung des Reichstags zu ehren, erklärt haben, daß sie dagegen demonstrieren würden. Deshalb hat man den Plan fallen lassen und wird sich darauf beschränken, am 1. April keine Sitzung abzuhalten, damit wenigstens die Mitglieder, die an der Feier in Friedrichsruh oder sonstwo theilnehmen wollen, nicht behindert sind. Das Centrum mag sich auf diese Großthat etwas einbilden, besonders im Hinblick auf die feine Gesellschaft, in der es sich bei Vollbringung derselben befindet!

Es ist schon hin und wieder davon die Rede gewesen, welch' große Summen alljährlich für land- wirthschaftliche Produkte über die deutsche Grenze gehen, die ebenso gut im Lande bleiben könnten, wenn viele Landwirthe nicht so zähe an dem veralteten Betriebe hängen wollten. Nach dem neuesten amtlichen Ausweis über die deutsche Einfuhr beläuft sich diese auf die ungeheure Summe von 403 Millionen, die ins Ausland fließt, weil die deutsche Produktion unzureichend ist! Nach dieser amtlichen Statistik steht z. B. die Thatsache fest, daß der Werth der gesammten Roggeneinfuhr im vergangenen Jahr fast genau so hoch war, wie die Eiereinsuhr. Roggen wurde nämlich eingeführt im Werthe von 68,85 Millionen, Eier von 68,46 Mill. Mark. Mehr als die Hälfte aller Eier kommt aus Oesterreich-Ungarn, drei Achtel aus Rußland, der Rest aus Italien. Lebendes Federvieh wurde im letzten Jahre eingesührt für 17,56 Millionen, Rindvieh für 113 Millionen, Schweine für 84 Millionen, frisches Obst für 10 Millionen und Sämereien für 10 Millionen Mark.

k Halle a. S., 6. März. Die Aeußerung des Kaisers zu Herrn von Manteuffel nach dem brandenburgischen Festmahl lautet, wie die Saalezeitung aus bester Quelle hört, wörtlich: Ich kann den armen Leuten das Brod nicht vertheuern!

Zu der entsetzlichen Blutthat eines Wahnsinnigen in Warpuhnen (Kreis Sensburg) werden in der Königsb. Allgem. Ztg." nähere Einzelheiten mitgetheilt: Das erste Opfer des Wahnsinnigen war das neugeborene Kind seiner Frau, das der Mann lebendig in den heißen Ofen warf. Hierauf schleppte er die Frau selbst aus dem Bette und versetzte ihr mehrere Schläge mit einem Hammer, den ihm das fünfjährige Mädchen reichen mußte, auf den Kopf. Dann holte er die Rodehacke und hackte den Kopf vom Rumpfe. Um die Spuren seiner That zu verdecken, schleppte er die Leiche in den Stall und versteckte sie im Stroh, die Blutlachen bedeckte er mit den Betten und brächte ein Schwein in die Stube, das er schlachtete und liegen ließ, Fenster und Thüren verschloß er, damit Niemand etwas sehen konnte. Da die Wohnung sehr abgelegen ist, kam auch Niemand am Montag dorthin. Am Dienstag Morgen war I. aber sehr früh aufgestanden und heizte den ganzen Morgen den Ofen, holte dann die Leiche aus dem Stalle und wollte sie verbrennen. Aber der Hände und Füße wegen konnte er sie nicht in den Ofen schieben, darum hieb er diese ab und vergrub sie im Stalle, den Rumpf aber verbrannte er. Dann faßte er den drei­jährigen Knaben und schob ihn lebendig in den Ofen, der Leiche nach. Wie er aber im Begriffe war, das fünfjährige Mädchen in den Ofen zu schieben, öffnete der Vater der gemordeten Frau eine Fensterlade, da er nirgends hineinkonnte. Dadurch erschrak der Mörder so, daß er von seinem Opfer abließ und ganz starr pach dem Fenster blickte, wohin sich das kleine Mädchen

flüchtete. Noch an demselben Tage wurde der Mörder festgenommen.

Aus Franken. Der Schmied Schenk in Haßfurt hatte mit einigen Personen um einen Hektoliter Bier gewettet, daß er in den Löwenkäfig einer Menagerie, die dort zur Schau gestellt war, gehen wolle. Brüllend sprang ihm die Löwin entgegen, eine brennende Zigarre, die der Wagehals der Bestie entgegen hielt, trieb sie jedoch zurück und mit heiler Haut konnte der Schmied den Käfig wieder verlassen.

Hildcsheim, 3. März. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte gestern nach zweitägiger Verhandlung den Dachdecker Heinrich Leise aus Salzdefurth zum Tode, weil er das voreheliche Kind seiner zweiten Frau vor­sätzlich getödtet hat, indem er dem Kinde die noth­wendige Pflege vorenthielt, dasselbe der Kälte aussetzte, körperlich mißhandelte und es dadurch in einen der­artigen Zustand der Erschöpfung versetzte, daß am 15. Januar 1894 der Tod eintrat.

Metz, 1. März. Auf dem Schlachtfelde von Grave- lotte wird zur Zeit der 30 Meter hohe Aussichtsthurm in der Nähe der berühmten Ferme St. Hubert errichtet. Der Standort des Thurmes ist der höchste Punkt des Schlachtfeldes, so daß man von dort aus dasselbe in seiner ganzen Ausdehnung etwa 30 Kilometer Breite und 10 Kilometer Tiefe übersehen kann. Zur Feier der 25jährigen Wiederkehr der Schlachttage vom 14. bis 18. August werden, wie dieStraßb. Post" meldet, bereits bedeutende Vorkehrungen getroffen. Zur Unter­bringung der besuchenden Kriegervereine hat die Militär­verwaltung die Ueberlassung von Wellblechbaracken zur Herrichtung von Massenquartieren zugesagt. In der sogenannten Schlucht wird eine militärische Feier ver- anstaltet werden.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 8. März.

* Die strenge lange andauernde Kälte dieses Winters hat für viele Stadt- und Landbewohner auch die nachtheiligen Folgen gehabt, daß in Kellern und Gruben viele Kartoffeln und andere Früchte erfroren sind. Es macht sich deshalb seit einiger Zeit eine starke Nachfrage nach guten Speisekartoffeln und ein Anziehen der Preise bemerkbar. Bei Abnahme größerer Posten bieten die Händler 2 Mk., für bessere Sorten 2 Mk. 50 Pfg. für den Zentner und es ist anzunehmen, daß die Preise noch weiter steigen werden. Für die­jenigen Landleute, die noch Kartoffeln zu verkaufen haben, eröffnet sich also noch die Aussicht auf ein befriedigendes Geschäft. Die Noth des Winters ist aber auf dem Gipfelpunkt, die Holzkammern und Kohlenräume sind ziemlich leer, bei vielen Leuten ganz leer, und noch immer keine Möglichkeit, zu den Arbeiten im Freien zurückzukehren! Auch zeigen sich schwere Frostschäden; ganze Runkelrübenmieten sind durch­gefroren, der Hasenfraß und der harte Frost hat viele Obstbüume ruiniert. Wie die Saat unter der harten zusammengefrorenen Schneedecke fortkommen soll, ist zweifelhaft. Wir gehen einem späten Frühling entgegen, doch müssen wir uns selbst sagen: nur durch anhaltende und ausdauernde Barmherzigkeit gegen Mensch und Thier lassen sich die schlimmen Folgen über­stehen, die dieser Winter gebracht hat.

* In der Nacht vom 10. auf den 11. März findet eine totale Mondfinsterniß statt, die in unseren Gegenden fast während ihrer ganzenSauer sichtbar sein wird.

* Die am nächsten Vollmondtermine, am 10. März, auftretende mehrfache Fluthfaktoren-Häusung dürfte um den 12. über ganz Deutschland einen Schneefall bringen.

W. Aus dem Reichsversicherungsamt. Der Guts- arbeiter Paul war mit seinem Anträge auf Bewilligung einer Unfallrente von der Hessen-Nassauischen landwirthsch. Berufsgenossenschaft und auf eingelegte Berufung von dem Schiedsgericht zu Schlüchtern abgewiesen worden. Der Kläger befand sich bei einem Gutsbesitzer in Arbeit und wurde vorwiegend mit landwirthschaftlichen Arbeiten, da­neben aber auch als Wagner beschäftigt. Eines Tages hatte derselbe den Auftrag erhalten, eine kleine Reparatur aus- zuführen. Während er über den Gutshof ging, um sich sein Arbeitszeug zu holen, stürzte er, da es gerade Glatteis war, und zog sich Verletzungen zu. Die Berufsgenossen- schast sowohl als auch das Schiedsgericht gelangten zu der

Auffassung, daß der Kläger nicht in landwirthschaftlichen Betriebe, sondern in einem Handwerksbetriebe verunglückt sei, auf welchen zur Zeit sich die Unfallversicherung über­haupt nicht erstrecke. In seiner Rekursbeschwerde führte der Kläger aus, daß eine solche Unterscheidung mindestens in dem vorliegenden Falle nicht gemacht werden könne. Er sei einfach als landwirthschaftlicher Arbeiter anzusehen, der gelegentlich auch einmal kleine Arbeiten ausführe, wie sie sonst ein Handwerker zu verrichten habe. Wo besondere Gutshandwerker angestellt seien, möge man allenfalls sagen können, daß die landwirthschaftliche Unfallversicherung aus diese sich nicht erstrecke. Wo aber beides in einer Person vereinigt sei, da lasse sich doch nichts sagen, daß dieselbe je nach der augenblicklichen Beschäftigung bald als versicherter landwirthsch istlicher Arbeiter, bald als nicht versicherter Handwerker anzusehen sei. Höchstens könne man unter­scheiden, ob die eine oder die andere Beschäftigung die Hauptthätigkeit gewesen sei, und diese werde bei ihm jeden­falls in der landwirthschaftlichen Thätigkeit gefunden werden müssen. Das Reichsversicherungsamt erachtete die Rekurs­beschwerde für begründet und verurtheilte unterAufhebung der schiedsgerichtlichen Entscheidung am 4. März er. die Berufsgenossenschaft zur Zahlung der Rente.

* Aus der Strafkammersitzung vom 4. März. Der Bauer und Glaser Lamb von Hütten war wegen Herbeiführung eines unrichtigen Wahlergebnisses an= geklagt. Lamb war mit der Führung des Abstimmungs­Protokolls bei der am 16. Juni stattgefundenen Neu­wahl des Gemeindeausschusses beauftragt und schrieb dabei die Namen der von den Wählern zu ständigen Ausschußmitgliedern gewählten Ortsbürger in die Rubrik der außerordentlichen Mitglieder und umgekehrt. Wegen dieses Vergehens wurde ihm eine Gefängnißstrafe von sechs Wochen zuerkannt. Auf recht raffinirte Weise hatte der Handelsmann Strauß von Kirchbracht den Bauern Reith von Kleinlüder um 14 Mark betrogen. Reith hatte Strauß eine Kuh für 203 Mark verkauft, die dieser am 9. November abholte und alsbald bezahlte. Hierbei legte Strauß einen 100 Mark-Schein, einen Zinscoupon, der die Nummer 20 groß gedruckt auf beiden Seiten trug, sowie 30 Mark in Gold auf den Tisch. Den Eheleuten Reith war ein solcher Zins- Coupon vollständig unbekannt und trugen sie Bedenken, ob der Schein auch wirklich 20 Mark werth sei. Strauß versicherte dies, denn es stände ja darauf. Als die Frau sich immer noch nicht zufrieden geben wollte, forderte der Angeklagte sie auf, hinaus zu gehen, sie mache ihn nur irre. Die Frau kam der Aufforderung auch alsbald nach und ihr Mann fügte sich dem Willen des Strauß, die angeblichen 150 Mark vorerst in den Tischkasten zu legen. Strauß zählte alsdann den noch fehlenden Betrag auf den Tisch und entfernte sich. Als der Bauer Reith den Coupon an den Mann bringen wollte, stellte sich heraus, daß derselbe anstatt 20 nur einen Werth von 6 Mark hatte. Auf sofortige Anzeige wurde Strauß vom Schöffengericht Großenlüder zu sechs Wochen Gefängniß verurtheilt; dagegen hatte er Berufung eingelegt und leugnet die ihm zur Last gelegte That. Das Berufungsgericht gelangte jedoch ebenfalls zu der Ueberzeugung von der Schuld des Angeklagten und bestätigte das erste Urtheil, da auch die Strafe nicht zu hoch erscheint. Unter Ausschluß der Oeffent- lichkeit wurde sodann gegen den Taglöhner Föller von Bellings, der wegen widernatürlicher Unzucht angeklagt ist, verhandelt. Das Urtheil lautete auf ein Jahr Gefängniß.

Orb, 1. März. Seit einigen Tagen ist eine bessere Verprovianürung unserer Stadt eingetreten. Unsere Metzger erhalten nämlich durch Vermittelung eines Fuldaer Händlers aus dem Schlachthause zu Beuthen an der schlesisch-russischen Grenze ausgeschlachtete Schweine. Dieselben sind auf ihre Genießbarkeit unter­sucht, vollständig zum Gebrauche fertig und werden zum Preise von 50 Pfg. pro Pfd. verkauft. Sollten die Preise anhalten, würden wir einen allgemeinen Fleisch­abschlag zu gewärtigen haben, der in diesem schlechten Geschäftsjahr mit Freuden zu begrüßen wäre. Uebrigens sollen alle umliegenden größeren Ortschaften und Städte mit derselben Waare versorgt werden. Demnächst beabsichtigt ein Thierarzt, sich in hiesiger Stadt dauernd niederzulassen. Die hiesige Thierarztstelle ist seit ca. 10 Jahren unbesetzt.

Geluhansen. Das Bestreben, die Pflege des Obst­baues in unserer von der Natur so begünstigten Gegend