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Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Krcisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

15. Mittwoch, ben 20. Februar 1895.

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Die Korruption in Frankreich.

Wenn man auch nicht leugnen kann, daß Betrug, Unterschleif, Veruntreuungen und Erpressungen überall Vorkommen, so muß man doch zugestehen, daß die Erscheinungen der Korruption, namentlich in den höheren Ständen, in keinem Land so häufig und geradezu erschreckend sind, wie in Frankreich, wenigstens in neueicr Zeit. Keine Woche vergeht, ohne daß nicht ein neuer Skandal atrgebeeft wird, und es sind eben nicht mehr, wie in anderen Ländern, einzelne Persönlichkeiten, die aur Abwege gerathen, sondern es kommt gewöhnlich ein ganzer Rattenkönig von Schwindlern und Betrügern zu Tage, wenn der Untersuchungsrichter einmal ordentlich zugreift. Gegenwärtig steht wieder eine ganze Anzahl einst hoch angeiehener Männer vor Gericht, die der Erpressung angeklagt sind. Es haudelt sich da meistens um Zeitungsunternehmungerr, wie z. B. das „XIX Siöcle", das einst eine bedeutende Rolle gespielt hatte und dann zurückgekommen war. Dieses Blatt und noch einige andere können sich nicht anders mehr halten als durch bedeutende Zuschüsse; die eigenen Einnahmen langen bei weitem nicht mehr hin, um die großen Ausgaben zu decken, und zwa? können diese Blätter zum Theil deshalb nicht bestehen, weil sie „zu vornehm" gehalten sind. Auch ein Zeichen der Zeit! Wiedcre andere aber fristen ihr Dasein von vornherein nur durch Zuschüsse von Parteifreunden. Wenn diese aber fehlen, müssen sie sich nach anderen Hilismilteln Hinsehen und diese finden sich o t nur auf unerlaubten Wegen. Um diesen Punkt hauptsächlich dreht sich nun der gegenwärtige Prozeß. Da war zuerst das Panama -Unternehmen, von dem manche Zeitungen lange Zeit zehr cn. Für

die Anpreisung Desselben erhielten

bedeutende

Summen. Nun aber hat diese Goldquelle an gehört, es mußten neue gesucht werden. Wenn sich niemand freiwillig anbot, Geld zu geben, so mußte jemand dazu gezwungen werden. Da fand man denn die Pariser Spielsäle, sog. Cercles, gerade bequem genug, um sie ein wenig anzuzapfen. Von Monte Carlo weiß man, daß der dortige Spielpächter ganz bedeutende Summen zahlt, um die Zeitungen zum Verschweigen mancher Vorkommnisse zu bewegen. Warum sollten nicht auch die Pariser Spielhöllen bezahlen? dachten erfindungs- reiche Köpfe. Darum wurde den Besitzern solcher Spielsäle die Pistole auf die Brust gefitzt. Manche ließen sich auf den Handel ein und zahlten, manche nicht. Außer den Spielsälen gab es auch noch andere Unternehmungen, Kaufhäuser, Banken rc., welche bedroht wurden. Wo etwas faul war oder wo ein Verdacht entstand, daß etwas nicht in Ordnung sei, flugs waren die Erpresser da, um sich Geld geben zu lassen für das Schweigen, das sie in ihren Blättern über die anrüchige Affaire zu halten versprachen. _ Ja, die Ganner gingen noch weiter; wer im Bewußtsein seiner Unschuld Geld zu geben sich weigerte, dem wurde gedroht, daß er und sein Geschä t schlecht gemacht würden. Und es gelang auch dann und wann, ein solches Geschäft in Verruf zu bringen, ohne daß der Besitzer sich dagegen wehren sonnte.

Anderer Art sind die Betrügereien an der Süd- bahngesellschaft, wo beim Bau und beim Betrieb Millionen unrechtmäßig in die Tasche einzelner Banner geflossen sind, zum Nachtheil der Aktienbesitzer uad des Werkes. Am schlimmsten ist aber der neueste Skandal

wegen des abgesetzten Steuereinnehmers Levaillant, der­ber einem jährlichen Einkommen von achtzigtausend Franken sich noch in einem schmutzigen Handel bezahlen ließ, um seinen Einfluß auf die Richter zu Gunsten dieser und jener Angeklagten auszuüben. Also der Richterstand ist auch schon angestccki! Und das ist das Ge ährlichste für den Staat und die Republik. Der Abgeordnete Boucher hat in der Kammer einen Bericht über die Justiz- und Polizerverhältnisse erstattet, der ~w. -....... — —

bei: anständigen und aur ihre Sicherheit bedachten lottcrie soll nach der „Deutschen ^agcsztg." der Fruanz- . Leuten sehr zu denken geben muß. Boucher kommt zu minister beabsichtigen, den königlichen Kreisrcntmeistern

dem Schluß, daß die iranzösischen Richter im Allgemeinen ! zu übertragen.

ihrer Am gäbe nicht gewachsen seien, und stellt zur f — Dw neue preuß. Stempelsteuervorl^ Bekrätigung dieser Behauptung fest, daß in Frankreich alljährlich nicht weniger als 8000 Justizirrthümer

Vorkommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. Februar. Ueber den Empfang der Depilation des Bundes der Landwirthe beim Kaiser

verlautet Folgendes: Der Vorsitzende des Bundes, Herr Cham. r garnisten rc. wieder-vei miethen. Ebenso sollen

v. Ploetz, verlas den Wortlaut der Adresse vor dein auch schriftliche Mielhs- undAftermielhsvertrüge besteuert Kaiser, woraus dieser eine Erwiderung auf diese Adresse j werden, wenn sie bewegliche Sachen betreffen. EinStempel ebenfalls verlas. Der Kaiser zog die einzelnen Herren wird auch eingeführt für Rang- und Slandeserhöhungen; der Deputation hierauf ins Gespräch. Der Empfang j so kostet die Herzcgöwürde 5000 Mk., dir Fürstenwürde

währte mehr als eine halbe S.unde und fand statt in Gcgenwarr des Chefs des Geheimen Cwll-Katzinets, Dr. v. Lucanns, des Ministers des Innern, v. Möller,

und öcr

des Ministers der Landwirthschaft. Nachdem Vorsitzende des Bundes der Landwirthe,

Abg. v. Ploetz, Sr. Majestät dem Kaiser die Adresse überreicht hatte, erwiderte der Kaiser Folgendes: „Dem Beispiel der ostprcnßlschen Landwirthe, welche im Oktober vorigen Jahres zu nur kamen, folgend, sind auch Sie nun erschienen, um mir Ihre Wünsche vorzutragen. Ihr Empfang ist Ihnen Beweis, wie ernst es Mir um das Wohl und Wehe Meiner Bauern zu thun, und daß lüietn Wort, daß Meine Thür jedem Unterthanen offen steht, keine leere Formel ist. In dem Eifer, sich selbst zu helfen und den auf derLandwirlhschaft lastenden Druck allen Kreisen des Volkes klar zu machen, haben sich Mitglieder Ihres Bundes in den verflossenen Jahren zu einer Agitation in Wort und Schrift ver­führen lassen, die über den Rahmen des Zulässigen hinausgehen und Mein landesväterliches Herz tief Läuten mußte. An dem heutigen Tage jedoch haben Sie, gleichwie meine Ostpreußen, dieses Vergehen wieder gut gemacht. Aus der bevorstehenden Berufung des Staatsraths, dem alle einschlägigen Fragen zur Be­rathung vorgelegt werden, mögen Sie ersehen, wie Ich hoffe, unter Mitwirkung von Landwirthen aller Stände Ersprießliches iür die Hebung der Landwirthschaft zu erwirken. Mein landesväterlicher Rath geht deshalb dahin, daß die Herren jeder sensationellen Agitation sich enthalten und mit Vertrauen der Arbeit des Slaals- ralhs folgen mögen. Wir wollen Got bitten, daß diese Bemühungen zum Heile 5er Landwirthschaft aus Ichlagen, und daß Ihnen ein gutes Jahr bescheert sein möge!" Nach dem Empmngc der Deputation nahm der Kaiser den Vortrag des Chefs des Geheimen Civil- Kabinets entgegen und hörte darauf die Marine-Vorlage.

— Der Kaiser soll in seinem mehrerwähnten Marine-Vortrag die Mittheilung gemacht haben, Krupp habe sich erboten, falls die bevorstehenden Marine Vorlagen bewilligt würden, das Material zu den neu zu erbauenden Kriegsschiffen zum Selbstkostenpreise zu liefern. Diese Miliheitung wird von der „HaUeschen Zeitung" bestätigt und zwar mit dem Hmzufügen, daß für das Anerbieten des Großindustriellen einerseits rein patriotische Motive maßgebend seien, andererseits aber auch der Wunsch, die Beschäftigung auf seinen Werken möglichst in vollem Ummnge aufrecht zu erhalten. Die Lage der deutschen Eisenindustrie sei gegenwärtig eine derartig deprimirte, daß umfangreiche Arbctterentlassungen fast am allen Werken bcvorständen und znm Theil bereits begonnen hätten.

— Die Gesammistrecke des Kaisers während der zweitägigen Pürsche in der Umgebung von Hubertus- stock, am Montag und Dienstag, beträgt 15 Rothirsche und 3 kapitale Dam-Schaufler. Unter den gestreckten Rothirschen befinden sich: 4 Scchszehncndcr, 2 Vierzehn- ender, 6 Zwölfender, 2 Zehnender und 1 Achtender.

— In Ausführung eines neuerlichen Befehles, be­treffend die Bekleidung der Offiziere, haben fortan die Offiziere aller Fußtruppen sowohl bei jedem Dienst, in den sie eintreten, als auch bei allen Paraden mit hohen Stieseln zu erscheinen. Das Tragen der langen Beinkleider mit kurzen Stiefeln ist nur noch außer Dienst und in Gesellschaften gestattet. Diese neue

Bekleidungs-Ordnung für Infanterie-, Fußartillerie- und Pionier-Offiziere entspricht ganz der für die O fi^ ziere der berittenen Truppen schon längst gütigen.

— Den Verkauf der Loose der preußischen Klassen-

stimmuttgen, die ganz neu und einschneidend sind. VorAllcm i]i hervorzuheben die Verpflichtung für Vermiether, ein St mpeibuch über die im Laufe des Jahres ab^escklosscnen

Mietsverträge anziilegen, welche nunmehr mit (in Z hntel vom Hundert des Muthzinfes alljährlich besteuert werden sollen, wenn der Micchzins 300 Mk. pro Jahr über- steigt. Es gilt das auch für Personen, welche an,

300 ’, Grafentuel 1800, Freiherrnwürde 1200, Adel

600, der Kommerzienrathstttel 300 Mark u. s. w.

Halle, 14. Febr. - Vor etwa 14 Tagen hat in der benachbarten Dölauer Heide ein Kampf zwischen einem Wilddieb und einem jugendlichen Forstbeamten statt- ge linden, wobei letzterem eine volle Schrotladung ins Gesicht gedrungen ist. Das linke Auge war sofort unrettbar verloren; doch hofften die Aerzte, das rechte noch zu erhallen. Leider hat sich nunmehr auch diese Hoffnung als trügerisch hcrausgestellt, und die Ent> deckung des Thäters ist dadurch nahezu ausgeschlossen. Wenn derselbe nicht noch gelegentlich einmal durch seinen Helfershelfer (einen solchen hatte er) verrathen wird, ist wohl bedauerlicher Weise eine irdische Sühne nicht zu erhoffen.

In Oels ist dieser Tage ein Metzgermeister, der verdorbenes Fleisch zur Wurst hatte verarbeiten lassen, zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilt worden. In Folge des Genusses der Wurst sind mehrere Personen erkrankt und ein junger Mann gestorben.

Ausland.

London. 15. Februar. In den letzten vier Tagen fand eine Todtenschau- über etwa hundert Leichen statt. Bei achtzig derselben stellten die Coroncrs fest, daß der Tod in Folge Kälte eingetreten war.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 19. Febr.

* — Gestern, Montag Morgen, erhängte sich die in der Linsengasse wohnende Wittwe Knauf aus Hütten in der Scheuer. Welches die Veranlassung des Selbst­mordes war, ist nicht bekannt.

* — Den „Drückebergern", die hartnäckig daS Streuen von Asche unterlassen, sei nachdrücklichst eine Entscheidung empfohlen, die in Bezug auf die gerade jetzt so aktuelle Frage der Verpflichtung der Hausbesitzer zum Schadenersatz in Unglücks änen, die durch Nicht­beachtung der polizeilichen Vorschriften über das Be- strenen der Bürgersteige bei eintretendem Glatteis entstehen, das Kammergericht am Freitag anläßlich eines konkreten Falles gefällt hat. Der Entscheidung liegt folgender Thatbestand zu Grunde: In Friedrichsscloe besteht eine Polrzeiverordnung vom 27. Juli 1890, wonach die Bürgersteige von den betreffenden Haus­besitzern bei eintretendem Glatteis mit Sand oder Asche Gestreut werden müssen. Der Bäckermeister F. daselbst hatte nach der gerichtlichen Feststellung am 5. Dezember 1892, obwohl bereits um 6 Uhr früh Glatteis eingetreten war, um 10 Uhr Vormittags noch nicht streuen lassen. Um diese Zeit passirte die Plätterin R. den Bürgersteig vor dem Ffichen Hause, glitt aus und brach einen Arm so unglücklich, daß sie dauernd unfähig zur Ausübung ihres Gewerbes wurde. Sie beanspruchte nun im Wege der Klage von F. eine Eliischädigung- von 6500 Mk. oder eine entsprechende Rente, worauf in erster Instanz der Schadenersatzbetrag zwar noch nicht festgestellt, aber doch dahin erkannt wurde, daß ein solcher dem Grunde nach -gerechfertigt sei. Der Verklagte legte Bern ung bet dem Kammergericht ein, indem er die qu. Polizei- verordnung formell und materiell nicht |ür recksts- verdindlich erachtete und namentlich darauf hinwicS, daß es sich im vorliegenden Falle um eine noch gar nicht gepflasterte Straße handele, weshalb die Polizei zur Auferlegung derartiger Verpflichtungen iür die be­treffenden Hausbesitzer nicht berechtigt sei. Das Kammer­gericht erachtete aber diesen Einwand für unbegründet, die Verordnung ür rechtsgültig und wies deshalb die Bcru ung zurück.

41- — Mittheilung der Handelskammer. Auf neuerdings eingebrachten Antrag der Handelskammer wird die Königl. Eisenbahndirektion zu Frankfurt a. M. im bevorstehenden Sommer im Interesse der von Hanau und Pulverfabrik nach Stationen der Elm-Gemündcncr Bahn fahrenden Arbeiter an Samstagen die Personen­beförderung bei dem Eilgüterzugc 707 zwischen Hanau und Elm wiederum zulassen.

— Der Herr Justizminister hat auf eine Anfrage des Bbg. Lonchius erklärt, daß ein Gesetzentwurf tetr.