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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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,M 11. Mittwoch, den 6. Febluar 1895.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser empfing Sonntag eine Abordnung der städtischen Behörden, die Herren Ober- bürgermeistcr Zelle, Bürgermeister Kirschner, Sladt- verordnetcnvorsteher Dr. Langerhans und Stadt- vcrordnetenvorstehcr Michelet, die ihm eine Dankadresse für die geplante Ausschmückung der Siegesallee über­reichten. Auch Graf Herbert Bismarck ist zur Ab- stattung einer persönlichen Meldung vom Kaiser empfangen worden.

Prinz Wolfgang von Bayern ist den Folgen einer Nierenentzündung und eines Lungenödems erlegen. Der Prinz hatte noch am Tage vor seinem Tode an der Beglückwünschung seiner Großtante sich beiheiligt, da befiel ihn ein Unwohlsein, das sich Tags darauf rasch zur tödtlichen Krankheit entwickelte und trotz aller Bemühungen der Aerzte dem jungen Leben ein so frühes Ziel setzte.

2. Febr Die Schußaffaire an dem Pulver schuppen auf dem Tegeler Schießplatz, bei der ein Mann von einem Posten erschossen wurde, hat ein Nachspiel gehabt. Seit jener Zeit soll die aus 23 Mann bestehende Wache von dem sich dort umher treibenden Gesinde! mehrfach insultirt worden sein. Einmal wurden die Officiere der Ronde von Strolchen überfallen und dann wurde bei einer Prügelei zwischen Soldaten und einem Kutscher eines Abfuhrwagens einem Soldaten das Gewehr zerbrochen. Die Wache ist in Folge dessen auf 40 Mann verstärkt worden, von denen jeder 15 scharfe Patronen erhalten hat.

Nach einer soeben veröffentlichten Lebensmittel- statistik kosteten im Durchschnitt des Jahres 1894 in Preußen 1000 Kilogramm Weizen 133 Mk. gegen 150 Mk. im Jahre 1893, Roggen 116 (133) Mk., Gerste 130 (141) Mk, Hafer 136 (156) Mk., Koch­erbsen 218 (226) Mk., Speisebohnen 245 (245) Mk., Linsen 441 (458) Mk., Eßkartoffeln 45,1 (44,3) Mk., Richtstroh 47,5 (52,3) Mk., Heu 67,8 (84,7) Mk., Rindfleisch im Großhandel 1073 Mk. gegen 1041 Mk. im Erntejahr 1893/94.

Die mit dem PostdampferElbe" am 29. Januar von Bremen abgesandte Post für Amerika hat nach einer Bekanntmachung des Kaiserlichen Reichs-Postamts bei dem am 30. Januar erfolgten Untergang des genannten Schffs nicht gerettet werden können und ist als ver­loren zu betrachten.

Bremen. Zum Untergang des DampfersElbe". An Bord derElbe" haben sich nach genaueren Wiit» theilungen etwa 330 Personen befunden, also weniger, wie es zuerst gerüchtweise hieß, und da nun die Zahl der Geretteten etwa 30 betrifft, haben etwa 310 Personen den Tod in den Wellen gefunden. Beileidstelegramme laufen bei dem Norddeutschen Lloyd in Bremen in großer Zahl ein, voran stehen diejenigen des deutschen Kaisers, der deutschen Fürsten, des Reichskanzlers und vieler hochstehenden Personen. Was nun die Schuld- frage betrifft, so ist ganz außer Zweifel, daß die Besatzung des britischen KohlenschiffesCrathie" welches das Unglück angerichtet, ein schlechtes Gewissen hat. Alle von derElbe" Geretteten, auch der Lootse erklären bestimmt, daß die Nacht dunkel, aber klar war, daß kein Nebel herrschte, und somit hätten also die Lichter derElbe" von der Wache auf derCrathie" un­bedingt gesehen werden müssen. Die Leute von der Crathie" bleiben aber dabei, es sei Nebel gewesen, so daß sie die Lichter derElbe" erst dann gewahrt hätten, als es bereits zu spät war. Als nächste Ursache für die schwere Katastrophe muß also, wie die Dinge liegen, angenommen werden, daß die Wache auf derCrathie" ihre volle Schuldigkeit nicht gethan hat. Weshalb sind nur so Wenige gerettet, da dieElbe" fünf Boote besaß? Auch dies ist aufgeklärt. Die Mannschaft hatte keinen Moment die Besonnenheit und Disciplin verloren, aber dieElbe" senkte sich so schnell, daß die größte Zghl der Boote überhaupt nicht mehr in Benutzung genommen werden konnte. Bon ben beiden Booten, welche ins Wasser gelassen wurden, schlug dann noch das eine um. DieCrathie" will von der Größe des Unglücks nichts geahnt haben, hat auch deshalb nicht den Versuch gemacht, derElbe" zu folgen, obwohl das Fahrzeug, wenn auch schwer beschädigt, |0 doch noch seetüchtig war. Auch hierüber, ob es nicht die Pflicht des englischen Schiffes gewesen wäre, dem deutschen zu folgen, wird noch Klarheit zu schaffen

sein. Der herrschende Sturm und die scharfe Kälte haben auf derElbe" jedenfalls noch das Ihrige ge­than, das Rettnngswcrk zu erschweren.

Die am 4. Februar in Lowestoft eingetroffene SchmackTarn" berichtet:Wir sahen am 30. Januar 5 Uhr morgens Raketen, die ein großer Dampfer losliefi. Wir näherten uns bis auf 700 Meter Entfernung, da verschwand der Dampfer. Darauf sahen wir einen anderen, blaue Lichter zeigenden Dampfer, der nach einigen Minuten die Fahrt in östlicher Richtung fort- setzte. DieTarn" kreuzte eine Zeit lang in dieser Gegend, wir sah n aber weder Leichen, noch Boote oder Trümmer. Wir bemerkten auch einen dritten Dampfer, der jedoch zu irgend welcher Hülfeleistung nicht anhielt." Die SchmackJudustry" hat 35 Meilen von Lowestoft den Leichnam eines fremden Matrosen mit einem Rettungsgürtel angetroffen, andere Schmaicken haben Trümmer des untergegangenen Schiffes und' eine zweite Leiche gesehen.

Dortmund, 2. Februar. Wie derDortmunder Zeitnng" aus Hörde gemeldet wird, sind gestern bei dem Einsturz des Daches des Gußstahlwerkes der Hcr- mannshütte mehrere Personen verunglückt. Der Be- iriebsfüyrer Geylenberg wurde sofort getödtet; der Siedemeister Adam und zwei Arbeiter erlitten so schwere Verletzungen, daß an ihrem Aufkommen gezweifelt wird

Erfurt, 1. Febr. Ein junges Scheusal stand in der Person des Mühlknappen Friedrich Schick aus Arnstadt vor der hiesigen Strafkammer. Der Bursche sann einen wahrhaft teuflischen Plan aus, um sich an seiner Mutter zu rächen, mit der er in Unfrieden lebte. Er wanderte nach Ilmenau, woselbst er Arbeit fand, und bestellte von hier aus in Arnstadt einen vergifteten Kuchen, angeblich zu dem Zwecke der Mäusevergiftung, in Wahrheit aber, um seine eigene Mutter des versuchten Giftmordes bezichtigen zu können. Als nämlich der Kuchen ein getroffen war, machte der Bursche die Anzeige, daß er aus Arnstadt ein verdächtiges Gebäck erhalten habe, das vermuthlich vergiftet sei. Dasselbe rühre offenbar von seiner Mutter her, die ihm nach dem Leben trachte u. f. w. Der Kuchen wurde dann auch untersucht und, als man wirklich Gift in demselben fand, die Anklage gegen die Mutter des Burschen erhoben. Indessen kam die Sache bald zu Tage, der junge Mann wurde verhaftet und gestand nun, daß die ganze Geschichte erlogen sei. Das Gericht erkannte wegen verläumderischer Beschuldigung auf ein Jahr Gefängniß.

Die Kalisalz-Bergwerke in Staßfurt haben beschlossen, für alle Rohsalzbezüge der deutschen Landwirthschaft, so wohl der Verbände wie einzelner Landwirte, einen Preis­nachlaß von 5 Prozent auf den Grundpreis während des laufenden Jahres zu gewähren. Hierdurch tritt für den Doppelzentner Somit eine Preisermäßigung von 7/a Pfg. und für den Doppelzentner Karuallit von 4/2 Pfg. ein.

In Magdeburg ist im Alter von 79 Jahren der Geh. Kommerzienrath Gruson gestorben. Er hatte in seiner Jugend selbst die Lokomotive bedient und wurde dann Begründer eines industriellen Werkes, das zu den größten Eisenetablissements in Deutschland zählte. Im Jahre 1885 wurde das Grusonmerk, das in Buckau- Magdeburg weite Flächen einnimmt, in eine Aktien­gesellschaft verwandelt. Vor 1/a Jahren kaufte Krupp in Essen dieses Werk an. Gruson war der Erfinder der Panzerthürme, des Hartgusses und vieler dem Civil­dienst dienenden Maschinen.

Würzburg, 2. Febr. Um 3/a Uhr wurde General v. Orif mit den Ehren eines Feldmarschalls zu Grabe getragen. 3 Bataillone Infanterie, 3 Batterien, die Spitzen der Behörden, auch den Bischof sowie zahlreiche Offizicrsdcputattonen bemerkte man im Lejchenzugc. Als Vertreter des Prinz-Regenten wohnte der General Verri della Bosia, als Vertreter des Kaisers der Major v. Prittwitz der Beerdigung bei. Die Grabrede hielt der protestantische Dekan Beck. Unzählige Kränze wurden am Grabe nicdcrgclcgt. Sowohl der Kaiser wie der Prinz Regent hatten Kränze gesandt.

Der in Nürnberg verübte große Postdiebstahl ist noch immer unaufgeklärt. Außer der kgl. Postbchörde, die für Ermittelung des Thäters, bezw. der entwendeten Gelder, einen Preis von 500 Mk. ausgesetzt hat, Hai nunmehr auch die Frankfurter Versicherungsgesellschaft Providentia" eine Belohnung in gleicher Höhe ausge-

, schrieben, und zwar fürWiedephcrbeischaffung" mit- gestohlener Pfandbriefe im Gesammtwkrth von 22000 Mk. Das bezügliche Werthpacket war mit nur 600 Mk. ein­geschrieben. Desgleichen war eines der geraubten, an an L. und E. Wertheimer in Frankfurt a. M. gerichtetes ' Packet, etwa 41000 Mk. in aus- und inländischen Effecten enthaltend, mit nur 600 Mk. Werthangabe versehen. Ein von der Nürnberger Bank abgcsandtcs, tausend Reichsbanknoten ä 100 Mk. bergendes Packet war mit voller Werthangabc versehen.

Fürth, 4. Fcb. Der bei dem Untergang des Dampfers .Elbe" gerettete Passagier Eugen Schlegel aus Fürth ist nach bei seinen hiesigen Verwandten eingegangenem Telegramm in Folge der ausgehaltenen Strapazen ge­storben.

Ausland.

Bern, 1. Febr. In Folge der andauernden furcht­baren Kälte ist der Züricher See von Roppcrswyl bis zur Ortschaft Stncfa hinunter zugefroren, was feit Jahren nicht mehr vorkam. Ebenso ist der Vier- waldstätter See bet Alpnach zugefroren. Das Eis ist acht Zentimeter dick.

Rom, 1. Febr. Das Wetter ist ganz entsetzlich. Die Kälte in Bologna, Venedig, Mailand und Florenz ist sehr bedeutend. An der Küste wüthet ein heftiger Organ. Die Telegraphenoerbindung mit Sizilien ist unterbrochen. In der Nähe der Station Fuzine steckt ein Schnellzug seit drei Tagen im Schnee. Die Passagiere sind unter großen Anstrengungen nach Fuzine gebracht worden. Die ausgeschickten Schneepflüge sind außer Stande, den Schnellzug flott zu machen; sie müssen wegen der herrschenden orkanartigen Bora immer wieder umkehren. In Oberitalien wüthen aber­mals Schuecstürme. Auch aus Süditalien werden solche gemeldet. *

Das unglückliche Brasilien ist schon wieder von einer Revolntwn bedroht. In Rio de Janeiro sind seit mehreren'Tagen Unruhen ausgebrochen, die um­fassende Vorkehrungen für die Sicherheit der Stadt nöthig gemacht haben. Die Truppen lagern auf den öffentlichen Plätzen, patrouilliren in den Straßen und beschützen die Bureaux der Zeitungen. Zur Unter­stützung des Militärs ist Marine-Infanterie gelandet worden. Die Kadetten der Militärschule haben sich empört; man glaubt,, daß dieselben sich im Besitz von Kanonen und Munition befinden.

Ostasien. Vom chinesischen Kriegsschauplatz kommt die überraschende Meldung von der bereits erfolgten Einnahme von Wei hai-wei bind) die Japaner. Dem Reuterschen Bureau" wird aus Tschifu den 31. Januar gemeldet: Die Japaner nahmen gestern Wei- hai-wei nach zweitägigem Kampfe. Die Chinesen flohen; die Verluste derselben werden auf 2000 Mann angegeben. Die Insel Lin-kung-tan, auf welcher sich zahlreiche Befestigungen und der Regierung gehörige Werkstätten befinden, ist noch in den Händen der Chinesen. Alle Europäer haben wohlbehalten Wei-hai-wei verlassen. Mehrere englische Abendblätter meldeten bereits ans Tschifu, daß die japanische Flotte die chinesischen Forts von Wei-hai-wei beschossen, eine große Truppenmacht gelandet, drei Forts erobert und ein anderes Fort zum Schweigen gebracht habe.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 5. Febr.

* Der diesjährige Maskenball des hiesigen Turnvereins findet am 24. Februar statt.

Orb, 1. Febr. Ein Kriegerdenkmal soll auch in Orb errichtet werden, sobald die nöthigen Gelder beisammen sind. Im Verfolge dieses Gedankens hat Herr Bildhauer Hermann Krämer aus Fulda, dessen Atelier für monumentale Kunst weit über Hessens Grenzen hinaus den besten Ruf genießt, dem Comitee am letzten Samstag einen selbstgefertigten Entwurf für ein Krieger Denkmal zu Orb vorgelegt und hat die Zeichnung allseitige Zustimmung gefunden. Nach derselben würde das Denkmal, ca. 5/a Meter hoch, eine Obeliskenform in Stein erhalten und von einer Germania gekrönt sein. Auf den Seiten des Sockels blieb Platz referuirt zu passenden Inschriften und der weitere ornamentenreiche Aufbau erhielt die Symbole der verschiedenen Waffen-Gatlungeu, das eiserne Kreuz und sonstige der Suche angemessene Verzierungen.