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MüchtmlerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Mittwoch, den 30. Januar

1895

Ne>^p!!n»Hal>«f dieSchlüchterner Zeilung" H werden noch fortwährend von allen - ................- Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser feierte am Sonntag bei scharfem aber freundlichen Winterwetter seinen Geburts­tag, aus welchem Anlaß zahlreiche deutsche Fürsten nach Berlin gekommen sind, so die Könige von Sachsen und Würtemberg, die Grotzherzöge von Baden, Olden­burg, Hessen, die Herzöge von Schleswig-Holstein- Sonderbnrg Glücksburg u. A. m. Der Hof, die Gene­ralität, die höchsten Würdenträger u. s. w. wurden in üblicher Weise empfangen.

Eine Sonderausgabe desReichsanzeigers" veröffentlicht eine Kabinetsordre an den Magistrat und die Stadtverordneten Berlins, in der der Kaiser anläßlich der fünfundzwanzigsten Wiederkehr der Ge­denktage der glorreichen Siege als Zeichen der An- erktnunng für die Stadt und zur Erinnerung an die ruhmreiche Vergangenheit des Vaterlandes der Stadt einen Ehrenschmuck stiftet. In der Sicgesallee im Thiergarten sollen die Marmorstandbilder der Fürsten Brandenburg und Preußens bis auf Kaiser Wilhelm I. und neben ihnen Bildweike der für ihre Zeit besonders charakteristischen Männer, seien sie Soldat, Staatsmann oder Bürger, ausgestellt werden. Die Kosten über­nimmt der Kaiser auf seine Schatulle.

Eine kaiserliche Kabinetsordre an den Kriegs­minister erachtet die zehnwöchentliche Dienstzeit der Volksschullehrer nicht als ausreichend; die Einübung mit den Waffen soll daher auf einen Jahreskinsus ausgedehnt werden und so gestaltet werden, daß die Heranbildung der Volksschullehrer und Kandidaten des Volksschulam'es so weit als thunlich zu brauchbaren Unteroffizieren erfolgt.

In Hamburg ist dieser Tage der Prokurist der Hamburger Dynamit Aktiengesellschaft, R. Zander, der 24 Jahre bei der Gesellschaft angestellt war, wegen Unterschlagungen in der Höhe von 630 000 Mark ver­haftet worden. Zander ist geständig, die Unterschrift' seines Mitprokuristen auf dem Rentamt gefälscht zu haben. Er hatte am 1. Januar ds. Js. ein Speku- lations-Engagement von 5 bis 6 Millionen.

Der Rittergutsbesitzer v. Buch auf Wendorf in Mecklenburg hat dieser Tage das seltene Jagdglück gehabt, auf seinem Gut mit 2 Schüssen drei Hirsche zu erlegen.

Posen. Der Verein zur Förderung des Deutschthums in den Ostmarken vermittelt, wie aus Posen geschrieben wird, von jetzt ab auch Käufe und Verkäufe von länd­lichen und städtischen Besitzungen jeder Größe und Gattung, außerdem vermittelt er kostenfrei die Er­ledigung von Stellengesuchen für deutsche Kaufleute, Handwerker und Gewerbetreibende.

Halle. In einem Oertchen bei Halle hat der Amisvorsteher folgende öffentliche Bekanntmachung er­lassen:In Rücksicht auf die Gesundheit der Amts- insassen schlage ich vor, daß im ganzen Amtsbezirk, wie bereits in C. üblich, nunmehr allgemein der militärische Gruß cingeführt wird. Ich für meinen Theil erkläre hiermit, daß ich durch diesen Gruß ebenso meine Achtung vor Jemandem zum Ausdruck bringen will, als wenn ich den Hut abnehme. Der Amtsvor- stcher". Hut ab vor dem Wackern.

Schweiufurt a. M.. 23. Jan. Wegen Ausbruchs der Maul- und Klauenseuche find die Viehmärkte bis auf Weiteres von der kgl. Kreisregierung untersagt worden.

Würzburg, 22, Januar. Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts verurtheilte den Bürgermeister Faulhaber von KÜrnach, dessen Wahl vom königlichen Bezirksamte kassirt worden war, und den Beigeordneten Schränk von dort wegen Wahlbeeinflussuna zu 3 resp. 1 Monat Gefängniß. Gelegentlich dieser Wahl wurden von Seiten der Genannten 1800 Mk. für Freibier rc. ausgegeben.

Ausland.

Petersburg, 27. Jan. Baron Giers, der Minister des Auswärtigen, ist gestern Abend 6 Uhr einem Anfall von Brnstbränne, zu der Lungenentzündung getreten war, erlegen.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 29. Jan.

* Das Geburtstagsfest Sr. Majestät des Kaisers wurde in unserer Stadt wieder in üblicher Weise gefeiert. In den Schulen und höheren Lehranstalten hat der Festaktus schon am Samstag ftattgefunben. Am sigen Seminar fand um 10 Uhr eine liturgische Andacht statt und hierauf hielt der Seminardircktor Dr. Renisch die Festrede über die Verdienste der Hohenzollern, in welche Gedichte eingeflochten waren, die von den Seminaristen vorgetragen wurden. An diese schlössen sich verschiedene Chorgesänge. Um 1 Uhr fand das Festessen statt. Gegen 4 Uhr begann das Concert, welches durch Deklamationen, sowie durch ein Festjpiel unterbrochen wurde. Die Feier nahm einen würdigen Verlauf und bot den Zuhörern reichen Genuß. In den hiesigen Schulen fand die Feier um 9 Uhr statt. In der Stadt wurde der Tag ebenfalls feierlich begangen. ImStern" fand ein Festessen statt. Am Abend feierte den Tag der Bürgerverein mit geselligem Beisammensein und Festessen. Am Sonntag feierte der Kriegervercinden Tng durch Kirchgang und am Abend fand eine Theater­vorstellung im Saale des Hess. Hofs statt.

* Einer Zusammenstellung der den Gemeinde- kassen im Regierungsbezirk Kassel durch den Verlauf des im Jahre 1894 geernteten Obstes zugeflossenen Ein­nahmen entnehmen wir, daß dieselben insgesammt 150,263 Mk. vereinnahmten und zwar die Kreise: Kassel 12,860.40 M., Eschwege 11,231 55 M, Frankenberg 4,246,40 M., Fritzlar 10,339.81 M., Fulda 2,277,01 M.», Gelnhanscu 7,301.15 M., GerSfeld 790.97 M., Hanau 2,994.85 M., Hersfeld 4,518.75 M., Hofgeismar 27,383.36 M., Homberg 3,625.90 M, Hünfeld 2,082.80 M., Kirchhain 7,049.50 M.,

Marburg 5,659.78 M., Weisungen 5,450. M., Rinteln 4,367 38 M., Rotenburg 7,080.53 M,

Schlüchtern 9,895,49 M., Schmalkalden 3,554.63 M, Witzenhaulen 9,416.28 Mk, Wolfhagen 8,080.58 M., Ziegenhain 6,56.68 M. Der Kreis Hanau, einer der besten Obstgegenden im Hessenland, läßt im Obst­ertrage noch viel zu wünschen übrig.

* Strafkammer-Sitzung vom 24. Januar. Eine gefährliche Verbreche, bände, der Schneider Schmidt, der Kaufmann Meyer, beide aus Frankfurt, der Schneider Hommel von Offenbart) und der Schneider Jung von Frankfurt sitzen wegen Diebstahls bezw. Hehlerei auf der Anklagebank. Sämmtliche Angeklagte haben bereits erhebliche Vorstrafen erlitten und rührt ihre Bekanntschaft auch aus dem Zuchthanse her. Seitdem sie wieder auf freiem Fuße sind, scheinen sie gemeinschaftlich ihr Diebeshandwerk weiter zu betreiben. Schmidt, ans RomSthal gebürtig, reifte am Samstag den 13. Oktober mit seinem Genossen Meyer nach Salmünster und von dort nach Soden, wo sie in dem [ Gasthaus zum Hirsch von Joh. Betz übernachteten. j Schmidt nannte sich Anton Wolf, er sei Maurermeister! und wolle am nächsten Morgen mit seinem Freund,;

Ncw-Uork, 24. Jan. In ganz Brooklyn wurden heute Abend die Drähte, welche die elektrischen Eisen­bahnen versorgen, abgeschnitten. Ein Stall einer Pferdebahn wurde angezündet. Auf jedem Pferde- bahnwagen, der fährt, stehen zwei Schutzleute. Die Depots der Gesellschaften werden von der Miliz bewacht. Die Striker verhöhnen sie. Einzelne Ladenbesitzer weigern sich, den Truppen irgend etwas zu verkaufen. Andere geben den Strikern Geld und Lebensmittel. Vor den Ställen der Pferdcbahngcscllschaft von Ost-New-Aork, einer Vorstadt Brooluns, stehen vier Kanonen aufgestellt. Die Striker und ihr Anhang zählen jetzt 20,000 Mann. Manche Schutzleute sollen auch nur zaudernd gegen die Striker vorgehen. Viel merkwürdiger aber ist der Umstand, daß die sog. Supervisors der Gesellschaft King, worin Brooklyn liegt, offen ihre Sympathie mit den Strikern erklärt haben. In der Stadt New-Aork wird die Polizei- reserve für alle Fälle in Bereitschaft gehalten, da die New-Aorker Miliz nach Brooklyn abgeht und sich viel Zünduosf in der Stadt befindet. Als heute Abend die Sinter die Abfahrt eines Wagens von der Station hindern wollte, feuerte das 7. Milizregiment auf die Aufrührer. Wie viele verwundet und getödtet sind, ist zur Zeit nicht bekannt.

der sich den Namen Herm. Hebel beigelegt hatte, nach Marborn, um einige seiner Arbeiter zu besuchen. Sie drückten noch ihre Befriedigung aus über die gute Be- Wirthung und baten, ihnen das Zimmer für den Sountag Abend, wenn sie zurückkämen, zu reserviren. Der Wirth hatte kein Bedenken, da sie in guter Kleidung waren und auch sonst keinen schlechten Eindruck machten. Ihre Absicht war jedoch eine andere. Abends stellten sie sich auch wieder ein und führten während der Nacht den geplanten Diebstahl in der raffinirteften Weise aus, indem sie eine Menge Bettzeug, Leibwäsche, Bettdecken, Koltern, Kleidungsstücke, Schuhe, Cigarren rc. im Gesammlwerthe von ca. 450 Mk. an sich nahmen und mit dem ersten Zuge von Wächtersbach aus wieder zurückfuhren. Schmidt, der der That geständig ist, war mit den nöthigen Sperrhaken (Dietrichen) versehen, während Mcyer sich nach seiner Angabe nur passiv bei dem Dicbstahl verhalten haben will. Er will ferner Schmidt noch abzuhalten versucht haben, da die Sache doch nicht verschwiegen bleiben würde, und erst, nachdem Schmidt zum dritten Male gestohlene Gegenstände foitgetragen, habe er auch das Haus verlassen und die Sachen mit nach Wächtersbach tragen helfen. Diese Darstellungsweise macht natürlich auf das Gericht keinen glaubwürdigen Eindruck, vielmehr nimmt es an, daß beide den Dicbstahl reiflich ausgedacht und auch zusammen ausgeführt haben. Der Angeklagte Schneider Hommel war am Sonntag Nachmittag auf telegraphische Einladung dem Schmidt und Meyer nach Salmünster nachgereist. Er stand namentlich mit Schmidt in intimen Verkehr und hatte ihm öfter aus der Noth geholfen. Bei dem Diebstahl will er sich ebenfalls nicht beteiligt, und auch vorher nicht gewußt haben, weshalb er nach Salmünster kommen sollte. Schmidt habe dort von ihm Geld verlangt und habe er Abends die Beiden verlassen, um nach Offenbach zurückzukehren. Am Bahnhof habe er erfahren, daß der letzte Zug bereits fort war und sei er dann allein langsam nach Wächtersbcch gegangen, um von dort mit dem ersten Zuge zurückzufahren, ohne mit beih Schmidt und Meyer zusammen zu treffen. In seine Wohnung in Offenbach sei Schmidt bald nach ihm mit einem Packet Wäsche gekommen und habe einen Handkoffer geliehen, um einen Theil zu verkaufen. Auch hierbei sei ihm nichts Verdächtiges aufgefallen, da Schmidt, der verheirathet ist, einige Tage vorher von seinen Verhältnissen erzählt und die Absicht geäußert habe, er wolle seinen Haushalt aufgeben und die Sachen, die in Romsthal seien, verkaufen, um zu Geld zu kommen. Schmidt habe sich dann entfernt. Als bei näherer Durchsicht der zurückgelassenen Wäsche­stücke plötzlich die Dietriche Heransgefallen, sei er erst auf den Gedanken gekommen, daß alles gestohlen sei. Er betheuerte nochmals, daß er seit Verbüßung seiner letzten Strafe, sich nie wieder auf Diebstähle eingelassen habe und sich auch hier nicht belheiligt habe. Der Angeklagte Meyer hat ebenfalls einen großen Theil der gestohlenen Wäsche versetzt und 9 Mark davon erhallen. Der vierte Angeklagte, Schneider Jung, steht mit den Angeklagten ebenfalls in Verbindung, ist aber bei diesem Diebstahl nur insofern belheiligt, als er dem Angeklagten Schmidt mehrere Paar Schuhe versetzt hatte, wofür er 1 Mk. Trinkgeld empfing. Die gestohlenen Sachen sind, mit Ausschluß der auf dem Gerichtstisch liegenden Koltern, Bettdecken rc., die bei Honimel beschlagnahmt wurden, von dem bcstohlenen Betz in den Pfandhäusern gegen Zahlung von 42 Mk. wieder eingelöst worden. Der Herr Staatsanwalt beantragt mit Rücksicht auf die Vorstrafen gegen Schmidt und Meyer je 3 Jahre Zuchthaus und 5 Jahre Ehrverlust, gegen Hommel 2 Jahre Zuchthaus und gegen Jung 6 Monate Gefängniß. Herr Rechts- anwalt Fleischer trat als Vertheidiger des Hommel auf und plaidirt auf Freisprechung bezügl. der Mitthäter- schaft, eventl. auf eine geringe Strafe wegen Hehlerei. Nach stattgefundener Berathung trat Zeuge Betz vor und bekundet noch, daß die Angeklagten Schmidt, Meyer und Hommel in Wächtersbach, jeder mit einem Packet, eingeftiegen und auch in Offenbach zusammen in die Wohnung des Hommel gegangen seien. Da somit der Verdacht besteht, daß Hommel sich doch direkt an dem Dicbstahl belheiligt hat, beschloß das Gericht, die Anklage gegen Hommel auf Donnerstag zu ver­tagen und die Zeugen zu laben, welche diese Angabe