aMlhtmmMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
.M 3. Mittwoch, den 9. Januar 1895.
■MHHMHOHMMIfiHmattMaMBaaiMMHMMMMaHHaMBBH
No^oll«, 10^1 "^ die „Schlüchterner Zeitung" K»k^kUU»t^lN werden noch fortwährend von allen
^^.^ ^ Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Bekanntmachung.
Mit Bezug auf die Allerhöchste Verordnung vom 30. d. Rt, durch welchen die beiden Häuser des Landtages der Monarchie auf den 15. Januar kftg. I. in die Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammenberufen worden sind, mache ich hierdurch bekannt, daß die besondere Benachrichtigung über den Ort und die Zeit der Eröffnungssitzung in dem Bureau des Herrenhauses und in dem Bureau des Hauses der Abgeordneten am 14. Januar kftg. J. in den Stnnden von 8 Uhr früh bis 8 Uhr Abends und am 15. Januar kftg. I. in den Morgenstunden von 8 Uhr ab offen liegen wird. In diesen Büreaus werden auch die Legitimationskarten zu der Eröffnungssitzung ausgegeben und alle sonst erforderlichen Mittheilungen in Bezug auf dieselben gemacht werden.
Berlin, den 31. Dezember 1894.
Der Minister des Innern: gez.: v. Koller.
Zur staatlichen Invaliden-Versicherung.
Die vor kurzem erschienenen neuesten Berichte der Handels- und Gewerbekammer in Württemberg ziehen die staatliche Invalidenversicherung der Arbeiter in den Bereich ihrer Erörterungen und bringen kürzere oder längere Abhandlnngen aus dem Lande über die Aufnahme dieses Versicherungszweiges bei der Bevölkerung. Anfangs habe man die „Leistungen" als eine schwere Belastung empfunden, nunmehr gewöhne man sich aber einigermaßen daran. So werde z. B. das Prinzip dieser Versicherung keineswegs mehr bestritten, sondern nur eine Vereinfachung des Verfahrens und eine größere Leistungsfähigkeit verlangt. Der Stuttgarter Bericht hebt jedoch hervor, daß in diesem Bezirk die Arbeiter ihre Beiträge für die Altersversicherung (so wird dieselbe vielfach aufgefaßt, während bie- Invalidität als nebensächlich gilt) nur ungern entrichten. In diesem Bericht wird weiter erwähnt, daß in den Kreisen der arbeitenden Bevölkerung noch eine Unwissenheit darüber herrsche, was das Gesetz biete. Ein großer Theil ist immer noch der Meinung, daß man vor dem 70. Lebensjahre überhaupt keinen Anspruch auf Rente erheben könne. „Ja, wenn dem so wäre," heißt es wörtlich, „so könne man es den Leuten gar nicht übel nehmen, wenn sie dem Gesetz keine Sympathien entgegen brächten, sondern es für begreiflich finden, daß man darüber losziche."
Die „Deutsche illustrirte Gewerbezeitung", welche in ihrer Nr. 51 einen Auszug aus diesen Berichten bringt, schließt ihre Besprechung mit folgenden wohlgemeinten Worten: „Man mache einmal den Versuch, und zwar kann es jeder Beliebige probiren, und sage einem Arbeiter, daß er vom 21. Jahre ab Anwartschaft auf Rente hat, daß er seinen Anspruch geltend machen kann in dem Augenblick, wo er nicht mehr ein Drittel von dem leisten kann, was er in gesunden Tagen geleistet hat. Man sage ihm, daß er schon nach Sjähriger (gegenwärtig zur Zeit des Uebergangs noch kürzere) Beitragsleistung für seinen einmaligen Beitrag in Höhe von ca. 30 Mk. eine jährliche Rente von ca. 130 Mk. lebenslänglich erhalten kann, und daß diese Rente je größer ist, je später er sie erhält, sowie daß sie bis auf über 500 Mk. pro Jahr ansteigen kann. Man wird ausnahmlos finden, daß der Arbeiter einfach erstaunt ist. An dem mangelnden Verständniß trägt die unselige Bezeichnung '„Alters"-Versicherung, die das große Publikum sich angewöhnt hat und die leider selbst in amtlichen und halbamtlichen Berichten zu finden ist, die Hauptschuld. So lange diese Bezeichnung für das Jnvalidenversicherungsgesctz gang und gäbe ist, so lange werden dem Versicherten immer seine 70 Jahre vorschweben, so lange wird er aber auch ein Feind des Gesetzes bleiben. Jeder aber dem daran liegt, daß wir nicht einen gar zu unzufriedenen Albeiterstand haben, muß sich sagen, daß irgend etwas zu geschehen hat, und zwar nicht nur vereinzelt, um den weitesten Arbeiterkreisen einmal zum Bewußtsein zu bringen, gegen was sie eigentlich versichert sind. Man muß ihnen klar machen, daß ihnen im Augenblicke des Eintritts dauernder Erwerbsunfähigkeit ein
Anspruch auf Invalidenrente zusteht, gleichviel ob sie 21 oder 70 Jahre alt sind; man muß ihnen sagen, daß diese Versicherung, die Invalidenversicherung, die Hauptsache ist, und daß die ganze Altersversicherung nur so nebenher mitläuft, daß das Gesetz auf die Bezeichnung „Alters"-Versicherung-Gesetz so viel Anspruch hat, wie eine Wirthschaft, in der auch Cigarren verkauft werden, auf die Bezeichnung Cigarrenladcn. Man wird ihnen auch noch sagen können, daß wir im Beharrungszustand 5mal mehr Jnvalidenrentner haben als Altersrentner, daß die letzteren ca. 40 Mill. Mk. jährlich bekommen, die Jnvalidenrentner 300 bis 400 Mill. Schließlich sage man ihnen aber auch noch, daß jeder, der einmal, wenn auch nur kürzere Zeit einbezahlt hat, sich seinen Anspruch auf Rente durch Bezahlung von 1 Pf. täglich (28 Pf. in 4 Wochen) wahren und daß von einem fühlbaren Verlust der Beiträge nicht die Rede sein kann, da im Todesfälle der Wittwe oder Kindern unter 15 Jahren die geleisteten Beiträge herausbezahlt werden, wenn noch keine Rente verwilligt worden ist.
Deutsches Reich.
Berlin. Der Kaiser hat am Freitag vier Stunden einem Kronrathe beigewohnt, an welchem sämmtliche Minister außer dem nach Helgoland abgereiften Minister von Thielen sowie die Staatssekretäre Graf Posadowsky und Nieberding theilgenommen haben. Die Abhaltung des Kronraths hat in weiten Kreisen und namentlich im Auslande Aufsehen erregt. Wie die „Post" hört, sind hochpolitische Fragen nicht erörtert und lediglich die Tagesordnung erledigt worden, die sich besonders mit Steuerangelegenheiten beschäftigte, für die der Kaiser stets ein ganz besonderes Interesse bewiesen hat.
— 89 Kriegsschiffe und Fahrzeuge zählt am Schluß des Jahres 1894 die deutsche Flotte, die ein Gesammt- deplacement von 260,697 Tonnen und eine Gesammt- maschinenstärke von 295,020 Pferdekräfte haben; die Besatzung dieser Schiffe erfordert 22,384 Mann.
— Die Einrichtung einer Reichslotterie wird von der Regierung geplant und in gewissem Sinne auch bereits in die Wege geleitet. Im Allgemeinen denkt man dabei an eine Ausdehnung der Einrichtung der preußischen Staatslotterie über das ganze Reich unter Entschädigung der Einzelstaaten für Aufgabe ihrer Staatslotterien. Aus dem Bestreben, diese Entschädigungen möglichst in mäßigen Grenzen halten zu können, * ist der kürzlich veröffentlichte Erlaß der preußischen Lotteriedirektion an die Kollekteure, betreffend die Denunziation der Händler auswärtiger Loose, zu erklären. Man will eben den Vertrieb der Loose der Lotterien der anderen Bundesstaaten möglichst zurückdrängen, um dann auch mit geringerer Entschädigung davonzitkommen. Thatsächlich können Lotterien wie die Hamburger, die Braunschweigische, die Mecklenburgische und auch die Sächsische in dem bisherigen Umfang sich gar nicht erhalten, sobald ihnen der Absatz nach Preußen abgeschnitten ist.
— In Berlin hat man jetzt Kinder-Volksküchen eingerichtet, welche sich recht nützlich erweisen und täglich bereits über 5000 Kinder mit Speise versorgen! Die noch unzulänglichen Räumlichkeiten gestatten zwar leider noch nicht, den Ansturm der Kleinen rasch zu genügen; die meisten bleiben mithin zunächst auf der Straße, wo sie, bei ihrer meist ungenügenden Kleidung vor Frost zittern, unter Aufsicht eines Schutzmannes stille stehen und warten müssen, bis die warme Suppe an sie herankommt. Diesem Uebelstande wird hoffentlich bald abgeholfen durch Erweiterung des Lokals. Ferner wird gewünscht, daß diesen Küchen der Charakter einer Armenspeisung so weit als thunlich genommen werde, unter anderem dadurch, daß man baldigst Vorkehrungen trifft, daß von Außen nicht hineingegafft werden kann.
— Falsche 50-Markscheine. Wie schon gemeldet, sind in neuerer Zeit mehrfach falsche Reichskassenscheine zu 50 Mark zum Vorschein gekommen. Um die Feststellung derartiger Fälschungen zu erleichtern, wird von amtlicher Seite im Nachstehenden auf die wesentlichsten, in der Beschaffenheit des Papiers liegenden Kennzeichen der Echtheit von Reichskassenscheinen aufmerksam gemacht: Zu den sämmtlichen Reichskassenscheinen wird ein gutes, kräftiges Papier von besonderer Festigkeit verwendet, welches auf einer Seite einen Streifen von blauen, in
die Papiermasse eingebetteten stärkeren Fasern trägt. Der Faserstreifen zeigt eine blaue Färbung durch die ganze Papiermasse. Die blauen Fasern lassen sich mit einer Nadel aus der Papiermasse auslösen, wie durch eine Probe ohne Beeinträchtigung der Giltigkeit des Scheins festgestellt werden kann. Liegen die Fasern ihrer ganzen Länge nach auf der Oberfläche, so kann man sicher sein, ein Falschstück vor sich zu haben. Der gleiche Verdacht ist gerechtfertigt, wenn die Fasern zwischen zwei Papierschichten liegen. Ist dies der Fall, so lassen sich entweder beide Schichten leicht durch Wasser trennen, oder die obere Schicht kann durch Reiben mit einem stumpfen Messer entfernt werden, sodaß die zweite Papierschicht mit den darauf liegenden Fasern zu Tage tritt. Das echte Papier muß eine einheitliche feste Schicht mit gut geglätteter, weder glänzend noch wollig aussehender Oberfläche bilden.
Hamburg, 2. Jan. Für die deutsche Handelsmarine sind die jüngsten Stürme außerordentlich ver- hängnißvoll gewesen; von zahlreichen Schiffen, die längst an ihrem Bestimmungsort hätten angelangt sein müssen, fehlt jede Spur, und erscheint die Befürchtung, daß dieselben mit Mann und Maus untergegangen, nur zu begründet.
Dortmund, 4. Jan. In Kirchderne im Amt Lauen hat sich am Neujahrsmorgen ein ruchloses Verbrechen zugetragen. Etliche Burschen haben nämlich versucht, das Haus des Landwirths Adolf Biermann mittelst Dynamit in die Luft zu sprengen. Auch auf andere Häuser in der Nähe der Zeche „Scharnhorst" hatten es die Attentäter abgesehen, doch die stärksten Spuren der Unthat weist das Haus des Landwirths Biermann auf. Die Vorderseite des Hauses ist total zerstört, fast keine Fensterscheibe ist mehr ganz geblieben. Morgens gegen 5 Uhr erfolgte die erste Explosion der Dynamitpatronen, von denen eine vor die Scheunenlhür und die andere vor den Hauseingang gelegt war. Nach der Explosion wurden noch unzählige Schüsse auf das Haus abgegeben, so daß im Innern die Schrolkörner wie gesäet herum lagen. Im Laufe des Vormitugs wurden dann ungefähr zehn Personen geschlossen dem hiesigen Amtsgericht zugeführt.
Minden i. W. Die Provinzialverwaltang -m Westfalen hat, um der Arbeitslosigkeit in den Binte«'- monaten zu steuern, angeordnet, daß die 460 Wegewärter, welche die kleinen Unterhaltungsarbeiten auf den Provinzialstraßen ausführen, auch währerö der Wintermonate in Thätigkeit bleiben, und daß außerdem gegen 500 Arbeiter mit dem Zerkleinern und Aufmetern der für die Straßenunterhaltung im kommenden Jahre nothwendigen Steine beschäftigt werden. Bei der Anlieferung der Unterhaltungssteine, die vorwiegend während der Wintermonate erfolgen soll, finden auch die kleinen Bauern durch Steinfnhren Arbeitsgelegenheit. Außerdem sind den Gemeinden bereits für den laufenden Monat die bewilligten Prämien und Beihülfen für den Gemeinde-Wegebau flüssig gemacht, so daß auch diese die Winterzeit für den Wegebau ausnützen können.
In der vor einigen Tagen in Halle a. S. abge- Halleuen Generalversammlung des Verbandes zur Besserung der ländlichen Arbeiterverhältnisse in der Provinz Sachsen und dem Herzogthum Anhalt sind die Erfahrungen ausgetauscht worden, die mit der Zuweisung brotloser Arbeiter aus den Städten auf das Land, um dem dort herrschenden Arbeitermangel zu steuern, gemacht worden sind. Diese sind im großen Ganzen ungünstig gewesen und vorwiegend hat der völlige Mangel jedes Verständnisses für ländliche Arbeit und außerdem die übergroße Forderung der Leute an Lohn und Kost die Schuld an diesem Ergebniß getragen. Angesichts der gewonnenen Erfahrungen, zumal die nothwendige möglichste Isolierung dieser Elemente, die dem Kampf um die Existenz des Lebens in den Städten bereits erlegen sind und daher zu den Widerstandsfähigsten schon von vornherein nicht zu rechnen sind, von den ländlichen Arbeitern mit vielen Umständen verknüpft ist, wird man es nicht schwer erklärlich finden, daß Niemand, der einmal die Probe gemacht hat, diese so leicht wiederholen wird. ?
Erfurt. Der über die Zuckerfabrik Ebeleben hereingebrochene Konkurs hat in der dortigen Gegend eine sehr schlimme Wirkung gehabt. Sollte die Fabrik die Campagne nicht zu Ende führen können, so würde das für die umliegenden Rübenbauern einen unberechenbaren