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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mt. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Ps.

M 2. Samstag, den 5. Januar 1895.

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Nostoil 11111011 °uf dieSchlüchterner Zeitung" Mk^tUUliyi werden noch fortwährend von allen "^'-^-^ .......^ Postanstalten und Landbriefträgern owie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 2. Jan. Der Kaiser soll in einer Ansprache beim Empfang der Generale im Lichthofe des Zeug­hauses betont haben, daß wir wie 1870 vor ernsten Entscheidungen ständen; doch drohten uns nicht Ge­fahren von äußeren, sondern von inneren Feinden. Nächst Gott, der uns helfen werde, diese Feinde zu besiegen, fei unser bester Bundesgenosse unser starkes Herr.

Der Berliner Bierboykott ist nach einer Dauer von acht Monaten aufgehoben worden. Die Einigung ist in der Weise erzielt worden, daß beide Parteien sachlichen Gesichtspunkten den Borrang eingeräumt haben vor denjenigen der Kraftprobe; daß die Brauereien am nothwendigen Schutze ihrer Interessen sestgehalten, aber auf die Absicht, die renitenten Arbeiter zu strafen, verzichtet haben, und daß die Leiter des Boykotts von der übermüthigen Forderung, daß die Brauereien den 1. Mai als Feiertag anerkennen sollten, Abstand genommen, an Stelle des sozialdemo kratischen Arbeitsnachweises den im neuen Statut ver­einbarten gesetzt und sowohl das Verlangen der Ein stellung sämmtlicher entlassener Arbeiter in ihre alten Stellungen, wie das ihrer Entschädigung für eut gangcnen Lohn aufgegeben haben.

Mcrsebnrg, 31. Dez. Die hiesige Regierung warnt dringend vor Ankauf der sog. Vulkanzündhölzer, da im vergangenen Sommer mehrfach Bräude vorgekonimen sind, die nach den angestellten Ermittelungen nur auf Selbstentzündung von Streichhölzern (Vulkanzündhölzer) zurückgeführt werden können. Versuche haben ergeben daß die Temperatur, bei der Selbstentzündung der Vulkanhölzer stattfindet, schon zwischen 52 und/s Grad Celsius liegt, während unsere gewöhnlichen Phosphorzündhölzer erst bei über 170 Grad Celsius zur Entzündung kommen. Da die Selbstentzündungs- Temperatur eine so niedrige ist, so entzünden sich diese Vulkanhölzer sehr leicht, wenn sie in der Nähe von Oefen oder Herden rc. aufbewahrt werden. Die unter­suchten Hölzer, vor deren Ankauf dringend gewarnt wird, stammen aus der Fabrik von Stahl & Nölke in Kassel.

Hannover, 29. Dez. Der ehemalige Reichstags abgeordnete Leuß wird, wie man derB. M." von hier meldet, seine Strafe in Lüneburg im dortigen Zuchthause abbüßen und dort als Arbeiter in den Kalk- bergen beschäftigt werden. Da nach Lage der Sache von irgend einem Recurs gegen das ergangene Urtheil nicht gut die Rede sein kann, so dürfte die Abführung des Verurtheilten demnächst erfolgen.

Carlsruhe, 13. Dez. In der heutigen Straf- kammersitzung wurde der 65 Jahre alte Landwirth Nagel I. aus Leopoldshafen, der zwölf Jahre hindurch Bürgermeister in der Gemeinde war, wegen Urkunden­fälschung und Betrug zu 3'4 Jahr Zuchthaus ver urtheilt. Nagel hatte als Vorstand des Credilvereins von Leopoldhafen Gelder in ungefährer Höhe von 20 000 Mk. entnommen, ohne daß die Controleure oder der Anfsichtsrath diese Manipulationen merkten. Im Sommer floh Nagel nach Amerika, wurde aber bei seiner Ankunft verhaftet. Der Creditverein ist an den Rand des Bankrotts gebracht.

Ostpreußen. Bei der Einführung der Clavierstcuer in vielen Orten im östlichen Preußen sind nicht nur Claviere, sondern auch Harmoniums und Musikautomaten herangezogen worden. Die Steuer wird erhoben in Marienwerder, Schwetz, Allenstein, Ostrowo, Lessen, Dirschau, Zempelburg, Schönseu und Marienburg. Abgelehnt wurde die Steuer in Labemühl, Goldap, Posen, Labiau, Braunsberg, Neustettin und Tilsit. In letzter Stadt stand neben der Claviersteuer sogar eine Gänsestcucr zur Berathung. Bekuerkenswerth ist die Aeußerung des Regierungspräsidenten von Köslin, der auf den Steuervorschlag in Neustettin die Einführung einer Claviersteuer für bedenklich erklärte, denn es stünde zur Zeit noch nicht fest, was als indirekte Steuer an- zusehen sei; außerdem sei nach den heutigen Cultur- verhältnissen das Clavier nicht als Luxusgegenstand anzusehen.

Ausland.

Südamerika. Das letzte Erdbeben hat in Jglesias so furchtbare Verheerungen angerichtet, daß kein Haus stehen blieb. Die ganze Stadt bildet einen einzigen Trümmerhaufen. Während des Erdbebens quollen schwarze Wasserströme aus den Spalten des Bodens. Der Berg Agna Negra bei Cruz Piedra und Sau Ruque spaltete sich von oben bis unten in zwei Stücke. Ganze Massen von Erde und Geröll wurden in die Lust geschleudert. In Chumillango und Potreros de Tumman öffnete sich der Erdboden und Wassermassen spritzten in die Luft. Auf der Straße von Jachal nach San Juan ist die entstandene Erdspalte über 3 englische Meilen lang.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 4. Jan.

* Wir wollen nicht unterlassen, die Hausbesitzer wiederholt und zwar in ihrem eigenen Interesse zu ermähnen, in der jetzigen Zeit das Streuen nicht zu vergessen. Morgens wird ja wohl überall gestreut, tritt aber dann aufs neue Schneefall ein, oder fahren die Kinder mit ihren Schlitten über den Boden, so wird die Fläche wieder glatt. Die Hausbesitzer werden gut daran thun, in diesen Füllen nochmals zu streuen, wenn sie sich vor kostspieligen Prozessen und sonstigen Unannehmlichkeiten bewahren wollen.

* Der Winter beginnt nun strammere Saiten aufzuziehen. Die letzten Tage wüthete in der Rhön ein so fürchterlicher Schneesturm, daß es für Passanten nach auswärts fast lebensgefährlich war. Der Schnee ist dadurch stellenweise zu haushohen Wänden zusammen geweht worden.

r. In Schwarzepfels ging die Neujahrsnacht nicht ohne eine Messerstecherei ab. Der Joh. Adam Röll stach dem Sebastian Grau das besser derartig ins Gesicht, daß die Nase völlig gespalten wurde, auch erhielt Grau noch zwei Stiche in den Hals und einen in die Schulter, ferner trug der Joh. Maienschein einen liefen Stich in den rechten Arm davon. Der Messer­held Nöll wurde verhaftet.

Birstein. Vor einigen Tagen erlitt Ihre Kaiserliche Hoheit die durchlauchtigste Frau Fürstin von Jsenburg- Birstein einen Beinbruch in Folge Ausgleiteus auf dem Wege zur Kirche. An diesem Tage war "es besonders glatt; eine leichte Schneedecke lag über dem Glatteis unb bedurfte es großer Anstrengungen, um sich fortzubewegen. Der Unfall ereignete sich in dem Schloßgarten. Die Bestürzung und Theilnahme an dem Unglücke der hohen Frau ist eine allgemeine; Wochen dürften jedoch vergehen, bis eine vollständige Genesung eingetreten ist. Bereits seit einigen Tagen sind in Eichen, was als größte Seltenheit gelten kann, junge Gänse ausgebrütet worden, bei einem Ortsbewohner zwei, bei einem anderen vier.

Geluhausen, 29. Dez. Gestern Nachmittag 3 Uhr fand auf hiesigem Rathhause die Ersatzwahl zur Handels­kammer statt. Das durch das Loos zur Ausscheidung bestimmte Mitglied derselben, Herr Direktor A. H. Wendt, wurde wiedergewählt. Von den über 90 Wahl­berechtigten des hiesigen Kreises waren nur 8 erschienen

Hanan Nach einer Aufstellung des Magistrats in Mühlhausen sind nach der Verlegung des Ulanen­regiments Nr. 6 von Mühlhausen und Langensalza nach Hanan 254 Dienstmädchen von dort nach der neuen Garnisonstadt übergesiedelt.

Cronbcrg. J. M. die' Kaiserin Friedrich hat sämmtliche Kunstschätze und Erinnerungsgegenständ ihres verstorbenen Gemahls, des Kaisers Friedrich, die sich noch in Berlin befunden haben, nach Schloß Fried­richshof bringen lassen, woselbst die Aufstellung dieser Schätze nunmehr beendet ist.

Frankfurt a. M, 31. Dez. Eine Anzahl der Schaffner der Reichseisenbahnen, welche auf dem zwischen Frankfurt a. M. unb Basel kursirenden Schnellzuge den Dienst versahen, haben einen größeren Schmuggelhandel mit Cigarren betrieben. Sie kauften die Cigarren in Basel ein, umgingen den Zoll und verkauften die Cigarren, welche sie versteckt in den Schnellzügen mit nach Frankfurt a. M. nahmen, dort sehr billig. Die Waare ging wegen ihrer Wohlfeilheit rasend ab und die Schaffner hatten einen guten Ver­dienst. Jetzt ist aber die Sache entdeckt worden und die Strafkammer zu Mühlhausen i. Elf. hat die

Schaffner wegen Steuerhinterziehung zu 920 bis 15,000 Mark, bei Nichtbezahlung der Strafe zu Gefängnißstrafen bis zu 9 Monaten, ferner zur Zahlung des Werthes der Cigarren bestraft. Die Verwaltung der Reichseisenbahnen in Elsaß-Lothringen aber ist für die Strafe haftbar erklärt worden. Auch bte Pfälzische Bahnverwaltung und die Hessische Ludwigsbahn waren geladen. Die Verwaltung der Reichseisenbahnen hat Berufung gegen das Urtheil eingelegt.

Frankfurt, 1. Jan. Das wüste Treiben in der Neujahrsnacht auf der Zeil, Schießen, Schreien, Ein­treiben und Entreißen der Hüte, Wegnahme der Regen­schirme u. dgl. war diesmal so arg, daß die Polizei sich schließlich entschloß, durch die zahlreich vorhandenen Schutzmannschaften die Zeit räumen zu lassen, was kurz nach 1 Uhr geschah. Ein Mann, der das Weg­nehmen von Schirmen gewerbsmäßig betrieb, wurde verhaftet; wegen Körperverletzung wurden drei Jndivid n verhaftet. Viele Personen wurden (wegen Unfug, Läl m, Schießen u. dgl. sistirt, nach Feststellung ihrer Personalien aber wieder freigelassen. Durch Schießen sind mehrere leichtere Ungtückssälle vorgekonimen. Als in den Weihnachtstagen im Gedränge ein Vorübergehender einem bebrillten Herrn einen derben Stoß mit einem Packet versetzte, rief dieser jenem zu:Haben Sie keine Augen?"Ich haw erre zwee, Sie hawwe awwer viere!" war die prompte Anworl. Auf dem von Frankfurtern viel besuchten Feldberg im Taunus hat eine lustige Gesellschaft an Stelle der bekannten Glas­röhre mit dem wetterwendischen Quecksilber einen Strick angebracht mit den Vorhersagungen:

Schön, wenn der Strick trocken ist, Regen, wenn der Strick naß ist, Veränderlich, wenn der Strick bald naß, bald trocken ist, Wind, wenn der Strick hin- und herbaumelt, F r o st, wenn der Strick gefroren ist.

Hünfeld, 31. Dezember. Die Aktien-Zuckerfabrik Hünfeld hat heute ihre diesjährige Kampagne beendigt. Zur Verarbeitung kamen annähernd 500 000 Centner Rüben und ging der Betrieb in Folge maschineller Er- meiterungen besser von Stätten wie je zuvor, wogegen aber die fortwährend fallenden Zuckerpreise bte Rentabilität des Geschäfts sehr nachtheilig beeinflußt haben.' Während noch vor Beginn der Kampagne der Rohzucker mit 14, 13 und 12 Mark bewerthet wurde, ist inzwischen der Preis auf 8,50 Mk. zurückgegangen. Dieser furchtbare Niedergang, welcher die Gesammt- Zuckerindustric so schwer heimsucht, trifft die Landwirth- schaft um so härter, als schon der Körnerbau in diesem Jahre zur vollständigen Unrentabilität herabgesunken ist. Es kann deshalb nicht überraschen, wenn auch die Fabrik Hünfeld in Folge eines Mindererlöses von an« näherend 200,000 Mk. für zum Verkauf kommenden Zucker die Unmöglichkeit ausgesprochen, die Rüben zu dem Preise zu bezahlen, wie sie ursprünglich versprochen hat. In gerechter Erkenntniß der über alle Zucker­fabriken hereingebrochenen schweren Krisis haben deshalb auch die Rübculieferanten der Fabrik Hünfeld sich bereit erklärt, vorläufig mit einem Preis von 60 Pfg. für den Centner Rüben sich zu begnügen und den rest­lichen Betrag erst in den nächsten, hoffentlich besseren Zähren zu erheben.

Hofgeismar. Der langjährige Leiter und Redakteur derDeutschen Zeitung" in der Hauptstadt Mexiko, ein hervorragender Vertreter des dortigen Deutschtums, Dr. Epstein, aus Hofgeismar in Kurhessen gebürtig, ist dort gestorben.

Vermischtes

Ueber Zement-Dachziegel lesen wir in der Keramischen Rundschau", was folgt:Die warme Empfehlung des neu erfundenen Zementdachziegels hat vielleicht da und dort einem Ziegler Gedanken der Sorge erweckt, es könnte doch hieraus eine böse Konkurrenz erwachsen. Aber wie alles in der Welt hat auch diese Sache ihre Schattenseiten. Als vor einigen Jnhren zweimal im Appenzellerland Feuerbrände entstanden, wo die Dächer mit Zementziegeln gedeckt