Einzelbild herunterladen
 

SchWernerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

---.-.T'"*'--rriitr - ?TflMlll*^"-J*1M'-^'aJ'~* '-"--_.,...-.=.-. .- ------u. . -. . - J^U.^..»:.^ ^««^^ir»>^.»««-W-^^\o-v./~u»«.--m|CT«»Mm»»«iii«!-J-M><»...Tf»»l«»rl»Ja»»MmMa<mMMMMMMM^TMBMMMM

.M 100. Samstag, den 15. Dezember 1894.

Abonnements-Einladung

Bestellungen auf das 1. Quartal 1895 (Januar, Februar, März) der HZ^^ScftMterner A-itung" *^®^ bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gest, anfgeben 311 wollen, und zwar möglichst bis zum 26. d. Mts. Spätere Bestellungen resp. Nachlieferungen müssen an die Post extra bezahlt werden. Die Expedition.

Die sozialdemokratischen Abgeordneten haben alsbald beim Znsammcntrcten des Reichstags sich beeifert, vor der Öffentlichkeit darüber Zeugniß ab- zulegeu, daß ihre Partei trotz der persönlichen und sachlichen Streitigkeiten, die noch vor Kurzem zwischen ihnen tobten, einig und geschlossen sei. In der großen Streitfrage Bebel-Vollmar wurde nach fünfstündigem Debattiren das Kriegsbeil begraben. Dann wurde der alte Fraktionsvorstand wiedergewählt, ebenso dieselben Persönlichkeiten für den Seniorenkonvent und für die Etatsdebatte, ein ganzes Bündel von Initiativanträgen wurden hergestellt, dazu auch die bekannten Anträge, mit denen hergebrachter Maßen erst eine ganze Reihe von Mitgliedern, die seit der letzten Tagung mit den Gesetzen in Konflikt gerathen sind, auf Grund des Jmunitäts- rechts der Abgeordneten außer Verfolgung gesetzt werden müssen, ehe sie ins Haus eintreten können.

Und ein bemerkenswerther Beschluß, bemerkcnswcrlh, weil er den sozialdemokratischen Geist offenkundig kenn­zeichnet, wurde dazu gefaßt: die Fraktion blieb wie Ein Mann der Einweihungsfeier des neuen Reichshauses fern. Das mochte selbstverständlich erscheinen; denn was haben Leute, deren Sinnen und Trachten einzig darauf gerichtet ist, die staatliche Ordnung zu unter­graben, bei einer feierlichen Handlung zu thun, in welcher der oberste Schirmherr des Reiches in Gegen­wart aller Vertreter der Bnndesstaaten den Schlußstein zu einem Gebäude legt, in dessen Räumen, wie die Urkunde besagt, der Geist der Gottesfurcht, der Vater­landsliebe und der Eintracht walten soll? Solche Leute konnte man auch recht gut bei der Feier missen. In­dessen hielt die Partei für angethan, auch ihrerseits von dem neuen Gebäude gleichsam für den Zukunftsstaat Besitz zu nehmen; derVorwärts" schrieb zum Er­öffnungstage den Satz:Schließlich brauchen wir doch auch in einer sozialdemokratischen Gesellschaft große Versammlungsgcbäude, und dazu wird sich ja das jetzige Reichstagsgebände ganz gut benutzen lassen."

Wie es in dem neuen Reichstagsgebäude hcrgchen würde, wenn die Herren dazu kämen, darin ihren Zu­kunftsstaat zu errichten, das hat der Ton und die Art der Streitigkeiten, die sie seit dem Frankfurter Partei­tage untereinander hatten, deutlich gezeigt, und auch in der ersten Sitzung, die im neuen Hause stattfand, haben sie es au einer Probe nicht fehlen lassen. Bisher war es Gcflogcnhcit der sozialdemokratischen Abge­ordneten, bei Eröffnnngs- oder Schlußsitzungen ängstlich auszuweichen, wenn im Hause das Hoch auf den Kaiser ausgebracht werden sollte. Bisher blieb es bei dem würdelosen Schauspiel, daß ein Häuflein von der linken Seite des Hauses eiligst durch die Nächstliegende Thür zu entschlüpfen trachtete, sobald es zu der Bc- thcnerung der Loyalität für die Person des Kaisers und für die Grundsätze der staatlichen Ordnung kam. Diesmal es war am Donnerstag in der zweiten Sitzung, der ersten die im neuen Hause stattfand gingen sie einen Schritt weiter und riefen einen häß­lichen Skandal hervor, der wohl bekräftigen sollte, in welchem Geiste sie vermeinen, von dem schönen neuen Hause Besitz ergreifen zu dürfen. Als Präsident von Levetzow die Worte sprach:dem Kaiser, als dem Haupte des Reichs und mit ihm dem Reich und dem Volke, auf daß sie allezeit einig und vereinigt stark und gesegnet blicken, gilt der Ruf, unter dem wir von unserem neuen Heim Besitz nehmen," als die ganze Versammlung sich erhob, um in das Hoch einzustimmcn, blieben die Sozialdemokraten schweigend sitzen, und als darob Rufe des Unwillens und der Empörung laut wurden, antworteten sie mit höhnischen Gcgcnrnfen. Der Präsident brandmarkte das Betragen der Sozial­demokraten, das der Sitte deutscher Männer nicht ent­spreche und die Gefühle der Mitglieder des Hauses beleidige. Ein Mitglied der Rechten hob zutreffend hervor, als es sich späterhin darum handelte, einen

sozialdemokratischen Abgeordneten von der gerichtlichen Verfolgung zu befreien, die er sich wegen einer Majc- stätsbclcidigung zugezogcn, daß die Vorrechte des Reichstags übel angewandt seien, wenn sie Männer zu Gute kämen, welche die Majestätsbeleidigung zum Prinzip und System erhoben haben.

Der Vorfall hat den Anhängern der staats- erhaltenden Parteien und der Presse von neuem Grund zu Erörterungen darüber gegeben, ob die Sozial- demokratic, die herabwürdigt, was dem Volke heilig ist, und an den materiellen und sittlichen Grundlagen des deutschen Volksthums rüttelt, eine Partei sei, wie andere politische Parteien, und mit demselben Maßstab gemessen werden dürfte. Diese Erörterungen erregen zur Zeit die öffentliche Meinung um so mehr, als thatsächlich die sozialdemokratische Fraktion bereits das Verlangen stellt, im Vorstände des Reichstags vertreten zu sein.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat am Dienstag Vormittag auf dem Waterlooplatz in Hannover die Parade über die dort garnisonicrenden Truppen abgenommen. Wäh­rend der Frühstückstafel hat der Hannoversche Männer- gesangverein im Königl. Schloß konzertiert. Wie die Magdcb. Ztg." meldet, wird der Kaiser am Sonntag beim Schloßhauptmann v. Äjvenslcbcn in Neugattcrs- leben zur Jagd eintreffen und am Dienstag von dort nach Barby fahren, um beim Amtsrath von Dietze ebenfalls dem Waidwerk obzuliegen.

* In mehreren Blättern liest man: Das Weihnachts­fest fällt in diesem Jahre bekanntlich auf einen Dienstag und Mittwoch und da der Montag nun zwischen Diens­tag und dem vorhergehenden Sonntag kaum noch als Werktag zu betrachten, so würden Diejenigen, welche gerne die Weihnachtstage im Kreise ihrer Familienan­gehörigen zubringen, aber entfernt von diesen thätig sind, sehr erfreut sein, wenn die Eisenbahnverwaltung es so cinrichtcu würde, daß Rückfahrkarten, welche am Sams­tag, den 22. Dezember gelöst würden, bis einschließlich Donnerstag den 26. Dez. für mittlere und kürzere Ent­fernungen Gültigkeit hätten. Gerade für minder bemit­telte Familien, die so selten ihre in der Welt zerstreuten Mitglieder zu einem Feste vereinigen können, wäre eine solcheChristbescheerung" sicherlich eine große Freude, und wir geben gern der Hoffnung Ausdruck, daß der Herr Eiscnbahnmmistcr sie ihnen machen wird.

Der erste Staatsanwalt beim Landgericht Berlin erhebt gegen die socialdemokratischen Abgeordneten, die beim Hoch auf den Kaiser sitzen geblieben sind, Anklage wegen Majestätsbeleidigung, und da verfassungsmäßig kein Abgeordneter ohne Genehmigung des Reichstages während der Session zur Untersuchung gezogen werden kann, so sucht der Slatsauwalt die Genehmigung in der üblichen Form beim Reichskanzler nach, und der Reichskanzler hat, wie das auch üblich ist, das Schrei­ben dem Reichspräsidenten übermittelt. Ob der ReichS- kanzler Fürst Hoheulohc mit diesem stafrechtlichen Ver­suche, der ein Akt von großer politscher Tragweite wer­den wird, einverstanden ist, gehl daraus noch nicht ohne Weiteres hervor. Die StaatSanwälte ressortircu vom Justizminister; es ist anznnchmcn, daß der Erste Staats- anwalt diese Anklage nicht erhoben haben wird, ohne des Einverständnisses des Justizministers sicher zu sein; vielleicht hat er auch auf dessen Anweisung gehandelt, und so läge der erste wichtige Akt des neuen Justizmi­nisters, Herrn Schönstedt, vor. Jedenfalls wird das Gesuch des StaatSanwaltes zu lebhaften Debatten füh­ren. Der Kaiser selbst hat, wie er bekanntlich in seiner Unterhaltung mit den Präsidenten des Reichstags betonte, die Demonstration der Socialdemokraten als nicht gegen seine Person gerichtet aufgefaßt.

Der in Berlin erscheinendeSozialist" ist Sonn abend konfiszirt worden und Montag wurden nicht

nur die Manuskripte und die redaktionellen Briefe be­schlagnahmt, sondern auch die geschäftlichen Papiere der Druckerei, Rechnungen, Geschäftsbücher, Briefe, Abonne­mentslisten desSozialist" u. f. w. Schließlich wurde noch der Expediteur per Droschke in seine Privatwohnung gefahren, um dort einer durch dieselben Beamten vor- geuommcncn Haussuchung beizuwohnen (wobei aber nichts gefunden wurde), während der Redakteur desSoziulist", Petersdorf, der gleichzeitig Inhaber der Druckerei des Sozialist" ist, verhaftet wurde und sich "zur Stunde auch noch in Haft befindet.

Auf Grund von Anfragen und Anregungen aus Berliner Regierungskreisen fand am 4. d. M. im Kon­ferenzsaale der Handelskammer zu Hamburg eine infor­matorische Besprechung über die Qualität des amerikani­schen Petroleums statt. Es waren zu dieser Besprechung verschiedene Sachverständige, Jnterressenten des Petro­leumgeschäfts, Importeure, Platzhändler, Kommissionäre und Makler geladen. Die Vernehmung bezog sich im Wesentlichen auf die Klagen über die in den letzten Jahren verminderte Leuchtkraft des amerikanischen Pe­troleums und die Mittel der Abhilfe. Es wurde allsei­tig zugegeben, daß die Beschwerden berechtigt seien; namentlich beklagen sich die Hamburger und die binnen» ländischen Konsumenten über die Qualität des jetzt gelieferten amerikanischen Petroleums, welche sich ganz erheblich verschlechtert hat. Die Frage, ob durch eine Verschärfung der Qualitätsvorschriften und der Prüfungs­methode seitens der Reichsregierung Abhilfe geschaffen werden könne, wurde im Allgemeinen bejaht.

DerReichsanzeiger" schreibt: Seit längerer Zeit kommen fortgesetzt falsche Reichskassenscheine von 1882 zum Vorschein, die in Zeichnung und Farbenton den echten Stücken vielfach so ähnlich sind, daß das Publikum leicht getäuscht werden kann. Besonders gilt dies von den Falsifikaten über 50 Mk. Wie im Etat bemerkt wird, empfiehlt es sich deshalb, die bisherigen Scheine einzuzichen und durch neue zu ersetzen, die vermöge ihrer veränderten Ausstattung einen größeren Schutz gegen Nachbildung bieten. Das Woilcoxpflanzenfaser- papier, d'as sich durchaus bewährt hat, soll auch ferner­hin beibehalten werden.

* Aus der Provinz Sachsen, 10. Dezember. In Oberheldrungen sind mehrfache Kindesmorde, die dort vor sieben Jahren vorgckommcn, jetzt auf eigenthümliche Weise klargcstcllt worden. Es wohnt dort eine Wittwe mit zwei Töchtern. Die eine Schwester bezichtigte die andere des Diebstahls, und diese erwiederte die Beschul­digung damit, daß sie sowohl ihrer Mutter wie ihrer Schwester vorwarf, neugeborene Kinder im Mist und auf einer Scheunentenne vergraben zu haben. Es wurde Anzeige gemacht, die Lokalität untersucht, und die schau­derhaften Verbrechen wurden in der That sestgcstellt.

Eisenach. Bei der ganzen Schwere des Unglücks, welches das Dorf Schwallnngcn betroffen, erzählt man sich doch einen Scherz, der wenn er etwas Wahres an sich haben sollte, den betr. Ort, welchen er angelt, nur noch mehr zum Gegenstand der unfreiwilligen Komik machen würde. Als nämlich in der für Schwallnngcn vcrhängnißvoll gewordenen 9tad)t die Feuerwehr jenes Ortes ansrücktc, soll es ihr passirt sein, daß sie statt mit der Spritze mit der Dreschmaschine auszog, bis sie die Verwechslung inne wurde. Zur Strafe für den weniger guten Scharfblick soll für die Feuerwehr NUN ungeordnet worden sein, daß 'M Jahr lang je zwei Feuerwehrleute bei der Spritze Wache halten sollen, damit sich jeder Feuerwehrmann das Aussehen der Spritze gut einpräge. Wer dcn Schaden hat, braucht für den Spott md)t zu sorgen.

Halle n. S., 10. Dez. Gustav Adolf hat int Jahre 1631, nachdem er bei Brcitcnfcld über Tilly gesiegt hatte, auch einige Tage in Halle, und zwar vom 10. bis 15. September geweilt. Als am letzteren Tage der Schwcdcnkönig hoch zu Roß die Stadt wieder verließ, ereignete sich ein niedliches Geichichtchen, das die Dreyhaupt'sche Chronik der Stadt Halle folgender­maßen erzählt:Als Gustav Adolf Halle verließ, begegnete ihm auf derHohen Brücke" (sie führte- über die Saale) ein Halorc der von den Weinbergen an der Dölaner Haidc kam und im Hute, den er im Arme trug, Weintrauben hatte, von den er. Der König hielt sein Pferd an und fragte:Was hast Du da?' Weimern!" antwortete der Halorc. Der König verstand das nicht und sagte etwa:Gieb 'mal her!"