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Samstag, den 8. Dezember

Gustav Adolf.

Das ganze protestantische Deutschland mit seinem Kaiser an der Spitze feiert heute den 300 jährigen Geburtstag Gustav Adolfs, des großen Schwedenkönigs. Grüßend und dankend reichen wir heute dem Schweden­volk, dessen königlicher Herr der Retter des protestan- stantischen Deutschlands wurde, im Geiste die Hände. Mit einer Begeisterung ohne Gleichen haben die deutschen Städte demmitternächtigem Löwen' und seinem Siegeslaufe von Breitcufeld bis Lützen zu- gejubelt. Der Altmeister deutscher Geschichte, Leopold von Rauke, schreibt mit Recht,die norddeutschen Kirchen sollten auf dem Schlachtfelde von Breitcnfcld dem Könige ein Denkmal errichten, ohne dessen Hilfe sie verloren gewesen wären." Es ist volle Wahrheit, was der auf jenem Schlachtfelde errichtete Denkstein spricht:Gustav Adolf, Christ und Held, rettete bei Breitenfeld Glaubensfreiheit für die Welt."

Er war ein Kriegsheld. Den Lorbeer dieses Ruhmes hat die Weltgeschichte ihm um sein königliches Haupt geflochten; und diesen Ruhm kann kein Feind ihn zu Nichte machen. Aber er war mehr. Er war ein Mann der Ideale, an denen die Gegenwart so arm ist, er war ein Glaubensheld. Seine weltgeschichtliche Bedeutung besteht darin, daß er in heiliger Begeisterung für die Sache des Evangeliums eingetreten und sie vom Untergänge gerettet hat.Der soll dir nimmer­

mehr vergessen werden, du theuerer Held!" hat ein schwäbischer Dichter einst an der Stelle gesprochen, wo deutsche Erde das Blut des jungen, ruhmgekrönlen Glaubensfürsten getrunken hat, wo der Wanderer stille steht und liest:Hier fiel Gustav Adolf am 6. November 1632." Gewiß hat Gustav Adolf bei seinem Kriegs­zuge nach Deutschland auch politische Gesichtspunkte, auch das Wohl seines Reiches nie aus dem Auge nee lorett. Er wäre ein schlechter König seines Volkes gewesen, hätte er es anders gehalten. Er sah die von ihm erstrebte Herrschaft über die Ostsee durch die österreichisch habsburgische Macht bedroht. Aber der Mann, der am 26. Juni 1630 nach beschwerlicher Seefahrt als erster auf deutscher Erde niebertniet und betet:Gieb Gnade und Segen zur Vertheidigung deiner bedrängten Kirche! Du Herr, der du die Herzen prüfest, kennst die Lauterkeit meiner Absichten!", der König, dessen Wahlspruch lautete:Für Gottes Wort das Schwert ich führ', Herr Christo, dir gilt's und nicht mir!", der Held, der mit seinem Heere in der Ebene von Lützen das Schutz- und Trutzlied anstimmt: Eine feste Burg ist unser Gott", nachdem er zu seinem Hosprediger gesagt:Nur mit Gott wollen und können wir Thaten thun!" er war nicht nur ein Mann der Politik, er war ein Streiter für die idealsten Lebensgüter. Und das Eine steht unumstößlich fest: Ohne sein Kommen war es mit dem Protestantismus in Deutschland vorbei.

Selbst ein Papst, Urban VIII., hat seiner Zeit genrtheilt:Der König von Schweden verfolgt die Katholiken nicht, unb wenn er gegen die österreichischen Katholiken Krieg führt, so führt er ihn nicht deswegen, weil sie Katholiken sind, sondern weil sie die Protestanten zuerst beraubt haben, und um diesen das Ihrige wieder- zugeben. Bei dem Sieg des Schwedenkönigs ist für die katholische Religion keine Gefahr. Der will sie nicht unterdrücken. Oesterreich und Spanien haben durch ihre Gewaltthaten den Schwedenkönig von dem äußersten Norden gerufen, und Gott selbst hat ihn auferweckt, daß er uns schütze."

Diesem Helden an seinem heutigen 300 jährigen Geburtstage einen Kranz der innigsten dankbarsten Er­innerung zu widmen, ist eine Ehrenpflicht der gesummten Kirche evangelischen Bekenntnisses, eine Lebenspflicht jedes evangelischen Christen deutscher Nation.

und der Marine; Ihr nehmt eine besondere Stelle ein und nehmt Pflichten auf Euch. Von manchen werdet Ihr um den Rock, den Ihr tragt, beneidet, haltet ihn in Ehren und beschmutzt ihn nicht, und das könnt Ihr am besten, wenn Ihr an Eueren Eid denkt, Ihr zumal, Ihr Seeleute, die Ihr so oft die Gelegenheit habt, die Allmacht Gottes bei den verschiedensten Gelegenheiten auf dem Wasser kennen zu lernen. Worin liegt das Geheimniß, daß wir oft in geringerer Anzahl dem Gegner überlegen sind? In der Disziplin. Was ist die Disziplin? Das einheitliche Zusammenwirken, der einheitliche Gehorsam. Daß unsere alten Vorfahren schon darauf hielten, beweist das eine Beispiel: Wie sie einst gegen die Römer in den Krieg zogen, stiegen sie über die Berge und sahen sich plötzlich den gewal­tigen Heeresmassen gegenüber. Da wußten sie, was für ein schwerer Augenblick ihnen bevorstand. Sie gaben Gott die Ehre, indem sie zuerst beteten und dann in Ketten zusammcngeschlosscn Mann an Mann sich auf den Feind warfen und ihn besiegten! Nun, die wirklichen Ketten brauchen wir nicht mehr: wir haben eine kräftige Religon und den Eid. Bleibt dem treu und denkt daran, mögt Ihr im Inland oder Ausland sein! Haltet Eure Fahne hoch, die hier schwarz-weiß roth vor Euch steht und denkt an Euren Eid, denkt an Euren Kaiser!"

6. Dez, Bei der gestern erfolgten Schluß stcinlcgung für das neue Reichstagsgebäude hat der Kaiser eine Urkunde verlesen, die dann mit eingemauert worden ist. In dieser Urkunde erinnert der Kaiser an die erhabenen Gründer des Reichs, Kaiser Wilhelm I. und dessen ruhmgekrönter Sohn, Kaiser Friedrich I1L, denen es nicht vergönnt gewesen ist, die Vollendung dieses Baues zu schauen. Wie er, der Kaiser, das An­denken seiner beiden Vorgänger dankerfüllt segne, so

zeit (die mit dem ersten Schneefall endet) eingeführt, um in zwei Stunden die in der Kaserne marschbereit stehenden Kompagnien ins Haberergebiet werfen zu können, und das Gericht hat einen Burschen, der den nnerwischt gebliebenen Haberern Bier zuführen wollte, sonst aber an gar nichts betheiligt war, zur Abschreckung zu einjähriger Gefängnißstrafe verurtheilt. Das ist alles seit etwa dreißig Jahren! Und nun kommt ein merkwürdiger Zufall, dem die Regierung es verdankt, wenn sie wirklich einen lebendigen thatsächlichen Haberer in die Hände bekommt. War da dieser Tage der Untersuchungsrichter von Tölz wegen einer Wilderer­affaire in Lenggries und benutzte den freien Abend, um

in Civilkleidung, auf den Kopf einen altväterlichen Schlapphut,

abzustatten. Straße stieß forderte, die zu bezahlen.

einer befreundeten Familie einen Besuch Beim Heranstreten vom Gasthof auf die er auf einen Mann, der ihn sofort auf- Schuld vom letztenTreiben" her endlich

Der Untersuchungsrichter benutzte augen­blicklich den kostbaren Irrthum des Haberers, vergewisserte

sich durch die Frage, ob der Mann das Gaißncher Treiben meine und brächte den Haberer durch allerlei Reden in das Licht einer Laterne. Zu allem Pech für den Haberer ging auch noch ein Mann die Straße entlang, der ihn grüßend beim Namen nannte. Nun gab sich der Richter zu erkennen und ließ den entdeckten Haberer durch die Gendarmerie verhaften. Die Ein­zelheiten aus den Verhandlungen werden begreiflicher Weise geheim gehalten.

Würzburg. Das in weiten Kreisen bekannte, be-

sonders durch seine guten Weine berühmte Schloßgut Saaleck, romantisch bei Hammelburg gelegen, wurde von den Erben des Herrn Bankier Hornberger in Würzburg, welcher das Gut Mitte der 60er Jahre vom Staate für 35 000 Gulden erworben, renovirt und seither in gutem Stande erhalten hatte, kürzlich verkauft, und zwar ging dasselbe, nachdem die auf den 20. November,

werde ihr Andenken allezeit im Volke fortleben. Zur

Ehre des geeinten Vaterlandes erhebe sich dieses Zeugniß 0 a...a ^v. vmvuuuci,

deutschen Fleißes und deutscher Kraft. Der Geist der s Nachmittags 4 Uhr anberaumte notarielle freihändige Gottesfurcht, der Vaterlandsliebe und der Eintracht Versteigerung nur das Gebot von 90000 Mk. erreichte,

möge die Männer erfüllen, die berufen seien des Reiches

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat bei der Vereidigung der Marine-Rekruten in Kiel folgende Ansprache gehalten: Der Eid ist heilig und heilig ist die Stätte, da Ihr ihn schwört. Das zeigt der Altar und das Kruzifix; es bedeutet, daß wir Deutsche Christen sind, daß wir allezeit erst Gott die Ehre geben bei jedem Geschäft, das wir treiben, zumal bei dem höchsten, bei der Aus­bildung zum Schutz des Vaterlandes. Ihr tragt des Kaisers Rock, Ihr seid dadurch den andern Menschen vorgezogen und gleichgestellt den Kameraden der Armee

Wohlfahrt zu fördern. Der Bau sei eine Mahnung, das von den Vätern Erkämpfte zu pflegen.

Für die Ausweisung der russisch jüdischen Getreidehändler aus den östlichen Provinzen tritt auch dieKrenzztg." ein. Eine Verletzung des Handels­vertrags liege darin nicht, denn es handele sich nicht um einen vorübergehenden Aufenthalt russischer Ge­schäftsreisenden in Deutschland, sondern um dauernde Niederlassung von Ausländern, und in Betreff dieser seien beide Staaten nur an ihre eigene Gesetzgebung gebunden. Ist es wahr, daß diese Händler uns mit Getreide überschwemmen, das sie den bei ihnen ver­schuldeten russischen Produzenten zu einem Spottpreise abgenöthigt haben, so wäre ihre Ausweisung mindestens zehnmal besser begründet, als vor 8 Jahren die Ver­treibung von Tausender polnischer Arbeiter, die Fürst Bismarck anordnete.

- - Englische Polizeiknüppel scheinen nach Londoner Muster jetzt von verschiedenen Polizeibehörden neben Revolvern und Säbeln eingeführt werden zu sollen. So hat, wie eine Berliner Korrespondenz schreibt, die Polizeiverwaltung in Landsberg a. Warthe bei der Berliner Waffenfabrik von Hippolit Mehles fünfund­zwanzig Polizei-Knüppel, je 35 Zentimeter lang, aus Gummi bestellt. In Polizeikreisen scheint man diese Knüppel, die einen renitenten Strolch wohl betäuben, aber körperlich nicht beschädigen können, für bessere Waffen als Säbel und Revolver zu halten.

Aus Bayer». Seit mehr denn drei Jahrzehnten führt die bayerische Regierung einen völlig vergeblichen Kampf gegen dieHaberer", die Veranstalter des herbstlichen Haberfeldtreibens, durch welches die ober- baierische Bevölkerung an mißliebigen Leuten eine recht derbe Art der Volksjustiz übt. Alle Vorkehrungen zur Unterdrückung des unter Landfriedensbruch fallenden Unfugs haben sich ebenso wirkungslos erwiesen, wie die von der Regierung verfügte Bestrafung Unschuldiger durch Anordnung von Nachtwachen in Orten, wo ein Haberfeldtreiben (durch Fremde) stattgefunden hat. Bor etwa dreißig Jahien, erwischte man einen Burschen, der wenigstens verdächtig war, aber es kam doch nichts an den Tag und seither hat man wiederholt Militär

im Privatwege an die Herren Sal. Adler jun. und Hugo Rosenthal und Konsorten in Würzburg um den verhältnißmüßig außerordentlich billigen Preis von 100000 Mk. über.

Mainz, 2. Dez. Es schien, als solle es auch diesmal, d. h. 1895, hier in der vielgerühmten Karnevalsstadt Karneval in großem Stile geben, aber die Ungunst der Zeiten ist zu stark. Die Stockung in Handel und Verkehr läßt es räthlich erscheinen, daß der große Karnevalsverein ein Jahr anssetzt. An seiner Stelle wird eine kleine Narren-

Gesellschaft das alte Volksfest in bescheidenen Grenzen feiern. Anch aus Worms wird berichtet, daß dort mit Rücksicht auf die schlechten Verhältnisse von einer Feier des Karnevals abgesehen werde.

Vom Rhein, 29. Nov. Einen raffinirten Schwindel hat man auf dem Kölner Hauptbahnhof entdeckt. Dort wurden nämlich wiederholt beim Verlassen des Bahnsteiges Bahnsteigkarten anderer größerer Bahnhöfe wie Bonn, Düsseldorf, Aachen rc. abgegeben, woraus ersichtlich wurde, daß Leute in einer der genannten Städte für 10 Pfennige eine Bahnsteig-Karte gelöst hatten und dann ohne Erlegung des Fahrpreises nach Köln gefahren waren und hier den Bahnhof unter Rückgabe der Bahnsteig-Karten, die an allen Stationen ungefähr dasselbe Aussehen haben, verließen. Diesem soll für die Zukunft vorgebeugt werden, indem cinestheils an ver­schiedenen Tagen verschiedenfarbige Karten durch die Automaten ausgegeben werden, anderntheils die Karlen der großen Bahnhöfe noch besonders durch eine leicht erkennbare große Ziffer bezeichnet werden sollen.

Seidmar bei Forchheim. Ein furchtbares Unglück hat sich^hier zugetragen. Ein hiesiger Landwirth hatte einen Stier schlachten wollen. Der Knecht hielt dem Stier ein Tuch über Kopf und Augen, damit das Thier die Bewegungen des Metzgers mit dem Beil nicht wabr- nehmen sollte. Der Metzger holte zum Schlag aus und schlug auch zu; in diesem Augenblick aber sprang der Stier zur Seite und das niedersausende Beil traf statt den Kopf des Stieres den Knecht, der mit zerschmettertem Schädel todt zu Boden sank. Der Stier, dadurch wild geworden, stößt der Magd des Bauern die Hörner in den Unterleib, sodaß auch diese schwer darnieder liegt und wahrscheinlich nicht mehr aufkommen wird. Der.

entsandt, das System der Bereitstellung von Extrazügen , , _................

im Münchener Central-Bahnhof während der Haber-1 Stier ist schließlich vom Jagdpächler erschossen worden.