ZltMchtemerMung
Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
BHrr“”>***■■ -<,gw>pg~ir »ri—'rh>nni^>Mrj'^««au-oT.n tfnr"^v■'^w,'~ ■--* ~-J --• —-.. “■ . . ——— - ........*- -.,..■—^^^^^ .,- r. ~r'-' i --. ^*‘<\---.—'.',—- ,--.^.--....">-. ,^^?. -..w^»^iiwiKni!>.»jvia l^r'T*iM'T|M|THTl!^l^Jwf,ftff:yPFT1"l!ffi1MWraMilTgFTMffWW—W 94. Samstag, den 24. November 1
• ä . c-::.^/^.- ■ -v a^^a . ’-r • v..^ 88^ü» K At ^6 öütd. i^Äilö^ . f'«ääfc^"3M®B86HMWM
Deutsches Reich.
Berlin, 20. Nov. Gouverneur v. Schele meldet aus Dar-es-Salam, daß er am 30. Oktober die Hauptstadt Knirenga im Uhehegebiet gestürmt und nach mehrstündigem Kampfe genommen habe. Auf deutscher Seite fielen Lieutenant Maas und 8 AskariS. Der Verlust der Wnhehe war sehr bedeutend. Eine große Menge Vieh, beträchtliche Elfenbeinvorräthe, Geschütze und Gewehre der Zelewski - Expedition, sowie große Pulvervorräthe fielen den Siegern in die Hände, 1500 geraubte Weiber und Kinder wurden befreit.
— 17. November. Der „Ncichsanzcigcr" schreibt: Die bereits bekannt gegebenen Verluste der südwcst- afrikanischen Schntzirnppe in den letzten Kämpfen gegen Witboi belaufen sich nach der von Major Leutwein eingcsaildtcn Verlustliste auf 14 Todte, 9 Schwerver- wundete und 15 Leichtverwundete. Gefallen oder an den Verwundungen später gestorben sind: Premier- lieutenant Diestcl, die Unteroffiziere Schern nnd Scidlcr, die Reiter Kluth, Bock, Barthel, Rocher, Gerke, Pinske, Eckhardt, Frey, Höldermann, Lange, Flvschcr. Schwer- verwundet : Hm'ptmann Estorff, Unteroffizier Polcit, die Reiter: Hormann, Krause, Moser, Balccke, Koch, Langerhanscn, Gefreiter Reiche. Leichtverwundet: Assistenzarzt Schöpwinkel, Lazarcthgchilfe Tessendorff, die Reiter: Wahlen, Müller, Lindau, Polzin, Gerke, Schöfer, Wischkom, Gries, Kohn, Muschiol, Jben. Außerdem sind gestorben Lieutenant Eckart und die Reiter Pohland und Börtsch.
— Die Acl testen der Berliner Kaufmannschaft haben gegen die geplante Börsenstcucrrcform eine Eingabe gerichtet in der sie ein Eingreifen des Staates im Interesse der Freiheit und Bewegung des Verkehrs für bedenklich und unnölhig erklären, weil die Börsen- körperschaften selbst in der Lage seien, etwaigen Miß- ständen an der Börse wirksam abzuhelfen. Daraufhin richtete die „Post" die sehr berechtigte Frage an die Aeltesten der Berliner Kaufmannschaft, was dann bis jetzt die Börscnkörperschaftcn gethan haben, um zu beweisen, daß sie den guten Willen und die Kraft besitzen, die nöthigen Reformen aus sich heraus vor- zunehmen? Die Ergebnisse der Börscncnquetc liegen längst vor. Sind etwa die dort für nöthig erachteten Einrichtungen und Bestimmungen, soweit das im Verwaltungsweg geschehen konnte, für die Berliner Börse getroffen worden oder sind auch nur diejenigen Mißstände, deren Vorhandensein auch von den berufensten Vertretern der Börse selbst in der Enquete anerkannt worden ist, beseitigt worden? Die Antwort hierauf lautet einfach: Nein! Es wird sich daher Niemand darüber wundern dürfen, wenn der Staat einschreitet, um die Reformen vorzunehmen, die im Interesse der Gesammtheit, wie der betr. Einrichtung selbst unbedingt nöthig sind.
München, 19. November. Die Verfertigter der seit einem Jahre in München und im ganzen Reiche im Umlauf befindlichen falschen Reichskassenscheinc zu 50 Mark sind hier und einer in Stuttgart verhaftet worden. Die Bande zählt nach der Franks. Ztg. acht Personen, darunter vier Photographen.
Dresden. Der große Artillerieschießplatz des 12. sächsischen Armeekorps bei Geihain wird demnächst eine großartige Umwandlung erfahren. Der Schießplatz, welcher jetzt eine Länge von etwa 4000 Metern hat, soll auf reichlich das Doppelte erweitert werden. Dadurch kommt u. A. auch das Dorf Fohrich in die Schußlinie zu liegen und muß infolgedessen von seinen Bewohnern verlassen werden. Die Räumung von Gohrich wird am 1. April 1895 stattfinden. Während der nächsten Schießübungen werden dann bereits Granaten und Schrapnels mit furchtbarer Gewalt das Dorf, das als Ziel in Ansicht genommen ist, in Trümmern legen.
Bei einem Reparaturbau in seinem Haus hat der Hofphotograph Strensch zu Wittcnbcrg unter den Dielen seiner Wohnstube ein altes, nicht krepiertes Hohlgeschoß gefunden, das sicher von einer der Beschießungen Wittenbergs im siebenjährigen oder Freiheitskrieg herst^mmt. Das sehr solide Haus ist nach der Jahreszahl auf der Wetterfahne im Jahr 1513 erbaut.
Weimar, 21. Nov. Der Erbgroßherzog Carl August ist in der letzten Nacht 11^ Uhr gestorben.
Aus Thüringen. Ein interessanter, recht theuerer
Proceß, welcher feit Jahren zwischen dem Rentner Grau und dem Arbeiter Beyer in dem gothaischen Dorfe Nhoda geführt wurde, ist jetzt zu Ungunsten des Rentners beendet worden. Es handelte sich um einen schmalen Gartenstreifen im Werthe von etwa drei Mark, auf welchen der Rentner Anspruch erhob. In dem letzten Localtermine, welcher im Gcmcinde-Gasthans zn Rhoda unter Gegenwart von 15 Zeugen abgehalten wurde, beschloß das Gericht, daß Beyer den Streifen gegen Zahlung von 32 Mark zwar abzutreten habe, die Kosten des Verfahrens, welche sich auf über 4000 Mark belaufen, fallen aber dem Rentner znr Last. — In Lauschn ist einem Metzger eine Bratwurst auf 60 Mark Strafe und Gerichtskosten gekommen. Er hatte die Wurst in halb durchbratenem Zustand einem Mann verabfolgt; der Käufer legte die Wurst wieder auf den Rost und verlangte eine andere Bratwurst oder fein Geld wieder. Der Metzger aber machte kurzen Proceß und aß die Wurst selbst auf. DaS angerufene Gericht entschied in obigem Sinne. — Einen schrecklichen Tod fand vor einigen Tagen ein geachteter Bürger in Königssee. Er litt an Epilepsie und wurde am Tage seines Todes auf einige Stunden allein im Hause zurückgclasscn. Er begab sich in den Hofraum und hier überfielen ihn feine Krampfanfälle. Als seine Frau am Abend nach Hanse kam und ihn überall suchte, fand sie ihn mit dem Kopfe in der Mißjauche liegend, worin er den Erstickungstod gefunden hatte.
Ausland.
Petersburg, 19. November. Heute Mittag fand die Beerdigung des Czaren unter Theilnahme von Vertretern ganz Rußlands, der europäischen Staaten, Amerikas und Asiens statt. Es waren darunter drei Könige und die Thronerben dreier Großmächte erschienen. Anwesend waren sämmtliche russischen Botschafter im Auslande, das Petersburger diplomatische Corps sowie die General-Gouverneure. Prinz Heinrich, in der russischen Kaluga-Uniform, befand sich in unmittelbarer Nähe deS Kaisers. Unter den Deputationen waren die Deutschen glänzend vertreten. Der Kranz des Kaisers Wilhelm wurde heute an der Bahre zu Füßen des Verewigten nicdergclcgt. Unter ununterbrochenem Kanonendonner, Glockengeläute aller Kirchen der Stadt und Flintensalven erfolgte kurz vor ein Uhr die Beerdigung. Der Sarg wurde vom Kaiser und den Großfürsten nach der Gruft gebracht, von den aus- ländifchcn Fürstlichkeiten, darunter Prinz Heinrich, geleitet. Nach dem Todtcnamte verabschiedeten sich der Kaiser nnd die Fürstlichkeiten von der Leiche. Der Sarg wurde darauf geschlossen, zn Grabe getragen'und unter Gebeten und Ehrensalven versenkt.
— 19. November. Dem Vernehmen nach findet die Hochzeit des Zaren Nicolaus mit der Pinzcssin Alix am nächsten Montag statt.
Peterhof. Der berühmte Claviervirtuose Anton Rubinstein ist knrz vor Vollendung seines 64. Lebensjahres heute in Peterhof am Herzschlag verschieden.
Rom, 19. Nov. Der reiche Gutsbesitzer Passavante, den Räuber neulich ins Gebirge entführt hatten, wurde heute gegen ein Lösegeld von angeblich 100,000 Francs in Gold freigelassen. — Eine Anzahl Briganten, die an dem Beutezug gegen das sardinische Städtchen Tortoli betheiligt waren, wurde festgenommen. Darunter befindet sich auch der Vize-Friedensrichter. — Die Nachrichten aus den von Erdbeben heimgesuchten Ortschaften lauten immer betrübender, die Stöße haben sich auch in letzter Zeit wiederholt und riefen bei allen im Freien lagernden Familien eine große Panik hervor. Die Zahl der Gciödletcn und lebensgefährlich Verwundeten wird auf etwa 1000 angegeben.
Lokales und Provinzielles.
* Schlüchtern, 23. Nov.
* — Nachdem jetzt in den Landgemeinden die nöthigen Beschlüsse zur Ausführung des Communalsteuer- gesetzes gefaßt werden müssen, erlauben wir uns auf Folgendes aufmerksam zu machen: 1. Das Gesetz vom 14. Jnli 1893 wegen Aufhebung directer Staatsstcucrn (Ges.-Sammlung S. 119) ist mehrfach dahin aufgefaßt, daß die Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer vom 1. April 1895 ab vom Staate nicht mehr erhoben würden, nnd von diesem Zeitpunkt ab ohne Weiteres in die Gemeindekasse stießen. Dies trifft aber nicht
zu, vielmehr ist es nach dem Kommnnalabgabcngcsetz nur zulässig, die genannten Realsteuern auf Grund eines besonderen Gemeindcbeschlnsses in Form von Gemeindesteuern für Gemeindezwecke herazuziehen und zwar nach Maßgabe der Vorschrift in §. 54 des Kommnnalabgabengesctzcs. Nach dem letzteren sind in der Regel die vom Staate veranlagten Rcalsteuern mindestens zu den gleichen und höchstens zn einem um die Hälfte höheren Prozentsätze zur Kommnualstener hcranzuziehcn, als Zuschläge zur Staatscinkommcnsteücr erhoben werden. 2. Für die Vertheilnng der Natnral- dienfte (Hand- und Spanndienste) in den Gemeinden sind künftig die Bestimmungen des §. 68 des Kommunal- abgaben-Gesetzes, Artikel 44 der Ausführungs-Anweisnng — amtliche Ausgabe Seite 30 und HO — maßgebend. Abweichungen davon bedürfen die Genehmignng des Kreis-Ausschusses. Die bisherigen Ordnungen (Obscr- vanzen, Gemeindcbeschlüsse u. s. w.) soweit dieselben mit jenen Bestimmungen nicht übereilt stimmen, müssen mit denselben in Uebereinstimmung gebracht werden, so lange eine Aenderung durch gültigen Gemeinde- beschluß ober Anordnung der Aufsichtsbehörde (§. 78 Kommnnalabgaben-Ges. Art. 47 Ansführungsanweisung) nicht erfolgt, müssen die bisherigen Ordnungen in Kraft bleiben.
— Lohnabzüge bei Dienstboten. Ist die Herrschaft berechtigt, einem Dienstboten Lohnabzüge für zerbrochenes Geschirr, Porzellan rc. zu machen? Diese für Hausfrauen interessante Rechtsfrage ist vom Berliner Landgericht I im verneinenden Sinne entschieden worden. Die Köchin eines Kaufmanns hatte ihre Dienstherrschaft auf Auszahlung des inncbchaltenen Theils ihres Lohnes verklagt. Die Beklagte wendete ein, daß Klägerin beim Abwäschen kostbaren Porzellans Stücke zerschlagen habe, deren Werth die Höhe der cinbchaltenen Summe bei Weitem überträfe; die Hausfrau habe dem Mädchen oft Vorhaltungen über das nachlässige Hantiren mit dem Geschirr und Porzellan gemacht, bis schließlich, da dies nicht mehr gefruchtet, dem Dienstmädchen Abzüge am Lohn gemacht worden seien. Die Klägerin wendete durch ihren Rechtsanwalt 'dagegen ein, daß derartige Gehaltsabzüge „beim Miethen" nicht ausgemacht worden seien und sie das Geschirr nicht böswillig, sondern bei der ihr aufgetragenen Arbeit zerbrochen habe. Das Amtsgericht erkannte denn auch auf Hcrauszahlnng des abgezogenen Lohnes, weil es in der That einer Abmachung beim Miethen bedurft hätte. Auf die von der beklagten Partei eingelegte Berufung hat die Civil- kammcr des Landgericht I das amtsrichterliche Urtheil bestätigt.
* — In einzelnen Ortschaften des Wics- badener Kreises sind schon seit längerer Zeit in den Gastwirthschaften Tafeln aufgehängt, auf denen die Landwirthe ihr verkäufliches Vieh anschreiben lassen. Durch diese praktische Einrichtung wird bewirkt, daß die Händler und Metzger nicht mehr von Haus zu Hans laufen und Nachfrage halten. Zu den Vortheilen dieser Einrichtung tritt noch derjenige einer Verminderung der Einschleppungsgefahr von Viehseuchen, denn es ist bekannt, daß durch das Betreten von Stallungen seitens fremder Händler Viehseuchen verbreitet worden. Es wäre zu wünschen, daß diese einfache Einrichtung in allen Dörfern Nachahmung fände.
t Salmiinstcr, 21. November. Gestern haben die Franziskanermönche wieder ihren Einzug in das hiesige, seit 20 Jahren verlassene Kloster gehalten. Die Straßen und Häuser waren prächtig geschmückt. Der Bischof von Fulda war leider durch Erkrankung am Erscheinen gehindert. Abends fand großer Fackelzug statt, welcher sich durch die Straßen der Stadt nach dem Kloster bewegte, wo nach verschiedenen Gesangsund Musikvorträgen unser Bürgermeister in wohldurchdachter Rede namens der Stadt die Patres herzlich willkommen hieß. Der Pater Provinzial dankte in längerer Rede und versprach fein Mögliches zn thun, daß das alte Kloster wieder zu seinem früheren Glänze cmporblühc. Heute Mittag fand nach feierlichem Gottesdienst ein größeres Essen im Kloster statt.
~ Bom Vogelsberg, 19. Nov. Die landschaftlichen Schönheiten des Vogelsgebirges mit seinen herrlichen Buchenwäldern finden immer mehr die gebührende Würdigung. Während vor.ges Jahr ein Offizier a. D. sich eine Villa am sog. Oberwald erbaut und dieselbe mit ausgedehnten Parkanlagen umgeben hat, unternahm