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SchlWemerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKrcisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

.M 92. Samte den 17. November 1894.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser hat auf die Mittheilung der bis aus eine Stimme einstimmigen Annahme des Agendenentwurfs dem Vorstände der Gcncralsynodc folgende Mittheilung zugehen lassen: Die Meldung der einmütigen Annahme der Ageudcu-Vorlagc seitens der Generalsynode hat Mich mit Freude . und Dank erfüllt. Ich hoffe zu Gott dem Herrn, dass die neue Agende durch freiwillige Aneignung seitens der Gemeinden zur Festigung unseres theueren evangelischen Glaubens, und zu reicherer und tieferer Erbauung der Gemeinden dienen werde.

Die in verschiedenen Blättern zum Ausdruck kommende Ansicht, daß die Reichsfinanzreform so gut wie begraben sei, wird in derNationalliberalen Korrespondenz" vonautoriativer Seite" auf das Bestimmteste widersprochen. Es heißt darin:Die Reichsfinanzreform ist nicht aufgegeben und kann nicht aufgegeben werden. Ohne dieselbe hätte die Tabak- fabrikntstcucr feine Begründung. Die Auseinander­setzung zwischen Reich und Einzelstaaten ist die Haupt­sache und bleibt eine absolute Nothwendigkeit, wenn auch auf Ueberweisungen verzichtet werden muß."

Lieutenant v. Erkert, sowie die Reiter Bohland und Börtz von der südwestafrikanischen Schutztruppe sind nach einem Telegramm des Majors Leulwein in Folge eines Unglücksfalles um's Leben gekommen. Nähere Nachrichten stehen, wie dasDeutsche Coiouialbl." meldet, noch aus. Dem Südafrikanischen Handels- komptoir in Dresden sind dagegen Nachrichten zuge­gangen, wonach es scheint, als ob Lieutenant v. E kert und die Reiter verdurstet sind. Es heißt in dem Brief: Der Lieutenant war als Chef der Station Swakopmund commandirt, um zu verhindern, daß Witbois Leuten von der Walfischbai aus seitens der englischen Händler Waffen und Munition heimlich zugeführt würden. Er errichtete zu dem Zwecke, ungefähr eine Tagereise von der Bai entfernt, eine Beobachtungsstation. Von hier aus wurde er plötzlich von Major Leutwein nach der Naukluft abkommandirt, weil dort mehrere Offiziere in Folge vorhergegangener Gefechte dienstunfähig geworden waren. Lieutenant v. Erkert wählte mich noch drei Mann den nächsten, bisher nur von Witboi genommenen Weg zur Naukluft, verirrte sich aber und kam dabei in solche Bedrängniß, daß er schließlich in Folge Wasser­mangels drei von den Pferden schlachtete, um an deren Blut den Durst zu stillen. Er selbst und zwei Mann brachen endlich zusammen und waren nicht fähig, ihren Weg fortzusetzen. Dem dritten Mann der Begleitung gelang es, durch den Justinct des Pferdes nach nenn- ständigen Marsche Wasser zu finden und schließlich wieder so viel Kräfte zu gewinne«, daß er am andern Morgen die Farm eines Engländers erreichen konnte, von wo aus er, mit Speise und Trank erquickt und mit einem neuen Pferde versehen, an sein Ziel gelangte. Der englische Besitzer dieser Farm schickte noch in der Nacht an den stellvertretenden Stationschef, Feldwebel Roloff, nach Swakopmund Benachrichtigung. Die sofort auf die Suche nach den Vermißten gegangenen Mann­schaften waren bis zur Abfahrt des Schiffes noch nicht zurück, mit welchem das Südafrikanische Handels- komptoir diese Nachricht erhielt.

Das Officiercorps des Beurlaubtenstandcs des deutschen Heeres umfaßt nach dem Stande vom 15. August d. J. 20 797 Officiere, von denen 10 555 der Reserve und 10 242 der Landwehr beider Aufgebote angehören. Davon entfallen auf Preußen 8048 Reserve- und 7963 Landwehr-Osficiere, auf Bayern 124 2 bezw. 1223, auf Sachsen 802 bezw. 629, auf Württemberg 463 bezw. 427. In den einzelnen,Chargen vertheilen sieh dieselben in der Reserve auf 3 Majors, 467 Hanptleute und Rittmeister, 1946 Premier- und 8139 Scconde-Lienienants, in der Landwehr auf 1 Obersten, 3 Oberstlieutenants, 23 Majors, 1673 Hauptleute und Rittmeister, 4576 Premier- und 3966 Sckonde-Lieuteuants.

Der Rcichsanzeiger schreibt: Nach Bekanntgabe der Kaiserlichen Ordre vom 30. Juni d. I., betreffend die Einführung der Persoualkonzession für Apotheker hat der Kultusminister, wie neuerdings bekannt geworden, durch Erlaß vom 12. Juli d. I. die Oberprästdenten über ein einheitliches Vorgehen bei Genehmigung von ApothekenNeuanlagen verständigt. Dieser Erlaß ist von einem Theil der pharmaceutischen Presse und auch

Ansland.

St. Petersburg, 13. Nov. Der Zug mit der kaiserlichen Leiche traf heute Vormittag pünktlich um 10 Uhr auf dem Nikolai-Bahnhofe ein.. Der Trancr- zug bestand aus fünfzehn Wagen. Beim Ausheben des kaiserlichen Sarges fand im fünften Wagen eine kurze Ccromonie statt, wobei der Kaiser, der Prinz von Wales und die übrigen Fürstlichkeiten den Sarg um­standen. Die Kapelle stimmte die Hymne Kol Slavjen an, die Sänger einen Trauerchor. Die Grenadiere der Leibgarde schlugen Trauerwirbel. Vor der Halle wurde der Sarg in den reich mit gelbem Seidenbrokat geschmückten Leichenwagen gehoben, welcher von

Grenadieren in dunkeln Röcken und Bürenmützen um geben war. Diese, sowie die rothen Kostüme des Leib Convoi des verblichenen Kaisers und die Uniformen der Generäle und Offiziere aller Waffengattungen ergaben ein höchst eindruckvolles Bild. Um 10'/. Uhr setzte sich der Leichenzng vom Bahnhöfe nach der Peter- Pauls-Kathedrale in Bewegung. Hinter dem Sarge schritt der Kaiser, der Prinz von Wales und die Groß­fürsten, hierauf die Adjutanten und das Gefolge. In Trauerwagen folgten dann die Kaiserin-Wittwe, die Braut des Kaisers und die Großfürstinnen, von der Menge ehrfurchsvoll begrüßt. Viele Offiziere weinten laut, als der Leichenwagen in Sicht kam. Die Straßen sind von einer unabsehbaren Menge angefüllt, doch herrscht überall größte Ordnung.

Petersburg. DieKöln. Ztg". meldet von hier, es sei nunmehr bestimmt, daß Zar Nicolaus seine Trauung mit Prinzessin Alix gleich nach den Trauer- feierlichkeiten, spätestens am 20. November, vollzieht.

London, 13. Nov. Australische Blätter melden, daß auf der Nossclinsel im Louisiade-Archchel, die Ein­geborenen einen französischen Kaufmann mit seiner Familie erschlugen und auffraßen. Es sind dies dieselben Insulaner, die vor einiger Zeit die Besatzung eines chinesischen Handelsschiffes gefangen nahmen, fettmästeten unb gleichfalls auffraßen.

China sieht das Verzweifelte seiner Lage vollständig ein und ist nach folgender Nachricht auf das Schlimmste gefaßt. Aus Shanghai vom 10. d. wird gemeldet: In der gestern in Peking abgehobenen Sitzung des Großen Reichsrathes, dem der Kaiser und Prinz Kung beiwohnten, ward beschlossen, der Hof solle Peking ver­lassen vor der als unvermeidlich betrachteten Belagerung der Hauptstadt durch die Japaner. Andererseits ver­sucht^ das ohnmächtige Riesenreich auf alle Weise trotz seiner ersten gescheiterten Versuche, den Frieden herbei- zuführen. So wird aus Washington gemeldet: Nachdem China die Vereinigten Staaten ersuchte, mit den europäischen Mächten, darunter England, zusammen- zuwirken, um den Krieg zu beendigen, wurde diese Frage deftern eingehend in der Kabinetssitzung erörtert.

Sydney, 8. Nov. Der der neuseeländischen Dampf- schiffsgcsellschaftUnion" gehörende DampferWei- rararape" scheiterte am Sonntag Abend auf der Fahrt von Sydney nach Auckland an der Great Barrier-Jusel bei Neuseeland. 112 Personen, Passagiere unb Mann­schaften sollen ertrunken sein, einige Personen konnten sich retten.

von anderen Tagesblüttern dahin gedeutet worden, als ob es in der Absicht liege, den Werth ihres Besitzstandes zu verringern. Diese Auffassung beruht auf einem Irrthum. Denn in dem Erlaß ist ausdrücklich darauf hingewiesen, daß bei der Genehmigung von Neuanlagen die Lebensfähigkeit der zur Zeit der Emanation der Kaiser!. Ordre vom 30. Juni d. J. bestehenden Apotheken gewahrt werden solle. Zu dem Zweck muß die Bedürfnißfrage für Neuanlagen, und zwar nach Maßgabe der in dem Erlaß noch besonders in Bezug genommenen Königlichen Verordnung vom 24. Oktober 1811 in jedem einzelnen Falle eingehend geprüft werden, ehe die Genehmigung ertheilt wird. Ein Grund zu Besorgnissen, wie sie in der Presse geäußert wurden, ist demnach nicht vorhanden.

Aus der Provinz Sachsen, 10. Nov. Sechs Söhne in der Armee hat der Landwirth Genzel in Alberoda bei Freyburg n. d. 11. Fünf derselben sind Unter­offiziere und Kapitulanten. Da nun der Vater dieser kleinen Armee den Wunsch hatte, seine kriegerischen Nachkommen einmal gleichzeitig im Vaterhause zusammen zu haben, wandte er sich mit einer diesbezüglichen Bitte an den Kaiser. Die sechs jungen Krieger erhielten darauf in der That gleichzeitig je 10 Tage Urlaub, und so hat kürzlich der große Appell stattgefunden.

Mühlhanse», 10. Nov. Hier traf ein aus Ensisheim entlassener Sträfling ein, der nach ununterbrochener 34jährigcr Zuchthausstrafe vom Kaiser begnadigt worden. Der Mann war, wie er selbst sagte, znm Tode ver- nrtheilt gewesen und dann zum Leben begnadigt worden. Der Mensch benahm sich wie ein Kind, er kannte kein Geld, er hatte noch kein Velociped gesehen und stand vor der elektrischen Trambahn wie vor einem Wunder. Dies scheint begreiflich, wenn man bedeukt, wie schnell die Welt heutzutage fortschreitet.

Aus Oberfranken wird in den nächsten Wochen eine Massenauswanderung von Arbeiterinnen erfolgen, die bisher in der Wirkwaareu- und Posameuten-Jndustrie Beschäftigung dort gehabt hatten. Diese Industrie ist aber in letzter Zeit sehr flau gewesen, die Löhne sind gering geworden und dabei muß oft gefeiert werden. Der Fabrikantenvercin für Planen und Umgegend bietet nun diesen Arbeiterinnen eine dauernde und lohnende Beschäftigung in der Stickerei- und Spitzcn-Jndustric. Nicht weniger als 700 Arbeiterinnen werden bei einem Wochenlohn von 10 und 11 Mk. auf sofort nach dem Vogtland gesucht, die dort 350 neu ausgestellte Schiffchen- stickmaschincn behielten sollen; auch für Handstickerei werden noch einige Hundert Arbeiterinnen verlangt, denen für eine 14tägige Lehrzeit 12 Mk. vergütet werden. Der Magistrat zu Planen hat für die fremden Arbeiterinnen Schlafstellen geschaffen, ebenso haben die in der Umgebung von Plauen gelegenen Fabrikorle vorgesorgt. Auch als Auslasserinnen und Legerinnen finden zahlreiche weibliche Arbeitskräfte in der Plauener Stickerei- und Sp tzen-Judustrie, wie auch in den Gardinenfabriken und Apprcturanstalten Beschäftigung.

Mainz. Zum Submissionswesen erhält dasM. T." die Mittheilung, daß kürzlich bej der Eröffnung der Submission über die Lieferung der Kirchenbänke für die neu erbaute evangelische Garnisonskirchc der Höchst­fordernde für die Lieferung der Bänke einen Betrag von rund 11,000 Mark und der Miudestfordcrnde einen solchen von rund 4000 Mark beanspruchte. Also eine Differenz von rund 7000 Mark!!

Elbcrfcld, 14. Nov. Die Elbcrfcldcr Zeitung meldet, daß sich in vergangener Nacht in der Kipdorf- straße ein schweres Brandunglück ereignet hat, bei dem sieben Hausbewohner und ein bei den Rettungsarbcitcn beteiligter Schutzmann verbrannt resp, erstickt sind.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchter», 16. Nov.

ll. Mittheilung der Handelskammer. Was den Sommerfahrplan für 1895 anbetrifft, so wird im jetzigen Betriebsamlsbezirke Frankfurt im Allgemeinen der vorige Sommerfahrplan wieder eingeführt werden. Auch die für den gegenwärtigen Winterfahrplan im Interesse des Verkehrs von Leipzig nach Frankfurt und Süd- deutschland rc. vorgenommene Früherlegung des Schnell­zugs 6a (Bebra ab 10.33, Frankfurt an 1.33) wird im nächsten Sommer beibehalten werden. Auf den Rhön- bahnen Fulda Tann und Fulda-Gersfeld wird in jeder Richtung ein weiterer Zug eingelegt werden. In den BetricbsamtSbezirkcn Nordhausen und Berlin werden wesentliche Aenderungen gegen den jetzigen Winter- fahrplan vorerst nicht beabsichtigt. Im Betriebsamts- bezirke Wiesbaden werden die Züge wie bisher im Sommer vermehrt werden. Die jetzt im Winterfahrplan bestehenden Züge werden im Allgemeinen int nächsten Sommer unverändert beibehalten werden. Voraussichtlich wird es auch möglich sein, die Schnellzugs-Verbindungen Wiesbaden-Frankfurt a. M. Nachmittags noch etwas zu verbessern.

* - Ein strenger Winter soll in diesem Jahre bevorstehen so prophezeihen die Welterkundigen vom Lande. Die Ameisenhaufen sind nämlich, statt wie sonst breit und niedrig, diesmal hoch und spitz gebaut, was nach der Versicherung von Forstleuten ganz bestimmt einen harten Winter bedeutet. Ferner wird ans dem Erzgebirge gemeldet, daß sich dort der Nußhäher, welcher sonst nur selten dorthin kommt und lieber im Norden bleibt, in großen Schaaren eingefunden hat, was ebenfalls ein Zeichen für einen zu erwartenden strengen Winter sein soll.

* Die Wetterlage hat sich im Allgemeinen wenig