Erscheint Mittwoch und Samstag. — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.
»»»»•« .*Jlwm:■w^uaMwwälJWMMa^xeM*w«w»3fr•x•*w*»-- - . ..... _-^ -.:. - .w.-ja'wtTi -. --ri :.y^.^i^^.jas«3S<aiaE7;ESZMIs£Scnii».IMMIiB »11» 1B»MP—Haag»—
91. Mittwoch, dm 14. November 1;
, Deutsches Reich.
Berlin, ! 1. Nov. Der Kaiser nahm am Sonnabend Vormittag, nach einem gemeinsamen Spazierritt mit der Kaiserin, im Neuen Palais bei Potsdam Vorträge entgegen, und kam hierauf zur Besichtigung der im Bau begriffenen Kaiser Wilhelm-Gedächtnißkirche nach Berlin. Von da begab sich der Monarch in das kgl. Schloß.
— Es verlautet, daß der Reichskanzler Fürst Hohenlohe die Höfe München, Karlsruhe, Stuttgart besucht, um sich als Reichskanzler vorzustellen und außerdem den betreffenden Souveränen mündliche Anf- klärung über die Vorgeschichte der Reichskanzlerkrisis zu geben. Namentlich hat Fürst Hohenlohe die Aufgabe, die Verstimmung des Großherzogs von Baden anläßlich der Demission Caprivi's zu beseitigen.
— Wie Berliner Blätter melden, ist sie zur Bekämpfung der Umsturzbestrebungcu ausgearbeitete Novelle zum Strafgesetzbuch nunmehr dem Bundesrath zuge- gaugen. An der auf Veranlassung des Grafen Caprivi im Reichsjustizamt fertig gestellten Vorlage sollen nur unwesentliche meist redaktionelle Aenderungen beliebt worden sein.
— Das preußische Eisenbahnministerium macht bekannt, daß das für die Kommunalbestcuerung am Steuerjahr 1894 95 in Betracht kommende Reineinkommen der gesummten Staats- und für Rechnung des Staats verwalteten Eisenbahnen auf 146,800,092 Mk. festgesetzt worden ist. Von diesem Gesammtein- kommcn unterliegen nach Verhältniß der erwachsenen Ausgaben an Gehältern und Löhnen der Besteuerung: durch die Gemeinden 129,836,222 Mk., durch die Kreise 134,026,615 Mk.
— Das Gcrichtsvollzicherwcscn. Der Herr Justizminister beabsichtigt, ähnlich wie in Hamburg ein Gerichtsvollzieheramt bei den Amtsgerichten zu errichten. Die Kosten bleiben hierbei die gleichen, fließen aber in die Staatskasse; dieselben werden sich aber dadurch vergrößern, daß bei jeder Pfändung der Transportwagen die Pfänder sofort abholt und in die zu errichtenden Versteigcruugshallcn bringt. Gläubiger und Schuldner sind hierbei gleich geschädigt. Die Aufträge zur Exc- cution werden direct bei Gericht eingereicht, hierdurch geht dem Gläubiger die Fühlung mit dem Gerichtsvollzieher verloren und bleibt dem Gläubiger nicht mehr das ihm gesetzlich gesicherte Recht, sich den Gerichts- vollzicher zu wählen.
— Offiziöserscits wird angekündigt, daß der preußische Etat für das kommende Rechnungsjahr mit dem beträchtlichen Defizit von vierzig Millionen Mark abschließen wird.
— Das große Loos der preußischen Elassenlotterie ist, wie gemeldet wird, nach Osterrode i Ostpr. gefallen. Gewinner desselben ist ein Theil des Untcroffiziercorps des früher in Glciwitz garnisonirenden Infanterie- Regiments von Grolmaun (1. Posen'sches) Nr. 18, welches das ganze Loos spielen soll. Feldwebel Magelfeldt, der zur Einarbeitung vom genannten Regiment bei der Gleiwitzer Garnisonverwaltung com= mandirt ist, erhält 50,000 Mk.
Lübeck, 8. Nov Der Nägclfrcsscr, welcher im Monat August ca. 125 Drahtstifte zu sich genommen hatte und von dem dirigirenden Arzt des hiesigen allgemeinen Krankenhauses, Herrn Dr. Hoffttädtcr, opcrirt wurde, konnte vor etwa vier Wochen als völlig geheilt aus dem Krankenhause entlassen werden. Sicherem Vernehmen nach hat derselbe Mann jetzt dem Krauken- Hause abermals zugeführt werden müssen, um sich einer schweren Operation zu unterziehen. Der sonderbare Schwärmer, ein Insasse des hiesigen ZwangSarbeits- Hauses, hat es nämlich nicht verschmäht, noch einmal eine größere Menge dieser unverdaulichen Kost zu sich zu nehmen. Während bei der ersten Operation Nägel bis zu vier Zoll Länge vvrgcfnuden worden sind, hat es der Nägelfrößer diesmal mit noch längeren Drahtstiften' versucht. ,Jedenfalls dürfte eine derartig sonderbare Geschmacksrichtung immerhin zu den größten Seltenheiten gehören. Wie verlautet, liegt der Mann diesmal sehr schwer darnieder und hat unter den entsetzlichsten Schmerzen zu leiden.
Aurich (Ostfricsland). Ein vor 42 Jahren als verschollen und todt erklärter Mann, der Schiffskapsta!» G. L. Saathoff aus Westcrsandcr in der Nähe von Aurich, welcher im Jahre 1852 seine Frau und uei Kinder verließ und seit der Zeit nichts mehr von sich
hören ließ, ist, wie man aus Emden schreibt, von Neuseeland, woselbst er ansässig gewesen ist, zn seiner Familie bczw. zu seiner ehemaligen Frau wieder zurück- gekehrt. Diese ist 74 Jahre alt und war inzwischen Mit einem bereits verstorbenen anderen Mann 20 Jahre lang verheirathel; sie hat indessen noch immer nicht den Gedanken aufgeben können, daß ihr erster Mann noch lebe. Bor einigen Tagen gelangte nun die Kunde in's Dorf, der Verschollene befände sich in Aurich auf der Heimreise nach seiner ehemaligen Familieuwohuuug, und wirklich, kurz darauf erschien er in seinem Hei- mathsdorfe.
Wasungeu, 9. Nov. 40 Wohnhäuser unb mehr als 50 gefüllte Scheunen und Nebengebäude sind in Schwallungen ein Raub der Flammen geworden. Es ist dies der Zahl nach der dritte Theil des Orts, der Ausdehnung desselben nach jedoch mehr als die Hälfte. Das Feuer ist nachts zwischen 1 und 2 Uhr in einer Scheune ausgekommen, in der an den vorhergegangenen Tagen nicht gedroschen worden sein soll. Die Ermitte langen nach dem Entstehen des Feuers sind im regen Gange.
wird von 15,000 Chinesen vertheidigt, meist Rekruten Man glaubt deshalb hier, daß Port Arthur nicht lange Widerstand leisten werde. -- Die Agentur Dalziel meldet, der amerikanische Gesandte in China habe die Nachricht gesandt, Port Arthur sei von den Japanern nach kurzem Kampfe genommen worden. — Auf Befehl der Prviuzialbehörde wird in Honkow eine KricgSstcner von 3 Dollars pro Kopf erhoben, wogegen das Volk sich cmpö t.
Amerika. Das Frauenstimmrecht steht vor einem neuen Siege, nämlich im nordamerikanischen Staate Utah Erst in diesem Jahre ist Utah zum Staate cr-
Ausland.
Petersburg, 8. November. In der Peter - Pauls Kathedrale wird Tag und Nacht gearbeitet, um Alles zur Aufnahme des Heimgegangenen Kaisers vorzube- reiten. Der Fußboden, die Wände und die Säulen werden mit schwarzen Tuche bekleidet. Inmitten der Kathedrale steht eine mit rothem Tuche bedeckte Estrade, auf welcher der Katafalk ausgestellt wird. Darüber hängt, nahe am Gewölbe, die Monomachmütze (Schapka Monom icba) aus Goldstoff mit Hermelinbesatz. Von dieser Mütze hängen breite schwarze, mit Hermelin gefütterte Tuchstreifen bis zum Fußboden herab. Die Estrade ist mit 40 Kronleuchtern umstellt. Das Grab wird auf der rechten Seite des linken Seitenschiffes zwischen den Sarkophagen des Kaisers Alexander II. und der Kaiserin Maria Alexandrowna hergerichtet; — Der Sarg Alexander's 111. Die „Köln. Ztg." meldet aus Petersburg: Der nach Livadia abgesendete Sarg für den verstorbenen Kaiser ist aus Eichenholz, mit gehämmertem Golde überzogen und trägt das Reichswappen aus gediegenem Golde, mit Goldfransen geknüpft. Der Sarg ruht auf goldenen Löwentatzcu, ist innen mit Kupfer aufgelegt und mit weißem Seiden stoff mit Daunen ausgeschlagen. Das Sargtuch ist aus | Goldbrokat mit einer HenneUnborte. Auch der zugehörige Katafalk ist mit Goldbrokat überzogen.
Nokohama, 4. Nov. Nach hier eingelaufenen Nachrichten hat nördlich von Port Arthur ein großes Gefecht stattgefunden. Aus den kurzen dies meldenden Depeschen, die über wichtige Punkte schweigen, geh! hervor, daß die japanische, ven Marschall Oyama befehligte Expedition sich spaltete. Eine Abtheilung landete an der östlichen Küste der schmalen Halbinsel nördlich von Talienwan, die andere erhielt den Befehl, in der Nähe von Kingschow zu landen und sich später mit der ersteren Abtheilung zu vereinigen. Dieses Unternehmen gelang vollständig. Die japanischen TranS portschiffe, die keinem chinesischen Kriegsschiffe begegneten, erreichten Kayenko und landeten daselbst Truppen, Pferde, Kanonen und anderes Kriegsmaterial. Nachdem die japanischen Truppen Kingschow, welches von Mauern umgeben und, wie es scheint von starken chinesischen Truppenmassen besetzt war, erreicht hatten, wurden zuerst die umgebenben Verschanzungen und bald darauf die Stadt selbst nach geringem Widerstände von den Japanern eingenommen. Unterdessen bombarbirde die japanische Kriegsflotte, welche die Transportschiffe begleitet und die Landungsoperationen überwacht hatte, viele Stunden lang Talienwan und Kaknyono. Unter dem Schutze des Artillcricfcncrs wurde sodann Hallen« man angegriffen und eingenommen. Die Depeschen fügen hinzu, daß der Verlust ein schwerer gewesen sei und daß ein weiteres ernstes Seegefecht gestern statt« gefunden habe, über das aber nähere Angaben fehlen.
— 9. Nov. Nach den letzten Nachrichten aus der Mandschurei hat sich die chinesische Armee in die Berge zurückgezogen, wo sie durch Hunger und Kälte schwer leidet. Die japanische Armee lagert bei Fnngwhauchcng, halbwegs zwischen W:ju und Mnkdcn, verfolgt aber die chinesische Truppen nicht. Port Arthur
hoben worden. Jetzt setzt eine eigens zu diesem Zweck gewählte Convention die Verfassung des Staates auf. Dort wissen die Politiker, welchen Einfluß die Frauen haben. Ehe die Convention noch zusammentrat, verpflichteten sich beide politische Parteien, daß die Frauen das Stimmrecht haben sollten. Die Veränderung der Zeiten ist allerdings merkwürdig. Vor wenigen Jahren Jahren Vielweiberei und jetzt politsche Gleichstellung der Männer und Frauen. In Neuseeland haben bie Frauen in diesem Jahre bekanntlich das volle politische Stimmrecht zum ersten Mal ausgeübt. In London besitzen sie es für die Gemcindcwahlcn.
Lokales und Provinzielles.
* Schluchten-, 13. Nov.
* — Der Hülfslehrer am hiesigen Seminar, Herr Paßmann, ist vom 15. d. M. an zum commissarischeu Seminarlehrer am Seminar zn Gütersloh ernannt worden.
— Dem Vernehmen nach wird die Brandstener für das Jahr 1895 auf 16 Pfennig pro 100 Mark Umlage-Kapital festgesetzt werden. Im laufenden Jahre wurden 17 Pfg. bezahlt,
* — 3 'Zu pCt. Landeskrcditkasscn Obligatiocn Serie 16 (weiße) werden durch Vermittlung der Landes- rentcreien zum Kurs von 101 pCt. abgegeben. Die durch den Kauf entstehenden Portokostcn werden nicht mehr von den Käufern, sondern von der Landeskredit- kasse selbst getragen.
— Auf den Märkten ist gegenwärtig Weizen zu 12 Mark der Doppelccntncr zu erhalten. Nach ber Statistik war seit dem Jahre 1610 ber Preis nicht so niedrig.
Aus der Vorderrhön, 6 Nov. In ber bekannten Nußbanm'schen Mordnngclegcnhcit ist es noch nicht gelungen, den ober bie Thäter zu ermittelen. Nur so viel scheint sicher zu sein, daß mehrere Peisoncu belheiligt waren; dagegen ist zweifelhaft, ob ein Raubmord ober ein Racheakt vorliegt, denn bie angeblich geraubte Uhr des Ermordeten hat sich nachträglich am Späteste anf- gefunben und auch von der im Besitze desselben befindlich gewesenen geringen Baarschaft hat nichts gefehlt. Der auffällige Umstand, daß nur das Notizbuch des Nußbaum, welches über alle geschäftlichen Angelegenheiten, außenstehende Forderungen rc genaue Vermerke enthielt, geraubt worden ist, läßt darauf schließen, daß es sich bei der schrecklichen Mordthat lebigl ch um Beiseite- schaffung dieses Buches gehandelt hat.
Hanau, 9. 9ioo. Durch einstürzendes Mauerwerk wurden vier an einem Neubau beschäftige Arbeiter verschüttet. Einer ist sehr schwer, die anderen drei weniger schwer verletzt.
T Cassel, 8. Nov. In der heutigen Sitzung des Proninziallandtags wurde unter Ausschluß der Öffentlichkeit, bie Wahl eines Landesdirektors für die Provinz Hessen Nassau vorgenommen. Sie fiel einstimmig auf den Landesdirektor in Hessen, Herrn von Riedestl. Ferner wurde auf Antrag des Provinzial-Ausschusses, Assessor Scheel akS Landesrath angestellt. In Bezug auf die Bildung von LandwirthschnftSkammeru, wurde dem Anträge der Aulrage der Commission entsprechend beschlossen: 1. sich gegen die Bildung einer Landwirth schaftskammer für bie Provinz Hessen Nassau anS- zusprechen ; 2. bie Bildung einer Landwirthschaftskammer für die einzelnen Regierungsbezirke nur unter der Voraussetzung zu empflDen, daß die Kommnnnl Landtage dieser Bezirke, eine solche wünschen. Dieser Beschluß kommt einer schließHchcn Ablehnung ber Vorlage gleich, da ivcber der eine noch der andere Gommiuiallaiiötag, wie heute schon je st steht, einen derartigen Wunsch zu in Ausdrücke bringen wird. Die Laudivirihschaftskammern in ber Form wie sie von Seiten der Königl. StaatS-