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Erscheint Mittwoch und Samstag. Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

Samstag, dm 10. NovemLcr

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1894.

Deutsches Reich.

Berlin, 6. Nov. Zu Ehren des Bischofs von Fulda Dr. Komp fand gestern Abend beim Kultus- Minister Dr. Bosse ein Diner statt.

DerRcichsanz." veröffentlicht die Ernennung des Fürsten Hohculohe-Langenburg zum Statthalter von Elsaß-Lothringen.

* Die Einfuhr fremden Getreides in das deutsche Zollgebiet ist in diesem Jahre trotz der niedrigen Preise größer als im Vorjahr. Sie betrug nach der amtlichen Statistik: Im Monat September (die in Klammern beigefügten Zahlen sind die des Vorjahres) 983,753 (522,976) Doppclccntncr Weizen, 770,391 (189,342) Doppelcentner Roggen, 222,109 (130,458) Doppelcentner Hafer, 1,085,236 (896,027) Doppel- centner Gerste, 182,940 (161,953) Doppelcentner Raps und Rübsaat, 301,780 (1036,817) Doppclccntncr Mais und Dari. Vom 1. Januar bis Ende September wurden eingeführt 7,982,554 (5,658,634) Doppelcentnr Weizen, 4,428,838 (1,445,258) Doppel- centuer Roggen, 3,185,726 (964,252 Doppclccntncr Hafer, 7,182,589 (5,350,190) Doppelcentner Gerste, 1,089,024 (1,092,267) Doppclccntncr Raps und Rübsaat, 5,337,531 (5,529,160) Doppclccntncr Mais und Darr. Wie gut wäre es, wenn das viele Geld dafür im Lande bleiben würde!

Bei einer am Sonnabend im Reichsgesundheits- amt in Berlin stattgehabten Berathung über das Diphtherie-Heilserum ist betont worden, die praktischen Erfahrungen reichten bis weitem noch nicht aus, um eine allgemeine Einführung unter staatlicher Kontrolle anzubahnen. Die Vertreter Preußens befürworteten die Uebernahme durch den Staat. Die Vertreter der Mehrzahl der süddeutschen Staaten meinten jedoch, daß der Zeitpunkt für ein staatliches Eingreifen noch nicht gekommen sei.

Drcsdcn. Die Sozialdemokraten der Residenzstadt Dresden und deren Umgebung haben die Direktion der bekannten Waldschlößchen-Sozietätsbrauerci durch An­drohung eines Bierboykottsnach berühmten Muster" derartig cingeschüchtert, daß diese ihre Forderungen bezüglich der Brauerei-Arbeiter genehmigt hat. Darauf hat die Garnison-Verwaltung DreSden, die keinen Spaß versteht, den sämmtlichen Militärpersonen den Besuch der Lokale und den Militärbehörden den Bezug des Bieres der Brauerei durch die Kantinen einfach ver­boten. Nun kann sich die Sozietäts-Branerei den Verlust nusrcchnen!

Neustadt a. O., 6. Nov. In dem Konkurs des hiesigen Zicgelcibesitzcrs Weise sind zur Schlußvenheilung 347 Mark verfügbar, wovon 225 Mark für berechtigte Forderungen abgchcn. Es bleiben also 122 Mark für diegewöhnlichen" Forderungen, die eine Summe von 16,319 Mark darstellen. Das nennt manpleite"! Schwelln, 2. Nov. Der auf derWeustc" bei Schwelm wohnende Landwirth H. warf gestern nach dem Ausladen von Dünger die schwere Gabel achtlos in die Ecke. Dabei trafen die Spitzen der Gabel das achtjährige Kind des Bauern, das dort ohne Wissen des Vaters unter Stroh Verstecken spielte, in den Kopf. Nach kurzer Zeit war das Kind todt.

Ansland.

Petersburg, 5. Nov. Nach zuverlässigen Mit­theilungen wird die Beisetzung des Zaren erst am 21. oder 22. November hier stattfinden. -

Rom. Pabst Leo XIII. und der praktische So­zialismus. Die Arbciterfrcundlichkeit des Papstes, der sogar für einenchristlichen Sozialismus" schwärmt, ist allbekannt; trotzdem trüge der heilige Vater die Schuld daran, wenn in diesem Augenblicke 1500 Römische Bauarbeiter brodlos werden sollten. Auf dem Anventin sollte nämlich auf des Papstes Kosten ein Benediktiner-Kloster und Kirche erbaut werden, wofür zwei Millionen ausgesetzt waren. Nun sind aber nicht blos zwei, sondern bereits . . . drei Millionen aus- gcgeben, und einer weiteren Million soll es noch be- bürfen, um das Werk zn Ende zu führen. Unwillig über diese Wirthschaft, erklärte Papst Leo nunmehr, er werde keinen Heller mehr zahlen, die Benediktiner mögen sehen, wie sie selbst fertig werden. Aus diesem nur allzu plausiblen Grunde steht nunmehr die Entlassung der 1500 an dem Riesenbau beschäftigten Arbeiter bevor.

Paris. Die Verhaftung des französischen Kapitäns Drcyfuß wegen Hochverraths wird von der offiziösen Agence Havas" bestätigt. Dieselbe meldet über die Angelegenheit:Ernste Erwägungen haben die vorläufige Verhaftung eines Offiziers ber französischen Armee veranlaßt, welcher verdächtig ist, dem Ausland einige Schriftstücke mitgetheilt zu haben, die zwar wenig wichtig, doch aber vertraulich sind. Die Untersuchung wird mit ber bei Angclegcnseitcn solcher Art angebrachten Diskretion geführt." Nach einer späteren Meldung hat der Kriegsminister in dem am Donnerstag abgchaltcncn Ministcrrath mitgetheilt, daß er den Militärgouvcrncur von Paris beauftragt habe, die Untersuchung gegen den Hauptmann Alfred Drcyfuß vom 14. Artillcrie-Regiment, kommandiert zum Gencralstab der Armee, zu führen, welcher beschuldigt ist, dem Ausland Mittheilungen über geheime Dokumente des Kriegsministeriums verschafft zu haben. Die Pariser Blätter, denen e§ offenbar höchst fatal ist, statt der mit so großem Eifer, aber immer vergeblich gesuchten deutschen Spione einen V-rrälhcr unter den eigenen Offizieren entdeckt zu sehen, äußern sich noch sehr zurückhaltend über die Angelegenheit. Wie derFranks. Ztg." aus Paris geschrieben wird, stammt Drcyfuß aus einer angesehenen israelitischen Familie, ist mit der Tochter des Diamanten- Händlers Hadamand vcrheirathct und Vater zweier Kinder. Drcyfuß ist von Haus aus wohlhabend, er soll aber durch seine Spielleidenschaft zu dem Verbrechen verführt worden sein.

Lokales und Provinzielles.

* Schluchtern, 9. Nov.

* Nächsten Montag findet dahier der sog. Kalte Markt" statt.

* - Nächsten Sonntag wird in ber Gencral- Vcrsammlung der Molkerei ber Platz gewählt, wohin dieselbe gebaut werden soll. Es sind zwei Plätze in Aussicht genommen, einer am Fclscnkellcr und einer vor dem Oberthor nach dem Todtcuhof zn. Der Platz am Fclscnkeller dürfte wohl am meisten Aussicht haben, da er mitten im Verkehr liegt.

* Warnung. Neuerdings kommen auf Kirch- weihcn und auf Jahrmärkten und besonders auch in Vcrkaufslokalcn Zuckcrwanren zum Verkauf, in denen eine aus einer kleinen Stahlzunge bestehende Blasciu- richtung eingefügt ist. Kleinere Kinder verstehen sich selbstredend, wenn man ihnen solche Näschereien reicht, nicht lange aufs Blasen, sondern machen sich gewöhnlich, alsbald aus Vertilgen der Süßigkeit. Dabei kam es in den letzten Tagen wiederholt vor, daß Kinder diese Stahlzungen verschluckt haben. Nicht immer geht dies so leichterdings ab; denn bei einem zweijährigen Kinde blieb kürzlich ein derartiges Stahlzüngelchen im Schlunde stecken, so daß operativ eingefehntten werden mußte. Eltern sollten also ihren Kindern solche Zuckcrwaarcn nicht verabreichen, anderseits sollten aber auch solch' vcrhängnißvolle Eßwaaren überhaupt nicht zum Ver­kauf kommen.

* Das in unserem heutigen Annoncenthcil angckündigteKullmann's große Museum und Panop likum" können wir unsern geehrten Lesern empfehlen, besonders für die Jugend die schöne Märchengruppe. Es möge deshalb Niemand versäumen, einen Besuch daselbst zu machen, das geringe Eutrce ermöglicht cS. Auch für Musikfreunde ist es interessant, denn es spielt ein ganz neues großes Cvnzcrt-Jnstrumcnt mit Gcigcnstimmen.

t. Steinan, 8. Nov. Die erste in dieser Saison auf dem Terrain der Stadt Steinan und zwar im Forstort Ohl abgehaltene Treibjagd lieferte zur Strecke 27 Hasen und eine Schnepfe. Leider entkam ein von Herrn Oekonom Zorn schwer angefdjoffener Fuchs, ber jedenfalls bei der Nachsuche gefunden werden wird. Bei der Nachsuche auf angeschossene Hasen leistete trotz der vielen Dickungen Hcivvrrngcndcs die im ersten Felde arbeitende deutsche Hühnerhündin des Königl. Forstassessor Herrn Kohlhcpp, mit NamenFrick". Jagdkönig war der Königl. Forstaufseher Herr Werner mit 8 Hasen, welche derselbe ohne einen Fehlschuß zur Strecke gebracht hatte. Nach Ausrottung des Raub­zeugs, besonders der Füchse, wird hoffentlich die reizende kleine Jagd noch bessere Resultate liefern.

Salmünster, 5. October. Vor Kurzem berichteten wir, daß zwei in einer Sodener Wirthschaft über­

nachtende Gäste daselbst einen größeren Diebstahl aus führten und am andern Morgen verschwunden waren jedoch in Frankfurt verhaftet wurden. Nunmehr wird bekannt, daß die beiden, welche sich als Banhandwerker aus Frankfurt in das Fremdenbuch eingetragen und bald nach ihrer Ankunft ein Telegramm nach Offenbach auf- gaben, einen Dritten im Bunde in Offenbach hatten, nämlich den Adressaten des betreffenden in Soden anfgcgcbcucn Telegrammes. Derselbe wurde von ber benachrichtigten Polizei in Offenbach beim Auspacken der gestohlenen Sachen der Brautausstattung des betreffenden Sodener Wirthcs abgefaßt und verhaftet. Ein Theil ber Sachen war bereits ins Pfandhaus gewandert. Bald war nun die Polizei im Stande, auch die beiden Diebe in Frankfurt abzufassen. Es waren zwei gefährliche Gauner, von denen einer erst vor wenigen Tagen eine fünfjährige Zuchthausstrafe ver­büßt hatte.

Fulda. Am letzten Samstag, Abends halb 6 Uhr, kehrte die Frau des Hilsswcichcnstcllcrs Volt von Döllbach nach Lütter heim. Als sie sich im Röus- Hausener Jagdbezirk befand, krachte auf einmal ein Schuß und die Frau fühlte die Ladung in ihrem linken Bein sitzen. 17 Schrote »ertheilten sich auf eine handgroße Fläche und drangen tief ein, da der Schuß, wahrscheinlich von einem Wildschützen, aus geringer Entfernung abgegeben worden war. Hoffentlich gelingt es dem eifrig und sehr zielbewußt vorgchenden Bezirks- gendarmen, den Thäter den Armen der Gerechtigkeit zu überliefern.

Cassel, 6. Nov. Aus dem Provinziallandtag. Die erste Sitzung des 6. Provinziallandlages fand heute statt. Die Wahl eines Landesdirectors der Provinz Hessen-Nassau wurde von ber an sich kurzen und unbebeutenben Tagesordnung abgesetzt und zur Vor- berathung, namentlich auch in Bezug auf die Gehalts- frage einer Commission überwiesen. Daß die Wahl auf den jetzigen Landesdircktor in Hessen, Frhr. v. Riedesel fallen wird, kann mit Bestimmtheit voraus­gesagt werden. Dcr Ausschuß zur Vorberalhung des Entwurfs einer Städte- und Landgemeindeordnung für die Provinz hat seine Arbeiten so weit gefördert, daß in Bezug auf die zuerst genannte Gesetzgebung in den nächsten Tagen der Provinziallandtag in Berathung treten wird. Erst im Anschluß hieran gelangt die Landgemeindeorduung zur Vorlage. An den Ver­handlungen des Provinziallandtags nimmt neben dem Herrn Obcrprüsideuten Magdeburg, der Gchcimrath aus dem Ministerium dcs Innern, von Halbcy, als Vertreter dcr Königl. Staatsregierung Theil, soweit sich dieselben auf die beiden genannten Gesctzcsvorlagcn beziehen. Dem Entwurf der Landgcmcindcordnung sind bisher von Seiten der hessischen Abgeordneten wenig Sympathien entgegen gebracht worden, es hat indessen den Anschein, als ob die Königl. Staatsregierung geneigt sei, auf die vorliegenden Abäudcrnngsanträge in Bczicynng auf besonders wichtige ^Bestimmungen, Anträge die eine engere Anlehnung an die Kurhesstsche Gemeindcordnung und eine bessere Wahrung berechtigter Eigenthümlichkeiten dcs früheren Hessenlandcs bezwecken, einzngehen, so daß eine schließliche zustimmende Be­urtheilung beider Entwürfe bcvorstcht.

6. Nov. Der Provinziallandtag beschloß, der Alters- und Juvaliditäts-Anstalt die Hergabe eines Baucapitals von WZart 700,000 an die gemeinnützige Ballgesellschaft in Frankfurt unter städtischer Ziusgarantte zu billigem Zinsfüße zu empfehlen.

Betzicsdorf (bei Marburg), 3. November. Die am Sonntag hier stattgchabte Kirmes sollte leiber nicht be­endigt werden, ohne daß auf den Verlauf derselben durch eine Schlägerei ein trübes Licht fallen sollte. Mit einer Anzahl Burschen kamen die Gebrüder Hein­rich und Johanncs Peter in Streit, ber schließlich zu Thätlichkeiten ausartete, wdbci die beiden Letzteren nicht unerhebliche Verletzungen bnvontrngcii. Heinrich Peter ist gestern an den Folgen seiner Verletzungen gestorben, die Thäter sind noch nicht ermittelt.

Roßdorf (Kreis Kirchhain), 5. Nov. In voriger Woche hatte ein hiesiges Dienstmädchen das Unglück, beim Ausmisteu eines Stalles so unglücklich zur Erde zu stürzen, daß es Gehirnerschütterung und Verletzung des Rückgratcs erlitt, an deren Folgen es bereits ge­storben ist. Zu Falle kam das Mädchen dadurch, daß sich der Haken gelockert hatte und beim Ziehen des