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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

M 86. Samstag, den 27. Oktober 1894,

Deutsches Reich.

Berlin. Aus München, Stuttgart und Karlsruhe sind die Minister der betreffenden Staaten, v. Crails- heim und v. Feilitzsch, sowie Dr. o. Mittnacht und Dr. Nokk, am Mittwoch nach Berlin abgereist. Es heißt, die Minister der Bündesstaaten kämen nach Berlin um mit dein Reichskanzler Maßregelngegen den Um­sturz" zu besprechen, und die ganze parlamentarische Lage, die Fmanzplänc und die dem Reichstag zu machenden Borlagen zu berathen.

Die Mittheilung, daß die Einberufung des Reichstags auf den 22. November in Aussicht genommen sei, hält dieNatinal-Ztg." für sehr unwahrscheinlich, weil am 21. November Bußtag ist und die Eröffnung der parlamentarischen Versammlungen nicht ohne Noth so anberaumt zu werden pflegt, daß die auswärtigen Mitglieder einen Sonntag oder kirchlichen Feiertag zur Reise nach Berlin benutzen müssen.

Breslau. Die Hoffnung auf ein Erlöschen der Cholera hat sich nicht erfüllt, denn am Freitag sind wieder drei Erkrankungen aus dem Kreis Kattowitz und eine aus dem Kreis Pletz gemeldet worden. Nach einer Meldung desHamburger Korrespondenten" ist auch in der Garnison von Elbing die Cholera fest- gestellt worden.

Kiel, 22. Okt. Ueber einen Doppelmord in einem Dörfchen des südlichen Angeln wird berichtet: Der Landmann Hans Callesen hatte vor Kurzem seinen Hof verkauft und beabsichtigte, denselben demnächst zu verlassen. Ende der letzten Woche hatte er größere Geldsummen eingenommen und dieselben in sicherem Gewahrsam in seinem Hause aufbewahrt. In der Sonnabend-Nacht wurden Callesen und sein Dienst­mädchen durch Mörderhand gelobtet, die Schränke erbrochen und die Werthsachen geraubt. Die Leiche des Callesen zeigte Messerstiche, die ins Herz gedrungen waren; dem Dienstmädchen hat der Mörder den Hals fast durchschnitten. Am andern Morgen fand man die Ermordeten blutüberströmt in der Stube. Die Haus­hälterin ist mit dem Leben davongekommen. Dieselbe soll in Folge der Schreckensrufe noch rechtzeitig die Flucht ergriffen, den Abort erreicht und sich dort bis zum Morgen versteckt haben. Der Mörder ist ent­flohen. Die gerichtliche Untersuchung wird eifrig betrieben.

Auf dem Heimweg von Gelscukirchc» nach Buer ist am Sonntag ein Bergmann von einer Schaar Strolche Überfällen, beraubt, mit Messern erstochen und abscheulich verstümmelt worden, während seine Frau nach entsetz­lichen Mißhandlungen bewußtlos auf der Straße liegen geblieben ist. Die Thäter, die nach Angabe der Frau polnische Arbeiter fein sollen, sind noch nicht ermittelt. Bezeichnend für die Sicherheit in dem Bezirk ist der Umstand, daß der Ueberfall sich an einer belebten Chaussee ereignet hat.

Wie aus Bayreuth gemeldet wird, ist es noch nicht gelungen, den Thäter der im Kreis Oderfranken ver­übten zwei Frauenmorde, im Bruderwald bei Bamberg und im Wald bei Pilgramsreuth, ausfindig zu machen. Da beide Verbrechen unter den gleichen Umständen aus- geführt worden sind, liegt die Vermuthung nahe, daß sie einer Person zur Last fallen. Bisher sind alle als der That verdächtig erschienenen Personen wieder in Freiheit gesetzt worden, da sie ihr Alibi haben Nachweisen können. Es ist jedenfalls auffallend, daß in Bauern so viele Morde nicht aufgeklärt werden. Es liegt viel­leicht daran, daß man die Hülfe von Geheimpolizisten verschmäht und sich mit dem begnügt, was die Gen­darmerie ermittelt, falls nicht die aus die Ermittelung der Thäter gesetzten Prämien etwaige Mitwisser zu Verräthern werden lassen.

Ausland.

Rußland. In unterrichteten Kreisen verlautet, daß der Grund zu dem Nierenleiden des Zaren durch die Katastrophe von Borki gelegt ist. Entgegen den damals laneirten Meldungen, daß der Zar unverletzt geblieben, hat derselbe bei dem Unfall so starke Quetschungen ans beiden Körperscilcn erlitten, daß dieselben ganz blau angelaufen waren. Entschieden hat hierbei auch die Niere innere Verletzungen davon getragen. Diese An­nahme gewinnt um so mehr an Wahrscheinlichkeit, als der Zar feit der Katastrophe nie mehr recht gesund gewesen ist, sondern beständig gekränkelt hat.

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 26. Okt.

* Dem Oberförster Hebel in Salmünster ist der TitelForstmeister" verliehen worden.

* Zur Warnung theilen wir Folgendes mit: Agenten des sogen. Vaterländischen Buchverlages von Naumburger in Dresden vertreiben das sogen, patrio­tische PrachtwerkDeutschlands größter Held" mit der Erklärung, daß der gefammte Reinertrag des Pracht- werkes oder doch wenigstens sein größter Theil den bedürftigen Invaliden aus dem Jahre 1870,71 zugute kommen sollte. Das Landrathsamt zu Goslar weist nun in einer Bekanntmachung daraufhin, daß vor einigen Wochen durch ein Urtheil der Strafkammer des Landgerichts in Konstanz i. B. mehrere Vertreibet? des Werkes und Agenten des genannten Naumburger wegen Betruges, begangen beim Vertriebe jenes Pracht- werkes, zu GefängnißsEafen bis zu einem Jahre Der« urtheilt worden sind, und daß dabei thatsächlich fest­gestellt worden ist, daß Naumburger durch Absatz von 20 000 Exemplaren in einem Jahre einen Reingewinn von 120 000 Mark erzielt hat, nicht gerechnet den Verdienst der Reisenden, Prokuristen u. s. w., von denen einer allein 8 bis 10 000 Mark jährlich ver

Ztalicu. Eine Revolution ganz besonderer Art tobt seit nunmehr acht Monaten in dem Dorfe Cantavenna bei Alessandria (Piemom). Der Pfarrer starb und der Bischof ernannte an seiner Stelle einen anderen, der Gemeinde aber nicht genehmen, Geistlichen. Daraufhin formirten die Bürger sich zu einer mit Knütteln und Sensen bewaffneten Bürgergarde, stellten auf allen Straßen Wachposten aus, um die etwaige Invasion des neuen Reverendo sofort gebührend zurückzuweisen und schloffen außerdem die Kirchthüre ab. Acht ganze Monate hindurch verzichteten die hartköpfigen Bauern lieber auf jedweden kirchlichen Beistand bei Taufen, Hochzeiten und Sterbefällen, als daß sie dem neuen Pfarrer Eintritt inS Dorf gewährt hätten. Endlich erschien aber dieser doch, und zwar eskorlirt von Gen­darmen und einem Polizeikommissär, der die geschlossene Kirchthür gewaltsam öffnen ließ und den Pfarrer in sein Amt einführte. Kaum war die Polizei abgezogen, so marschirte die Einwohnerschaft vor die Pfarrei und wollte den geistlichen Herrn lynchen, der sein Heil in schleunigster Flucht suchte. Jetzt kehrten die Gendarmen zum zweiten Male zurück und verhafteten gleich acht Honoratioren des Dorfes. Das Resultat war, daß Abends das Pfarrhaus gestürmt wurde und der Pfarrer um ein Haar beinahe todtgeschlagen worden wäre. Mit Mühe und Noth brächte er sich in Sicherheit, und so ist Cantavenna bis heutigen Tages ohne Seelsorger geblieben.

Rom, 22. Okt. Der Direktor desMoniteur de Rome" und päpstlicher Hausprälat Monseigneur Böglin, ein geborener Elsässcr, wurde verhaftet, eingekerkert und wird heute an die Grenze gebracht. DerMoniteur" hört auf zu erscheinen. Der Grund für diese Maß­nahmen der Regierung ist die unablässige Hetze des Dom französischen Gelde bezahlten Blattes gegen Italien und den Dreibund.

Paris. Man hat hier eine Academie entdeckt, die sich zur Aufgabe gestellt hatte, den Taschendiebstahl in erfolgreicher Weise zu unterrichten. Die Polizei unter­brach eine ihrer Sitzungen durch ihr Erscheinen und führte den Herrn Professor mit seinen sämmtlichen fleißigen Zuhörern (junge Burschen von 1416 Jahren) auf die Polizeiwache ab. Der Bankier Auguste Jean, zugleich ein Börsenmakler, ist mit mindestens einer Million durchgebrannt. Unter den Betrogenen befinden sich seine sämmtliche Burcauangestellten. Da er sich seit letztem Freitag nicht mehr hatte sehen lassen, so schöpfte einer seiner Kunden, ein Biscuilfabrikant, der 240 000 Frcs. bei ihm liegen hatte, Verdacht und benachrichtigte die Polizei. Diese fand bei Oeffnung der Kasse nur 4 Frcs. 15 Cts. vor.

Aus Batavia wird gemeldet, daß ein von starkem Aschenregen begleiteter Ausbruch des in den Preanger- Regentschaften östlich von Garnt gelegenen Vulkans Galunggung stattgcfundcn hat; es sollen mehrere Dörfer in der Gegend von Sangapar vernichtet sein. Der letzte Ausbrnch erfolgte am 12. Oktober 1822, wobei 114 Dörfer vernichtet wurden und mehr als 4000 Menschen umkamen.

diente, von diesem großen Gewinne für die Invaliden aber nur 2060 Mark, also nur 10 Pfennig Dom Exemplar, abgegeben hat.

Hütten, 24. Oktober. Ein Projekt, dessen Durch­führung einem dringenden Bedürfniß des wirthschaft- lichen Wohlergchns einiger Orte im östlichen Theil des hiesigen Kreises entspringt, geht gutem Vernehmen nach endlich seiner Lösung entgegen. Es ist dies der Bau einer Straße von Bahnhof Elm nach Hütten, resp, nach Heubach in der Rhön. Im vorigen Jahre scheiterte das Projekt an dem Kostenanschlag für einen Ueberbau über die Elm-Gemündener Bahnlinie. Nach dein neuen Plan soll die Straße dem Bahnhofskörper entlang über die fragt Bahnlinie zunächst nach Hütten gebaut werden. Die Gemeinde dieses Dorfes hat sich bereit erklärt, den erforderlichen Grundbesitz zur Anlage der Straße anzukaufen, wohingegen der Kommunal- verband die Kosten zum Bau bewilligen wird, die für die 4 km lange Strecke ungefähr 40,000 Mk. betragen werden.... Von Hütten bis Veit-Stcinbach ist bereits eine Straße vorhanden, während von dem letztgenannten Orte nach Heubach der Neubau einer Straße erfor­derlich ist. Ueber demselben dürfen jedoch wohl noch einige Jahre vergehen. Wie von einer Seite verlautet, soll dann auch eine Fahrpost von Bahnhof Elm nach Heubach eingerichtet werden, welcher Ort dann wahr­scheinlich ein Postamt erhält. Möchte zuin Segen der an dem Straßenbau Interesse nehmenden Gemeinden das Werk bald ausgeführt werden.

Fulda, 20. Oktober. Ein hiesiger Familienvater, Ernährer mehrerer unmündiger Kinder, Tagelöhner Joseph Müller, ist infolge von Butvergiftung auf traurige Weise ums Leben gekommen. Dieselbe wurde dadurch herbeigeführt, daß Müller sich beim Tragen farbiger Strümpfe den Fuß wund gerieben hatte. Das Bein schwoll innerhalb eines Tages so rasch an, daß zur Operation geschritten werden mußte. Leider war es nicht möglich, den bedaucrnswerthen Mann Dom Tode zu retten. Gestern ist er seinen schweren Leiden erlegen.

Bacha, 16. Ok. Ein Unglücksfall ereignete sich Abends auf der Straße von Kaltensundheim nach Kaltennordheim dadurch, daß der erst kürzlich vom Militär in die Heimath zurückgekehrte Sohn des Bürgermeisters von Sondhcim v. d. Rhön durch einen Sturz so unglücklich unter einen mit Holz schwer be- ladenen Wagen zu fallen kam, daß ihm beide Beine abgefahren wurden. Der Zustand des jungen Mannes ist bedenklich.

Lützelwig bei Homberg, 21. Oktober. Recht theure Hühner halte der hiesige Ziegelei-Arbeiter H. Kr. in Besitz. Dieselben machten auf der Suche nach Nahrung der nur mangelhaft umfriedeten, unmittelbar am Dorfe gelegenen Wiese des Nachbars öfters einen Besuch. Aus freundnachbarlicher Gesinnung erstattete dieser je­doch in 16 einzelnen Fällen Anzeige, was deren Besitzer eine Strafe von 80 Mark eintritg. Daß unter diesen Umständen der Besitzer seine theuren Hühner, freilich zu spät, verkaufte, ist selbstverständlich.

Wanfried, 23. Okt. Der Regen will in letzter Zeit gar kein Ende nehmen. Unsere schon schwer geprüfte Landwirthschaft leidet sehr darunter. Es kann nicht ausbestcllt werden und die Einerntung der Zucker­rüben und theilweise auch noch der Kartoffeln geht schlecht von statten. Die Noth in der Landwirthschaft hat geradezu einen bedenklichen Grad erreicht. In Folge der vorjährigen Futternoth hat eine Menge Vieh abgeschafft werden müssen. Dieses Jahr war nun die Futterernte reichlich; dagegen sind Roggen, Weizen und Gerste sehr schlecht eingenommen. Die Frucht kostet fast nichts. Erträge aus Viehzucht und Milchwirth­schaft sind wegen Viehmangel nicht zu verzeichnen und die Ausgaben mehren sich von Jahr zu Jahr. Unter dem Mangel an Kaufkraft der ackerbautreibenden Be­völkerung leiden alle übrigen Geschäfte, namentlich die Schmiede, Stellmacher und Sattler. Zu bedauern sind die Leute, die ihre Frucht jetzt zu solchen Preisen los- schlagen müssen, um Geld in die Hände zu bekommen. Während im verflossenen Jahre die Metzger das Vieh zu wahren Spottpreisen kauften, sind die Fleisch­konsumenten wenig von den billigen Viehpreisen gewahr worden. Das Fleisch kostete den alten Preis und ging erst allmählig um 5 Pfg. pro Pfund zurück. Dieses Jahr, wie nur die Viehpreise anzogen, sofort wurden