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SchlüchternerMtung

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

.M 82. Samstag, den 13. Oktober 1894,

iUftdhtttflAtl °"l ^"^ »Schlüchterner Zeitung" piltiliHyi II werden noch fortwährend von allen ---- ~ Postanstalten undLandbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin, 10. Okt. Ueber die nächsten Reisepläne des Kaisers erführt man Folgendes. Samstag Abend reist der Kaiser, wie bereits mitgetheilt, zum Besuch der Kaifciiu Friedrich nach Schloß Friedrichshof ab, begiebt sich Montag von dort nach Darmstadt und am Dienstag nach Wiesbaden, von wo am Abend desselben Tages die Rückfahrt nach Berlin angetreten wird.

- - Der Glaube, daß die Kaiserin bei dem siebenten Mädchen, wie der Kaiser bei dem silbernen Jungen, Pathenstelle aunimmt, ist irrthümlich. Aus Anlaß der vor einiger Zeit erfolgten Geburt des siebenten Mädchens hatte der Restaurateur Dittrich in Weißensee, Große Secstraßc, die Kaiserin um Annahme der Pathcustellc gebeten; am 27. v. Mts. erhielt der Restaurateur aus dem Cabinct der Kaiserin folgendes Schreiben:Ihre Majestät die Kaiserin und Königin befolgen die Regel, Patheustcllen nur bei persönlicher Bekanntschaft mit den Eltern des Täuflings zu übernehmen und bedauern daher, Ihrem Wunsche nicht willfahren zu können. Da. gegen haben Ihre Majestät das beifolgende Geschenk von 30 Mark mit den besten Wünschen für den Täuf­ling Allcrgiiädigst zu bestimmen geruht. Graf Keller."

Der entscheidende Ministcrrath, der sich mit der Frage der Abwehr der Umstnrzbcwcgnngcn beschäftigen soll, wird voraussichtlich erst am nächsten Montag statt; finden, da der preußische Ministerpräsident Graf zu Eulenburg nicht vor Ende der Woche nach Berlin zurückkehrt.

Bei der Audienz, welche der Reichskanzler Graf Caprivi bei Seiner Majestät dem Kaiser in Hubcrtus- stock hatte, wurde ciiitf vollkommene Uebereinstimmung der beiden Männer bezüglich der schwebenden politischen Fragen und der in Ausarbeitung begriffenen sowie dem­nächst in Angriff zu nehmenden Gesetzesvorlagen kon- statirt. Die Stellung des Grafen Caprivi gilt als durchaus gesichert. Hinsichtlich der gegen die Umsturz- beftrebnngen zu thuenden Schulte hielt der Reichskanzler Seiner Majestät Vertrag über den Stand der An­gelegenheit, worauf der Kaiser Seine bezüglichen Ansichten in ihren Grundzügen entwickelte.

DenPol. Nachr." zufolge sind die auf die Reform der Börse bezüglichen Borlagen soweit vor­bereitet, daß die Vorlegung im Reichstage in der be- vorstchendcn Session sicher erwartet werden könne. Die Grundzüge der Vorlagen seien im Reichsamt des Innern festgestellt.

Die vom preußischen Justizministerium ver­öffentlichte Zusammenstellung der von den (preußischen) Gerichten im Jahr 1893 beendeten Zwangsversteige­rungen von Grundstücken ergiebt, daß im Allgemeinen die Zahl der Subhastationen gegen das Vorjahr gestiegen ist, daß die Zunahme aber ausschließlich auf die städtischen Grundstücke entfällt, während sich bei den ländlichen eine nicht unerhebliche Abnahme zeigt.

Bei dem 32. Infanterie-Regiment in Meiningen ist nach einer Meldung desCvbnrger Tageblatts" am 1. Oktober d. J. als Vaterlaudsvertheidiger ein Meininger Stadtkind eingestellt worden, das einen kurzen Fuß hat und hinkt! Der Fall ist um so bc- merkcnswcrthcr, als der betreffende junge Mann als Einjähriger seine Militärzeit abbienen wird. Da Niemand an die Tauglichkeit des jungen Mannes geglaubt hatte, wird der Fall lebhaft besprochen.

Gotha. Noch über dieViolinde", die kürzlich als Mädchenvorname erwähnt worden ist, gehen sicher die Vornamen, die im Jahre 1820 einem kleinen Gothaer in der Taufe gegeben worden sind. Laut Nummer 8 desGothaischen Jntelligcnzblnttcs" vom Jahre ^820 erhielt nämlich ein Knabe die folgenden schönen Tauf- Hamen: Sesostris Gengislom Polingere Montezuma Christophel!

Würzburg, 9. Okt. Der 65jährige AmtSgerichts- sccretär Goll, ein treuer Beamter, versuchte sich in einem Anfall von Geistesstörung im Justizgcbüudc zu erhängen. Er tödtete sich dann durch zehn Stiche in den Unterleib mit einem alten Bajonett. Die Ursache soll Ueber- Niüdung sein.

Mannheim. Gegen die Prcisdrückerci. Mit

Rücksicht "auf die gegenwärtig allerorts laut werdenden Klagen über das die Gewerbetreibenden und Kleinhand- werker schwer schädigende Submissionswesen ist die Nachricht von Interesse, daß man jetzt in Mannheim damit beschäftigt ist, das Submisfionswcscn von Grund aus nmzngcstalteu. Nachdem in den letzten Monaten im hiesigen Bürgerausschnsse wiederholt Klage darüber geführt worden war, daß durch die Vergebung der städtischen Arbeiten an den Mindcstforderudeu eine nicht mehr zu billigende Preisdrückerei ftattfinbe, die dem soliden Geschäftsmanne die Konkurrenz unmöglich mache, wurde eine Kommission ernannt behufs Ausarbeitung von Verbcssernngsvorschlägen. Diese aus Mitgliedern des Stadtrathes, des Bürgerausschusses, sowie der hiesigen gewerblichen Vereinigungen bestehende Kom­mission hat nunmehr dem Stadtrathe folgende Vor­schläge zur Gutheißung unterbeitet:Die Arbeiten bis zu 500 Mk. werden nicht mehr in Submission, sondern in alphabetischer Reihenfolge an die Gewerbetreibenden vergeben zu einem vorher festznsctzcnden Preise. Die Arbeiten von 500 bis 10,000 Mk. werden in Sub- mission an denjenigen vergeben, welcher dem Mittclpreis am nächsten kommt. Dieser Mittclpreis wird dadurch erzielt, daß man die Summen der einzelnen Offerten addirt und das Ergebniß durch die Zahl der Sub- mittenten dividirt. Diejenigen Angaben, welche sich 5 Prozent von den Voranschlägen der städtischen Ban­ämter entfernen, werden ausgeschlossen, um der Gefahr einer ungebührlichen Preistreiberei nach oben zu be­gegnen. Städtische Arbeiten über 10,000 Mk. werden wie bisher an den Mindcstbicicudcn vergeben.

Mühlhanse» (Elsaß), 3. Okt. Kürzlich verunglückte in der hiesigen chemischen Fabrik ein Arbeiter bei einer Explosion. Als man nach einigen Tagen die kochenden Säuren ansschöpfte, in die der Mann gefallen war, war dieser von der ätzenden Flüssigkeit vollständig auf­gelöst, so daß außer einem Stück Laterne, dem Lungen- schoner und einem Maßstabe keinerlei Ueberrefte vorgefunden wurden. Versuche mit Knochen- und Fleischtheilen, die man in die Flüssigkeit legte, zeigten, daß thatsächlich eine solche vollständige Auflösung möglich sei. Nun kommt aber die Verufsgcnosscnschaft und verweigert die Auszahlung der Unfallentschädigung mit dem Hinweise, der Tod des Arbeiters sei nicht festgestellt; derselbe könne sich auch entfernt haben. Es wird nun gegenwärtig, um alle Zweifel zu beheben, die betreffende Flüssigkeit einer chemischen Untersuchung unterzogen, um das Vorhandensein von aufgelösten Mcnscheiiknochen n. s. w. nachzuwcisen.

Ansland.

Petersburg. Der Vertreter desStandard" in Petersburg berichtet aus einer Unterredung mit einer Person, deren Gewährsmann Augen- und Ohrcnzcuge war, folgende Worte des Dr. Sacharjin zum Zaren: Ew. Majestät Krankheit ist unheilbar. Mit Sorgfalt und Aufmerksamkeit kann Ihr Leben einige Monate verlängert werden, aber es ist überflüssig, die Thatsache zu verhehlen, daß keinerlei Heilmittel über eine gewisse Zeit nützen." Nachher bemerkte der Kaiser:Sacharjin sagte mir soeben, daß keine Hoffnung mehr sei." Der Zar war schrecklich angegriffen von der Eröffnung, und alle Anwesenden tadelten des Professors Freimüthigkeit. Im Publikum macht man sich auf's Schlimmste gefaßt. Der Zarewitsch kehrt demnächst in Begleitung des Groß­fürsten Michael nach Petersburg zurück, um im Staals- rath den Vorsitz zu führen und die thatsächliche Regent­schaft außer dem Namen nach zu übernehmen. Jetzt schon laufen beim Zarewitsch die Berichte aus dem Heer ein, sodaß er wahrscheinlich sofort Oberbefehlshaber wird. Professor Leyden soll höchst erstaunt gewesen sein, daß die Krankheit nicht längst entdeckt worden sei. Sie müsse schon zwei Jahre bestanden haben und bei früherer Be­handlung sich ein günstigeres Ergebniß gezeigt haben.

Newyork, 9. Okt. Nach einer Meldung aus Panama ist in Granada in Nicaragua eine Kaserne in die Luft gesprengt worden. Die Zahl der dabei getödtcten Per­sonen wird auf 200 geschätzt.

Lokales und Provinzielles.

* Schluchten«, 12. Okt.

* In der Nacht vom 7. auf den 8. d. M. wurde bei dem Bauer Magnus Bester zu Kautz, Gemeinde Höf und Haid, eingebrochen und sind demselben dabei

gestohlen worden: 25 Mark Baargeld; 2 Buxkiu-Hosen ; 3 Francnhcmden, gez. L. II ; 1 braunes, hellgestreiftes Halstuch; 1 Paar gestrickte Fingerhandschuhe; 1 Stück Speck; 3 Würste; 1 Kuchen und 9 Eier. Die Diebe hatten an der hinteren Seite des Hauses ein Fenster herausgenommen und sind dann durch die Oeffunng in die Küche gestiegen. Von den Thätern fehl« bis jetzt jede Spur.

Das Kammcrgericht hat in höchster Instanz ent­schieden, daß nicht nur staatlich angestellte Forstbeamte, sondern auch Privatforstwärter innerhalb ihres Anffichts- bezirkes das Recht haben, die Vorzeigung des Jagd­scheins zu verlangen.

* Diejenigen, die im Jahre 1895 ein Wander­gewerbe (Hausirgewerbe) zn betreiben beabsichtigen, müssen jetzt den Antrag auf Ausstellung eines Wander­gewerbescheines stellen. Bisher wurden zuweilen Hau- sirer auf bereu Ansuchen Bescheinigungen darüber ertheilt, daß die Hansirer einen Antrag auf Aus­stellung eines Wandel-gewerbescheines ober auf Aus­dehnung eines solchen eingereicht haben. Solche Be­scheinigungen werden von den Polizei- und Gemeinde­behörden nicht mehr ertheilt, da es vorgckommen ist, daß aus Grund deren die Handelsleute, entgegen den Bestimmungen der Gewerbeordnung, ihren Gewerbe­betrieb fortgesetzt haben, oder, nachdem die Person, für welche die Bescheinigung eigentlich ausgestellt worden war, längst den Wandcrgewerbeschciu erhalten hatte, von einem Dritten unter Hinterziehung der Gewerbe­steuer ein selbstständiger Gewerbebetrieb begonnen wurde.

Gnndhclm, 6. Oktbr. Einem längst gefühlten Bedürfniß wird hier durch Gründung einer zweiten Schulstelle abgeholfen. Der jeweilige Lehrer hat zur Zeit 170 Schüler zu unterrichten. Im vorigen Jahre überstieg die Schülerzahl sogar 180, Das neue Schul- Haus befindet sich noch im Rohbau und dürfte erst im Laufe des kommenden Jahres seinem Zwecke dienstbar gemacht werden.

Von« Land, 8. Okt. Städter wie Landbewohner wissen den Werth günstiger Wasserverhältnisse zu schätzen; sie sind für Haushaltung und Viehbestand die erste Lebensbedingung. Es muß darum mit Freuden begrüßt werden, daß viele Ortschaften mit der Anlage von Wasserleitungen Vorgehen. Besonders dadurch wird viel Auslage und Unannehmlichkeit erspart. Darüber könnte manche Hausfrau ihr Lirdchen fingen. Wo also eine solche Anlage möglich ist, sollte man die Kosten nicht scheuen. Sie werden ja unter Umständen für manchen recht schwer, wenn man aber an das Gemeinwohl denkt, so sollte man doch nicht vor ihnen zurückschrecken. Das Bestehen offener Brunnen, sog. Schöpf- ober Ziehbrunnen, muß als ein ganz ungünstiger Umstand bezeichnet werden, weshalb sie auch in den meisten Gegenden immer mehr abnehmen. Da kommt es noch vor, daß jeder den Schöpfeimer selbst stellt, dann wird mit der Reinlichkeit auf den Nächsten nicht immer gebührende Rücksicht ge­nommen und so der kostbarste Schatz der Hanshaltniig unappetitlich gemacht. Dazu kommen nodi die gelegent­lichen Verunreinigungen, von freventlichen wollen wir nicht einmal reden. Wenn wir es immer wüßten, was die dunkle Tiefe birgt! Wenn man aber heutzutage besonders in den Städten für die Wasserverhältnisse so besorgt ist, so muß man auch bei uns auf dem platten Land sich für ein gutes und reinliches Wasser intcrcssiren. Eine kleine Auslage für diese kostbare Gotlesgabe darf man wahrlich nicht scheuen.

Salmiinstcr, 11. Okt. Im Laufe des gestrigen Tages wurden im hiesigen Jagdbezirk 5 Hirsche erlegt und zwar 1 Spießer, 1 Altthier, 2 Sechser und 1 Zehner. Ein Zwölfender wurde gefehlt.

Orb, 10. Okt. Eine Komitee zur Herstellung eines Kriegerdenkmals, welches bei der Feier des 2öjährigen Jubiläums der Schlacht bei Sedan enthüllt werden soll, hat sich gebildet. Zum Vorsitzenden desselben ist Herr Rektor Herchenröder gewählt worden.

Hanau. DieHon. Zig." berichtet über die Schwur- gerichtssitzung vom 9. Okt: Der Bauer und Spczerei- händler Friedrich Seifert II. von Langenselbold ist an­geklagt, am 19. Oktober 1893 vor der Kammer für Handelssachen basier wissentlich einen falschen Eid ge­leistet zu haben. Der Angeklagte befindet sich in Haft und wurde im Laufe der Untersuchung wiederholt ver­anlaßt, seinen Namen zu schreiben, auch sind frühere Handschriften von ihm eiiigezogen worden, die nach dem