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Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf. »^^■■■0MKlSBaeV.«iaransKKWSM3SeiUS3lnWUIZHQ!E^A>UBlB<K#tWRi^>?töMWV«4»wA*>-WAW4/-U^^-'.-ui'''>.«>:'> "' ^>-1 -/--'■ ' <- ■ - ’ ' ' ^" ;<v^ »7^ - "7-,"i.'^^.^-.^^—.-^, -> ^." ^-^ . 1-^. ^. ^»^l-l.^TO^/y,g;j<rT1^^.alp«m.<v^ ^^riy^yMr^[‘nlKJOT^^y^>My>a^^^fllTp[^|i|[^|||l|n|g-aBja)||-|inflrM||ingnMBnrBnMnBWMaBMBMMMIMBMMM
,M 8L Mittwoch, den 10. Oktober 1894.
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IStlbllltttftOtt auf die „Schlüchterner Zeitung" H werden noch fortwährend von allen
- — Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Auf Grund des von dem Kreistag genehmigten Etats der Kreiscommunalcasse pro 1894,95 ist für dieses Etatsjahr ein bis zum 10. November er. zu zahlender Zuschlag von 30 °/0 zur Einkommensteuer und von 15 % zur Grund-, Gebäude- und Gewerbesteuer für die Kreis-Kommunalcasse hier ausgeschrieben, was hici durch zur Kenntniß der Kreis-Eingesessenen mit dem Bemerken gebracht wird, daß der Zuschlag von 30 ü/o auch von den in der Gemcindcstenerliste mit einem Einkommen von über 420 Mk. veranlagten Personen zu zahlen ist.
Schlüchtern, den 5. Oktober 1894.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses: Roth.
Die Vormiuderuttg der Kaufkraft der ländlichen Bevölkerung und der Zug zur Stadt.
Bereits hat eine ganze Reihe deutscher Handelskammern in ihren Jahresberichten betont, daß die Kanfkraft der ländlichen Bevölkerung zurückgegangen sei, und sie haben diese verminderte Kaufkraft der ackerbautreibenden Bevölkerung als Ursache des schlechten Geschäftsganges in Gewerbe und Handel hingestellt. Auch der Jahresbericht der Zittauer Handelskammer kommt als Resultat seiner Betrachtung zu dem Schlüsse, daß als Ursache des allgemeinen Geschäftsrückganges, soweit der inländische Markt in Frage kommt, die verminderte Kaufkraft der ländlichen Bevölkerung anzusehen sei, die trotz der reichen Ernten infolge der sinkenden Getreidepreise und des zeitweiligen Futtermaugels emgetreten sei.
Dies sind indessen nicht die einzigen Ursachen der Kaufkraftverminderung, eine weitere auf die nicht genug aufmerksam gemacht werden kann, ist die in Deutschland seit 20 Jahren charakteristische Erscheinung des Zuges vom Lande zur Stadt, durch welchen der ackerbautreibenden Landbevölkerung die bei den Ernten und den Saatbestellungen so nöthigen Arbeiter häufig entzogen werden, und viele Mühe und erhebliche Kosten auf vorübergehende Gewinnung neuer Arbeitskräfte zu verwenden waren, wodurch natürlich die Produktionskosten nicht unwesentlich sich erhöhten.
Wie beträchtlich aber der Zug vom Lande zur
Stadt sich in den letzten 20 Jahren gestaltet hat, zeigen die nachfolgenden Zahlen, aus denen eine worden sei.
von Jahr zu Jahr zunehmende Landentvülkernng spricht. Im Jahre 1871 war die Vertheilung der Bevölkerung in Deutschland auf Stadt und Land noch ziemlich normal. 14 790 798 Stadtbewohner standen einer Landbevölkerung von 26 219 351 Personen gegenüber, das sind 38,1 Proz. Stadtbevölkerung gegen 63,9 Landbevölkerung der gesummten Personenzahl des Deutschen Reiches. Von 1875 aber ab hat sich die Bcvölkerungsvertheilnng andauernd zu Gunsten der Städte gestaltet, zugleich hat die Stadtbevölkerung in den absoluten Zahlen sich stetig vergrößert, während die Zahl der Landbevölkerung nur eine nicht nennend werthe Zunahme derselben ersehen läßt.
Von 1875 bis 1890 vei schiebt sich das Verhältniß zwischen Stadt- und Landbevölkerung folgendermaßen :
Stadtbevölkerung
Orte von mehr als 2uu0 Einw. 1875 16 657 17 2 = 39,0 Proc. 1880 18 720 530 = 41,4 „ 1885 20 478 777 = 43,7 „ 1890 23 213 229 — 47,0 „
Landbevölkerung Orte unter 2000 Linw.
26 070 188 = 61,0 Proc. 26.513231 = 58,6 „ 26 37 - 927 = 56,3 „ 26 185 241=23,0 „
1871 von der Gesammt-
Während also im Jahre bcvölkerung noch 63,9 Proc. zur Landbevölkerung gehörten, machte 1890 trotz der erheblichen Bevölkerungs- zunahme die Landbevölkerung nur noch 53,0 Proc. der Gesammtbevölkerung aus, und die Stadtbevölkerung war in der gleichen Zeit von 36,1 Proc. auf 47,0 Proc. der Gesammtbevölkerung gewachsen.
Diese BcvölkerungSvcrschiebung aber ist eine durchpuls widernatürliche, und es ist Pflicht, derselben mit ollen Kräften entgegen zu arbeiten, damit unsere land- lvirthschaftlichen Kreise nicht weiter entvölkert werden. Daß bei einem Fortbestehen einer gesteigerten Massen- vuswauderung vom Lande zu den größeren Städten die Kanfkraft der ländlichen Bevölkerung schließlich
| immer tiefer sinken muß ist einleuchtend, und so muß einen Verlust von etwa 50 000 Mk. erlitten, doch sei auch hier der bessernde Hebel nugesetzt werden, um das ein verhältnißmäßig geringer Betrag, und die Spar-
gesundere Verhältnisse in der Landwirthschaft herbei- lasse bleibe nach wie vor sicher fundirt. Auch die übrigen zuführen, zugleich damit auch bem- Handwerk, dem städtischen Fonds seien durch erlittene geringe Verluste Gewerbe, das unter der Verminderung der Kaufkraft ™
der landwirthschafilicheu Bevölkerung gleichfalls zu leiden hat, zu helfen. Der Zittauer Handelskammerbericht hebt hervor, daß unter der verminderten Kaufkraft des Landvolkes besonders zu leiden hatten: die Kürschner, Riemer, Wagenbauer, die Fabriken land- wirthschaftlicher Maschinen, Düngemittelhandlungen und gewisse Zweige der Textilindustrie. Nutzen zogen aus dem Futtermangel der Landwirthschaft: der Futter- mittelhandel, die Maschinenfabriken, soweit sie Futter- zubereitungsmaschinen herstellen, die Fleischerei, (aus reichem Viehangebot) und die Branntweinbrennerei (durch guten Absatz der Schlempe).
Deutsches Reich.
Berlin, 8. Okt. Wie verlautet, wird die kaiserliche Familie auch in diesem Winter einige Wochen in Abbazia zubringen. Der Kaiser wird von dort aus mit dem Schulschiff „Stein" einen Ausflug nach Venedig unternehmen. — Der Kaiser wird an der feierlichen Lcgnng des Schlußsteines zum Reichstagsgebäude thcil- nehmen.
— Befremden erregt die starke Zunahme der Roggencinfuhr in Deutschland. Nachdem die Bezüge ausländischen Roggens bereits im vorausgegangenen Monat (Jnli) einen großen Umfang (823,725TCoppcU centner) erreicht hatte, sind sie im August sogar auf 955,172 Doppelcentner gestiegen. Um die Bedeutung dieser Zahlen zu kennzeichnen, sei bemerkt, daß die Roggeneinsuhr der beiden Monate Juli und August d. I. 103,000 Doppelcentner mehr betragen hat, als die gesummte während der zwölf Monate des Getreide- jahres 1892—93 eingeführte Roggemncngc.
— Vor einer Abtheilung dcs Schöffengerichts am Amtsgericht I. ereignete sich am Donnerstag der seltene Fall, daß ein Angeklagter gezwungen wurde, die Ehrenzeichen, die seine Brust schmückten, abzulegen. Der betreffende Angeklagte war mit noch drei Complicen wegen Hehlerei angeklagt und trug die Bänder der Kricgsdenkmünzen von 1866 und 1870/7 k im Knopfloch Staatsanwalt Streiter beantragte, dem Angeklagten aufzugeben, die Ehrenzeichen abznlegcn,
da derselbe nach Ausweis der Acren im Jahre 1881
da derselbe nach Ausweis der Acren im Jahre 1881 befand sich im andern Wagen. Die Umgebung erzählt mit Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte bestraft | von der fortwährenden Unruhe und Beängstigung des ' 7 Der Angeklagte proteftirte dagegen und, Zaren und seinen raschen unvcrmulhetcn Entschlüssen behauptete, daß er zum Tragen der Ehrenzeichen ■ bezüglich der Reiseziele. Man glaubt, mit Rücksicht berechtigt fei, da er inzwischen wieder in den Besitz i auf die wechselnde Gemüthsstimmung des Herrschers an der Ehrenrechte gelangt sei. Der Vorsitzende bedeutete die Möglichkeit einer baldigen Rückkehr auf derselben ihn aber, daß nach § 33 des Strafgesetzbuches die Route, da die militärische Bedeckung nicht zurückgezogen Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte den dauernden wurde." Der Zar, der vor nicht langer Keit noch sehr
Der Zar, der vor nicht langer Zeit noch sehr Verlust der öffentlichen Aemter, Würden, Titel, Orden corpulent war, ist jetzt sehr abgemagert, so daß er denen, und Ehrenzeichen nach sich ziehe und der Angeklagte l ’ ' " ~
sich des unbefugten Tragens von Ehrenzeichen schuldig machen würde, wenn er solche künftig wieder anlegen sollte
— Eine Untersuchung der Berwerthbarkeit der Wasserkräfte zu gewerblichen Zwecken beabsichtigt die preußische Regierung in einigen Landestheilen verunstalten zu lassen. Die Provinziulansschüsse sind befragt worden, ob die Kosten dieser Untersuchung auf Provinzialfonds übernommen werden könnten.
Brcsla». Ueber eine eigenthümliche Portohinter- ziehung schreibt die „Schlcsische Zeitung": Während in Deutschland eine Postkarte 5 Pfennig kostet, wird sie in Oesterreich für 2 Kreuzer = 3 7z Pfg. verkauft. Daraufhin hat ein deutsches Haus mit einer österreichischen Firma folgendes Geschäft gemacht: Die österreichische Firma kaufte 10000 österreichische Postkarten mit Antwortskarten, trennte die Antwortskarten ab und und sendete sie an das deutsche Geschäft gegen Zahlung von 200 Gulden = 336 Mark. Letzteres Geschäft verwendet diese Karten im Verkehr mit Oesterreich und erzielte dabei einen Gewinn von 100 Gulden = 164 Mark, da es 10,000 deutsche Postkarten mit 500 Mark hätte bezahlen müssen.
Die Bürgerschaft von Duderstadt wurde in letzter Zeit heftig erregt durch Gerüchte über angeblich große Verluste der städtischen Sparkasse. In der letzten Sitzung der städtischen Kollegien hat nun der Bürgermeister über die Angelegenheit Auskunft gegeben. Allerdings habe, so erklärt er, die Sparkasse durch griechische Werthe
bei Werthpapieren nicht erschüttert.
Wesel, 23. Sept. Das „Submissionswesen" hat mal wieder „etwas" geleistet, ^ierfelbft sollten die drei Cantinen der Artillerie verpachtet werden, welche in drei weit auseinander gelegenen Kasernen nutergebracht ist. Früher hatte nun die Pacht 3000 Mk. betragen; heute betrug sie, man höre und staune, 12 300 Mk. (!). Das Pachtgeld muß herausgeschlagen werden; aber wer muß bluten ?
Baden-Baden. Zur Erhaltung der Landestrachten. Auf Wunsch Ihrer Königl. Hoheit der Frau Groß- herzogin wird hier eine Ausstellung eröffnet werden, auf welcher durch Puppen die verschiedenen Trachten des badischen Landes zusammengestellt werden. Diese Puppen sind kleine Kunstwerke; ihre Kleidungen sind in der Carlsruher Kunststickcreischule verfertigt und auf das genaueste den Landestrachten nahgebildet.
Am Sonnabend voriger Woche ist in Wipfeld in Unterfranken das Geburtshaus des Eulogius Schneider, des vielgenannten ehemaligen Bamberger Franziskaners, abgebrannt. Er war im Jahr 1756 geboren und ist am 1. April 1794 in Paris hingerichtet worden. Das Haus, in dem sein Porträt hing, ist viel von Fremden ausgesucht worden.
Ausland.
Rußland. Im Befinden des Zaren soll nach Berichten aus Petersburg eine besorgnißerregende Verschlimmerung etugetreten sein. Die kaiserlichen Dachten „Zatcwna" und „Polarstern", die bereits außer Dienst gestellt waren, haben Segclordre zu beschleunigter Reise nach der Krim erhalten. Zuverlässig verlautet, der Zar fahre nur vorübergehend bis zum Eintreffen der Dachten nach Livadia, sodann reise er für den Winter nach Korfu. - Der Wiener „N. Fr. Pr." ist dagegen aus Brody gemeldet: „Der Zar passirte Montag die Station Zdolbonowo, die militärisch besetzt war. Alle anderen Züge waren suspendirt. Der Aufenthalt dauerte zehn Minuten, während welcher Zeit der Kaiser, dessen Aussehen keineswegs den alarmirenben Gerüchten über seinen Gesundheitszustand entspricht, am Wagenfenster stand, ohne mit Jemanden zu sprechen. Die Kaiserin
die ihn seit der Erkrankung nicht gesehen haben, zu- sammengeschrumpft erscheint. Er hat gar seinen Appetit und leidet an Schlaflosigkeit; er befindet sich fast immer in gereizter Gemüthsstimmung. Er selbst hat wenig Hoffnung auf Genesung. Die Zarin zerfließt oft in Thränen.
Petersburg, 3. Okt. Der Petersburger Korrespondent der „Köln. Zig." bestätigt, daß die Krankheit des Zaren in den letzten Tagen eine ernste Wendung genommen habe. Wie verlautet, solle eine Regentschaft eingesetzt werden. Der Thronfolger solle Regent und ihm der älteste Bruder des Zaren, Großfürst Wladimir, als Berather zugetheilt werden.
Ostasic». Die neueren Nachrichten vom ostasiatischen Kriegsschauplätze rücken, wie die N. A. Z. schreibt, die Gefahr vors Auge, daß mit dem Ausbruch innerer Unruhen in China Leben und Eigenthum der zahlreichen fremden, Kolonien schwer bedroht wird. Zu Beginn der ostasiatischen Wirren war die deutsche Seemacht in den dortigen Gewässern nur durch die Kanonenboote „Iltis" und „Wolf" vertreten. Da dieser Schutz nach Lage der dortigen deutschen Interessen und gegenüber der Schwere der drohenden Verwickelungen unzureichend erscheinen mußte, erhielten sofort die Kreuzer 3. Klasse „Alexandrine", „Arkona" und „Marie" Befehl, sich von den südamerikanischen Gewässern nach den ostasiatischen zu begeben. Sie sind inzwischen in Dokohama ein- getroffen und am 4. d. M nach dem Golf von Petschili abgegangen. Außerdem sollen noch der Kreuzer 4 Klasse