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MüchternerMung

Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

_____ ..........Mittwoch, den 3. Oktober 1894.

S»ftelhtMrt«M af d"Schlüchttrn-I Z-Umg" 53tlltUUliytll werden noch fortwährend von allen ' * ' - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird noch bis gegen Ende dieser Woche in Rominten verweilen mnd sich dann nach Hubertusstock begeben. Am 12. oder !3. Oktober wird der Kaiser wieder im Neuen Palais bei Potsdam eintreffen.

- In den chincsischjapanischen Gewässern befinden sich zur Zeit fünf deutsche Kriegsschiffe, nämlich die 3 Kreuzer 3. KlasseArcona",Alexandrine" und Maria", sowie die beiden Kanonenboote,Wolf" und Iltis". Dahin beerbest sind ferner dieIrene" als Flaggschiff des neu zu bildenden Kreuzer-Geschwaders und der Kreuzer 4. KlasseCormoran". Die beiden letzten Schiffe werden erst ungefähr gegen Ende Januar in den ostasiatischen Gewässern eintreffen. Die Be­satzungen der 7 Schiffe betragen 1336 Mann, die Zahl der Geschütze 60.

30. Sept. 183 Schüler der Oberfeuerwerker- schule (Unteroffiziere und Sergeanten) in Berlin sind gestern durch eine dazu alarmirte Kompagnie eines Garderegiments verhaftet und nach Magdeburg gebracht worden. Die Verhaftung ist wegen Insubordination erfolgt. Sie hatten vor einigen Tagen aus Anlaß eines Examens eine größere Kneiperei in der Kaserne. Der Direktor, Oberst von Stetten, der über den Kasernenhof ging, wurde durch Rufe aus den Fenstern schwer beleidigt. Sofort wurde eine Untersuchung ein- geleitet, über das ganze Korps Arrest verhängt und höheren Orts berichtet. Die Untersuchung schwebte noch, da wurde gestern Nacht 1 Uhr die Feuerwerkschule alarmirt. Beide Jahrgänge traten getrennt an. Dem älteren wurde durch einen Offizier der Allerhöchste Ver- haftsbefchl verlesen und sodann die angegebene Anzahl durch eine Kompagnie des 4. Garderegiments nach dem Bahnhof und mit Extrazng nach Magdeburg gebracht.

Darmstadt, 28. Sept. Es geht das Gerücht von der Verlobung des KönigS Alexander von Serbien mit einer deutschen Prinzessin, einer Verwandten des Hess. Fürsten­hauses. Die Braut soll einer morganatischen Ehe ent­sprossen und ungemcin reich sein. Dann wäre aber­mals ein Religionswechsel im hessischen Hause wahr­scheinlich. Die Zeitungen melden, die Aufhebung der Verlobung des Czarewitsch mit der Prinzessin Alice von Hessen stehe bevor.

München, 22. Sept. In dem Nachlasse eines kürz­lich hier verstorbenen Kaufmanns sollen Wertpapiere im Betrage von 300 000 Mark gefunden worden sein. Hiervon sind Obligationen im Betrag von 80 000 Mk. schon seit 45 Jahren verfallen und der Staat meldet sich mit ' einer Forderung von über 100 000 Mk. für hinterzogene Capitalrentcnstcucr.

Die alte Linde im Hofe der Kaiserburg zu Nürnberg ist verdorrt. Wenn es auch nur Sage ist, daß die ' Linde von der Kaiserin Kunigunde etwa um das Jahr 1020 gepflanzt worden sei, so ist der Baum doch sehr alt gewesen, da er schon im Jahre 1520 alsdie alte Linde im Schloßhof" erwähnt wird, unter der die Schwester Willibald Pirkheimers bei einer Hochzeit flott getanzt hat.

In Hof (Bayern) hat sich der Dampfgerbereibesitzer N. WeidNer das Vergnügen gemacht, eine ganze Elephantenhaut zu gerben, deren Besitzer, ein mächtiges Thier, sie vor 9 Jahren auf dieser Erde zurückließ, als seine Zeit gekommen war. Damals that sie der Gerbermeister in seine Lohgrube, versorgte sie ordnungs­mäßig und dann ging er wieder an feine Arbeit und schuf emsig und redlich 9 Jahre lang. Und jetzt ist sie schön lohgar geworden und hat so die gehegten Erwartungen vollauf erfüllt. Es ist natürlich ein schönes Stück, an Gewicht etwa 20 Zentner schwer. Die Haut hat ihr dunkles Pigment nicht verloren und sieht fast wie die Haut am lebenden Thiere aus. Das Bischen" Haut, die am Rüssel nur kartenblattdick ist, ist durchschnittlich zwei Zoll und an den stärksten Stellen, am Rücken, vielleicht bis zu vier Zoll dick Sie soll in Leipzig ausgestellt und znm Kauf ausgeboten werden.

Aus Thüringen. Am Mittwoch ist an Gcrichtsstelle in Eisleben ein Haus, breiter Weg 3, das mit 13000 Mk. Hypotheken belastet war, für 160 Mk.

verkauft worden! Da die Gerichtskosten 137 Mk. betragen, wird der Darleiher der 1. Hypothek von 8000 Mark etwa 23 Mark erhalten, die übrigen Gläubiger erhalten nichts. Das Haus hat unter den Erderschütterungen erheblich zu leiden gehabt und ist vollkommen zerrissen. Nach den Berichten des Gewerbe-Inspektors für die Regierungsbezirke Merseburg und Erfurt geschieht die Herstellung von Cigarren oft in Räumlichkeiten, welche der Gesundheit und dem Fabrikat äußerst schädlich sein müssen. Danach hat beispielsweise ein schwindsüchtiger Mann, im Bette sitzend, auf einem Brett unter Husten und Ausspeien Cigarren gedreht! In einer Fabrik des Regierungsbezirks Erfurt wurde eine Arbeiterin getroffen, welche mit Ansschlag an der Nase und sonstigen Gesichtstheilen behaftet war. Da der hinzugezogene Kreisphsikus bei derselben Lupus feststelllc und die Uebertragung dieser entsetzlichen Krankheit auf die von der Arbeiterin angefertigten Cigarren nicht für ausgeschlossen hielt, so mußte dieselbe mit Hilfe der Polizeiverwaltung von der Anfertigung von Cigarren ausgeschlossen werden. Es leuchtet ein, daß durch solche Mittheilungen selbst der Genuß der feinsten Havanna ohne Cigarrenspitze einen bedenklichen Beigeschmack erhält.

Kosen, 24. Sept. Ein Gewitter, das am Sonn­abend über der Umgegend sich entlud, brächte uns die seltene Erscheinung einer Wasserhose. Minuten lang drehte sich dieselbe in Form einer Säule spindelartig von oben nach unten und schickte gewaltige Wassermengen zur Erde. Die lehmfarbigen Wassermassen ergossen sich unter rollendem Getöse vom Gebirge herab in die Saale. Die heimgesuchten Felder sind ihres Humusbelags voll­ständig beraubt worden.

Breslau, 1. Oktober. Aus dem Gerichtsgebäude in Beuthen (Oberschlesien) stahlen Diebe den Kassenschrank mit 22,000 Mark, welchen sie aber wegen einer Störung auf der Straße liegen lassen mußten.

Essen, 26. Sept. Auf der Krupp'schen Gußstahl­fabrik ist vor einiger Zeit eine neue Zahlung der Be­amten und Familienangehörigen derselben vorgenommen worden. Das Resultat war Folgendes: Insgesammt wohnten in Kruppschen Wohnhäuser 5731 Beamte und Arbeiter mit 15,587 Familien-Angehörigen, also zu­sammen 21,312 Personen; in eigenen Häusern 701 Beamte und Arbeiter mit 2404 Familien-Angehörigen, zusammen 3105 Personen, und in fremden Micths- Häusern 10,744 Beamte und Arbeiter mit 25,673 Familienangehörigen, zusammen 36,417 Personen. Im Ganzen sind auf der Fabrik beschäftigt 17,177 Beamte und Arbeiter, welche 43,658 Familien-Angehörige zählen, so daß sich die Gesammtzahl der Werkangehörigen mit den Familiengliedern auf 60,834 Seelen beziffert. Dazu kommen ca. 7000 Arbeiter und Beamte, welche in den Krupp'schen auswärtigen Berg-, Hütten- und Eisenwerken beschäftigt sind. Mit dem 1. April 1895 erhält Essen eine Eisenbahn-Direktion, womit ein Zuzug von 500 Beamten verbunden ist.

Saarlonis, 24. Sept. Ein Nachspiel zu der vor­jährigen Futternoth nnsercs Bezirks nahm für die Be- theiligten in der letzten Sitzung des hiesigen Schöffen­gerichts eine erfreuliche Wendung. Mehr als 50 Per­sonen standen unter der Anklage, unberechtigt Laub aus den Waldungen geholt zu haben. Die dieserhalb ver­hängten Strafmandate lauteten auf die Summe von annähernd 8000 Mark. Das Schöffengericht sprach jedoch alle Angeklagten frei.

Aus dem Rheingau, 29. Sept. Die hohen Brod- preise ließen in Hallgarten den Plan entstehen, eine Gemeindebäckerei zu errichten. In Folge dessen haben nunmehr die Bäcker der dortigen Gegend den Preis für das vierpfündige Brod auf 33 Pfennig ermäßigt, während sie seither dafür 50 Pfennige verlangten.

Corbach, 27. September. Der Kaiser soll 40,000 Mark zur Renovation der hiesigen Kilianskirche be­willigt haben.

Ausland.

London. Letzten Sonntag sind mehrere englische Offiziere nach Madagaskar abgereift, um die Howas- armee zu befehligen. Einer dieser Offiziere hat bereits im Jahre 1884 einen Feldzug in Madagaskar gegen Frankreich mitgemacht. DieBirminghamer Post" erklärt von zuständiger Seite aus zu wissen, daß in letzter Zeit von England und dem Kontinent sehr

1 bedeutendes Kriegsmaterial nach Madagaskar abgegangen . sei, darunter 36 Mitrailleusen.

Ostasien. Aus Shanghei wird gemeldet, daß die chinesischen Offiziere sich gegenseitig die Verantworlkich- keit für die Niederlage am Aaluflusse zuzuschieben versuchen. Die Untersuchung dauert fort. Ein Ka, stän ist bereits wegen Feigheit hingerichtct worden. Man glaubt, daß auch andere Offiziere hingerichtet werden. Admiral Ting, der in Port Arthur schwere Anklagen gegen einige seiner Offiziere erhoben hat, erklärte, 7 Schiffe hätten sich während der Schlacht im Daluflnsse versteckt gehalten. DerNewyorker Herald" meldet aus Shanghai, die chinesische Armee im 2)a[ugebict habe revoltirt. Die Soldaten zerschlagen alle Waffen; es herrsche eine unbeschreibliche Panik. In Peking werde die Lage Chinas als verzweifelt angesehen. Die Japaner beabsichtigen, wie man in London wissen will, nichts Geringeres, als eine Zerlegung Chinas in drei selbständige Königreiche, an deren Spitze ein­heimische Herrscher treten. Diese Zerlegung des aller­dings ungebührlich großen Reiches soll, wie der Londoner Bericht sagt, eventuell auf einer von Japan zu be­rufenden Konferenz der europäischen Mächte beschlossen und von Japan dann durchgeführt werden. Die Japaner sollen bereits in die Mandschurei eingerückt und auf dem Marsch nach Peking sein. Einer Depesche des . Newyork Herald" aus Shanghai zufolge ist in der bei Wyu am Ualufluß konzentriten chinesischen Armee eine Meuterei ausgebrochen. Die Soldaten zerstörten ihre Waffen. In Peking herrsche große Panik. Das Telegramm schließt mit der Bemerkung, die Lage der Chinesen sei hoffnungslos.

Bei den furchtbaren Waldbränden in Nordamerika sind nach einer vorläufigen Schätzung, die von Hesse- Wartegg in derVoss. Ztg." giebt, in der ersten "ep- temberwoche über sechzigtausend Quadrat-Kilometer Land von dem feurigen Tod heimgesucht worden, also ein Gebiet an Ausdehnung gleich jenem von Württem­berg, Baden, Sachsen und Hessen zusammen genommen. Die Größe der verheerten Waldungen dürfte jene vom Thüringerwald, dem Harz und Odenwald zusammen- genommen übersteigern

Lokales und Provinzielles.

* Schlächtern, 2. Okt.

* Der Lehrer Kahl aus Krotoschiu ist zum ordentlichen Lehrer am Schullehrer - Seminar zu Schlächtern ernannt worden.

* Der heutigen Nr. liegt der Winterfahrplan bei, worauf hiermit aufmerksam gemacht wird.

* Die silbernen Zwanzigpfennigstücke, über welche für und wider im Publikum lange gestritten worden ist, werden nunmehr thatsächlich aus dem Ver­kehr verschwinden. Die öffentlichen Kassen haben An­weisung erhalten, bei Vereinnahmung dieser Münzen dieselben anzuhalten und nach Berlin einzusendcn.

Der Reichsanzeiger veröffentlicht die Bekann!- machung betr. die Anzeigepflicht für die Schweinesenche, die Schweinepest und den Rothlauf der Schweine.

t. Salmünster, 27. September. Im Laufe voriger Woche schössen zwei auf der hiesigen Oberförsterei sich vorübergehend aufhaltende Forstreferendare, Herr Schulz und Herr Brüning, je einen starken Hirsch, einen Acht­und einen Zehnender, von welchen Letzterer das für hiesige Verhältnisse sehr respektabcle Gewicht von 222 Pfund hatte. Die beiden als her­vorragende Jäger bekannte Herren bedienten sich auf der Pürsch eines sogenannten Elchhundes, welchen sie im vorigen Jahre aus Norwegen, wo sie sich längere Zeit zur Elchjagd aufhielten und eine größere Anzahl recht schwerer Elche erlegten, mitgebracht haben. Die Elchhunde sollen sich vorzüglich zur Jagd auf Noth­wild eignen.

Wüchtcrsbach, 26. Sept. Der Wächterslacher Steingutfabrik in Schlierbach ist mit Gültigkeit vom 1. März 1894 ab ein Patent auf ein Verfahren zur Herstellung von durchbrochenen Körbchen und dcrgl. aus Steingut, Porzellan u. s. w. ertheilt.

Freiensteinau. Der Vogelsberger Höhenklub, welcher bekanntlich in eine Anzahl Zweigvereine, vorwiegend in der Provinz Oberhessen, eingekeilt ist, hat auch einen Zweigverein in New-Aork Diesem Zweigverein gehören eine größere Anzahl Oberhessen, vorzugsweise Schottener, an; sein Interesse an dem Heimathklub bethätigt der