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Erscheint Mittwoch und Samstag — Preis mit „Kreisblatt" vierteljährlich 1 Mk. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf..
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.M 78. Samstag, den 29. September 1894.
Mdlltt1rt™ °uf die „Schlüchlerner Zeitung" KkljtlUUttULN werden noch fortwährend von allen ^ ■ - Postanstalten und Landbriefträgern sowie von der Expedition entgegen genommen.
Deutsches Reich.
Aus Berlin wird von „gut unterrichteter Seite" gemeldet, der Kaiser habe bei seiner Abre se in Thorn auf dem Bahnhöfe zu dem Bürgermeister Kohli geäußert: „Was ich heute gesagt habe, mag wohl beachtet werden; ich kann auch sehr unangenehm werden." — Zum Kaiferbesuch in Thorn, erführt die „Thorner Zeitung" folgende bemerkenswerthe Thatsache!, die nicht ohne Einfluß auf die gegen die Polen gerichteten Worte des Kaisers gewesen ist. Der katholische Ge- sellcnvercin, welcher in Reih und Glied beim Einzüge des Kaisers sich versammelt hatte, entfaltete die polnische Fahne (roth-weiß). Als der Kaiser nahte empfingen ihn die Mitglieder, auch die deutschen, mit polnischen Rufen. Die Polizei, die ihre Augen nicht überall haben kann, muß diese Dreistigkeit übersetzen haben, der Kaiser aber bemerkte sie und schien sehr unangenehm von ihr berührt zu sein. Vielleicht mag diese polnische Herausforderung den Kaiser zu der Rede, die er auf dem Marktplätze hielt, noch bestärkt haben.
— Prinz Heinrich von Preußen ist zum Kommandanten des Panzerschiffes I. Klasse „Wörth" ernannt worden. Er hat den Antritt der Reise nach Schottland verschoben, um zunächst sein neues Schiff kennen zu lernen. Am Mittwoch übernahm Prinz Heinrich das Kommando der „Wörth" und trat sofort an Bord derselben eine mehrstündige Fahrt in See an. — Die Panzerschiffe „König Wilhelm", „Deutschland" und „Friedrich der Große", die seit Jahren dem Manöver- geschwader angehörten, scheiden jetzt dauernd aus den). Verbände aus. Die Kadetten- und Schiffsjungen- schulschisfc „Stein", „Stosch", „Moltke" und „Gneise- nau" treten in diesen Tagen ihre Fahrten nach Westindien bezw. nach dem Mittelmeer an. -
— Der Verband deutscher Gewerbevereine beschloß, eine Petition an den Reichstag zu richten, in der die Annahme eines Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb befürwortet wird, ferner an den Reichskanzler eine Petition um Adänderung des Submissionswesen abzusenden. Der Vorstand wurde mit der Veranstaltung einer Enquete über den gewerblichen Unterricht beantragt. Weitere Beschlüsse verlangen die gesetzliche Sicherung der Forderungen der Bauhandwerker bei Neubauten, s
— Der Kasseler Regierungs-Präsident hat den sämmtlichen Sparkassen des Regierungsbezirks nachstehende Verfügung des Herrn Ministers des Innern zur Kenntnißnahme und Nachachtung zugehen lassen: „Vor einiger Zeit ist auf die Nothwendigkeit hingewiesen worden, die breiten Schichten der Bevölkerung dadurch mehr an regelmäßiges Sparen zu gewöhnen, daß die Sparangelegenheit dem Sparer entgegengehe, indem etwa folgendes Verfahren einzuschlagen sei: Kleinere Sparbeträge in Höhe von 50 Psg., 1, 2 oder 4 Mark werden durch Sparkassenboten allwöchentlich bei den Sparern abgeholt. Die Kassenboten quiltiren über den Empfang der Sparbeträge durch Sparmarken, welche von den Sparern in besondere, 52 Felder enthaltende Sparmarkenbücher eingeklebt werden. Nach Schluß des Jahres werden die während desselben eingezahlten Spareinlagen mit "/io pCt. von der Sparkasse verzinst und die Sparmarkenbücher in Sparkassenbücher umgetauscht, auf welche dann in der bisher üblichen Weise weitere Spareinlagen eingezahlt oder zurück- genommen werden können. Die Durchführung dieser Vorschläge, welche in den Städten ohne größere Schwierigkeit möglich sein wird, erscheint im Interesse der Gewöhnung namentlich der minder bemittelten Volksklassen an regelmäßiges Sparen durchaus wün- schenswerth und würde voraussichtlich auf die Hebung des Sparknsscnwcscns förderlich einwirken. Ew. rc. ersuche ich demgemäß, bei den öffentlichen Sparkassen dortiger Provinz die Schaffung ähnlicher Einrichtungen in Anregung zu bringen und mir nach Jahresfrist zu berichten, inwieweit solche Organisationen in's Leben getreten und welche Erfolge damit erzielt worden sind."
— Nach der neuesten amtlichen Zcitungslistc erscheinen gegenwärtig im Deutschen Reich 10,546 Zeitungen und Zeitschriften. Davon sind 7630 in deutscher Sprache gedruckt gegen 7416 im Jahre 1893
Ausland.
Paris. Das Pariser Fachblatt „La France Mili- taire" berechnet die Gesammtzahl der von Frankreich im Fall eines Krieges aufzustellenden Feldsoldaten auf 2300000, davon 1600000 Mann in erster, 700 000 Mann in zweiter Linie, wobei die Festungsbesatzungen und Depots nicht mitgerechnet wurden. Es werden 7 getrennte Armeen angenommen, nämlich 1) die Nordarmee, 2) die Wcstarmce, 3) die Armee des Centrums, 4) die Ostarmee, von denen die ersten drei zu je 300 000, die letztere zu 400 000 Mann, dann je 100 000 Mann in zweiter Linie, gedacht ist. Diese 4 Armeeen sollen im Seinebecken, erweitert bis zu seiner geologischen Grenze und bis zur Bretagne, Aufstellung finden. Ferner 5) die Saoucarmee, 6) die Rhonearmee und 7) die Garonnearmee, von denen die Rhonearmee jn 400 000 Mann, die anderen beiden zu 300 000 Mann, bei gleichfalls je 100000 Mann in zweiter Linie, gerechnet werden. Die Orte ihrer Aufstellung ergeben sich aus den Namen. — lieber einen interessanten aeronautischen Versuch schreibt man aus Paris: Hier hat man kürzlich einen interessanten Versuch für Kriegszwecke gemacht. Der in Frankreich sehr bekannte Luft- schifser Capuzza stieg in der Nähe des Port Maillot mit einen Bicyclisten und dessen Maschine auf. Die „Generalidee" deS Versuchs war, einen Feind, der Paris
und 2916 in 33 fremden Sprachen gegen 2847 in 32 fremden Sprachen im Jahre 1893.
— 21. Sept. (Steuerhinterziehungen.) Der „Reichsanz." schreibt: „Wie sehr die Einkommensteuer- Veranlagungsbehörden, um eine gleichmäßige und gerechte Veranlagung zu sichern, darauf bedacht sein müssen, auch die auf Grund des Einkommensteuergesetzes abgegebenen Steuererklärungen einer genauen Prüfung zu unterziehen, wird von neuem durch Straffälle bestätigt, welche in jüngster Zeit in den Kreisen der Betheiligken lebhaft besprochen wurden. So ist z. B. in der Provinz Hannover ein Steuerpflichtiger wegen zu niedriger Angabe seines Einkommens von dem Landgericht zu einer Geldstrafe von mehr als Mk. 17,000 eventuell zu entsprechender Freiheitsstrafe verurtheilt worden. Auf die von dem Verurthcilten eingelegte Revision wird das Reichsgericht demnächst Entscheidung zu treffen haben. In der benachbarten Provinz Sachsen ist ein anderer Steuerpflichtiger aus dem gleichen Grunde mit einer Geldstrafe von über Mk. 20,000 belegt worden. Derselbe Hai sowohl diese Strafe, wie die für die Vorjahre aus dem festgestellten höheren Einkommen sich ergebenden, bedeutenden Mehrbeträge an staatlicher Einkommensteuer und an Gemeindesteuer- Zuschlägen ohne Widerspruch bezahlt. In beiden Fällen handelt es sich um Einkommen aus Capital-Vermögen, welches wissentlich, um niedrig veranlagt zu werden, verschwiegen worden ist. Nicht blos das finanzielle Interesse des Staats, sondern auch die Gerechtigkeit gegen die gewissenhaft ihre staatlichen Pflichten erfüllenden Steuerzahler gebietet die uunachsichtliche Verfolgung solcher bewußten Steuerhinterziehungen."
Bremen. Der Nordd. Lloyd hat seine Zwischen- decks-Passagepreise nach den Vereinigten Staaten um 20 Mark herabgesetzt.
Pascwalk, 25. Sept. Der Kürassier, der wie gemeldet, gelegentlich des Brigadeexercicrcns im August hierseblst von einer Lanze durchbohrt wurde, ist von seinen schweren Verletzungen bereits wieder so hergestellt, daß er Spaziergäuge im Lazarethgarten unternehmen kann und voraussichtlich bald als ganz geheilt entlassen werden kann.
Solingen, 22. Sept. „Violinde", das ist die „letzte Neuheit" auf dem Gebiete der Mädchenvornamen, und Solingen darf den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, sie in die Welt gesetzt zu haben. Violindchens Papa soll ein leidenschaftlicher Violinspieler sein, und damit erklärt sich auch der etwas ungewöhnliche Vorname. Indessen braucht man nicht daran zu zweifeln, daß Violinde Schule machen wird. Der musikalische Papa, der Trompete bläst, läßt sein Töchterchen — Trompetinc taufen, der Musiker der gut mit seiner Flöte umzugehen weiß, nennt seine Kleine — Flotulda, und ebenso wohllautend wird klingen „Clarinettchen" oder „Fagottilde" oder aber auch „Pianinchen". Wegen des weiblichen Vornamens können namentlich Musiker nun nicht mehr in Verlegenheit kommen.
umlagert hält, zu überfliegen und dann durch den mittelst Fallschirmes herabzulassenden Vilocipcdisten eine Depesche in entferntere Gegenden überbringen zu lassen. In der Höhe von 1500 m erfolgte der „Erdenflug" des Sportsmen, der auch mit seiner Maschine die Landung glücklich bewirkte und die ihm übergebene Depesche auf's pünktlichste an ihrem Bestimmungsort ablieferte.
Die Arbeitslosigkeit nimmt in Holland erheblich zu. Mehrere Familienväter haben sich sogar aus Noth anwerben lassen um nach Lombock zu gehen. Ihre Kinder überlassen sie der öffentlichen Wohlthätigkeit.
Ostasicn. Nach Shanghaier Drahtnachrichten con= tentrirt der Gouverneur der Mandschurei alle in dieser Provinz mobilistrten Truppen in der Richtung auf Mukden und Wi-Tsju. Die meisten Truppen seien sehr unvollkommen bewaffnet. Die am Naluslusse verschanzte chinesische Streitmacht werde auf 38,000 Mann geschützt. Die Mehrzahl davon seien schlecht bewaffnete Recruten. Die Chinesen sind überzeugt, es müsse eine Entscheidungsschlacht am Aaluflusse stattfinden und strengen alle Hebel an, um die Scharte von Ping- Aang auszuwetzen. Europäische Offiziere bezweifeln, ob Mulden wirklich das Angriffsobject der Japaner sei und glauben, es sei ein Einfall in Nüchwang zur See geplant, da die Eroberung dieses Platzes die chinesische Verbindungslinie Mulden-Peking abschneiden würde. In Peking werde die Stimmung gegen die Fremden sehr bitter. Soldaten behelligten die Leute in den Straßen.
Japan. Eine zweite Feldarmee ist in Hiroschima mobil gemacht; sie besteht aus dreißigtausend, nicht achtzigtausend Mann, wie früher gemeldet wurde. Die Einschiffung begann, nachdem der Kaiser unter der Begeisterung der Bevölkerung die Truppen inspizirt hatte. Die Bestimmung der Truppen wird absolut geheim gehalten. Der Kriegsminister, Graf Oyam, übernahm das Kommando der Expedition, die Anfangs unabhängig von Namagatans Kommando operiren wird, obwohl dieser den Feldzugsplan entworfen hat. Die Transportschiffe werden nach dem Gelben Meer von dem zweiten japanischen Geschwader eskortirt. Die Schiffe des ersten Geschwaders werden sie daselbst erwarten und weiter eskortiren.
Lokales und Provinzielles. * Schlichtern, 28. Sept.
* — Pfarrverweser Flügel in Brauerbach wurde zum Localkaplan zu Marborn bestellt.
* — Au der Aufnahmeprüfung im hiesigen Seminar nehmen 47. Aspiranten Theil, von denen 9 durchfielen. Für die 3. Klasse des hiesigen Lehrerseminars finden nur 25 Zöglinge Aufnahme, so daß die übrigen der Bestandenen einem anderen Seminar unserer Provinz überwiesen werden müssen.
* — Da von vielen Seiten der Wunsch geäußert wurde, mit der Molkerei in Schlichtern auch die Aufstellung einer Dreschmaschine zu verbinden, hat der B ürg erv erei u in der neulich auf Antrag des VcrcinSmitglicdes, Kaufmann Fenner, dicserhalb ein- berufenen Generalversammlung sich mit dieser Angelegenheit beschäftigt nnd einstimmig beschlossen: 1. Die Aufstellung einer Dreschmaschine in Schlächtern ist ein großes Bedürfniß, jedoch müßte auch eine Halle dazu gebaut werden; 2. Zur weiteren Besprechung dicserhalb oll demnächst eine größere Versammlung einberufen werden. Diese Versammlung findet nun, wie aus dem Jnseratcntheil ersichtlich, nächsten Sonntag, den 30. Sept., Nachmittags 3 ’/s Uhr auf dem Felsenkeller statt, worauf hierdurch besonders aufmerksam gemacht wird.
* — Wie es scheint, findet das Turnwesen mehr und mehr Verbreitung im Vogelsberg. Jüngst ist in Roinsthal ein Turnverein gegründet worden, an dessen Spitze thatkräftige junge Männer stehen, die ihre Mili- lärzeit bei der Garde znrückgelegt haben und mit Freuden bereit sind, die Jugend für den Dienst im Heere vor- zuschulen. Es wäre zu wünschen, daß dieses Bestreben Nachahmung fände.
* — Im Dorfe E l m starb vorige Woche ein Bauersmann und wurde am Donnerstag beerdigt. Kaum war er begraben, da hieß es im Dorfe, der Betreffende fei keines natürlichen Todes verstorben, sondern umgebracht worden. Die Behörde erhielt Kenntniß davon und da das Gerücht sehr bestimmt anftrat, so wurde die Leiche