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Erscheint Mittwoch und Samstag Preis mitKretsblatt" vierteljährlich 1 Mk. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pf.

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M 74. Samstag, den 15. September 1894.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Sept. Der Kaiser begab sich Donnerstag früh um 6 Uhr ins Manöver-gelände. Se. Majestät kehrte am Nachmittag aus dem Manöver-gelände nach Schlobitten zurück und reiste um 9 Uhr Abends nach Swinemünde. Die Kaiserin reiste gestern Abend 8 Uhr 40 Min. von Königsberg nach dem Neuen Palais in Potsdam ab.

11. Sept. Der König von Württem­berg, der sich eine leichte Erkältung zugezogen hat, ist aus Schonungsrücksichten dem gestrigen Manöver fern geblieben. Auch der Prinzregent von Braunschweig hat einen starken Bronchialkatarrh, der ihn zwingt, den heutigen und morgigen Manövern fernzubleiben. Sein Zustand ist ganz unbedenklich. Dem König von Württemberg geht es wieder besser; derselbe wird morgen den Manövern wieder beiwohnen.

Der Ahlwardt'scheJudenflintenprozeß" hat nach einer Briefkastennotiz derAntisem. Korresp." wohl an 14,000 Mk. Gerichtskosten verursacht. Ahlwardt zahle monatlich 3 Mk. ab. Dann hätte er, bemerkt dazu die Nationalzeitung" rund 390 Jahre daran zu zahlen und würde auf dieser Erde nicht damit fertig werden.

Eine recht unerfreuliche Nachricht ist aus Deutsch- Ostafrika eingelaufen. DieTimes" melden zuerst aus Sansibar, daß zwei Kanonenboote es sind die deutschen KriegsschiffeSeeadler" undMöve" nach Kilwa abgegangen seien, um dem Fort Hilfe zu bringen, das von den Eingeborenen angegriffen worden sei. Auch Lindi sei bedroht. Mittlerweile hat ein Telegramm des stellvertretenden Gouverneurs aus Dar- es-Saalam bestätigt, daß am 7. d. M. aufrührerische Mawudji einen Ueberfall auf Kilwa gewagt haben, bei dem der Lazarethgehilfe Thelips und vier Askaris auf deutscher Seite verwundet wurden. Die Angreifer wurden nach kurzem Gefecht zurückgeschlagen. Die hinterlistigen Eingeborenen haben also den Moment abgepaßt, wo Oberst von Scheele, der Gouverneur von Deutsch-Ostafrika, mit dem größten Theil der Schutz­truppe auf dem Fcldzuge gegen die Wnhehe sich befindet. Die amtlichen Berichte der letzten Zeit hatten keinerlei Veranlassung gegeben, einen Ueberfall auf die von der Besatzung halb entblößte Colonie zu befürchten.

Dcutsch-Nenguinea. Die 1893er Tabnckernte der Astrolabe-Kompagnie (Deutsch-Neuguinea), über welche vor einiger Zeit ein sehr günstiges Urtheil des Kom­mandanten eines unserer Kriegsschiffe veröffentlicht wurde, der im Dezember v. I. an der Astrolabebai gewesen war, ist inzwischen verschifft worden und zum Theil schon in Europa eingetroffen. Diese erste Partie bestand aus 335 Ballen, etwa 22 000 kg, und macht ungefähr den dritten Theil der ganzen Ernte aus. Vom Reichs- Postdampfer des Norddeutschen LloydPreußen" heran­geführt, wurde sie im Wege der Einschreibung in Amster­dam am 27. Juli zu hohen Preisen verkauft, indem für sämmtliche 335 Ballen nach den Veröffentlichungen der amtlichen Makler ein Durchschnittspreis von etwa 152 Cents, das heißt 2,50 Mark, für das halbe Kilo ge­zahlt wurde. Vergleicht man diesen Preis mit den Preisen der anderen zur Einschreibung gekommenen Ta­bake, welche zumeist beste Sumatratabakc waren, so er- giebt sich, daß unter den 24 Partien Tabak, für welche die Preise bekannt geworden sind, nur acht sich befinden, welche einen höheren Preis als der Nenguinea-Tabak erbrachten. Die 1893er Ernte Neuguinea-Tabak bestätigt daher die Erwartungen, die man nach früheren hegen durfte.

Eine Statistik über die Zahl der Deutschen im Auslande und die der Ausländer im Deutschen Reiche ergibt als Gesammtresultat, daß 3,458,665 Deutsche im Auslande und nur 472,867 Ausländer im Deutschen Reiche leben. Danach ergibt sich für das Reich ein erheblicher Verlust beim Wauderungsverkehr: auf 100 Fortgewan­derte (Deutsche im Auslande) kommen nur 13,7 Zu- gcwandcrte (Ausländer im Deutschen Reich).

Posen. Vor Kurzem brachten wir einen Bericht zum Abdruck, den ein Lehrer in Kurnik an diePos. Ztg." gerichtet hatte. Es wurde darin erzählt, daß gelegentlich eines Schulspazierganges die Deutschen von Polen beleidigt worden seien. Wie nun derDz. Posn." behauptet und wie demB. T." durch eine Zuschrift aus Kurnik bestätigt wird, ist die Darstellung des betr. Brieffchreibers fchies und übertrieben gewesen. That­sächlich hat es sich um einen verhältnißmäßig unbe­deutenden Streit gehandelt, dessen Ursache größten

Theils gerade in dem Verhalten des Lehrers zu suchen sein dürfte.

Hamburg. Auf der Werft desVulkan" in Stettin sind jetzt zwei Dampfer im Bau begriffen, wie sie ähnlich bisher noch nicht in Deutschland hergestellt worden sind. Sie sind für die Hamburg-Amerika-Linie (Hamburg-Amerikanische Packetfahrt Aktien-Gesellschaft) bestimmt. Sie können als Fracht- und als Aus- wandcrungsdampfer dienen, wobei sie 2490 Zwischendeck- und 48 Kajütenreiscnde an Bord nehmen, und endlich können sie von Amerika als Vieh- und Fleischdampfer 400 lebende und das Fleisch von 1000 drüben ge­schlachteten Ochsen herüberschaffen. Die Hamburg- Amerika-Linie will mit diesen beiden Dampfern in Ver­bindung mit zwei ähnlichen aus England bezogenen Schiffen eine regelmäßige Zufuhr billigen und guten Fleisches zu den Mittelpunkten unserer Industrie anbahnen.

Disscn (Hannover), 10. Sept. Ein hiesiger Knecht fand dieser Tage beim Sandholeu in der an der Kreuz- chaussee hinter Wimmern gelegenen Sandgrube, tief im Sande verscharrt, die bereits stark verweste Leiche eines Zigennerweibcs, das man im vollen Kostüm dort ver­scharrt hatte. Man vermuthet, daß man es hier mit dem Opfer einerZigeunerschlacht" zu thun habe. Die Untersuchung hat bisher noch kein greifbares Ergebniß geliefert.

Von der Weser, 6. Sept. Ein schwerer Unglücks- fall hat sich hier in Neumarkt zugetrageu. Der Guts­besitzer und Gemeindevorsteher Feist fuhr Hafer ein und saß auf dem beladenen Wagen, eine Cigarre rauchend. Als ein Bekannter des F. an diesem vorbeifuhr, be­merkte er, daß von dem Wagen Ranch aufstieg und im Nu bräunte das Fuder Hafer über und über. Die erschreckten Pferde rasten davon und der Besitzer stürzte mit solcher Wucht vom Wagen, daß er das Genick brach und auch sofort todt dalag. Der Wagen fuhr an einem Chausseebaume fest und verbrannte sammt dem Getreide. Es gelang nur, die Pferde loszuschneiden.

Kaiserslautern, 6. Sept. Eine unangenehme Ueber- raschung wurde gestern Abend dem Postburcaudiener Herrn Hein zu Theil, als er nach 12 Uhr einen Expreßbrief bei einem in der Parkstraße wohnenden Kassenbeamten abgeben wollte. Auf sein Klopfen an der Thür erschien zuerst Licht im oberen Stock; dies verschwand jedoch wieder und es wurde ein Fenster geöffnet, aus dem auf Hein mehrere Schüsse abgefeuert wurden, die jedoch zum Glück nicht trafen. Herr Hein zog es in Anbetracht der gefährlichen Situation vor, den Brief erst heute früh nach Tagesanbruch zu bestellen. Der Adressat soll einen Einbrecher vermuthet haben, da schon mehrfach Einbruchsversuche bet ihm gemacht worden sind.

Ausland.

Holland. Bei den Gefechten, die die Holländer auf Lombok geliefert haben, sind auf ihrer Seite auch verschiedene Deutsche geblieben. DieDeutsche Wochenztg, in den Niederlanden" veröffentlicht folgende Liste der gefallenen Deutschen: Todt: Die Sergeanten: Christian Gottlob Pfänder, Eßlingen. Friedrich Wilhelm Carl Koch, Neukloster. Hermann Joseph Friedrich Jacobs, Aachen. August Heinrich Wilhelm Becker, Celle. Die Soldaten: Otto Wilhelm Johannes Voß, Güstrow. Wilhelm Brünen, Kempen. Johannes Ernst Carl Wilhelm Bruchhaus, Doemitz. Heinrich Robert Scherf, Ziegenrück. Johann Gottfried Alboeck, Gr. Kuhren. Johannes Aleven, Wchl (Kanonier). Johann Rudolph Nüssen, Lindloh (Kanonier).

Schweiz. Aus Schwyz in der Schweiz wird unterm 8. September gemeldet: Bei den heutigen Gefechts­übungen im Muotathal hat sich das Tessiner Bataillon 96 eigenmächtig vom Kampfplätze gedrückt und die Kantonnements aufgesucht. Die Polizei fahndet nach einzelnen Flüchtlingen. Ein echterWild "park. Von der französisch-schweizerischen Grenze kommt die Meldung, daß die Einwohner von Pergne n. Umgebung seit mehreren Tagen in unbeschreiblicher Panik leben. Infolge einer Feuersbrunst entkamen aus einer dortigen Menagerie 30 wilde Thiere, darunter 2 Löwen, 1 Tiger, 3 Leo­parden. Einem Bauern wurden in einer Nacht 30 Schafe zerrissen. 400 schweizer und französische Schützen sind zur Treibjagd aufgeboten.

Der Große Rath des Schweizer Cantons Nenenburg hat beschlossen, für den ganzen Cauton die unentgeltliche Beerdigung einznführen. Die Gemeinden bezahlen die Kosten mit Ausnahme des Sarges, den die Verwandten oder Freunde des Verstorbenen liefern; indessen kann die Gemeinde auch den Sarg auf ihre Rechnung nehmen. Das Verbrennen der Leiche ist auf Kosten der Familie oder der Freunde und nach ein- geholter Erlaubniß des Gemeinderathes gestattet.

Rußland. In dem Dorf Poganowka, im russischen Gouvernement Samara, ist ein fürchterlicher Massen­mord üorgefommen. Die dortigen Banernwirthe hatten sich gemeinschaftlich einundzwanzig fremde Erntearbeiter gemiethet und, da die Arbeitslöhne erheblich gestiegen waren, verfielen die Arbeitgeber auf den teuflischen Plan, der Lohnauszahlung durch Ermordung der Arbeiter zu entgehen. Während der Mittagsruhe der Arbeiter auf dem Feld wurden sie von den Unmenschen sämmtlich erschlagen. Die Mörder sind bereits verhaftet.

China. Wie dasReutersche Büreau" aus Tient- fin von heute meldet, verlautet in gut unterrichteten chinesischen Kreisen, daß das japanische Kriegsschiff Hiyci" in dem letzten Kampf mit dem chinesischen Schiffe Tschen-Auen so beschädigt wurde, daß esauf der Rückfahrt nach Japan gesunken ist. Vom ostasiatischen Kriegsschauplatz melden dem LondonerCcntral-News" Berichte aus verschiedenen Quellen eine jämmerliche Lage der chinesischen Armee in Nord-Korea. Die Generale sind incompctent, die übrigen Officiere unzufrieden und ent- muthigt, die Truppen erschöpft und niedergeschlagen. Die wenigen Wege sind fortgewaschen. Die Nahrung wird täglich vermindert. Die Koreaner sind zwar hilfsbereit, vermögen aber nicht viel zu liefern. Die Cavallerie ißt ihre aor Hunger krepirenden Ponnies. Die Gerüchte, daß die chinesische Flotte irgend eine Thätigkeit ent­wickelte, sind absurd. Die japanische Blokade Koreas ist so eng, daß nicht das kleinste Boot mit Proviant durch kann. Hunderte von Chinesen sterben Hungers. Die viel besser gerüsteten Japaner, deren Verbindungen offen gehalten werden, trieben ihre Linien so weit vor, daß sie die chinesische Flanke bedrohen. Die Chinesen, vollständig in die Enge getrieben, können weder vor­wärts noch rückwärts. Ihre Stellung droht bei ein­tretendem Winter unhaltbar zu werden.

Amerika. Furchtbare Waldbrände haben sich auch in Kanada, au der Grenze des nördlichen Minnesota, ereignet. Eine ungeheuere Menge Bretter sind ver­brannt. Die Bewohner der Gegend sind obdachlos und viele Menschenleben sind zu Grunde gegangen. Infolge der Waldbrände in Minnesota und Wiökonsin liegen ganz oder theilweise in Asche die folgenden Ort­schaften: In Minnesota ganz: Hinkley, Pokegama, Sandstonc, Miller, Partridge, Cromwell, Curtis, Cnshing und Mission Crcck; theilweise: Finlayson, Mansficld, Rudledge und Milaea. In Wiskonsin ganz: Comstock, Bcnoit, Barronett, Poplar, Marengo, Granite Lake, Spenter, Highbridge, Ashland, Junktion, Fifield, Washburnc, Cartwright, Grantsburg, Turtle Lake und South Range. Die Macht der Flammen hat sich jetzt ausgctobt.

Lokales und Provinzielles.

* Schlüchtern, 14. Sept.

* Herr Gerichtsassessor Strothmann, der längere Zeit Herrn Amtsrichter Zimmermann vertreten hat, ist zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht in Sontra ernannt.

Die Gerichtsferien gehen am Sonnabend, den 15. d. M. zu Ende. Vom Montag, 17. d. M., ab werden die Geschäfte wieder in der durch den Geschäss- plan vorgeschriebenen Weise erledigt.

* In Folge der vorjährigen Futternoth wird es unseren Metzgern nicht leicht, auf dem Land ihre Vieheinkäufe zu machen, da viele Landwirthe mit Rück­sicht auf ihren Heurigen Futterreichthum sich nicht ent­schließen können, Vieh zu verkaufen. Es hat sich des­halb in letzter Zeit ein größerer Schlachtvieh-Import durch Agenten auf den Bahnen gezeigt, wobei natürlich das Vieh erst durch zweite und dritte Hand an den Käufer gebracht und dementsprechend vertheuert wird.

* "7 ®on kundiger Seite erfahren wir, daß die Vorschrift des § 6 der Polizeiverordnung vom 1. Juli 1892 über die Untersuchung des Schlachtviehs noch